Papst-Rede "beleidigend und beängstigend"

15.05.2007 | 15:37 |   (DiePresse.com)

Die Ureinwohner in Brasilien weisen die Rede von Benedikt XVI. empört zurück. Der Papst glaubt, die Kirche habe die Indianer in Lateinamerika erlöst.

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Ureinwohner in Brasilien haben am Montag eine Rede des Papstes empört zurückgewiesen, wonach die katholische Kirche die Indianer in Lateinamerika erlöst habe. Benedikt XVI. hatte in einer Rede zum Ende seines Brasilien-Besuchs vor Bischöfen gesagt, die katholische Kirche habe sich den Eingeborenen in Lateinamerika nicht aufgezwungen. Vielmehr hätten die Stämme die Ankunft der Priester im Zuge der spanischen Eroberung still herbeigesehnt.

"Es ist arrogant und respektlos, unser kulturelles Erbe als zweitrangig zu bewerten."
Jecinaldo Satere Mawe, Leiter des Amazonas-Stammes Coiab

Auch Sandro Tuxa wies als Koordinator der nordöstlichen Stämme die Worte des Papstes zurück. "Zu sagen, dass die kulturelle Dezimierung unserer Volkes eine Reinigung darstellt, ist beleidigend und - offen gesagt - beängstigend", sagte Tuxa.

Während der von der katholischen Kirche unterstützten Kolonialisierung Lateinamerikas durch die Europäer starben Millionen von Ureinwohnern durch Massaker, Krankheiten und die Folgen von Versklavung. Benedikts Vorgänger Papst Johannes Paul II. hatte 1992 in einer Rede Fehler bei der Evangelisierung der einheimischen Stämme eingeräumt.

Papst warnt vor Politisierung der Kirche

Weiters hat Benedikt der XVI. auch der in Lateinamerika weit verbreiteten Theologie der Befreiung eine Absage erteilt. Eine politisch und sozial aktive Rolle der Kirche, wie sie die Befreiungstheologen fordern, lehnte der Papst in seiner Messe ab. Der katholische Glaube sei weder ein politisches oder soziales noch ein wirtschaftliches System. Aber auch das vorherrschende System des Kapitalismus lehnte Benedikt, ebenso wie das des Marxismus, als gottlose Ideologien ab. Insgesamt blieben die Botschaften des Papstes aber eher konservativ. (Ag/Red.)

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78 Kommentare
 
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die katholische Kirche wird immer skurriler!


ständig neues Absurdes:

• am Jahresanfang soll ein Geheimdienstspitzel in Polen Bischof werden
• in Österreich gibt es Verstöße gegen das Datenschutzgesetz (Eintreibung des Kirchenbeitrags per SMS als „pastorale“ Tätigkeit)
• fundamentalistische Hooligans der katholischen Kirche nötigen Passanten vor der Lugner City
• ein (w)irrer Weihbischof aus Salzburg erklärt Richard Lugner für exkommuniziert
• Schönborn fliegt in die USA um dort (nicht in Österreich) für Religion im Biologieunterricht zu werben
• ein deutscher Bischof bezeichnet Frauen als „Gebärmaschinen“
• ein 600-seitiges Buch (!) über die Kollaboration der katholischen Kirche mit dem kommunistischen Regime in Polen erscheint
• der Erzbischof von Pressburg soll für die tschechoslowakische Stasi spioniert haben
• Ratzinger will Gott in der EU-Verfassung verankern
• Ratzinger verharmlost bei seinem Brasilien-Besuch die Mitwirkung der kath. Kirche beim Tod von Millionen Ureinwohner

Was kommt als nächstes?

Gast: Gastwirt
16.05.2007 16:12
0

Reaktionen

Und verbrennen die Ureinwohner schon Papstpuppen? Drohen sie dem Papst mit dem Tod?

Nein. Das dürfte eine Spezialität der Pensionssicherer-Nationen sein.

Re: Reaktionen

muß erst soweit kommen?

Gast: Hochwürden
16.05.2007 13:01
0

Unter den gegebenen Umständen

werden wir ja in nicht allzu langer Zeit die Freuden und Segnungen des Islam geniessen können. Da werden sich aber dann die Obergscheiterln ihre Wortmeldungen verkneifen müssen, denn mit der Einführung der Scharia heisst's dann Rübe ab. Viele werden sich dann nach dem Christentum und den Papst zurücksehnen. Das wird's aber dann nicht mehr spielen. In Holland und Belgien sind schon 50% der Neugeborenen Museln. Aufwachen, es ist schon 5 nach 12.
Der Islam die Religion des Friedens, der Barmherzigkeit und der Toleranz, freuet euch !

Antworten Gast: Gastwirt
16.05.2007 16:10
0

Re: Unter den gegebenen Umständen

In Wien haben schon seit Jahren mehr als 50% der Neugeborenen Migrationshintergrund (2006: 59%).

Kann jeder im statistischen Jahrbuch Wiens nachlesen.

Es gibt bei den Müttern von Neugeborenen (Wien) schon gleich viele Moslems wie Katholiken. Dazu kommen noch viele Mütter, die keine Angaben machen. Wahrscheinlich, weil Analphabeten einen Fragebogen auch dann nicht ausfüllen können, wenn der Fragebogen in türkischer Sprache ist.

Homepage der Stadt Wien in Türkisch:
http://wien.at/tr/

Re: Re: Unter den gegebenen Umständen

gibts nur eins, liebe abendländischen Christen: mehr v....

zum Kotzen,

dass die Menschheit es nicht schafft ohne Glaubensideologien auszukommen. Christentum, Islam, Freikirchen und was auch sonst immer! Alle Mörder und Verberecher an der Menscheit im Namen ihres "Glaubens". Anscheinend sind wir dem Leben ohne Glaubenskrücke nicht gewachsen und in unserem Wahn treten wir dabei das Menschsein ständig mit Füssen.

ungkücklich formuliert, aber

Na ja. Besonders feinfühlig war das nicht, denkt man an die Greuel der Konquistatoren. Es muss aber dennoch festgehalten werden,
1.) dass die Indios selber ein verquere Form der Zivilisation besassen (Menschenopfer, tw. Kannibalismus (das Wort bezieht sich ursprünglich auf die Kariben (einem Stamm no na in der Karibik), Kriegsspiele etc.). Also zumindest in dieser Nuance wenig Grund haben, den guten alten Zeiten nachzutrauern.
2.) die Konquistatoren sich der Unterstützung befeindeter Indianerstämme bedienten, da die Indios erst viel zu spät begannen, eine polit. Einheit über die Stammesgrenzen hinaus zu formieren
3.) wäre die Evangelisierung wirklich nur eine Qual alleine gewesen, warum zerfielen die Kirchen nicht dort spätestens nach der Entkolonialisierung wieder?
4.) v.a. die RKK jetzt hauptsächlich ihre Schafe an evangelikale Gruppen verliert, die wesentlich sexistischer, homophober und restriktiver gegen liberale Strömungen vorgehen

Antworten Gast: Martin
27.05.2007 12:26
0

@typhon typhoon

1) die verquerte Form der Zivilisation besaß das Christentum, das sich damals gegen Fortschritt, gegen Menschenrechte und gegen jede andere Art von anderer Kultur stellte. Es gibt keine belegte Fälle von Kannibalismus. Es gab Fälle von Kriegsbräuchen wie das Herz des Gegners verspeisen. Aber wissen sie was, Europäer nahmen Totenschädel ("Schrumpfköpfe"). Und nur weil der Kannibalismus nach einem karibischen Stamm benannt wurde, heißt das noch lange nichts.

2) Was hat das jetzt damit zu tun? Lernen sie zu argumentieren, denn dieser Absatz ergibt in diesem Kontext keinen Sinn, außer sie wollen die Völkermorde an den Indigenen den Indigenen in die Schuhe schieben.

3) Oh je, sie haben ja von Manipulation Ahnung! Für eine so mächtige Organisation/Staat/Kolonialherrscher ist es kein Thema ihre neue Kultur zu etablieren. Außerdem wurde das schon dadurch gefördert, dass die Indigenen nur durch das formale Annehmen des Christentums leben durften. Die meisten Christen kamen aus Europa.

Gast: Nachdenklich
16.05.2007 09:37
0

So so.

Mal wieder was gefunden zum meckern, westliche Medien. Ihr seid es doch, die fordern die katholische Kirche solle in Afrika etwas gegen AIDS unternehmen. Unternimmt sie etwas, kritisiert ihr nur. Ihr fordert, dass sie in Lateinamerika soziales Engagement zeigt. Lobt der Papst das Erlösungswetrk Christi auch für die Indianervölker, dann kritisiert ihr wieder nur.
Nimmt die RKK und der Vatikan zu moralischen Misständen in Europa Stellung, dann kritisiert ihr, dass sie es in Europa tun. Also. Ihr seid Rassisten. Ihr wollt, dass die RKK in Afrika und Lateinamerika eingreift. Greift sie auch in Europa ein, dann wollt ihr das nicht. Das Evangelium gilt allen Menschen. Sogar euch!

Gast: Karlheinz
15.05.2007 23:35
0

eine gute Woche beginnt mit einem gelungenen Austritt…


Kirche nicht gleich Papst

Genausowenig, wie wir Österreicher etwas dafür können, dass unsere Politiker so viel Bullshit von sich geben, kann die katholische Kirche dafür, wenn das Papst Mist baut.

Gast: Philosophulus
15.05.2007 20:44
0

Zerstörung des Katholizismus

Sehnt der Papst die Zerstörung des Papsttums herbei?
Es ist eine alte psychologische Weisheit, das man sein eigenes Inneres in andere hineininterpretiert und dort versucht, es zu manipulieren.

Ist der Niedergang der katholischen Kirche noch zu verhindern?


.

Gast: Realist
15.05.2007 19:03
0

Denkanstoß


• eine Mitgliedschaft in der kath. Kirche erleichtert die Brieftasche

• ein Austritt erleichtert das Gewissen

Um Aussagen des Papstes zu verstehen muss man den

Aus der Sicht des Papstes wären die Indios direkt in die Hölle gefahren, wenn nicht die Christen gekommen wären und ihre Seelen - das ist eben für den Papst wichtig - gerettet hätten. Millionen Tote zählen nicht bei der Kirche. Wichtig ist nur die Seele. Christen glauben ja, dass sie erst so richtig aufleben, wenn sie tot sind.

Natürlich sind diese Vorstellungen Humbug, aber Christen leben in ihrer eigenen Phantasiewelt und wollen den Platz nach ihrem Tod, möglichst direkt neben ihrem Chef, den sie sich in ihrer Phantasie ausgemalt haben, nicht hergeben. Soll man armen Menschen wirklich ihr Letzes nehmen und erklären, warum es keinen Gott oder eine oberste Instanz geben kann und dass ihre Vorfahren die Indios nur aus Gier brutal von gläubigen Christen sinnlos niedergemetzelt wurden. Der Papst gibt in seiner Rede dem Sterben der Vorfahren der Indios einen Sinn und für gläubige Indios ist es, so vermute ich, ein Trost, wenn sie hören, dass dafür eben die bekehrten Indios ewig leben.

Antworten Gast: Lily
15.05.2007 19:27
0

Re: Um Aussagen des Papstes zu verstehen muss man den

Grotesk, was sie da verzapfen! - Ist¿s heuchlerische Schlitzohrigkeit?

Re: Re: Um Aussagen des Papstes zu verstehen muss man den

Alles ist Grotesk, es kommt eben auf die Sichtweise an. Alles ist zu 99,99...98 % richtig und gleich"zeitig" - "zeitig" unter Anführungszeichen, da es Zeit gar nicht gibt und sie nur eine Täuschung ist - falsch.

Der Artikel

steht hier, verbatim, so wie im Standard. Offenbar hat der Herr Redaktor Wort für Wort von der APA abgeschrieben. Ich bin sicher daß der Artikel auch so bei den OÖN, den Salzburger Nachrichten und in der Wiener Zeitung steht.
Pfffft!

DIESER Papst wird zur Belastung!

Als Kardinal Ratzinger zum neuen Papst gewählt wurde, hieß es, es gelte, die Linie des Vorgängers fort zu setzen; wenn auch auf eigenen Beinen! Schon das wäre keine wirklich hoffnungsvolle Zukunftsperspektive gewesen. Doch dann wurde es noch ärger: Ratzinger ging nämlich, was wohl nur die konsequentesten Pessimisten von ihm erwartet haben, sogar noch hinter den eh nicht wirlich progressiven Standpunkten des Vorgängers zurück! Wenn er also jetzt behauptet, die Indios hätten die (Zwnags-)Christianisierung "herbei gesehnt", dann wohl nur in der Weise, wie auch die Juden in Deutschland seinerzeit den Machtantritt der Nazis "herbei sehnten". Die "Erlösung der Indios im wahren Glauben" sollte ja nichts anders sein, als die spirituelle Legitimierung recht profaner Macht- und Ausbeutungsansprüche. Wo sich die Missionare (z.B. die Jesuitengemeinde in Paraguay) tatsächlich dem Schutz der Indios verpflichtet fühlten, wurden diese Experimente von Staat und Vatikan gleichermaßen rasch abgewürgt.

Antworten Gast: Gast
16.05.2007 13:11
0

Re: DIESER Papst wird zur Belastung!

Irrtum! Dieser Papst IST eine Belastung!

Der Papst spricht die Wahrheit!

Überlegen sie sich bitte nur einen Augenblick, warum der Raubzug des Hernán Cortés gelingen konnte - weil sich die große Masse der Bevölkerung einen anderen Herrscher (= Gott) gewünscht hat! Die Eroberung Mexikos konnte nur gelingen, weil sich die große Mehrheit der dem grausamen Terrorregime der Azteken unterworfenen Stämme und Völker auf Seiten der Spanier schlug.
Und was den Genozid betrifft, der hat so nicht stattgefunden: gestorben sind die Ureinwohner wie die Fliegen an für die Spanier harmlosen, für die Indianer jedoch tödlichen Krankheiten wie den Blattern und Pocken.
Christen mögen daher schuld am Untergang der amerikanischen Reiche in dem Sinne sein, daß sie diesen verursacht haben - allein, die Schuld, die sich die Conquistadoren aufgeladen haben, ist sicherlich um vieles kleiner, als es die linken Gutmenschen heute wahrhaben wollen.
Lernen's Geschichte.
Lesen Sie "True History of the Conquest of New Spain" von Bernal Diaz (1492 - 1581)

Lernen'S bitte wirklich Geschichte

Auch wenn Sie vielleicht mit den Pocken Recht haben mögen, das vom Papst bereiste Gebiet war Stammes- und Herrschaftsgebiet der Inkas und die wurden - peinlich wenn man wie Sie andere zum Geschichtsunterricht schickt - von Francisco Pizarro ab 1532 erobert und unterworfen.

Dabei wurden Schätze im heutigen Wert von rund 50 Mio EUR "freiwillig" an die Spanier übergeben.

In Anbetracht der tatsächlichen Vorfälle noch - wie Sie es tun - von einer "viel kleineren Schuld der Conquistatoren" zu sprechen, ist zumindest geschmacklos wenn nicht ungebildet zu nennen.

Kleine Nachfrage: Wie kann und konnte ein getaufter (und damit in Ihrem Weltbild automatisch GUTER) Christ auch nur einen einzigen Mord (und derer gab es bei der Eroberung viele - allzu viele) billigen, rechtfertigen (z.B. auch mit Erlösung) oder gar selbst begehen? Ein wohl ewiges Rätsel für alle wirklich Gottesfürchtigen, warum im Namen vieler Götter und Religionen immer wieder gemordet wurde und wird.

Re: Lernen'S bitte wirklich, wirklich, wirklich Geschichte

Der Papst war aber gerade in Brasilien und soviel ich weiß, war das bis ins 19.jahrhundert PORTUGISISCHE Kolonie, just for info. Der Pizarro war in Peru bzw. in München bei Bayern:):)

Re: DIESER Papst wird zur Belastung!

Wer die Wertewelt desjenigen kennt, der eine Aussage macht, ist niemals beleidigt über dessen Aussage, sondern nur bereichert um eine Erkenntnis.

Nur linke Vollidioten verbieten heutzutage Meinungen und sperren Menschen wegen anderer Meinung ein. Der Papst tut das nicht. Er schließt höchstens Meinungsabweichler aus seiner Werte- bzw. Glaubensgemeinschaft aus. Auf Grund des allgemeinen Ansehens des Papstes auf Grund seiner Persönlichkeit kann dies durchaus eine Bestrafung sein.

Linke können so nicht reagieren, da es natürlich für jeden ehrenwerten Menschen sowieso eine Ehre ist kein Linker zu sein. Ein Ausschluss aus linken Kreisen würde eine Ehrenwertigkeit nur unterstreichen. Linke sehen einen Punkt, der ihrer Wertewelt widerspricht und reagieren mit Zorn, da sie primitiv und unfähig sind und daher ihre eigene geistige Krankheit (niemand ist gesund, jeder nur zu wenig untersucht, meiner Meinung nach ist Leben an sich eine Krankheit z. B. der Erde) nicht erkennen können.

Antworten Antworten Gast: lily
15.05.2007 23:46
0

Re: Re: DIESER Papst wird zur Belastung!

Ich korrigiere mich: Nicht "Schlitzohrigkeit", sondern simple Niedertracht.
Das alles hatten wir schon!
Ihr Pech ist die "späte Geburt"!

 
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