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Defekte Implantate: "Will wissen, wer betrogen hat"

05.01.2012 | 14:53 |   (DiePresse.com)

Der französische Gesundheitsminister will strengere Zulassungsverfahren von Medizinprodukten. Auch Männer könnten Opfer von defekten Implantaten sein.

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Im Skandal um defekte Billig-Brustimplantate hat sich die französische Regierung für strengere Regeln auf EU-Ebene bei der Zulassung von Medizinprodukten ausgesprochen. Gesundheitsminister Xavier Bertrand sagte am Donnerstag dem Sender LCI in Paris, er werde in einer Telefonkonferenz mit anderen europäischen Gesundheitsministern darüber sprechen. "Für Medizinprodukte brauchen wir andere Regeln, nur einfach ein Prüfzeichen reicht nicht." Während Medikamente eine strenge Zulassungsprozedur durchlaufen müssen, sind die Kontrollen bei Medizinprodukten weit weniger streng.

Bei der EU-Kommission stößt er dabei auf offene Ohren: Die will unter anderem die Rückverfolgbarkeit solcher Prothesen und anderer medizinischer Geräte in den nächsten Monaten verbessern. Außerdem soll das Genehmigungsverfahren schärfer gestaltet werden. Noch im ersten Halbjahr soll eine Neufassung der Richtlinie aus dem Jahr 2007 präsentiert werden.

Der Minister forderte auch Aufklärung in der Frage nach den Verantwortlichkeiten in dem Skandal. "Ich will wissen, wer Fehler gemacht hat, wer betrogen hat", sagte er. Bertrand wollte zunächst keine Angaben zu Presseberichten machen, wonach auch Männern PIP-Produkte zur Brustmuskel-Vergrößerung beziehungsweise an den Hoden eingesetzt worden seien. Der Minister sagte, dazu habe er noch keine zuverlässigen Informationen. Es müsse auch abgewartet werden, wieviele Personen betroffen seien und was in diesen Prothesen für Männer enthalten sei.

Implantate in Deutschland geprüft

Die 2010 aufgelöste Firma PIP hatte weltweit hunderttausende mit einem Billig-Silikon gefüllte Brustimplantate verkauft. Danach war es vermehrt zu Rissen in den Einlagen und in der Folge zu Entzündungen bei den betroffenen Frauen gekommen. Der Firma wird vorgeworfen, sie habe medizinisches Silikongel aus Kostengründen durch Industriesilikon ersetzt. Der TÜV Rheinland, der das europaweite Zertifikat für das Produkt ausgestellt hatte, sieht sich selbst durch die Firma getäuscht und hat deshalb bereits Anzeige erstattet.

In einem bisher einzigartigen Aufruf hatten die Behörden in Frankreich rund 30.000 Frauen empfohlen, sich die PIP-Silikonkissen vorsichtshalber wieder entfernen zu lassen. Nach jüngsten Angaben sind inzwischen 20 Frauen mit PIP-Implantaten an Krebs erkrankt. Einen Beweis für einen Zusammenhang zu den Silikonkissen gibt es aber nicht. Auch Frauen in Deutschland tragen die Einlagen, offizielle Zahlen liegen nicht vor. In anderen Ländern sind zehntausende Frauen betroffen, allein in Großbritannien sollen es bis zu 50.000 sein.

Defekte Brustimplantate: Der Skandal um platzende Silikonbrüste

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(Ag.)

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4 Kommentare
starshaper
08.01.2012 10:11
0 1

"schönheitssüchtig"?

Das hat wohl eher mit dem lateinamerikanischen Machismo und dem Anpassungsbedürfnis einiger Frauen zu tun. Wohl auch mit der fehlenden Achtung vor der Natur.

Antworten Gast: Dragon
23.01.2012 14:27
0 0

Re: "schönheitssüchtig"?

Es sind bei dieser Sache Menschen zu schaden gekommen!!
Brustvergrößerungen machen nicht nur frauen die D haben und F... wollen.
Es gibt auch vielen Frauen die Missbildungen haben, oder nach Krebs keine Brüste mehr haben....
Niemand der von solchen Dingen nicht betroffen ist hat ein Recht darüber zu urteilen!
Ich verurteile ja auch niemanden weil er sich graue haare überfärbt. So jemand hätte ja dann auch keinen Achtung vor der Natur oder? Und was ist mit Frauen (und Männern!) die sich schminken?.....

cmoss
07.01.2012 10:28
1 1

Journalisten ....

Was soll die rührselige Geschichte von der Valeria mit den geplatzen Implantaten? Gewährleistungsrecht gibt es auch in Lateinamerika und wenn die Implantate kurz nach der Operation geplatzt sind, mußte sie sicher nichts für die Reparatur bezahlen.

Und: Verklagt man auch den Staat, wenn das Auto einen Unfall auf Grund eines Produktionsfehlers verursacht, weil er durch die Ausgabe eines Kennzeichens schließlich die Benützungsbewilligung erteilt hat? NEIN!

Außerdem bilde ich mir ein, Mas in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz im französischen Fernsehen gesehen zu haben. Da kann ich mich aber irren.

Antworten Faktum Est
08.01.2012 14:46
0 0

Gewährleistungsrecht gibt es auch in Lateinamerika...

Diese Aussage ist wahrscheinlich richtig - theoretisch - denn:
1) erster Ansprechpartner (Haftender) ist der Arzt. Aber: auch wenn es sich dabei um einen gutverdienenden Schönheitschirurgen handelt, wird dieser - wenn Brustvergrößerungen seine Haupteinnahmequelle waren und er de fakto alle Implantate der letzten Jahre ersetzen muß - rasch pleite sein. Nun kann sich der Arzt
2) an den Importeur (Großhändler) wenden - aber auch diese werden sehr schnell Konkurs anmelden.
3) Regreß bei PIP? Die sind schon pleite.
4) Regreß bei Allianz Versicherung? Die haben schon erklärt, daß sie - da es sich um eine vorsätzliche Täuschung seitens des Herstellers PIP handelt - nicht für den Schaden aufkommen werden. Versichert können grundsätzlich nur Schadensereignisse werden, deren Eintreten vom Willen des Versicherungsnehmers unabhängig sind. Eine Versicherung wird also nur aufkommen müssen, wenn sich die Patientin selbst versichert hat. Also bleibt
5) nur die Hoffnung, daß die Behörde bei Zulassung und Kontrolle geschlampt hat. Ansonsten werden die Patientinen auf dem Schaden sitzen bleiben.