Polizei klagt an: Zu wenig Dienstautos

08.06.2012 | 21:27 |  KLAUS STÖGER (Die Presse)

Seit Monaten werden Blaulichtfahrzeuge eingezogen. Innenministerium spricht von „Überhang“ seit der Euro 2008 – Kritiker: „Müssen mit Straßenbahn zu Tatorten zuckeln“.

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Wien. Von Wiener Polizisten ist seit Neuestem zu hören, dass ihnen zu wenig Dienstfahrzeuge zur Verfügung stehen. Auslaufende Leasingverträge würden nicht mehr verlängert. „Autos werden regelmäßig abgezogen, obwohl wir sie brauchen würden“, berichtet ein uniformierter Beamter aus einem Kommissariat der „Presse“.

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Besonders groß ist die Aufregung bei Kriminalisten, die in den Bezirken ihren Dienst versehen. Denn in einigen Kommissariaten sollen dem Vernehmen nach auch Zivilfahrzeuge eingezogen worden sein. „Das geht jetzt schon so weit, dass manche Ermittler aus den Bezirken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu Einvernahmen fahren müssen“, kritisiert ein Fahnder. „Das kann's doch nicht sein, dass wir, bepackt mit unseren Tatortkoffern, mit der Straßenbahn zur Nachbearbeitung eines Einbruchs zuckeln müssen“, empört sich ein anderer.

Ein Gewerkschafter ortet diesbezüglich gleich ein krasses Stadt-Land-Ungleichgewicht: „In ländlichen Gebieten kommen auf eine Inspektion mit mehr als acht Beamten zwei Dienstfahrzeuge, in Wien gibts Inspektionen mit 20 Beamten, die nur ein Auto haben.“

 

Von 872 auf 846 Autos

Auf die Frage, warum in Wien Dienstfahrzeuge nun kontinuierlich eingezogen werden, verweist die Wiener Polizei auf das Innenministerium. Dort wird zwar bestätigt, dass Bezirke seit einigen Monaten Polizeifahrzeuge abgeben müssen, zugleich heißt es aber ein wenig überraschend: „Es gibt in Wien keinen Engpass, sondern mehr Polizeifahrzeuge als noch vor einigen Jahren.“

Laut Karl-Heinz Grundböck, dem Sprecher des Innenministeriums (BMI), hat die ganze Diskussion ihren Ursprung in der Fußballeuropameisterschaft (EM) 2008, die in Österreich und der Schweiz stattgefunden hat. „Für den Polizeieinsatz bei der EM hat man viele neue Fahrzeuge angeschafft. Jetzt laufen die Leasingverträge aus, die Autos werden zurückgegeben“, erklärt Grundböck. In ganz Österreich gibt es, so das BMI, derzeit rund 4800 Fahrzeuge, die auf die Polizei angemeldet sind. Vor der EM 2008 verfügte Wien über 813 Polizeiautos. Nach Ende der EM gab es in der Bundeshauptstadt – bedingt durch die Neuanschaffungen – dann 872 Blaulichtfahrzeuge. „Ein Überhang, den wir jetzt abbauen“, sagt Grundböck. Mit Ende Mai waren in Wien dann 846 Polizeiautos gemeldet – „und somit mehr als vor der Fußball-EM“, so der BMI-Sprecher. Und mehr als vor der EM würden es auch in Zukunft bleiben. Bei welchem Stand man sich einpendeln werde, stehe aber noch nicht ganz fest.

Grundböck sieht in der Diskussion um die Dienstfahrzeuge viel Lärm um nichts: „Wer rasch ein Dienstauto braucht, kann natürlich auf einen bestehenden Pool zurückgreifen. Dennoch muss eines klar sein: Nicht jeder Wiener Polizist hat ein persönliches Recht auf sein eigenes Dienstfahrzeug.“ Zu den Klagen, dass Kriminalisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Einvernahmen fahren müssten, meint Grundböck: „Es ist Aufgabe der Führungskräfte in den Bezirken, die ihnen zugewiesenen Fahrzeuge richtig einzusetzen.“

 

Kottan-Szenen in Inspektion

Abseits der Zahlenspiele um Fahrzeuge sorgt aber auch das angeblich veraltete Büroinventar in mancher Inspektion für Diskussionen unter Polizisten. Besonders Bürosessel seien in einem besonders schlechten Zustand. Vor einigen Wochen soll in einer Inspektion ein Besucher auf einem derartig desolaten Stuhl Platz genommen haben – und mit ihm zusammengebrochen sein. „Was macht denn das bitte für ein Bild?“, ärgert sich ein Beamter.

Replik aus der Polizeidirektion: „Altes Inventar wird regelmäßig erneuert.“

Auf einen Blick

In der Wiener Polizei gibt es seit der Fußballeuropameisterschaft 2008 (bei der auch Wien Spielort war) laut Innenministerium zu viele Fahrzeuge. Da heuer viele Leasingverträge der damals angeschafften Autos enden, werden diese nicht mehr verlängert, die Fahrzeuge eingezogen. Kritiker meinen aber, der derzeitige Stand von 846Dienstfahrzeugen sei zu wenig für Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2012)

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127 Kommentare
 
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Gast: Inspector Columbo
12.08.2012 02:06
0

Nicht jeder Wiener Polizist hat ein persönliches Recht auf sein eigenes Dienstfahrzeug.

„Das geht jetzt schon so weit, dass manche Ermittler aus den Bezirken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu Einvernahmen fahren müssen“, kritisiert ein Fahnder.

Ja, was soll man sagen.

Aber wieso brauchen sie für Einvernahmen ein Auto? Macht man das nicht auf der Dienststelle?

Einsatzfahrzeuge gibts ja offensichtlich mehr als jemals zuvor, wie der Polizeisprecher meint.


Gast: Werner Winzig
15.06.2012 10:01
0

Na und?

Es gibt zu viele, sinnlos spazierenfahrende Polizisten. Da stehen 5 Mann um eine Radarpistole bei einem Einsatz gegen die "bösen Raser" an Stellen, wo es völlig uninteressant ist, ob man dort schneller fährt oder nicht. Man fährt natürlich mit 3 Dienstwagen dorthin. Es geht schließlich ums Inkasso. Geld abpressen ist das Einzige, was in diesem Zerrbild eines Staates noch funktioniert. Die Büttel müssen Geld beschaffen, koste es, was es wolle.
Bei Kriminellen drückt man natürlich beide Augen zu und wenn der rote Mob randaliert wird Leben und Eigentum der Bürger nicht geschützt, während man sich auf die staatsloyalen Bürger stürzt. Es gibt zu viel Polizei in diesem Land, aber das hat einen Grund: Die Politik hat erkannt, daß am Tage des Crashs nur ein paar Polizisten zwischen ihnen und der Laterne stehen. Was aber auch nichts nützen wird, denn Büttel muss man gut bezahlen und behandeln und beides macht das System auch nicht.
Es spricht also nichts dagegen, wenn Polizisten auch mal mit der Straßenbahn fahren müssen, sie werden schließlich vom Volk bezahlt und das Volk muss sparen! Nebenbei hat JEDER Polizist diesen Beruf freiwillig gewählt, kann sich also nicht beklagen. Es gibt genug anständigere Berufe als den des Büttels des Systems!

Fahrrad

wie wäre es mal, mehr mit dem fahrrad auf streife zu gehen?

gut für die umwelt, gut für die gesundheit, schlecht für die fahrradrowdys...

Gast: Kibietz
12.06.2012 20:41
0

Warum solls den Polizisten besser gehen

DEr gemeine Wiener Arbeitnehmer muß ja auch mit den Öffis zur Arbeit und wieder zurück und auch Dienstwege mit den Öffis erledigen.

Nicht mal mit 2000 Fahrzeugen schafft es die Polizei rechtzeitig einen Einbrecher dingfest zu machen weil die Herren immer erst mal ne halbe Stunde brauchen bis sie am Einsatzort sind.

Und wenn man das ganze vorhanderne Buget in die Bürgerüberwachung steckt mit Kameras, Datenbänken, usw. wundert es nicht das an anderen Orten eben gespart werden muß.

Auch unsere Polizei muß schlanker und effizienter werden wie eben der gesamte Staatsapperat.

Gast: Bürger01
12.06.2012 07:41
0

wo schwarz oben ist

hat rot nichts zu melden - 1.Leitsatz der Pröll´schen Mafia .....

Wieso wurde mein Kommentar gelöscht?

War wohl zu diffizil, oder war es deswegen, weil ich das Wort "Surm", aber gar nicht mal gegen die Polizei, verwendet hab?

Gast: k.u.k Feldmarschall
10.06.2012 20:12
2

Das iat ja so katastrohal wie bei den Zeitungszustellern!

Die bekommen auch nicht gratis einen 300SL Mercedes für die Arbeit!
Können also bald die Wiener Polizisten auch nicht mehr gratis mit Blaulixht auf den Badestrand in Kaorle fahren.
Wahnsinn!

Dafür haben die

Verbrecher alle einen tollen Fuhrpark .
Aber wie schon einmal ein Sultan gesagt hat :
Ich lass mir meine Stadt nicht schlecht reden ,Wien ist sicher !!!!

Antworten Gast: xxxx
10.06.2012 20:16
2

Re: Dafür haben die

Tjo! Müsstenm halt nur wie die Autodiebe ein Auto knacken.
Kommt die Polizei ja auch nie dahinter.
Voll easy!

Das wird sicher mit den Dienstautos der Politiker

Nicht passieren.
Außerdem zu Fuß gehen schadet den meist übergewichtigen Beamten sicher nicht.

Gast: Ulirike
10.06.2012 18:53
4

Alternative´n

wie wärs mit Fahrradfahren.........

Gast: dakoarl
10.06.2012 18:16
1

Wird halb so schlimm sein


wenn schon versucht wird jeden verdächtigten Falschparker der zu einer Einvernahme kommt einen DNA Test abzuringen.
Wie viel kostet so ein DNA Test und die dazu nötige Infrastruktur?
Einen Unschuldigen weniger in der Gen-Datenbank, ein Bürosessel mehr. Oder habt's ihr euch gedacht mit Internet/Telefonüberwachung und DNA testen müssen die Kriminalisten nicht mehr raus aus dem Büro?
Naja, wahrscheinlich zuviel 'CSI' gesehen die "Entscheidungsträger".

Gast: schwabbelmensch
10.06.2012 16:59
0

"meistgelesener Artikel"

Laut diepresse.com-Startseite ist dieser Artikel der meistgelesene. Sonderbar...

Gast: Das Geld für neue Autos ist gerade auf dem Weg nach Griechenland
10.06.2012 16:35
6

Da können wir eine lange Liste führen, von was wir in Österreich zu wenig haben:



Ehrliche Politiker

Fähige Politiker

Ehrliche Journalisten

Fähige Generaldirektoren für den ORF

Da machen ein paar Autos für die Polizei das Kraut auch nicht mehr fett.

Ob es an den fehlenden Dienstautos liegt?

Ganz offen sucht die Private Islamische Volksschule Wien, die übrigens vom "Bildungsinstitut" IBIKUZ nach den Grundsätzen des iranischen Mullah-Regimes geführt wird und vom österreichischen Staat als förderwürdig erachtet wird, auf einer vom deutschen Verfassungsschutz beobachteten Islamistenseite nach Lehrpersonal. Alle Infos und Beweise hier: http://redegefahr.com/2012/06/10/ibikuz-sucht-lehrer-auf-islamistenseite-muslim-markt-de/

Naja man beschafft die Fahrzeuge auch unter der Berücksichtigung des Widerverkaufswertes. Ein Dacia z.B. kostet zwar nur um die 10.000 - 15.000 € nur nach 4 Jahren bekommt vielleicht noch 3.000 € beim BMW sieht das anders aus.

Ich weiss nicht wieviel Kilometer darf die Polizei denn maximal mit ihren Autos fahren? Weil mir ist es von anderen staatlichen Behörden bekannt, dass man dort nur max. 36.000 km fahren darf um den Widerverkaufspreis möglichst hoch zu halten.
Nur auch wenn man die Polizei nicht unbedingt mag, so sind sie notwendig und benötigen die Mittel um ihre Arbeit zu machen.
Denn bei 99 % der "Polizei"schikanen handelt es sich eigentlich um "Politik"schikanen. Der Polizist muss sie halt exekutieren, denn schließlich schimpft es sich ja in Österreich Exekutive.

Gast: Blankensteiner Husar
10.06.2012 11:00
6

Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass Polizisten nach Dienstschluss kein Dienstauto hatten und den Einkauf zu Fuss nach Hause gehen mussten

Ungeheuerlich!

Gast: Der Troll
10.06.2012 09:12
4

Alle gegen die Polizei

Also wenn es gegen die Polizei geht wechselt der linke Rand vom Standard Forum ganz schnell zum rechten Rand im Presse Forum. So nach dem Motto .ack schlägt sich, .ack verträgt sich.

Elektro-Solar-Fahrzeuge für die Beamtenschaft wäre auch umweltschonender als Dieselgurken


berittene Polizisten würden auch nicht schlecht ausschauen,

dabei wird kein Sprit vergeudet

Antworten Gast: xxxx
10.06.2012 11:04
6

Re: berittene Polizisten würden auch nicht schlecht ausschauen,

Das gibts schon lange und heißt "Bremer Stadtmusikanten".
Ein Esel auf einem Pferd....

Gast: Klaudia Kardinale
10.06.2012 06:45
6

Ohne das A-Wort zu verwenden

Der Grund, warum Polizisten so beliebt sind, liegt doch darin, dass sie sich aufführen und auch entsprechend so behandelt werden.

Gast: Nörgler
09.06.2012 22:51
7

Dienstwagen

Wenn ich mich erinnere, war da vor einiger Zeit die Rede von der Anschaffung etlicher BMW der Oberklasse als Dienstwagen - natürlich nur für die werten Regierungsmitglieder und deren Erfüllungsgehilfen. Diese Herrschaften benötigen die Dienstwagen - mit Fahrer - sicher weit dringender als die Polizei. Diese muss ja nur schnell am Tatort sein, eventuell Leben retten, Verbrecher festnehmen, ganz einfach Polizeiarbeit machen. Zu unserem Schutz. Aber das ist eben nicht so wichtig. Im Leben sind Prioritäten zu setzen. Und das unsere verehrten Volksvertreter bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge Vorrang haben, steht ja außer jedem Zweifel; Oder?

Gast: elias99
09.06.2012 21:51
6

AUTOWAHNSINN

also nicht böse sein, aber wann haben sie den letzten zu fuss gehenden polizisten angetroffen ? im bürgerkäfig ( = auto ) ist es halt auch für die polizei bequemer. sogar die lieblingsbeschäftigung vieler polizisten ( = radarmessungen an völlig ungefährlichen von feldwegen umrahmten stadtrandstrassen ) wird immer öfter direkt aus dem auto gemacht. also ein paar autos weniger sind bestimmt kein nachteil für die öffentliche sicherheit...

Griechenland und Euro

Danke, nach den vielen Mrd. Transfer gehen die paar Netsch für Fahrzeuge ab (als ob die noch ins Gewicht fielen). Österr. und EU Schwammerlpolitiker.

Gast: Hans Hintermeier
09.06.2012 18:44
6

Neidhammeln und Pharisäer

man muss sich für solche Versager in den div. Foren entschuldigen..
ich betrachte unsere Polizei trotzem in erster Linie als Freund und Helfer
x) im Einsatzfall erwarte ich mir dass die Polizei OHNE administrativen Aufwand sofort zum Einsatort fahren kann
x) es gibt Bezirke zb Transdanubien da spielen die Entfernungen und die genaue Ortskenntnis eine grosse Rolle,jede Minute kann entscheiden(gilt auch für Rettung und Feuerwehr)
x)manche Bürger haben keine Ahnung unter welchen Arbeitsbedingungen die Polizisten(nicht Gottoberen Chefs..) ihren Dienst versehen müssen,ein Besuch in einem Restaurant zwecks Mittagspause?wie geht das?
zuerst denken,denken...
x) natürlich gibt es auch weniger qualifizierte Beamte, und die Bezahlung?das Gefahrenpotential..
komischerweise wird in manchen Nachbarländern(ITA,etc) die Polizei mehr respektiert..

 
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