Problemfall Kirche, aber: Glaube wird wichtiger

23.12.2012 | 17:38 |   (Die Presse)

Die Bevölkerungsgruppen mit der stärksten Bindung zur Kirche schrumpfen. Aber selbst junge und modern eingestellte Milieus wären noch erreichbar. Die Studie zeigt eine „Verbuntung“ des Glaubens.

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[Wien/cim]. Kaum eine Zeit, in der religiöse Symbole Hochkonjunktur feiern wie im Advent und besonders heute, am Heiligen Abend. Obwohl stets von der säkularen, einer gottvergessenen Gesellschaft die Rede ist, glauben beachtlich viele Menschen an Gott. Glaube bleibt ein wichtiger Teil des Lebens der Österreicher. Das geht aus einer Studie hervor, für die die Sozialforscher von GfK gemeinsam mit dem Pastoraltheologen Paul Zulehner pünktlich zu Weihnachten die Religiosität der Österreicher erforscht haben.

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Zulehners Schluss: „Es ist schon schwer, Gott herzuglauben. Noch schwerer ist es aber, Gott wegzuglauben. Das Einfachste scheint heute daher vielen zu sein, gar nicht zu glauben. Gott und das alltägliche Leben zu trennen.“

Zwischen 1988 und 2012 hat der Anteil jener Befragten, die der Aussage „Ich lebe im Hier und Jetzt und kann daher nicht an Gott glauben“ zustimmen, klar zugenommen. Aktuell tun das 28 Prozent, 2007 waren es 22 Prozent, 1988 erst 14 Prozent. Und doch noch knapp eine Mehrheit (51 Prozent) der Befragten lehnt diese Aussage aktuell ab.

Dieser Entwicklung entspricht auch eine „Abkühlung des Gottesglaubens“, wie es die Autoren formulieren: Haben 1988 noch 42Prozent der Befragten „Glauben als wichtigen Teil des Lebens“ bezeichnet, liegt der Anteil aktuell bei 39 Prozent. Aber: Tendenz wieder steigend. 2007 hat die Zustimmung zu dieser Aussage ihren Tiefststand mit 34 Prozent erreicht.

Die Studie zeigt eine „Verbuntung“ des Glaubens. Statt Streng- und Nichtgläubiger gibt es heute Gläubige, daneben aber auch „Weniggläubige, Fastgläubige“ und natürlich Ungläubige. Die weltanschauliche Landschaft wird bunter, nicht aber gottlos.

Die Kirche, so der Schluss aus den Ergebnissen der Studie, tue sich schwerer als Gott. Vor allem bei modernen Zeitgenossen. Und es zeigt sich, dass Frauen, tendenziell ältere Menschen und eher jene am Land Glauben und Gott offener gegenüberstehen.

 

Kein Milieu ist ganz verloren

Ergebnisse, die sich weitgehend mit jenen des Marktforschungsinstituts Integral decken. Dieses hat schon früher in diesem Jahr die Religiosität anhand der Sinus-Milieus untersucht. Betrachtet man die zehn Sinus-Milieus, jene Gruppen, in die die Marktforscher von Integral und dem Sinus-Institut die Bevölkerung anhand ihrer Werthaltung und ihres Lebensstils teilen, geht hervor, dass die „Konservativen“ der katholischen Kirche am nächsten stehen. Die geringste Neigung zur katholischen Kirche zeigt das jüngste und modernste Milieu, das der „Digitalen Individualisten“.

Jene Milieus, die der Kirche sehr nahestehen, sind die „Traditionellen“, die „Konservativen“ und die „Etablierten“. Die „Traditionellen“ sind mit durchschnittlich 66 Jahren das älteste Milieu, die Nachkriegsgeneration aus Kleinbürgertum oder Arbeitermilieu. Die „Konservativen“ entsprechen der traditionellen, christlich geprägten Bildungselite aus dem gehobenen Milieu, die „Etablierten“, das bezeichnet die 40 bis 50 Jahre alte „Leistungselite“. „Tendenziell sind jene Milieus, die stark mit der Kirche verbunden sind, alt und schrumpfen; je jünger und moderner die Milieus, umso weniger interessant ist eine Mitgliedschaft in der Kirche“, sagt Bertram Barth, der Geschäftsführer von Integral.

Die geringste Bindung zur katholischen Kirche haben die „Milieus der Zukunft“, wie Barth „Digitale Individualisten“ und „Adaptiv Pragmatische“ nennt. Erstere sind im Schnitt 26, individualistisch, mobil und stets vernetzt. Zweitere sind 20 bis 40 Jahre alt, mit mittlerer Bildung und hohem Leistungsethos, geprägt von der allgemeinen Verunsicherung der vergangenen Jahre, sie wenden sich zurück zu alten Werten.

Obwohl die sehr religiösen Gruppen schrumpfen, gäbe es Potenzial für die Kirche, schließlich ist in sämtlichen zehn Milieus eine Mehrheit Mitglied der Kirche, meint Barth. Bei den „Etablierten“ und „Konservativen“ sind es mehr als 80 Prozent, selbst bei „Digitalen Individualisten“ aber noch 56 Prozent. „Bei vielen, zum Beispiel den leistungsorientierten Performern, ist die Kirche weniger relevant als der Glaube“, sagt Barth. Während die „Konservativen“ gläubig und kirchenorientiert seien, zeige auch die „Bürgerliche Mitte“ eine hohe Religiosität, das Verständnis, was die Kirche will, fehle aber oft.

 

„Kirche würde Türen einrennen“

Die Bedeutung der Spiritualität hat sich verändert, besonders bei „Digitalen Individualisten“, „Performern“ oder „Hedonisten“. „Der Glaube hat sich aus dem sozialen Kontext gelöst, er wurde zur Privatsache“, sagt Barth. Kaum Raum für Spiritualität bleibt bei der „Konsumorientierten Basis“, diese „resignierte Unterschicht“ sei zu sehr beschäftigt, sich „durchzuhanteln“.

Verloren sei aber kein Milieu. „Sie sind ja noch dabei, aber fühlen sich immer weniger angesprochen“, analysiert Barth. Besonders die „Adaptiv Pragmatischen“ suchen Orientierung. „Die Kirche würde offene Türen einrennen.“ Nur verstehe diese Gruppe nicht, warum die Kirche bei Themen wie Sexualität oder der Rolle der Frau nicht mit der Zeit gegangen sei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2012)

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62 Kommentare
 
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Lassen Sie uns den Diskurs fortsetzen

Ich lade Sie ein, meinen Blog zu besuchen:
http://odorsoflife.blogspot.co.at/
Es sind Gedanken zum Menschen in seinem Sein.
Ein Versuch die Schnittmenge der Religionen aufzuzeigen und gleichzeitig die Notwendigkeit der Vielfalt den Raum zu geben um dem Menschen den Platz zum Leben zu geben.
Viel Freude beim Lesen.

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Zur "Verbuntung" ein passendes Zitat:

Mutter Angelica, Gründerin des Fernsehsenders EWTN:
+
"Ich habe die Nase voll von eurer liberalen Kirche,
eurem ichbezogenen Gebet, eurer erdhaften Spiritualität.
Ich habe die Nase voll von euren "Aufbrüchen", denn das erste, was von einem solchen Auf-Bruch zurückbleibt, ist ein Loch, in das wir alle hineinfallen.
Ich habe die Nase voll von euren Theologen, die nichts anderes tun, als spalten und zerstören.
Sie wissen, wie schrecklich schweigsam wir loyalen Katholiken in all diesen Jahren gewesen sind.
Wir haben eure Ansichten über Gott nun dreißig Jahre lang runtergeschluckt.
Ihr habt keinen Gott, kein Dogma, keine Glaubenslehre und KEINE AUTORITÄT..
Ich empöre mich über eure Versuche, den Katholizismus der Kleinen, Armen und Älteren zu zerstören.
Eure Katechismen sind so verwässert, dass sie nichts anderes mehr besagen, als "liebe deinen Nächsten".
Nein, zuerst muss man Gott lieben"
+

0 3

Re: Zur "Verbuntung" ein passendes Zitat:

http://www.youtube.com/watch?v=aIhK2yxzUng

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Re: Re: Zur "Verbuntung" ein passendes Zitat:

Kommen Sie mir nicht mit dem "edlen Quran"!

0 2

Re: Re: Re: Zur "Verbuntung" ein passendes Zitat:

lügen haben kurze beine mein freund du kannst die geschichten wem anderen ärzelen looooool

Allah liebt diejenigen, die Gutes tun.. Quran 2.195 (Surat AlBakarah , vers 195)
Wer jedoch seiner Verpflichtung nachkommt und gottesfürchtig ist - siehe, Allah liebt die Gottesfürchtigen. Quran 3.76 (Surat Alimran , vers 76)

Wahrlich, Allah liebt diejenigen, die sich (Ihm) reuevoll zuwenden und die sich reinigen Quran 2.222

und wenn du entschlossen bist, dann vertrau auf Allah; denn wahrlich, Allah liebt diejenigen, die auf Ihn vertrauen. Quran 3.159

richtest du aber, so richte zwischen ihnen in Gerechtigkeit. Wahrlich, Allah liebt die Gerechten Quran 5.42

Sprich: ""Wenn ihr Allah liebt, so folgt mir. Lieben wird euch Allah und euch eure Sünden vergeben; denn Allah ist Allvergebend, Barmherzig. Koran 3.31 (Surat Alimran , vers 31,32)

und wenn du entschlossen bist, dann vertrau auf Allah; denn wahrlich, Allah liebt diejenigen, die auf Ihn vertrauen. Quran 3.159

brauchst du meehr????
komisch oder ?? naja dein arabisch ist nicht so gut und noch was mein freund lügen haben kurtze beine neeeeeeee

0 3

Re: Re: Re: Zur "Verbuntung" ein passendes Zitat:

Naja ich wollte einfach das sie sich weiter bilden und nicht in der steinzeit Leben aber macht ja nichts so weiß man immer wer Sicht nicht auskent und redet :)))))) weist ja wen der Hirte keine Ahnung hat wie soll es der Schaf :D:D:D

0 21

Re: Re: Re: Re: Zur "Verbuntung" ein passendes Zitat:

Liebe/r Scheni,
ich habe zu Hause den "edlen Quran" in zwei deutschen Ausgaben und auf Arabisch. Ich habe mal in einem islamischen Land gelebt und meine Kinder gingen dort zur Schule und mussten edle Quransuren auswendig lernen... Viele meiner islamischen Freunde finden, dass es zweifelhaft, Suren auswendig lernen zu müssen, die man überhaupt nicht versteht. Der ganze Quran ist eine einzige Drohbotschaft. In keinem einzigen Satz dieses Buches konnte ich lesen, dass Gott die Menschen LIEBT! Ich kenne wohl die 99 Namen Allahs, das ist aber eine andere Aussage. Ich habe einmal mit einem Sheich darüber diskutiert und er konnte mir keine befriedigende Antwort darauf geben.
So viel zu meiner Bildung.

18 11

Anachrismus

Glaube und Kirche ist doch ein Anachronismus. Wer glaubt denn als aufgeklärter Mensch noch an das Christkind und den lieben Gott???

15 4

"Vergessen" wird die Gruppe

von gläubigen Menschen, die keine Kirche brauchen, um Gott nahe zu sein.
Diese Gruppe zu erwähnen wäre natürlich schlecht für das Geschäft.

Was den Atheisten vom Theisten trennt

ist meiner Beobachtung nach die Abwesenheit von Zweifel

Die Welt fühlt sich nämlich echt an- und nicht wie ein geschöpftes Simulacrum ....

Dieser Unterschied in der Wahrnehmung ist enorm - und erklärt die Heftigkeit des Kulturkampfes ....

Von Konrad Lorenz gibt es eine schöne Antwort auf die Frage was ist Wahrheit.

"Der Affe der beim Hangeln durchs Geäst daneben greift war im Irrtum"

evo never sleeps and is watching you from a distance - dead sure


2 2

Re: Was den Atheisten vom Theisten trennt

Mir ist auch beim dritten Lesen nicht klar geworden, worauf Sie hinaus wollen.

Re: Re: Was den Atheisten vom Theisten trennt

dann strengen sie sich gefälligst mehr an

14 17

Lassen Sie es doch für ein paar Stunden gut sein

Feiern oder begehen Sie doch den Heiligen Abend aus religiösen Gründen oder als Familienfest oder nur aus Tradition oder überhaupt nicht - jeder wie er will oder kann.
Wie auch immer - Kritik, Polemik, Attacken und was es sonst noch alles geben muss, soll oder kann, das Jahr ist lang genug, es muss ja nicht gerade heute sein.

F r o h e W e i h n a c h t !

Religion = Aberglaube

Ohne lebt es sich besser und vor allem ehrlicher! War einer der wenigen Punkte, in denen Marx Recht hatte.

Re: Religion = Aberglaube

Lieber bester Mensch, wenn du einmal mit einem Schwerstverletztem, womöglich eines deiner Kinder, vor der Aufgabe stehst zu retten was zu retten ist, dann wirst du sehr wohl zu irgend wem beten, Manitu, hilf!
Man muß keiner Kirche angehören, es reicht ein Christ zu sein. Dir kann ich nur raten: lern was und schau dich um.

Nein, habe ich nicht

statt die Zeit mit Märchenglauben zu verplempern habe ich selbst was getan und mir die Hilfe von Ärzten organisiert.
Ob Christ, Muslim, Hindu oder Schamane: Märchen haben noch niemanden gerettet.

Re: Nein, habe ich nicht

Vielleicht glauben Sie an Feng Shui oder sonst welche asiatische Märchen...

2 1

Re: Nein, habe ich nicht

und so schließt du messerscharf, dass nicht seinkann, was nicht sein darf.

11 4

Re: Re: Religion = Aberglaube

Durch ein wundersames Wirken auch nur irgendeinen Gottes wurde nachweislich noch kein Mensch gerettet.

In der Regel sind das die "Götter in weiß", die das in wissenschaftlich fundierter Weise erledigen.

Daß Menschen im Angesicht des Todes ihren Gott anrufen ist uns über Jahrtausende anerzogen worden. Sterben ist eben ein sehr fundamentaler Vorgang im Menschsein. Von dem Himmel-Hölle Schmäh leben alle Religionen-und das ist auch ihre einzige Rechtfertigung.

3 3

Re: Re: Re:Religion = Aberglaube

Schreiben Sie statt "nachweislich" besser "nach meiner Meinung". Wie sollte denn ein Nachweis ausssehen?

"War einer der wenigen Punkte, in denen Marx Recht hatte" ...

... und hat seinen eigenen Aberglauben zur Quasireligion erhoben. Die Ergebnisse sind bekannt.

33 4

Glaube wird wichtiger ?

Glaube schränkt ein , einer der Hauptgründe warum sich Menschen in allen teilen der Welt bekriegen ist nun mal die religiöse Einstellung !! Mir ist es egal ob einer Christ Moslem Hindi oder sonst was ist , A Mensch muaß a sei !!


Re: Glaube wird wichtiger ?

Die USA überziehen die Welt mit Krieg aus Glaubensgründen?
Napoleon tats explizit ohne Glauben. Hitler ebenso.
Wo haben Sie diese unsinnige Behauptung her? Von Frau Rudas?

Re: Re: Glaube wird wichtiger ?

Nein, von Spindelegger.
Der meint: Gott will es !

"Glaube wird wichtiger"

Die verwechseln das was. Es geht lediglich darum, daß es im Kulturkampf, der uns aufgezwungen wird, unklug ist, an zwei Fronten zu kämpfen.

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Die röm. kath. Kirche

ist nicht mit der Zeit gegangen? Ich glaube das stimmt. Aber eine Kirche muss und darf auch nicht die Werte an der Gesellschaft ausrichten! Sexualität geht einher mit Verantwortung! Wenn die Mehrheit freie Liebe praktiziert bedeutet das nicht, dass die Kirche das gut heissen muss. Ehebruch ist und bleibt fatal für Familien! Wenn eine Kirche zu strengen Regeln innerhalb der persönlichen Sexualität aufruft, dann nur um Leid zu vermeiden. Natürlich ist das ein schwieriges Thema. Da muss man den Leuten schon erklären, das dass Internet auch zu richtig perversen Dingen verleitet. Da hat zB die kath Kirche verpasst ihre Pfarrer davon abzuhalten sich diesen Dreck anzusehen. Das Zölibat sollte aufgehoben werden und Pfarrer sollten heiraten dürfen. Aber eine Kirche sollte nicht ihre Werte an die Gesellschaft anpassen, sonder nur die Kommunikation und den Rahmen des Glaubens (Gottesdienst, Lieder, Gebet, etc) an die Zeit anpassen. Niemals jedoch den Kerninhalt!

 
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