Beginn für den Fastenmonat: Muslime begehen Ramadan

Gläubige Muslime feiern den Beginn des Ramadan.
Gläubige Muslime feiern den Beginn des Ramadan.APA/AFP/JUNI KRISWANTO
  • Drucken

Warum der Fastenmonat immer zu einem anderen Zeitpunkt beginnt, und was Muslime in dieser Zeit tun dürfen. Ein Überblick.

Wien. Es ist ein Monat, der für mehr als eine Milliarde Muslime auf der Welt etwas Besonderes ist: der Fastenmonat Ramadan. An diesem Wochenende beginnt der Zyklus, in dem gläubige Muslime tagsüber keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

1. Warum wird der Fastenmonat Ramadan begangen?

Die islamische Überlieferung sieht den Ramadan als jenen Monat an, in dem Allah dem Propheten Mohammed durch den Erzengel Gabriel erstmals den Koran offenbart hat. Grundlage für diese religiöse Tradition ist die Sure 2, Vers 185 des Korans, in der auf das Fasten in dieser Zeit hingewiesen wird. Dabei gilt die Nacht vom 26. auf den 27. Tag des Ramadan als besonders heilig – jene Nacht, in der die Offenbarung konkret stattgefunden haben soll.

2. Von wann bis wann findet der Ramadan statt?

Das ist von Jahr zu Jahr verschieden – heuer ist er von 27. Mai bis 24. Juni angesetzt, allerdings gibt es hier Unschärfen. Denn der Beginn des Ramadan ist so definiert: Wenn zwei gesunde Muslime die Neumondsichel am Himmel sehen. Je nach Region kann das also auch schon etwas früher oder später sein. Dass der Monat in der westlichen Zeitrechnung immer wieder zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr stattfindet, hat auch einen Grund: Der Ramadan ist einer von zwölf Monaten im islamischen Kalender, der auf den Mond ausgerichtet ist – mit Monaten zu je 29 oder 30 Tagen. Das so strukturierte Jahr ist etwa elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr der christlichen Zeitrechnung. Der Beginn des Fastenmonats rückt also von Jahr zu Jahr immer ein paar Tage nach vorn. 2018 wird er etwa schon um den 15. Mai beginnen.

3. Wie funktioniert das Fasten für gläubige Muslime?

Das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islam, also Glaubensbekenntnis, Gebet, Spenden (Zakat), die Pilgerfahrt nach Mekka und eben das Fasten im Ramadan. Mit dem Beginn des Monats ist zwischen Sonnenauf- und -untergang jede Aufnahme von Nahrung verboten, ob fest oder flüssig. (Und auch Rauchen und Sex.) Je nach Region kann das unterschiedlich lang dauern – diskutiert wird extra das exotische Beispiel von Muslimen am Polarkreis, wo es zeitweise nicht dunkel wird. Eine pragmatische Lösung ist hier, sich nach den Zeiten in Mekka zu richten. Oder man könnte das Fasten verschieben.

4. Gibt es Ausnahmen bei den Fastenregeln?

Das Verschieben auf einen späteren Zeitpunkt ist tatsächlich eine Option. Dann nämlich, wenn man während des Ramadan krank ist – oder auf Reisen. Frauen während der Menstruation oder im Wochenbett ist das Fasten zu dieser Zeit gar verboten. Und auch Kinder sind nicht zum Fasten verpflichtet.

5. Gibt es neben dem Fasten auch spirituelle Aspekte des Ramadan?

Vor allem. Fasten ist nicht dazu da, um abzunehmen, sondern soll den Blick für die spirituelle Dimension und das Gebet öffnen. Ein Aspekt, der auch aus dem Christentum bekannt ist. Auch gibt es für Muslime abends in den Moscheen oder daheim spezielle Gebete für den Ramadan, die Taraweeh genannt werden.

6. Wann hat das Fasten im Ramadan ein Ende?

Ein Ende findet täglich statt, dann nämlich, wenn nach Sonnenuntergang zum Fastenbrechen geladen wird. Das passiert (oft mit Gästen) daheim oder in Vereinen, Moscheen und anderen Einrichtungen. Tatsächlich ist der Ramadan ein Monat, in dem das gesellschaftliche Leben unter den Muslimen besonders stark zelebriert wird. Das tatsächliche Ende des Monats wird mit Id al-fitr begangen, dem Fest des Fastenbrechens, das offiziell drei Tage dauert – und bei dem neben Gebeten das Essen mit Freunden und Verwandten im Mittelpunkt steht.

AUF EINEN BLICK

Iftar. Während des Fastenmonats Ramadan gibt es täglich nach Sonnenuntergang ein Mahl, das Iftar, das meist an einem öffentlichen Ort eingenommen wird. Die meisten islamischen Einrichtungen in Österreich richten zumindest ein solches Fastenbrechen aus, zu dem auch nicht muslimische Gäste eingeladen werden. Auch umgekehrt gibt es die Tradition derartiger Einladungen – etwa das gemeinsame Fastenbrechen mit dem Bundespräsidenten in der Hofburg. [ Clemens Fabry ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2017)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.