Papst Benedikt: "Marxismus nicht mehr zeitgemäß"

Bei seinem Besuch in Mexiko wurde der Papst mit Jubel, aber auch mit schweren Vorwürfen von Missbrauchsopfern empfangen. Morgen reist er nach Kuba weiter, Kritik am dortigen System übte er schon jetzt.

Papst Benedict XVI in Guanajuato.
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Papst Benedict XVI in Guanajuato.
(c) REUTERS (Edgard Garrido)

Bei seinem Besuch in Mexiko ist Papst Benedikt XVI. ein begeisterter Empfang bereitet worden. In dem katholisch geprägten Land säumten Gläubige die 35 Kilometer lange Strecke durch die zentral gelegene Stadt Leon, wo das Kirchenoberhaupt mit Präsident Felipe Calderon zusammentraf. Opfer von sexuellem Missbrauch in Mexiko erhoben zuvor schwere Vorwürfe gegen den Papst.

Bei seinem ersten offiziellen Besuch in dem mittelamerikanischen Land prangerte der Papst die Gewalt der Drogenbanden an und sprach mit Betroffenen der Auseinandersetzungen, denen in fünf Jahren rund 50.000 Menschen zum Opfer fielen. Mit Spannung wird der Besuch in Kuba ab Montag erwartet. Den herrschenden Kommunismus kritisierte der Papst als nicht mehr zeitgemäß, bot aber gleichzeitig die Hilfe der Kirche an.

"Vergötterung des Geldes demaskieren"

Mit Blick auf den mexikanischen Drogenkrieg sagte der Papst: "Wir müssen alles tun, dieses zerstörerische Böse zu bekämpfen, das sich gegen die Menschheit und die Jugend richtet." Die Kirche müsse "das Böse entlarven und die Vergötterung des Geldes demaskieren". Benedikt empfing in einer Privataudienz acht Betroffene, darunter Verwandte eines getöteten Soldaten und ein Entführungsopfer.

Calderon hatte Benedikt am Freitag mit den Worten in Mexiko begrüßt, der Besuch sei ein Zeichen der Solidarität des Papstes mit seinem Land in einer Zeit der schweren Krisen. "Wir werden das nicht vergessen." Er spielte damit vor allem auf die Gewalt im Drogenkrieg an, unter der Mexiko zu leiden hat, aber auch auf die bittere Armut großer Teile der Bevölkerung.

Der Zeitpunkt des Besuches stieß bei Mexikos Opposition auf Kritik. Präsident Calderon von der konservativen PAN empfing den 84-Jährigen 14 Tage vor der Wahl des neuen Staatsoberhaupts. Viele PAN-Wähler sind Katholiken. Die Opposition vermutet, die in Umfragen zurückliegende PAN könnte durch den Besuch ihre Wähler leichter mobilisieren.

Missbrauchsopfer erheben schwere Vorwürfe

Opfer von sexuellem Missbrauch in Mexiko erhoben schwere Vorwürfe gegen den Papst. Der 84-Jährige habe in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan die Aufklärung des Missbrauchsskandal um den inzwischen verstorbenen Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Marcial Maciel, behindert, heißt es in einem Manifest, das die Opfer am Samstag aus Anlass des Papstbesuches in Mexiko veröffentlichten. Eines der Opfer, Jose Barba, beklagt in der Videobotschaft, dass sie über Jahre nicht gehört worden seien. Die Opfer des Missbrauchsskandals kritisierten zudem, dass das Thema auch beim Besuch des Papstes in Mexiko nicht zur Sprache käme.

Vatikansprecher Federico Lombardi wies die Vorwürfe am Sonntag zurück. Weder der heutige Papst noch Johannes Paul II. hätten vor 1998 vom Doppelleben des Ordensgründers gewusst, sagte Lombardi vor Journalisten in Leon. Es sei ungerecht, Benedikt als einen Papst zu bezeichnen, der gegen Wahrheit und Transparenz sei.

Benedikt XVI. forderte unterdessen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen in dem Drogenkrieg in dem Land. Er erhebe seine Stimme, "um alle aufzufordern, Kinder zu schützen und für sie zu sorgen, so dass sie in Frieden leben und der Zukunft vertrauensvoll entgegensehen können", sagte Benedikt am Samstagabend (Ortszeit) im zentralmexikanischen Guanajuato bei einer Begegnung mit 1800 Kindern.

Markismus liefere "keine Antworten mehr"

Auch für die nächste Station der Papst-Reise werden vermutlich politische und gesellschaftliche Themen dominieren. Schon vor seinem Besuch im kommunistischen Kuba ab Montag drängte Benedikt auf ein neues Gesellschaftsmodell. "Es ist heute offensichtlich, dass die marxistische Ideologie, wie sie einst formuliert wurde, keine Antworten mehr auf die Fragen der Gegenwart gibt", sagte der Papst am Freitag. Es gelte nun in einem "konstruktiven Dialog" nach "neuen Modellen" zu suchen. Dabei sei es jedoch wichtig, geduldig und konstruktiv vorzugehen. Das Kirchenoberhaupt wird während seines dreitägigen Besuchs nicht mit kubanischen Dissidenten zusammentreffen. Im Vorfeld betonte er jedoch, die Kirche stehe immer auf der Seite von Religions- und Gewissensfreiheit und werde in diesem Sinne handeln.

Nach Jahren der Feindschaft hat die Regierung von Präsident Raul Castro, des Bruders von Revolutionsführers Fidel Castro, ein Interesse daran, die Kirche als Verbündeten zu gewinnen. Raul ist in Glaubensfragen offener als sein Bruder und genehmigte im vergangenen Jahr eine Prozession zu Ehren der Jungfrau von El Cobre. Laut Erzbischof Jaime Ortega kamen eine Million Gläubige, um die Schutzpatronin der Insel zu sehen. Die Kirche hat allerdings viel von ihrer einstigen Stärke verloren. Heute sind noch etwa 60 Prozent der 11,2 Millionen Kubaner getauft. Von ihnen besuchen nach Kirchenangaben nur fünf Prozent regelmäßig den Gottesdienst.

Trotz dieser Schwäche ist die Staats- und Parteiführung auf die Kirche angewiesen. Sie ist auch nach Jahren der Unterdrückung die einflussreichste gesellschaftliche Kraft neben der Regierung. Bei Projekten wie einer anstehenden Verwaltungsreform, die für eine Million Regierungsangestellte die Kündigung bedeuten könnte, gilt die Kooperation mit der Kirche als unverzichtbar.

(Ag.)

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