Beschneidung: Rabbiner und muslimischen Arzt angezeigt

Aktivisten gegen "Kirchenprivilegien" wollen das religiöse Ritual in Österreich rechtlich bekämpfen. Sie haben bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

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Symbolbild – (c) APA BEA KALLOS EPA (BEA KALLOS EPA)

Gegner der religiösen Beschneidung gehen in Österreich nun rechtlich gegen diese Praxis vor. Sie haben den Gemeinderabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Schlomo Hofmeister, und einen muslimischen Arzt wegen Körperverletzung angezeigt. Die Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien stammt von Aktivisten gegen "Kirchenprivilegien"; ein muslimischer Mann, der in seiner Kindheit beschnitten wurde, hat sich dabei angeschlossen.

Eingebracht wurde die Sachverhaltsdarstellung Donnerstag früh von der Rechtsanwältin Anja Oberkofler. Sie sieht in der Anzeige den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, da es sich bei Beschneidungen um einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit handelt, ohne dass dies ein medizinischer Grund rechtfertige. Auch eine Einwilligung der Betroffenen gebe es nicht, da diese zum Zeitpunkt der Beschneidung größtenteils minderjährig seien.

Mehr als 1000 religiöse Beschneidungen

Gemeinderabbiner Hofmeister habe man sich für die Anzeige ausgesucht, da dieser selbst zugegeben hätte, mehr als 1000 religiöse Beschneidungen bei männlichen Säuglingen durchgeführt zu haben, begründet die "Initiative Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien". Gegen den bekannten jüdischen Geistlichen ist auch eine weitere Anzeige wegen Verstoßes gegen das Ärztegesetz eingebracht worden.

Der zweite Angezeigte ist praktischer Arzt, der ein Beschneidungszentrum in Wien betreibt und auf rituelle islamische Beschneidung spezialisiert ist. Er ist auch Vorstand in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Gegen ihn soll auch eine Anzeige bei der Disziplinarkommission der Ärztekammer erfolgen.

Die Staatsanwaltschaft konnte den Eingang der Sachverhaltsdarstellung Donnerstagmittag noch nicht bestätigen. Auch bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) und der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) wusste man noch nichts von der Anzeige. Bevor man diese nicht vorliegen habe, werde man sich auch nicht dazu äußern, hieß es auf beiden Seiten.

(APA)

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