Italien: Seismologen rechnen mit Nachbebenserie

30.05.2012 | 18:36 |   (DiePresse.com)

In der Nacht auf Mittwoch wurden über 60 Nachbeben gemeldet. Die italienische Regierung verabschiedet ein Paket mit Hilfsmaßnahmen.

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Seismologen rechnen mit einer längeren Nachbebenserie in der Region Emilia Romagna in Norditalien. Die Erdstöße könnten sogar noch Monate lang andauern. "Es wird bestimmt noch zu weiteren Erdstößen kommen. Nach einem Erdbeben im Jahr 1570, das die Stadt Ferrara erschütterte, dauerten die Nachbeben vier Jahre lang", betonte Gianluca Valensise, Mitglied des nationalen Instituts für Geologie und Vulkanologie.

In der Nacht auf Mittwoch wurden über 60 Nachbeben gemeldet. Das stärkste mit Intensität 3,8 auf der Richterskala hatte sein Epizentrum in der Provinz Modena und wurde um 8 Uhr gemeldet, berichteten die Experten.

14.000 Obdachlose in der Region

Die Zahl der Todesopfer des Erdbebens ist auf 17 gestiegen. In Medolla nahe der Stadt Modena wurde die Leiche eines Vermissten unter den Trümmern einer Fabrik entdeckt, teilte Italiens Zivilschutz mit. In derselben Gegend waren erst vor neun Tagen sechs Menschen bei einem heftigen Beben getötet und schwere Schäden angerichtet worden. Insgesamt 14.000 Menschen sind in der Region obdachlos. Experten waren am Mittwoch damit beschäftigt, die Stabilität mehrere Häuser zu überprüfen. Schulen und Fabriken blieben geschlossen.

Die Sachschäden sind gewaltig, ein Teil des Doms in der Stadt Carpi nahe Modena stürzte ein. Der Sportwagenproduzent Ferrari in Maranello unweit von Modena schloss seine Produktionswerke. Die Schäden an Monumenten und Gebäuden mit historischer Bedeutung seien unermesslich, sagten Experten des Kulturministeriums in Rom.

Das österreichische Generalkonsulat in Mailand nahm unterdessen mit zehn Österreichern Kontakt auf, die in der vom Beben betroffenen Provinz Modena wohnhaft sind. "Sie sind mit einem Schrecken davon gekommen. Sie haben natürlich das Erdbeben gespürt, sind aber weder verletzt, noch haben ihre Wohnungen Schäden erlitten", teilte die österreichische Generalkonsulin in Mailand, Sigrid Berka, mit.

Regierung beschließt Hilfsmaßnahmen

Der Ministerrat in Rom verabschiedete ein Paket mit Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Gebiete. Zur Finanzierung des Plans wurde eine Erhöhung der Benzinsteuer von zwei Cent pro Liter beschlossen. Die Regierung Monti beschloss außerdem, dass die vom Erdbeben betroffenen Gemeinden sich nicht an den internen Stabilitätspakt halten müssen, der die Lokalverwaltungen zu strengen Einsparungen zwingt.

Die Regierung erklärte den kommenden Montag zum Nationaltrauertag. Die EU ist nach Worten von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso bereit, Italien zu helfen. Die EU wolle Solidarität zeigen.

Auch Papst Bendikt XVI. hat seine Verbundenheit mit den Opfern und Betroffenen bekundet und rief die italienische Nation zur Solidarität auf. Er hoffe, dass es zu einer baldigen Wiederaufnahme des normalen Lebens in der "so schwer geprüften" Gegend komme.

"Mangelnde Vorsorge"

Italienische Geologen kritisierten unterdessen mangelnde Vorsorge vor schweren Erdbeben. Fast drei Millionen Menschen leben in Gebieten mit einem "hohen Erdbebenrisiko", während 21 Millionen Bürger in Gebieten mit einem "erhöhten Risiko" wohnen. In Italien gebe es aber kaum Prävention, kritisierten die Geologen. 725 Gemeinden in Italien seien von Erdbeben sehr bedroht, eine erhöhte Gefahr bestehe in 2344 Gemeinden, vor allem in Mittel- und Süditalien.

Auf seismisch aktiven Gebieten befinden sich zwölf Millionen Privatwohnungen und sechs Millionen öffentliche Gebäude. Allein in der vom Erdbeben betroffenen Region Emilia Romagna wohnen 1,3 Millionen Menschen in Gebieten mit einer erhöhten Gefahr, teilte der nationale Rat der italienischen Geologen CNG mit. Besonders bebengefährdet seien Kommunen entlang des Apennins.

Jetzt solle damit begonnen werden, die Bevölkerung auf schwere Katastrophen vorzubereiten, sagte CNG-Präsident Gian Vito Graziano. 60 Prozent der Immobilien in Italien seien vor 1971 errichtet worden, drei Jahre vor Einführung eines Gesetzes, das antiseismische Standards in der Bauwirtschaft eingeführt hatte.

(APA)

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1 Kommentare

Seismologen rechnen mit Nachbeben

Das ist doch schon immer so gewesen??

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