Beschneidung: Rabbiner und muslimischen Arzt angezeigt

29.11.2012 | 15:53 |   (DiePresse.com)

Aktivisten gegen "Kirchenprivilegien" wollen das religiöse Ritual in Österreich rechtlich bekämpfen. Sie haben bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

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Gegner der religiösen Beschneidung gehen in Österreich nun rechtlich gegen diese Praxis vor. Sie haben den Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Schlomo Hofmeister, und einen muslimischen Arzt wegen Körperverletzung angezeigt. Die Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien stammt von Aktivisten gegen "Kirchenprivilegien"; ein muslimischer Mann, der in seiner Kindheit beschnitten wurde, hat sich dabei angeschlossen.

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Eingebracht wurde die Sachverhaltsdarstellung Donnerstag früh von der Rechtsanwältin Anja Oberkofler. Sie sieht in der Anzeige den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, da es sich bei Beschneidungen um einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit handelt, ohne dass dies ein medizinischer Grund rechtfertige. Auch eine Einwilligung der Betroffenen gebe es nicht, da diese zum Zeitpunkt der Beschneidung größtenteils minderjährig seien.

Mehr als 1000 religiöse Beschneidungen

Gemeinderabbiner Hofmeister habe man sich für die Anzeige ausgesucht, da dieser selbst zugegeben hätte, mehr als 1000 religiöse Beschneidungen bei männlichen Säuglingen durchgeführt zu haben, begründet die "Initiative Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien". Gegen den bekannten jüdischen Geistlichen ist auch eine weitere Anzeige wegen Verstoßes gegen das Ärztegesetz eingebracht worden.

Der zweite Angezeigte ist praktischer Arzt, der ein Beschneidungszentrum in Wien betreibt und auf rituelle islamische Beschneidung spezialisiert ist. Er ist auch Vorstand in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Gegen ihn soll auch eine Anzeige bei der Disziplinarkommission der Ärztekammer erfolgen.

Die Staatsanwaltschaft konnte den Eingang der Sachverhaltsdarstellung Donnerstagmittag noch nicht bestätigen. Auch bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) und der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) wusste man noch nichts von der Anzeige. Bevor man diese nicht vorliegen habe, werde man sich auch nicht dazu äußern, hieß es auf beiden Seiten.

(APA)

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30 Kommentare
 
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in Deutschland dagegen

in Deutschland sind Grüne, SPD und Linke gegen die Beschneidung:
http://www.youtube.com/watch?v=SJcDi1hqw9g

Was tun gegen Beschneidung? Jetzt ganz einfach!

Wenn Sie nicht wollen, dass zum Zwecke der religiösen Vereinnahmung Kinder weiterhin beschnitten werden, weil sich Religionsgesellschaften dieses Privileg anmaßen, dann haben Sie jetzt die Möglichkeit auch der handlungsunwilligen Politik und Justiz ein Zeichen zu setzen:
Unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien:
www.kirchen-privilegien.at
Sepp Rothwangl

2 0

Aufklärungsseite

hier eine sehr informative Seite:
http://pro-kinderrechte.de/kampagne/
Keine Verantwortliche kann mehr sagen er/sie habe von nichts gewusst! Die Kastrationsangst die bei Beschneidung bei Jugendlichen passiert kann ein Grund für das frauenfeindliche Verhalten sein!

Interessant

Ich finde es interessant, wie sich hier Leute in ein Thema einbringen wollen, dass wahrscheinlich nur maximal 20% hier in diesem Forum tangiert. Wer kein Moslem oder Jude ist kann ja nicht urteilen, ob dies richtig oder falsch sei.
Zu denen, die sagen, wer weiß denn, ob das Kind Jude, Moslem oder Christ werden will dem sage, wer weiß, ob das Kind mit Herzfehler operiert werden will? Also nur gegen Traditionen zu wettern ist etwas schlimmes. Traditionen sollen geprüft und gepflegt werden.

Re: Interessant

Au, au, au ....

Re: Interessant

Wie kommen Sie auf die Idee, dass organisierte Körperverletzung nur 20% tangiert? Außerdem hinkt ihr Vergleich gewaltig: Was hat die Verfolgung von Hirngespinsten mit einer Operation zu tun?

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Die neue religiöse Einigkeit zeigt die grenzen der Demokratie auf!

So sehr sich unsere abrahamitischen Religionen auch unterscheiden, so sind sie sich doch einig, wenn es darum geht, die Mitgliedschaft ihren zukünftigebn Mitgliedern zwangsweise verpassen zu können. Und so haben Christen und Muslime nichts dagegen, wenn im 21. Jahrhundert, 300 Jahre nach dem Beginn der Aufklärung, archaiische Rituale, die allen Menschrechten Hohn sprechen, gesetetzlich festgeschrieben und erlaubt werden.
Ein derart zurückgerichtetes in die Vergangenheit von Aberglauben und Theokratie u dergleichen mehr weisendes Vorhaben ist einzigartig. Her siehr man deutlich, wie die Demokratie an ihre Grenzen stößt.

Zur Beschneidungs Debatte

Was in dem ganzen Palaver über die Beschneidung fehlt
[Hier das Archiv für die ganze Debatte, auch jetzt in der USA,
http://analytic-comments.blogspot.com/2012/08/the-circumcision-debate-links-and.html" target="_blank">http://analytic-comments.blogspot.com/2012/08/the-circumcision-debate-links-and.html ]
ist die archäologische Dimension. Woher stammt der Brauch der dem der Weiblichen
Beschneidung/ Verstümmlung gleicht in dem er die selben Nerven durchschneidet? Weder der Ritus noch der Brauch sind nur in Abrahmistischen Religionen vorzufinden, nur eben das identitätsstiftenden, aus Trotz einer alter Macht gegenuber.


Warum wird jemand wie Professor Michael Wolffsohn nicht ueber andere Juedischen Ansichten befragt?,
http://analytic-comments.blogspot.com/2012/10/michael-wolffsohns-foreskin-of-heart.html
" target="_blank">http://analytic-comments.blogspot.com/2012/10/michael-wolffsohns-foreskin-of-heart.html


http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article108847257/Die-Vorhaut-des-Herzens.html
" target="_blank">http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article108847257/Die-Vorhaut-des-Herzens.html


http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-zur-beschneidungsdebatte-danke-deutschland/7160872.html
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Die Skepsis der Pädiater
Unausgegoren, katastrophal - die Kritik der Pädiater am Gesetzentwurf zur Beschneidung ist eindeutig. Sie sehen die UN-Kinderrechtskonvention verletzt - und das Gesetz quasi schon zur Verhan dlung in Karlsruhe.

Das geplante bundesdeutsche Gesetz

zur religiös motivierten Beschneidung ist ein schizophrener Text.

Selbst wenn man berücksichtigt, daß es eine steigende

und teilweise auch übertriebene Tendenz zum Argument Selbstbestimmung der Kinder ( egal welchen Alters und Urteilungsvermögens ) gibt, so erwecken manche der in diesem Forum vorgebrachten Argumente PRO den Eindruck nur Vorwände zu sein. Vorwände hinter denen sich Unverständnis für religiöse Traditionen ( bis zu 3000 Jahren alte ) ja, die Religionen bzw. deren Tolerierung selbst verbergen. Und die gar auch als Generalkritik bzw. Ablehnung von Religionen generell oder unkritisch aber willkommen pauschal - selbst ohne sachliche Argumente - herhalten müssten.

Re: Selbst wenn man berücksichtigt, daß es eine steigende

leichte körperverletzung auf verlangen-auch ohne mediz.indikation-soll natürlich straffrei bleiben;
zustimmen können sie aber erst ab 14(bin nicht sicher,ob altersgrenze nict höher liegen sollte-siehe piercings...)!

Vorbildfunktion für Deutschland.

Frau Merkel kriegt jetzt vorgelebt: Wir wären nicht die einzige "Komikernation".

Ohne Spaß: Die religiöse Beschneidung minderjähriger Knaben ist und bleibt ein krankes, pädophiles, steinzeitliches Drecksritual. Es ist einer aufgeklärten Nation nicht würdig, einen solchen Mist zu dulden.

Zur Religion: In einer deutschen Leserbriefspalte wurde auf den Unterschied zwischen Judenrechten und Jungenrechten verwiesen. Und weder gibt es gesonderte "Judenrechte", noch umfassen die die Beschneidung von Jungenrechten.

(BTW: Deutsche und Österreicher haben ja bisweilen Probleme mit wechselseitiger Importware. Meines Wissens stammt Schlomo Hofmeister aus München, fragen Sie bitte bei Minister Rösler nach, der gewährt Ihnen sicher ein Rückgaberecht.)

5 1

Gefahren

Achtung Beschneidung von Kindern führt zur Frauenverachtung!

Re: Gefahren?

Rituelle Beschneidung ist Menschenverachtung.

8 0

Buben in Ruhe lassen

die relgiösen Männer sollen endlich die Geschlechtsteile der Buben in Ruhe lassen. Es muss endlich Schluss sein mit der Körperverletzung. Das Internet ist voll mit den Problemen und Gefahren der Beschneidung. Manche leiden lebenslang darunter verstümmelt worden zu sein und können keinen für Frauen befriedigenden GV vollziehen. Das orientalische Machotum kommt von dieser Kastraktionsangst, weil ja die mosl Buben im Jugendalter bei vollem Bewusstsein beschnitten werden!

Wenn Gott gewollt hätte, dass ein männliches Kind ohne Vorhaut geboren wird, hätte er das einrichten können.

Nur den Muslims und den Juden (beide verwandt, Semiten) will das nicht in ihre Kopferl.


Re: Wenn Gott gewollt hätte, dass ein männliches Kind ohne Vorhaut geboren wird, hätte er das einrichten können.

Auch Christen in Äthiopien, Eriträa, Sudan und Ägypten (deren Kopten sich langsam davon abwenden).

Re: Wenn Gott gewollt hätte, dass ein männliches Kind ohne Vorhaut geboren wird, hätte er das einrichten können.

ich verweise auf den Blinddarm, Kurzsichtigkeit, etc.

Re: Re: Wenn Gott gewollt hätte, dass ein männliches Kind ohne Vorhaut geboren wird, hätte er das einrichten können.

Weder am Blinddarm noch an der Kurzsichtigkeit wir aber aus religiösen Motiven herumgedoktert.

4 18

Es macht zumindest den Eindruck

als ob Probleme geschaffen werden sollen, wo keine sind. Wenn es Muslime, Juden oder deren Angehörige wären, die sich gegen diesen Eingriff auflehnen, würde mir die Aktion plausibler erscheinen. So ist es eine gegen anerkannte Religionsgemeinschaften gerichtete Aktion. Wenn es in Österreich verboten sein sollte Beschneidungen durchzuführen, wird man das eben im Ausland tun wo es erlaubt ist, oder, was zu befürchten ist, wird man es im "Pfusch" erledigen.

18 2

Re: Es macht zumindest den Eindruck

Nur zu Ihrer Information: In Israel gibt es eine gar nicht so kleine Bewegung, die gegen eine Beschneidung kämpft. Die Mitglieder sind übrigens Juden.

sehr gut, ...

... und sehr vernünftig aufgebaut, denn das anliegen hat ja nichts mit antisemitismus oder ähnlichem zu tun. die betroffenen kleriker werden auch mit augenmaß damit umgehen, rechne ich. jetzt ist die justiz gezwungen, farbe zu bekennen. auch wenn das nicht anders aussehen wird wie in deutschland. aber auch diese feststellung ist wichtig. zusätzlich hätte sich österreich auch gegen die beschneidung von mädchen international auszusprechen, aber sich irgendwie für menschenrechte einzusetzen sind "wir" ja viel zu feig.

Re: sehr gut, ...

nein, österreich ist nicht feige,österreich ist "immerwährend neutral".

Vielleicht darf auch ein Kind bald

nicht mehr ohne dessen ausdrückliche Zustimmung prophylaktisch geimpft werden.

Re: Vielleicht darf auch ein Kind bald

Impfen ist, sofern keine Nebenwirkungen auftreten, kein (permanenter) Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Außer das kleine Loch bleibt aus unerklärlichen Gründen für immer offen...

Ich bin schwerst für sarkastische Vergleiche, sofern sie auch gut sind, aber der war ja sowas von schlecht und unüberlegt dass einem die Tränen kommen.

Re: Re: Vielleicht darf auch ein Kind bald

grüsse nach blumau-neurisshof(falls sies'sind,h.s.)

 
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