Der Gott, die Gott, das Gott?

26.12.2012 | 18:04 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Die deutsche Familienministerin hat eine spannende Debatte über das Geschlecht Gottes ausgelöst. Muss man Gott als Vater sehen? Auch als Mutter? Jedenfalls als Person? Oder darf man sich gar kein Bild machen?

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God's gender divides German government“: Mit dieser Schlagzeile fasste die Presseagentur Reuters die Debatte zusammen, die die deutsche Familienministerin Kristina Schröder (CDU) kurz vor Weihnachten entfacht hatte.

In einem Interview mit der „Zeit“ war Schröder u.a. gefragt worden, wie sie ihrer kleinen Tochter erklären werde, „dass alle zu dem lieben Gott beten, nicht zu der Gott“. Schröders gewitzte Antwort: „Ganz einfach: Für eins musste man sich entscheiden. Aber der Artikel hat nichts zu sagen. Man könnte auch sagen: das liebe Gott.“

„Der liebe Gott bleibt der liebe Gott!“, rief darauf Schröders Parteigenossin Katherina Reiche, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium; Stefan Müller, ebenfalls CDU, nannte Schröders Aussage „unpassend“; Norbert Geis von der Schwesterpartei CSU erklärte: „Gott ist uns von Christus als Vater offenbart. Dabei sollte es bleiben.“ Nur der hessische CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch zeigte sich flexibel, wenn auch ironisch: „Wem nur ein geschlechtsneutraler Zugang zum Herrgott möglich erscheint, dem empfehle ich gerade in der Weihnachtszeit das Christkind.“

 

„Nicht päpstlicher als der Papst“

Kalmierend meldete sich Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen von Kanzlerin Angela Merkel: „Wer an Gott glaubt, dem sind die Artikel egal.“ Und Ministeriumssprecher Christoph Steegmans fand für seine Ministerin (die übrigens zur eher kleinen „Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche“ gehört) einen unverdächtigen Verteidiger in Papst Benedikt XVI., der in seiner Jesus-Biografie schreibt: „Natürlich ist Gott weder Mann noch Frau.“ Man möge also „nicht päpstlicher sein als der Papst“. Vatikan-Berater Wilhelm Imkamp allerdings attackierte Schröder heftig: Ihre Äußerungen seien „dumm und dreist“, und sie würden von einem „erschreckenden religiösen Analphabetismus“ zeugen.

So erschreckend dieser rüde Ton ist, einen wichtigen Aspekt brachte Imkamp in die Debatte: „Gott ist eine Person. Wir haben einen personalen Gott, dass dieser personale Gott die Dimensionen der Geschlechtlichkeit übersteigt, führt nicht dazu, dass man ihn neutralisieren kann.“

Tatsächlich ist der sächliche Artikel theologisch wesentlich problematischer als der weibliche. Gott als Neutrum, als Sache, als unpersönliches Wesen („das Göttliche“) passt nicht zum Status als Person, der den Offenbarungsreligionen gemeinsam ist. Die Vorstellung eines weiblichen Gottes, einer Göttin, schon. Der Kurzwitz „Ich habe Gott gesehen: Sie ist schwarz“ ist in diesem Sinn keine Blasphemie. Gewiss werden viele Christen mit dem CSU-Politiker Günther Beckstein übereinstimmen, der bekannte, für ihn sei es „wichtig, Gott als Vater zu haben“ – man darf sich aber schon fragen, ob diese innige Vorstellung (die freilich auch der biblische Jesus hatte) nicht gegen eine strikte Auslegung des Gebots steht: Du sollst dir kein Bildnis machen.

Klar ist: Vor dem Monotheismus war der Polytheismus, und der kannte mindestens so viele Göttinnen wie Götter. Auch der Gott Jahwe habe einst eine Aschera an seiner Seite gehabt, erklären Forscher. Die Abgrenzung von den anderen Göttinnen und Göttern, die Beschränkung auf eine Gottheit bedeutete einen Verzicht auf Bilder, aber auch auf Geschichten, vor allem Liebes- und Familiengeschichten. Thomas Mann drückte das in „Joseph und seine Brüder“ so aus: „Es gab von Gott keine Geschichten. (...) Gott war nicht entstanden, nicht geboren worden, von keinem Weibe. Es war auch neben ihm auf dem Throne kein Weib, keine Ischtar, Baalat und Gottesmutter. (...) Des Menschen waren Zeugung und Tod, aber nicht Gottes, und kein Gottweib sah dieser an seiner Seite, weil er nicht zu erkennen brauchte, sondern Baal und Baalat in einem und auf einem war.“

Baal und Baalat in einem? Es ist nicht leicht, im Gott des Alten Testaments, dieses oft eifersüchtigen und wütenden Herrschers der Heerscharen, eine weibliche Seite zu finden. Immerhin spricht ein Psalm (22,10) über ihn wie über eine Hebamme: „Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen.“ Im Deuteronomium (32,18) ist gar von „Gott, der dich geboren hat“, die Rede. Und wenn es in der einen Version der Schöpfungsgeschichte (Genesis 1,27; in der anderen entsteht die Frau aus der Rippe des Mannes) heißt, dass Gott den Menschen „nach seinem Bild“ geschaffen habe, und zwar „als Mann und Weib“, kann man daraus schließen, dass Gott auch „Mann und Weib“ sei.

 

Umstritten: „Bibel in gerechter Sprache“

Auch in diesem Sinn haben (vor allem evangelische) Bibelwissenschaftler von 2001 bis 2006 an der „Bibel in gerechter Sprache“ gearbeitet. Diese neue Übersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen sollte erstens soziale Verhältnisse nicht verzerren, also z.B. nicht „Magd“ statt „Sklavin“ sagen. Zweitens sollte sie antijüdische Tendenzen vermeiden. So steht in der Bergpredigt statt „Ich aber sage euch“, was nach Antithese klingt, „Ich lege euch das heute so aus“.

Drittens ging es den Übersetzern um „geschlechtergerechte Sprache“. Das heißt, dass bei ihnen z.B. von „Jüngern und Jüngerinnen“ und (im Weihnachtsevangelium) von „Hirten und Hirtinnen“ die Rede ist, was doch gezwungen wirkt. Vor allem aber verwendet die „Bibel in gerechter Sprache“ konsequent auch weibliche Ausdrücke für Gott. In manchen Kapiteln steht „die Heilige“, in anderen „der Heilige“, in manchen „die Ewige“, in anderen „der Ewige“; häufig wird der männliche „Gott“ durch die weibliche „Gottheit“ ersetzt. Das Projekt, von Bischöfin Margot Käßmann als „ungeheuer spannend“ gelobt, wurde vielfach verrissen, so schrieb Philologe Johan Schloemann in der „Süddeutschen Zeitung“ von einer „gesinnungsterroristischen Gerechtigkeitsbibel“. Und das, obwohl die Autoren versichert hatten, ihre Übersetzung trete nur als „neuer Versuch neben die existierenden Übersetzungen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2012)

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121 Kommentare
 
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Lukas 11,23: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich.“


Creatio ex nihilo
Eine der denkwidrigen Grundaussagen der christl. Philosophie, formuliert zuerst von den Kirchenvätern, besagt, dass die Schöpfung der Welt als Werk Gottes absolut voraussetzungslos und allein Ergebnis des göttl. Willenakts ist.

ex nihilo nihil fit
Damit steht sie Ggs. zu den denkrichtigen Grundpositionen der grch. Philosophie: zur platonischen, die Schöpfung als Übergang aus ungewordenem, ewigem und ungeordnetem Stoff (Chaos) in den geordneten Kosmos beschreibt, zu Aristoles´ Lehre von der Ewigkeit der Welt, zu dem von Melissos (um 440 v.Chr.) u.a. vertretenen Grundsatz, dass Seiendes nur aus Seiendem und nicht aus Nichtseiendem entstehen könne

Diese ÜbersetzungspfuscherInnen sollten sich doch bewusst sein,

dass der Herr Jesus/Jeschu von Nazareth immer
von Gott als "Vater"/"Abba" gesprochen hat.

Re: Diese ÜbersetzungspfuscherInnen sollten sich doch bewusst sein,

Wieso Übersetzungspfuscher - steht eh in jedem NT so drinnen.

Gott und Göttin

Es gibt Gott und Göttin bei den Germanen.

Alles andere ist nicht von hier, sondern aus dem Orient.

Bin für die sofortige Einführung einer "weiblichen-Artikel-Quote"!

oder wir lassen die Artikel und den damit zusammenhängenden Firlefranz überhaupt weg, dem geistigen Niveau der Genderfanatiker würde das ja durchaus entsprechen.

SchrödInger

man muss sich Schröder als Mann denken

und die Kaaba ist weiblich

bei den angesprochenen Religionen besteht jedenfalls kein Zweifel - hier ist Gott männlich. Bei der Kaaba in Mekka verwundert hingegen, dass dort deutlich eine silberne Vulva montiert ist ("schwarzer Stein").

die Satan

Warum heisst es der Satan und nicht die Satan. Warum heisst es der Strom und nicht die Strom...... Dies wird uns wahrscheinlich nur der Sprachwissenschafter schlüssig erklären können.
Bei Gott und Satan handelt es sich um körperlose Wesenheiten, die kein Geschlecht aufweisen. Die Bezeichnungen mit Gottvater und Gottsohn sind symbolisch zu verstehen.

In der Antike wurden die Götter grundsätzlich menschengestaltig vorgestellt und daher auch geschlechtlich. Diese Vorstellungen manifestieren sich auch in der Bibel, im heutigen Sprachgebrauch und in den Darstellungen der Kunst.


Re: die Satan

Warum heißt es bei uns "die Sonne" und im Angelsächsischen "der Sonne"? Bei uns "der Mond" und dort "die Mond"? Im Französischen "la plage" und im Deutschen "der Strand"? Fragen über Fragen... wen juckt's...

Ich bin sehr neugierig....

.... und gespannt auf künftige Jesus-Verfilmungen .... besonders die für Sch.wu.l.Innen.... in denen das Conchita Wurst das Hauptrolle spielt....

Re: Ich bin sehr neugierig....

Sorry, zweimal ähnlichen Kommentar geschickt, weil ich dachte, das Zensurschwert wäre über meinen Kommentar gefahren.

bildnis von gott

lieber herr kramer, sie sollten dringend im vatikan vorstellig werden mit ihren theorien, denn im falle dass sie recht haben, wird in der sixtinischen kapelle seit jahrhunderten gotteslästerung betrieben ;)

Ich bin äußerst neugierig...

... und gespannt auf künftige Jesus-Verfilmungen.....vor allem die für SchwulInnen....wo DAS Conchita Wurst DAS Hauptrolle spielt....

grüss gott frau kompott


FantasiererInnen streiten um den Inhalt von Fantasien

Mehr ist es nicht.

"Die Depp" stimmt mal auf jeden Fall.


Nun, der Schröder hat wohl rein gar nichts begriffen

Nur sollte man, bevor man öffentlich so einen Bödsinn daherredet, ´mal kurz nachdenken - das hilft.

Debatte lächerlich

Das Weibliche und Männliche lässt sich nicht zum Sächlichen vereinheitlichen. Daran wird auch Gender Mainstreaming nichts ändern. Der Natur /Gott sei Dank.

Katholiken glauben an Gott Vater und verehren auch eine Mutter Gottes. Wer hat damit ein Problem?

Re: Debatte lächerlich

... wer damit ein Problem hat? na diejenigen die sowieso an nix glauben und denen es eigentlich egal sein könnte.

Jeder Mensch sollte das Recht und die Freiheit haben an dass zu glauben was er will.

Ich jedenfalls glaube nicht mehr an einen Hokus-Pokus-Zaubergott der die Welt und die Geschöpfe erschaffen hat.

Aber bin ich deswegen ungläubig und böse wenn ich nicht an dass glaube was andere glauben,
oder was mir in Wiege gelegt wurde,oder mir aufgezwungen wurde.
Ich denke nicht.
Schließlich glaube ich ja auch an etwas!
Ich glaube an meinen Hausverstand.
Und der sagt mir dass ich an dass glauben soll was mein Gehirn nachvollziehen kann.
Und dass ist die Evolution! An die glaube ich ganz fest. Also bin ich auch strenggläubig!
Wenn ich jetzt weiter überlege könnte ich ja Gott und Evolution miteinander verbinden.
Ich könnte Gott z.b. mit Eigenschaften,wie Liebe,Nächstenliebe,Mitgefühl,Gewissen,u.s.w verbinden.
Eigenschaften die uns die Evolution in unsere Gene mitgegeben hat,wir sie immer wieder an unsere Kinder weitervererben,und die nur darauf warten dass wir sie im Laufe unseres Lebens in uns endecken und schließlich unser Leben danach ausrichten.
Na ja,dass ist jedenfalls meine Ansicht,und es ist nur eine Kurzfassung.

Aber jeder sollte für sich seinen Weg und seine Wahrheit finden!

Das mit dem männlichen ist logisch erklärbar

Ähnlich, wie bei den Wörtern patria m. (Vaterland) und lingua f. (Muttersprache) ist deus m. (Gott) männlich und somit ist das Geschlecht aus dem lateinischen Begriff geprägt. Prägend war natürlich zusätzlich noch die Darstellung Gottes in der Sixtinischen Kapelle, doch Gott ist weder männlich noch weiblich. Sie können nicht versuchen etwas überirdisches rational zu definieren, oder um Cicero in de natura deorum zu zitieren: Quia,quanto diutius considero tanto mihi res videtur. (Je länger ich darüber (Gott) nachdenke, desto unklarer erscheint mir die Sache (seine Gestalt)

Re: Das mit dem männlichen ist logisch erklärbar

"Prägend war natürlich zusätzlich noch die Darstellung Gottes in der Sixtinischen Kapelle..."
Mit Verlaub: Die lateinische Sprache gab es lang vor der Sixtinischen Kapelle.

Es heißtnicht der, die das Gott, es heißt ganz einfach "unser Dr. Werner Faymann"

Wieder ein Vorteil, wenn man anstatt am Stammtisch an der VHS promoviert hat!
So, jetzt könnts den staunenden Mund wieder zumachen!

pappnasen

zensur ist ein anderes wort für 'schuldig im sinne der anklage' ;)

zum Glück

haben wir keine anderen Sorgen..

Warum Heute noch dieses Gerede?

Conrad Lorenz sagte: Gott, ist die Natur und die Natur ist Gott. Goethe sagte, Gott lebt im Stein. Die Evolution, ist bewiesen, die Schöpfung nicht.Ich habe nur ein Gebot: Was du nicht willst ,das man dir tut, das füg auch keinen anderen zu.
Wie viele Kriege wurden und werden noch immer in Namen Gottes geführt.

, das füg auch keinem Anderen zu.

 
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