Toulouse: Polizei sucht Absender des Anschlag-Videos

27.03.2012 | 15:00 |   (DiePresse.com)

Die Aufnahmen zeigen den Zusammenschnitt mehrerer Morde des 23-Jährigen zeigen. Al-Jazeera wird das Video nicht ausstrahlen.

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Die französische Polizei ist in den Besitz von Videoaufzeichnungen der tödlichen Anschläge des Serienattentäters Mohamed Merah gelangt. Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera hat den Behörden Kopien der Videos zukommen lassen. "Das ist eine Videomontage mit Bildern der verschiedenen Morde mit Musik und Koranversen", so ein Ermittler zur Nachrichtenagentur AFP. Der Attentäter sei "äußerst gewaltsam" vorgegangen, berichtete Staatsanwalt François Molins, nachdem die Polizei sich den Film angesehen hatte.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy rief unterdessen die Fernsehsender auf, das Video von den Mordanschlägen, auf keinen Fall zu veröffentlichen. Dem Appell des Präsidenten schlossen sich auch die Familien der Opfer an. Al-Jazeera kündigte an, das Video mit der Attentatsserie nicht auszustrahlen. Ein Mitarbeiter des katarischen Fernsehsenders in Paris sagte gegenüber Reuters, in dem Video gebe es keine Information und seine Ausstrahlung würde gegen ethische Normen verstoßen.

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Noch sei unklar, wer das Video am vergangenen Mittwoch abgeschickt habe, aber es "kann nicht Mohamed Merah sein", teilte die Polizei mit. Der Film sei auf einem USB-Stick gespeichert gewesen und außerhalb von Toulouse abgeschickt worden. Zusätzlich enthielt die Sendung an Al-Jazeera auch einen handschriftlichen Bekennerbrief in französischer Sprache, der von Mohamed Merah unterzeichnet worden sei, wie es von Seiten der Ermittler weiter hieß. Der Brief sei "gespickt mit Rechtschreibfehlern" und von einem "verblüffenden Dilettantismus".

Suche nach Komplizen

Die Ermittler suchen außerdem nach einem Komplizen von Mohamed Merah. Dabei gehe es um den Diebstahl des Motorrollers, den der 23-Jährige bei seinen drei Bluttaten benutzt hatte, hieß es am Dienstag von Seiten der Polizei. Dieser Mann, der noch nicht identifiziert sei, sei womöglich auch vor den Anschlägen an Vorbereitungen beteiligt gewesen, etwa indem er Motorrad-Zubehör gekauft oder sich zur Abschaltung der Diebstahlsicherung kundig gemacht habe.

Mit falschem Pass nach Israel?

Der 23-jährige Merah ist im Jahr 2010 für drei Tage nach Israel und in die Palästinensergebiete gereist. Merah sei im September 2010 über die Grenze zu Jordanien in das von Israel besetzte Westjordanland eingereist, hieß es am Montagabend in israelischen Sicherheitskreisen. Er habe ein israelisches Touristenvisum gehabt und sei möglicherweise mit weiteren französischen Staatsangehörigen eingereist. Drei Tage später habe er das Land über denselben Weg verlassen.

Merah reiste damals nach Angaben des israelischen Armeeradios womöglich mit einem falschen Pass nach Israel. Eine Sprecherin der israelischen Einwanderungsbehörde sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Nach unseren Überprüfungen gibt es keinen amtlichen Beleg, dass er unter seinem eigenen Namen ins Land gekommen ist." Es werde weiter geprüft.

Merahs Vater will Frankreich verklagen

Merahs Vater kündigte am Montagabend von seinem Wohnsitz in Algerien aus an, Frankreich wegen der Tötung seines Sohns verklagen zu wollen. Die Sicherheitsbehörden hätten seinen Sohn lebendig fassen müssen, kritisierte er. Zudem kündigte der Vater an, dass Merah in Algerien bestatten werden solle.

Merah hatte bei drei Attentaten in und um Toulouse insgesamt sieben Menschen erschossen, Soldaten sowie drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Er wurde am vergangenen Donnerstag nach mehr als 30-stündiger Belagerung seiner Wohnung von Elitepolizisten erschossen.

(APA)

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12 Kommentare
Gast: Be-obachter
28.03.2012 19:30
0 1

Immer wieder al-Jazeera!

Ich möchte darauf hinweisen, dass Greenpeace sehr eng mit al-Jazeera verflochten ist.
Schon seltsam!

Gast: Kibietz
27.03.2012 15:07
0 8

Mei, stehen die Polizeimaxln wieder einmal auf der Soafn!

Wenn ihnen Al-Jazira die Filmchen schickt, na WER ist da wohl der Absender?

Da braucht man wohl kein DrDr sein um das zu gneissen.

Bester Beweis

Die Aussage des Vaters ist der beste Beweis für die Unvereinbarkeit von Islam und Rechtsstaat.

Gast: Blankensteiner Husar
27.03.2012 14:05
1 13

Und hat die Polizei auch schon gesagt wieviel Stimmen das Sarkozy bringen muss?

Wegen was anderem machen die doch sicher keinen tamtam.

Gast: Pace
27.03.2012 12:43
0 10

Geheinmdienstmann?

Merah soll ein Geheimdienstmann gewesen sein, aus dem Grund, ist er wahrscheinlich auch nicht lebendig gefasst worden.
Was das Video betrifft: Auch wenn es die europ. Medien nicht senden, im Nahen Osten oder im Internet, werden die schockierenden Bilder bald zu sehen sein, leider.

Gast: RAID
27.03.2012 12:28
6 1

Linksradikale: Where is your victim now?

Von wegen : Der ist nur das Opferlamm und erschossen worden damit er nicht aussagen kann (Was man ja sogar hier im Forum von so manchem geistig verwirrten gehört hat !)

Gast: nestbeschmutzer
27.03.2012 07:02
25 1

soso

Die Märtyrerrolle beginnt für diesen Massenmörder zu laufen. Leute, macht auf was gefasst. Das wird ne klassische Kulturkampfansage....

24 0

Der Vater sollte...

...das Maul halten und sich darum kümmern, das nicht mehr seiner Kinder zu Mördern und Terroristen werden!

Antworten Gast: baro palatinus
27.03.2012 12:43
10 1

Re: Der Vater sollte...

hierzu muss einmal mehr erklärt werden, dass die erziehung seiner kinder zu "nicht-mördern" für einen gläubigen moslemischen vater keine priorität haben dürfte. im fundamentalen gegensatz zu unserer christlichen (letztlich jüdischen) moral stellt das tötungsverbot im islam keinen zentralen - genauer gesagt gar keinen - wert dar.
das mag für den genuinen europäer schwer fassbar sein, aber nicht jede kultur kennt den grundsatz "du sollst nicht töten".

wie immer stellt dieser kommentar keine wertung dar, sondern schildert fakten, wie sie jederzeit intersubjektiv anhand der jeweiligen heiligen schriften der drei genannten religionen, überprüft werden können.

1 11

Re: Re: Der Vater sollte...

bitte bitte bitte stellen sie nicht jeden mUslimischen vater so hin! es gibt immer wieder schwarze schafe unter so vielen familien und sie sprechen hier beihnahe allgemein! das "du sollst nicht töten" ist keine religionsangelegenheit und wird in manchen religionen als selbstverständlich hingenommen - was auch bei menschen selbstverständlich ist!

dann sprechen sie von kulturen? das verwirrt ein wenig.... leben ist in jeder kultur das höchste recht. wie gesagt gibt es schwarze schafe die uns dann von den medien unter die nase gerieben werden.

Re: Re: Re: Der Vater sollte...

ganz so stellt es sich für mich nicht dar:
der Islam erlaubt gegenüber Heiden so ziemlich alles, sogar das Töten, wenn andere Mittel nicht so wirken, wie sie sollten.
also ist das Recht auf Leben möglicherweise das höchste Gut, aber nur die Gläubigen betreffend. und da eigentlich nur die Männer. Frauen fallen bei unbotmäßigem Verhalten dann schon auch einmal einem Ehrenmord zum Opfer.

Wenn solche Dinge passieren wie in Frankreich und wenn es einen liberalen Islam geben sollte, wäre das der Zeitpunkt vor den Vorhang zu treten.

Antworten Antworten Antworten Gast: baro palatinus
27.03.2012 14:45
2 0

Re: Re: Re: Der Vater sollte...

ich habe von keinen einzelpersonen gesprochen sondern ein grundsätzliches ungleichgewicht der religiösen normen aufgezeigt.

was Sie mir mit Ihrem kommentar sagen wollen ist mir trotzdem schleierhaft. natürlich gibt es genügend moslems, die nicht töten und töten an sich nicht gutheißen, ob dies aufgrund ihres religiösen hintergrunds der fall ist oder weil sie andernfalls durch strafgesetzgebung bedroht wären, weiß ich nicht. ahja und andere moslems sollten sie natürlich auch nicht töten - das wäre auch schön blöd.

dass eine kultur wohl maßgeblich von ihrer religion bestimmt aber nicht jede religion eine weltreligion ist, dürfte klar sein. das leben un(anders)gläubiger, also auch das der menschen der anderen offenbarungsreligionen (sprich christen und juden - von polytheisten ganz zu schweigen) ist im islam aber definitv nicht "höchstes recht".

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