Moslems meinen: Frau muss Mann gehorchen

Bei einer weltweiten Umfrage befürworten Mehrheiten in fast allen von 39 untersuchten Ländern die Unterordnung der Frauen und wünschen sich die Scharia als allgemeingültiges Recht.

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Archivbild: Eine Studentin in einer Vorlesung für islamisches Recht in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny.
Archivbild: Eine Studentin in einer Vorlesung für islamisches Recht in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny. – REUTERS

Die jährliche Meinungsumfrage des Pew Research Center unter den Moslems in allen Regionen der Welt brachte heuer zwei Einsichten: Die Gleichstellung der Geschlechter halten klare Mehrheiten in 36 von 39 untersuchten Ländern für falsch. Ebenso deutlich lässt sich die Ansicht der meisten Moslems feststellen, dass die Scharia, also das traditionelle islamische Recht, in ihren jeweiligen Heimatstaaten allgemeine Gültigkeit erhalten solle. In Zusammenarbeit mit lokalen Meinungsforschungsinstituten hat Pew rund 38.000 Moslems auf allen Kontinenten zu Haltungen in religiösen, gesellschaftlichen und politischen Fragen interviewt.

In 23 der 39 Länder stellten die Demoskopen die Frage, ob die Scharia tatsächlich direkt von Allah stamme. In 17 Ländern bejahten diese Ansicht klare Mehrheiten. In keinem Land fand sich eine signifikant große Gruppe von Moslems, die der Ansicht waren, die Scharia sei nicht das Wort Gottes, sondern von Menschen entworfen.

Libanon am säkularsten

Die Scharia ist in den Augen der meisten Moslems nicht nur Gottesgesetz, sondern soll nach Meinung der Mehrheit auf jeden Fall für jeden Moslem und wünschenswerterweise auch für die nicht moslemischen Bürger in ihren Staaten gelten. Nur im Libanon lehnt man diese Sicht ab: 29 Prozent der Libanesen wollen das Gottesgesetz zum Gesetz für alle machen, 66 Prozent lehnen das ab. Allerdings mögen die meisten Moslems nicht alle Aspekte der Scharia. In Fragen des Familienrechts oder von Eigentumsstreitigkeiten halten sie das islamische Recht für vorteilhaft. Die harschen Aspekte der Scharia - allen voran Auspeitschungen oder das Abhacken von Händen und Beinen - finden nur in wenigen moslemischen Gesellschaften Mehrheiten. Allerdings befürworten 99 Prozent der Afghanen und 84 Prozent der Pakistaner die allgemeine Einführung der Scharia; und von diesen Befürwortern meinen 85 beziehungsweise 89 Prozent der Befragten, dass der Tod durch Steinigung als Strafe für Ehebruch angebracht sei. Ähnlich hohe Zustimmungsraten zu Todes- und Körperstrafen für Eigentumsdelikte wie Diebstahl und familienrechtliche Tatbestände gibt es in fast allen Gesellschaften des Nahen Ostens.

Männerantwort auf Kopftuchfrage

Dieser Traditionalismus spiegelt sich auch in den Antworten zur Rolle der Frau. Moslems in allen Ländern bis auf Bosnien-Herzegowina, Albanien und den Kosovo meinen mehrheitlich, dass die Frau ihrem Ehemann gehorchen müsse. In Schwarzafrika wurde diese Frage nicht gestellt. Sie dürfte ähnlich beantwortet werden: In allen 16 erfassten schwarzafrikanischen Staaten, außer dem Senegal, meinen Mehrheiten, dass Frauen nicht sollen entscheiden können, ob sie ein Kopftuch tragen oder nicht.

Details: Wie Muslime weltweit über Religion, Moral und Politik denken

Zustimmung in Prozent in ausgewählten Ländern (*Zustimmung unter jenen Muslimen, die die Scharia einführen wollen)

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Das islamische Rechtssystem Scharia

Bei der Scharia - das Wort bedeutet "der Weg" - handelt es sich um ein umfassendes Rechtssystem des Islam, das sämtliche Handlungen und Beziehungen der Menschen beurteilt und regelt. Oft wird die Scharia in der westlichen Öffentlichkeit mit schweren Körperstrafen wie Steinigung oder Handabhacken identifiziert. Dabei bilden diese, direkt auf den Koran zurückgehende Strafen für spezifische Vergehen wie Ehebruch, Diebstahl oder Glaubensabfall nur eine - freilich besonders umstrittene - Konsequenz des islamischen Rechts. Mehr ...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 3. Mai 2013)

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