Lainzer Tunnel: In 22 Minuten nach St. Pölten

Die Bauarbeiten im Lainzer Tunnel sind nach 13 Jahren abgeschlossen. Ab Dezember verläuft der Güter-, ab dem Jahr 2014 der Personenverkehr unterirdisch. Insgesamt kostet der Tunnel 1,3 Milliarden Euro.

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(c) APA (GEORG HOCHMUTH)

Wien/g. b. Ein Großprojekt der Wiener Baugeschichte geht dem Ende zu: Der Lainzer Tunnel, landläufig auch Wildschweintunnel genannt, weil er zu einem kleinen Teil unter dem Lainzer Tiergarten führt, ist nach 13 Jahren Bauzeit fertig. „Die Bauarbeiten sind jetzt abgeschlossen“, sagte ÖBB-Holding-Vorstand Franz Seiser am Donnerstag.
Ab 9. Dezember wird der Güterverkehr zwischen Bahnhof Meidling und Wiener Westeinfahrt unterirdisch geführt – 12,8 Kilometer lang. Und wenn 2014 der Hauptbahnhof  fertiggestellt sein soll, werden auch die Personenzüge mit bis zu 160 km/h unter Hietzing durch den Tunnel rasen.

Bis zur offiziellen Eröffnung im Dezember werden noch technische Feinarbeiten gemacht, Mess- und Testfahrten durchgeführt sowie Schulungen für Triebwagenführer; dazu kommen noch zwei Großübungen mit der Feuerwehr, um die Alarmpläne genauer abstimmen zu können.

Lainzer Tunnel: Fertigstellung nach 13 Jahren Bauzeit



Das Projekt Lainzer Tunnel zeigt aber auch, wie zeitaufwendig ein infrastrukturelles Großprojekt sein kann, zumal in einem dicht besiedelten städtischen Gebiet. Schon Ende der Achtzigerjahre erhielten die ÖBB den ministeriellen Auftrag, eine Hochleistungsstrecke Wien–St. Pölten zu errichten, mit dem Lainzer Tunnel als wichtigem Teil in Wien. In den Neunzigerjahren begannen die Anrainerverfahren, dann das UVP-Verfahren. Parallel dazu liefen Proteste von Bürgerinitiativen, Anrainern und Bezirkspolitikern, die das Projekt verhindern wollten. Zweimal wurden Baubescheide aufgehoben, die mühsam repariert werden mussten.

Der Tunnel ist für eine Nutzungsdauer von 100 bis 150 Jahren ausgelegt, entsprechend auch die technischen Innovationen, die bei dem Projekt angewandt wurden, sagt Vorstand Seiser. Die Schienen laufen nicht auf einem herkömmlichen Gleiskörper, sonder auf Betonplatten. Zur Verhinderung von Schwingungen wurde ein spezielles Dämpfungssystem, das Masse-Feder-System, in die Gleiskörper eingebaut.

Insgesamt kostet der Tunnel 1,3 Mrd. Euro. Er verbindet die Westbahn mit der Südbahn und der Donauländebahn. Der Tunnel ist der letzte Teil der rund 60 Kilometer langen Neubau-Hochleistungsstrecke Wien–St. Pölten, die zur Hälfte in Tunneln – insgesamt acht – verläuft. Eine Fahrt nach Salzburg kann dann in 2 Stunden 22 Minuten absolviert werden, eine Fahrt nach St. Pölten in nur 22 Minuten.

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Ein wesentlicher Kritikpunkt der Tunnelgegner war die Sicherheit. Ein neues mit den Wiener Einsatzkräften ausgearbeitetes Sicherheitskonzept sieht 28 Sicherheitsausstiege (zwischen 17 und 75 Meter tief) mit extrem brandhemmenden Türen, beidseitige Löschwasserleitungen und beleuchtete Handläufe auf den Fluchtwegen vor.

Am Samstag gibt es für alle Interessierten einen Tag der offenen Tür. Bei den Haltestellen Altmannsdorfer Straße, Lainzer Straße und Nikolai-Tor kann man ab 10 Uhr als Besucher einen Blick in den Tunnel werfen.
Infos: www.oebb.at/lainzertunnel

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