Papst Benedikt: "Marxismus nicht mehr zeitgemäß"

25.03.2012 | 16:17 |   (DiePresse.com)

Bei seinem Besuch in Mexiko wurde der Papst mit Jubel, aber auch mit schweren Vorwürfen von Missbrauchsopfern empfangen. Morgen reist er nach Kuba weiter, Kritik am dortigen System übte er schon jetzt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Bei seinem Besuch in Mexiko ist Papst Benedikt XVI. ein begeisterter Empfang bereitet worden. In dem katholisch geprägten Land säumten Gläubige die 35 Kilometer lange Strecke durch die zentral gelegene Stadt Leon, wo das Kirchenoberhaupt mit Präsident Felipe Calderon zusammentraf. Opfer von sexuellem Missbrauch in Mexiko erhoben zuvor schwere Vorwürfe gegen den Papst.

Bei seinem ersten offiziellen Besuch in dem mittelamerikanischen Land prangerte der Papst die Gewalt der Drogenbanden an und sprach mit Betroffenen der Auseinandersetzungen, denen in fünf Jahren rund 50.000 Menschen zum Opfer fielen. Mit Spannung wird der Besuch in Kuba ab Montag erwartet. Den herrschenden Kommunismus kritisierte der Papst als nicht mehr zeitgemäß, bot aber gleichzeitig die Hilfe der Kirche an.

"Vergötterung des Geldes demaskieren"

Mit Blick auf den mexikanischen Drogenkrieg sagte der Papst: "Wir müssen alles tun, dieses zerstörerische Böse zu bekämpfen, das sich gegen die Menschheit und die Jugend richtet." Die Kirche müsse "das Böse entlarven und die Vergötterung des Geldes demaskieren". Benedikt empfing in einer Privataudienz acht Betroffene, darunter Verwandte eines getöteten Soldaten und ein Entführungsopfer.

Calderon hatte Benedikt am Freitag mit den Worten in Mexiko begrüßt, der Besuch sei ein Zeichen der Solidarität des Papstes mit seinem Land in einer Zeit der schweren Krisen. "Wir werden das nicht vergessen." Er spielte damit vor allem auf die Gewalt im Drogenkrieg an, unter der Mexiko zu leiden hat, aber auch auf die bittere Armut großer Teile der Bevölkerung.

Der Zeitpunkt des Besuches stieß bei Mexikos Opposition auf Kritik. Präsident Calderon von der konservativen PAN empfing den 84-Jährigen 14 Tage vor der Wahl des neuen Staatsoberhaupts. Viele PAN-Wähler sind Katholiken. Die Opposition vermutet, die in Umfragen zurückliegende PAN könnte durch den Besuch ihre Wähler leichter mobilisieren.

Missbrauchsopfer erheben schwere Vorwürfe

Opfer von sexuellem Missbrauch in Mexiko erhoben schwere Vorwürfe gegen den Papst. Der 84-Jährige habe in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan die Aufklärung des Missbrauchsskandal um den inzwischen verstorbenen Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Marcial Maciel, behindert, heißt es in einem Manifest, das die Opfer am Samstag aus Anlass des Papstbesuches in Mexiko veröffentlichten. Eines der Opfer, Jose Barba, beklagt in der Videobotschaft, dass sie über Jahre nicht gehört worden seien. Die Opfer des Missbrauchsskandals kritisierten zudem, dass das Thema auch beim Besuch des Papstes in Mexiko nicht zur Sprache käme.

Vatikansprecher Federico Lombardi wies die Vorwürfe am Sonntag zurück. Weder der heutige Papst noch Johannes Paul II. hätten vor 1998 vom Doppelleben des Ordensgründers gewusst, sagte Lombardi vor Journalisten in Leon. Es sei ungerecht, Benedikt als einen Papst zu bezeichnen, der gegen Wahrheit und Transparenz sei.

Benedikt XVI. forderte unterdessen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen in dem Drogenkrieg in dem Land. Er erhebe seine Stimme, "um alle aufzufordern, Kinder zu schützen und für sie zu sorgen, so dass sie in Frieden leben und der Zukunft vertrauensvoll entgegensehen können", sagte Benedikt am Samstagabend (Ortszeit) im zentralmexikanischen Guanajuato bei einer Begegnung mit 1800 Kindern.

Markismus liefere "keine Antworten mehr"

Auch für die nächste Station der Papst-Reise werden vermutlich politische und gesellschaftliche Themen dominieren. Schon vor seinem Besuch im kommunistischen Kuba ab Montag drängte Benedikt auf ein neues Gesellschaftsmodell. "Es ist heute offensichtlich, dass die marxistische Ideologie, wie sie einst formuliert wurde, keine Antworten mehr auf die Fragen der Gegenwart gibt", sagte der Papst am Freitag. Es gelte nun in einem "konstruktiven Dialog" nach "neuen Modellen" zu suchen. Dabei sei es jedoch wichtig, geduldig und konstruktiv vorzugehen. Das Kirchenoberhaupt wird während seines dreitägigen Besuchs nicht mit kubanischen Dissidenten zusammentreffen. Im Vorfeld betonte er jedoch, die Kirche stehe immer auf der Seite von Religions- und Gewissensfreiheit und werde in diesem Sinne handeln.

Nach Jahren der Feindschaft hat die Regierung von Präsident Raul Castro, des Bruders von Revolutionsführers Fidel Castro, ein Interesse daran, die Kirche als Verbündeten zu gewinnen. Raul ist in Glaubensfragen offener als sein Bruder und genehmigte im vergangenen Jahr eine Prozession zu Ehren der Jungfrau von El Cobre. Laut Erzbischof Jaime Ortega kamen eine Million Gläubige, um die Schutzpatronin der Insel zu sehen. Die Kirche hat allerdings viel von ihrer einstigen Stärke verloren. Heute sind noch etwa 60 Prozent der 11,2 Millionen Kubaner getauft. Von ihnen besuchen nach Kirchenangaben nur fünf Prozent regelmäßig den Gottesdienst.

Trotz dieser Schwäche ist die Staats- und Parteiführung auf die Kirche angewiesen. Sie ist auch nach Jahren der Unterdrückung die einflussreichste gesellschaftliche Kraft neben der Regierung. Bei Projekten wie einer anstehenden Verwaltungsreform, die für eine Million Regierungsangestellte die Kündigung bedeuten könnte, gilt die Kooperation mit der Kirche als unverzichtbar.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

26 Kommentare
 
12

der redet über zeitgemäß?

wieder ein beweis dass der nicht mehr weis wovon er spricht....


Gast: o`Brien
25.03.2012 19:30
0

Halleluja-Heuchelei

Die Kirche müsse "das Böse entlarven und die Vergötterung des Geldes demaskieren".
XI 2008, 2 Monate nach der Lehmann Pleite, hat der Vatikan in ganz großem Stil Gold gekauft, dessen Preis sich seither beinah verdreifacht hat. Wenn diese Sonderlinge im Kleidchen nur endlich den Rand halten würden.....Höchste Zeit das Böse in der katholischen Kirche zu entlarven und ihre Vergötterung des Kapitals zu demaskieren.

Antworten Gast: Gutartiges Geschwulst
26.03.2012 00:34
0

Re: Halleluja-Heuchelei

"2 Monate nach der Lehmann Pleite, hat der Vatikan in ganz großem Stil Gold gekauft, dessen Preis sich seither beinah verdreifacht hat."
Ehrlich gesagt, wünschte ich mir eine weltliche Regierung, die imstande wäre das Vermögen ihrer Bürger zu verdreifachen!
Noch mehr, wünschte ich mir allerdings eine Ideologie, die geeignet wäre die Intelligenz ihrer Adep(p)ten zu verdreifachen.

Gast: Halleluja
25.03.2012 18:49
8

Gott: "Papst nicht mehr zeitgemäß"


Gast: Fidel Castro
25.03.2012 17:56
10

Der Katholizismus ist nicht mehr zeitgemäß


Antworten Gast: Fidel Castro
25.03.2012 18:24
2

Re: Der Katholizismus ist nicht mehr zeitgemäß

Hier im Presseforum gehen die papstsüchtigen um .... wenn ich genug rotstricherl bekommen haben (um genung fläche zu haben) lass ich von anonymus Hammer und Sichel reinhacken. Dank euch Comrades.

Es ist einiges nicht mehr zeitgemäß, z.B...


....der feudale Kirchenstaat

.....die Vatikanbank

....die enge Verbindung zur Mafia

und und und.

Dieser Papst hat es auch nicht begriffen, daß Kirche und christlicher Glaube getrennte Wege gehen.

Gast: b754
25.03.2012 17:46
8

50 missbrauchsfälle in kremsmünster

das ist das system kirche

aber der Kapitalismus

ist zeitgemäß? Der alte Mann in Maßschuhen und Seidengewändern ist nicht mehr zeitgemäß! Sich heute immer noch als Vertreter Gottes ausgeben ist doch mehr als eine Anmaßung!

@ „Marxismus nicht mehr zeitgemäß“






Marxismus & Katholizismus – was wir über andere sagen sagt mehr über uns selbst aus (Paul Watzlawick)…






Antworten Gast: freundderspinner
25.03.2012 21:23
1

Re: @ „Marxismus nicht mehr zeitgemäß“

schön, dass sie über das wochenende freigang aus der geschlossenen hatten.

@ „Wir müssen alles tun, dieses zerstörerische Böse zu bekämpfen, das sich gegen die Menschheit und die Jugend richtet.“






sagte der Chef des Vatikans dessen Bank vor kurzem wieder Konten wegen Verdachts auf Geldwäsche von Drogengeldern geschlossen wurden…






@ Papst Benedikt XVI. „habe in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan die Aufklärung des Missbrauchsskandal um den inzwischen verstorbenen Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Marcial Maciel, behindert“






nicht doch, er hat nur wieder von nix gewusst – so wie bei den Pius-Brüdern…






Gast: EFF EFF
25.03.2012 15:12
6

Die Reichen bleiben reich und die Armen kommen in den Himmel.

Der Anstoss wirklich neue Gesellschafsmodelle zu erarbeiten ist doch interessant. Dabei sollte er die seit Ambrosius († 397) akute Reformbedürftigkeit der katholischen Kirche nicht ausklammern.

Papst Benedikt: "Marxismus nicht mehr zeitgemäß"

Dafür aber der Islamismus..................

Gast: Atheistenbeobachter
25.03.2012 15:00
1

Der Zustand ..... in A-Stan ist erschreckend

Wenn man hier so die Kommentare liest.... Man koennte fast meinen, es gibt in der Hoelle sowas wie eine A-stan Abteilung. Aber der Teufel wirkt ja bevorzugt dort, wo es einmal sehr katholisch war.....

Re: Wenigstens nehmen Sie es zur Kenntnis.

Den Teufel können Sie sich allerdings sonst wohin ...

Antworten Gast: foobaro
25.03.2012 15:25
6

Re: Der Zustand ..... in A-Stan ist erschreckend

Sie mit ihren jungen Göttern ... da bleibe ich lieber bei meinem Erntegott. Der hat mich zumindest nie enttäuscht!

Wobei ich es natürlich sehr traurig fand, als er neulich eine schlechte Weinernte beschert hat. Aber, das war meine Schuld: Ich habe nämlich dieses Jahr nur ein kleines Opfer gebracht.

Nächstesmal weiß ich es aber besser!

Gast: b754
25.03.2012 14:34
16

lieber ratzinger

vor allem ist die kirche nicht mehr zeitgemäß

Antworten Gast: lpg
25.03.2012 15:20
5

Re: lieber ratzinger

Weisst, die katholische Kirche war noch nie zeitgemaess und so ist sie schon bald 2000 Jahre alt geworden!

Dort wo die Kirche sich der Zeit anpasste, da ging es dann rapidie bergab mit ihr.

So braucht sie immer wieder Reformen wider den Zeitgeist.

Denn altbekannt ist ja:
Wer mit der Zeit geht,
muss mit der Zeit gehen!


Gast: ggggggggg
25.03.2012 14:29
12

Also diesem Benedikt ist wahrlich nicht zu helfen!

WAR der Kommunismus jemals zeitgemäß???

Und die kath.Kirche bietet ihre Hilfe an????

Bruaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!!

Schafe

Haha ! Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen !
Hat sich noch niemand gefragt warum die katholische Kirche ihre Gläubigen als Schafe bezeichnet und sich selbst als Hirten...

Das ist ja mal ein Programm!

Und das gerade in Mexiko!

Man muss nur die Mörder fragen, welcher Religion sie so in Mexiko angehören, ob sie an Gott glauben, an die katholische Kirchen und an die 10 Gebote!

Wetten, die glauben alle daran und morden gelassen weiter.

Denn, man kann ja beichten. Und wenn der Pfarrer nicht die Absolution erteilen sollte (weil bei Mord gibts das nicht), dann wird eben der Pfarrer ausgetauscht. Und falls er eine Predigt halten sollte, die kritisch dagegen anspricht, dann wird ebenfalls der Pfarrer ausgetauscht.

Aber wie gesagt: Die Narco-Verbrecher glauben alle an Gott und vor allem auch an die Mutter Maria, sind katholisch und finden, dass - der jeweilig andere - die 10 Gebote einhalten sollte.

Gast: ROTFRONT
25.03.2012 13:08
9

Tralalala! Wir habens lustig!

Am Sonntag schnell eine Oblate zwischen die Kiefer, dann mal was fürbitten und am Montag wieder als Otto-Normalbürger auf Kosten der 3.Welt in Saus und Braus leben.
Aber in den Himmel kommen wir!

licht für blinde


mehr geld für arme


 
12

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    12:00
    Wien
    21°
    Steiermark
    19°
    Oberösterreich
    19°
    Tirol
    24°
    Salzburg
    26°
    Burgenland
    21°
    Kärnten
    19°
    Vorarlberg
    19°
    Niederösterreich
    24°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden