Missbrauch: Klasnic-Kommission legt Turbo ein

Die Zahlungen an Opfer sollen beschleunigt werden. Aktuell haben sich 750 bei der Opferschutzkommission unter Leitung von Klasnic gemeldet, die unter Gewalt durch Geistliche oder Ordensmitglieder leiden mussten.

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(c) Michaela Bruckberger

Wien. Die Opferschutzkommission unter Leitung Waltraud Klasnics schlägt nun ein höheres Tempo an. Eine Akademikerin wurde bereits im Büro neu aufgenommen, die die Gutachten für die Kommission vorbereiten soll. Mit einer weiteren Psychologin wurde die Einstellung per 1.Februar vereinbart. Ziel: Die Wartezeit auf eine Entscheidung darüber, ob ein Anspruch auf Entschädigungszahlung besteht, soll verringert werden.

Laut aktuellem Stand haben sich bereits 750Personen gemeldet, die Opfer von (sexueller) Gewalt durch Mitarbeiter der katholischen Kirche wurden. Auch nach dem Jahreswechsel treffen immer wieder Meldungen ein, obwohl die Kommission mehrfach eindringlich appelliert hatte, sie möglichst bis Ende 2010 zu kontaktieren, um sich einen Überblick über die ungefähre Gesamtzahl der Fälle verschaffen zu können.

Zuletzt drohte das Szenario, nach dem bei Beibehaltung des bisherigen Tempos erst in drei Jahren alle Fälle abgearbeitet gewesen wären. Jetzt heißt es aus der Kommission, man habe aus der bisherigen Arbeit gelernt und verfüge nach 100 Entscheidungen über eine Art „Maßstab“ für die Beurteilung vieler weitere Fälle. Auch daher könnten die künftigen Verfahren beschleunigt werden. Ausbezahlt wurde eine Entschädigung (durchschnittlich 15.000 Euro) bisher an etwa 80 Personen.

Provinzial Erhard Rauch, einer der Geschäftsführer der Stiftung, die die Auszahlungen übernommen hat, sagte am Mittwoch zur „Presse“: „Wir hoffen, dass die Kommission die Fälle schnell abarbeiten kann. Für uns ist das ein riesiges Anliegen, denn die Opfer haben lange genug gewartet.“ Die Klasnic-Kommission mit ihren ehrenamtlich tätigen Mitgliedern überlegt derzeit auch, wie lange sie in dieser Form noch weiterarbeiten wird, wie und von wem künftige Fälle behandelt werden sollen. Dem Gremium gehören an: Verfassungsgerichtshof-Vizepräsidentin Brigitte Bierlein, Udo Jesionek, Präsident des Weißen Rings, Psychologen-Präsidentin Ulla Konrad, Gerichtspsychiater Reinhard Haller, Ex-Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, Jugendpsychiater Werner Leixnering, Publizist Werner Feichtlbauer, Caroline List, Mitbegründerin des Forums gegen sexuellen Missbrauch. Eines erscheint aber jedenfalls sicher: Waltraud Klasnic wird zumindest noch das gesamte heurige Jahr die Kommission leiten.

 

Verjährt – Justiz stoppt Verfahren

Währenddessen wurde am Mittwoch bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Feldkirch das wegen Missbrauchvorwürfen eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen Geistliche des Bregenzer Klosters Mehrerau und auch andere Erzieher eingestellt hat. Laut Austria Presse Agentur gab es gegen 16 Personen Anschuldigungen. Der Tatzeitraum betraf die 1960er- und 1970er-Jahre. Damit sind die Fälle verjährt. Die Vorwürfe waren im Frühjahr 2010 bekannt geworden.

Auf einen Blick

Missbrauch: Seit Frühjahr 2010 haben sich 750 Opfer sexueller Gewalt an Waltraud Klasnics Kommission gewendet. 100 Personen haben bisher Entschädigungszahlungen erhalten.
Austritt:
Die Missbrauchswelle hat der katholischen Kirche 2010 auch einen Rekord an Austritten beschert: 87.393 – ein Plus von 64Prozent gegenüber 2009.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2011)

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