SPÖ: Asylwerber sollen arbeiten dürfen

21.01.2013 | 18:15 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Cap will, dass Asylwerber nach sechs Monaten Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Bisher dürfen sie im ersten Jahr nur als Saisonniers arbeiten. Diese Möglichkeit wurde 2012 aber nur von rund zwei Prozent wahrgenommen.

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Wien. Während die Abstimmung über die Wehrpflicht noch die innenpolitische Diskussion bestimmte, eröffnete SPÖ-Klubchef Josef Cap am Sonntagabend bereits eine neue Front in der Asyl- und Beschäftigungspolitik. So forderte er in einer Videobotschaft anlässlich des 20. Geburtstags von SOS Mitmensch, dass Asylwerber bereits ab dem sechsten Monat generellen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Beim für den Arbeitsmarkt zuständigen Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) trifft Cap zwar nicht auf ungeteilte Zustimmung, aber zumindest auf Gesprächsbereitschaft. So sei eine Arbeitsgruppe bereits seit zwei Wochen mit dem Thema beschäftigt, heißt es aus dem Büro von Hundstorfer. Und ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf sieht zwar die Möglichkeit für „die eine oder andere Liberalisierung“. Hauptziel sei aber, dass Asylverfahren nicht länger als sechs Monate dauern, damit sich diese Frage gar nicht mehr stelle. Eindeutige Ablehnung für Caps Vorstoß gibt es indes aus dem Innenministerium.

Begründet wird das Arbeitsverbot für Asylwerber von der Regierung bisher mit zwei Argumenten: Erstens soll so der Druck auf den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt nicht weiter erhöht werden. Zweitens sei der Aufenthaltsstatus der Asylwerber ungewiss, sie würden sich durch den Job aber stärker integrieren und müssten dann in vielen Fällen dennoch abgeschoben werden, was wiederum humanitäre Probleme mit sich brächte.

Doch wie stark wären die Auswirkungen einer Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber auf ebendiesen Arbeitsmarkt? Konkrete Studien gibt es zu dem Thema nicht. Bekannt ist, dass sich hierzulande per Ende November 2012 21.951 Asylwerber befunden haben. Rund 16.000 davon haben Neuanträge in den ersten elf Monaten des Vorjahres gestellt, etwa die Hälfte davon stammt aus drei Ländern – Afghanistan, Russland und Pakistan. Im Großteil der Fälle werden die Verfahren laut Innenministerium in beiden Instanzen innerhalb eines Jahres abgeschlossen. Ein Viertel der Antragsteller erhält dabei einen positiven Bescheid. In Einzelfällen warten Asylwerber jedoch seit mehr als zehn Jahren auf eine Entscheidung.

 

Kaum Asylwerber als Erntehelfer

Arbeiten dürfen sie vor allem im ersten Jahr nur unter starken Einschränkungen. So dürfen Asylwerber nach drei Monaten einen Job als Saisonarbeitskraft in Landwirtschaft oder Tourismus annehmen. Ein Angebot, das kaum wahrgenommen wird. So arbeiteten im Vorjahr nur 428 Asylwerber als Saisonniers. In der Landwirtschaft waren von 10.448 Saisonniers nur 133Asylwerber, heißt es beim AMS. Die Gründe dafür sind strittig: „Es gibt wahrscheinlich zu wenig Informationen darüber“, sagt Hermann Muhr, Sprecher von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Anders sieht das Alexander Pollak von SOS Mitmensch. „Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe haben fixe Gruppen von Saisonarbeitern, die jedes Jahr kommen. Außerdem haben viele Asylwerber Angst, aus der Grundversorgung zu fallen.“ Sobald sie nämlich mehr als rund 100 Euro pro Monat verdienen, kann ihnen diese gestrichen werden.

Derzeit gibt Österreich rund 19 Euro pro Asylwerber und Tag für Verpflegung und Unterbringung aus – in Summe also etwa 418.000 Euro pro Tag. Dieser Betrag könnte mittels der Selbsterhaltung durch eigene Arbeit verringert werden, meinen Befürworter der Arbeitsmarktöffnung. Dazu gehört auch die Wirtschaftskammer, die beklagt, dass Qualifikationen vergeudet werden. „Das Ausbildungsniveau von Asylwerbern ist oft höher als jenes von normalen Migranten, da eher die geistige Elite die Flucht ergreift“, so Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik bei der WKO. „Derzeit sind diese Menschen zum Nichtstun verdammt, was bei der Bevölkerung für Irritationen sorgt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2013)

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232 Kommentare
 
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Tatsache

Nur 3% aller Asylwerber sind Verfolgte, die auch berechtigt Asyl bekommen sollen !!! Der Rest von 97% sind reine, ungelernte Wirtschaftsflüchtlinge, die wir nicht brauchen und die deshalb auch kein Asyl bekommen sollten !!! Der Sozialabbau in unserem Lande ist schon jetzt, nicht zuletzt durch die vielen ungelernten Zuwanderer zu groß !!!
-
Hier gehört ein System wie in Kanada bzw. Australien etabliert wo man sich die nur für das Land nützlichen Zuwanderer aussucht !!!

Falsche Überschrift

Eigentlich müsste es heißen: Asylwerber sollen arbeiten WOLLEN.

Daß vielen die Saisonaljobs zu minder sind, sagt eh alles. Die wollen VOLLVERSORGUNG ohne Arbeit.

Welche qualifizierte Arbeit will jemand machen, wenn er Arabisch,Bulgarisch oder Zuaheli spricht?
Bekommt dann jeder arbeitswillige-was ja nicht allzuviele sind-dann einen Dolmetscher?

Unser Arbeitsmarkt ist für Schafhirten, Dattelpflücker uä. nicht ausgelegt. Und selbst wenn...von einem Arzt, der in Afghanistan in der Koranschule ausgebildet wurde, möchte ich nicht behandelt werden-Allahs Segen wird mir nicht helfen.

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Re: Falsche Überschrift

Wenn Sie nicht konvertieren würde Sie dieser Arzt womöglich gar nicht in seine Ordination lassen.

10 7

Diese "Spezialisten" benötigt unser Land!

High unemployment across much of Europe has prompted many skilled workers to travel to Germany in search of opportunities.

http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-21137326

Bin gerade am Überlegen, ob ich hier gleich mal einen ordentlichen Schwung Kommentare und Antworten auf Dummbolzenkommentare vom Stapel lasse ...

... um diesen ganzen Nabelguckern hier unter den Ausländer hassenden Kommentareschreibern Paroli zu bieten.

Sehr viele dürften auf den "Schwung" der Kommentare den Bewertungen nach Zufolge nicht gerade Sehnsucht verspüren.

Aber etwas überlegen kann nicht schaden-wenns grad so debei sind...

Dann...

sind die Asylbewerber, bei denen sich es um 90% Scheinasylanten und Kriminelle handelt, ihrem Ziel ein grosser Schritt näher. Offenbar hat man den dreisten Asylerschleichern nichts mehr entgegenzusetzen und kann den Scheinasylanten nur noch schrittweise demütig und den Forderungen erfüllend nachkommen. Schön schwach!

14 3

bei 360.000 Arbeitslosen

ist das ein starkes Stück wenn auch die Asylanten Arbeit bekommen , aber für Putzen und Park reinigen sollten sie eingesetzt werden da swollen unsere Arbeitslosen nicht

Re: bei 360.000 Arbeitslosen

Also keine Integration?

Re: Re: bei 360.000 Arbeitslosen

Warum soll Integration von Asylwerbern ein Anliegen sein? Was ist, wenn die Asylanträge höchstinstanzlich abgelehnt werden? Bleiberecht, weil so gut integriert? Was für einen Sinn hat dann das Asylrecht noch, wenn es zu einer Zuwanderungsschiene umfunktioniert werden soll?
Asyl hat weder mit Zuwanderung noch mit Integration zu tun, sondern mit Schutz vor Verfolgung. Integrationsmaßnahmen sind erst NACH einem positiven Asylbescheid sinnvoll.
Asyl und Zuwanderung bitte endlich auseinander halten.

Vollkommen richtig !!

Nur 3% sind politisch Verfolgte, die Asylrecht haben !! Der Rest sind ungelernte Wirtschaftsflüchlinge, die , da wir ohnehin schon zuviele solcher eingebürgerten Zuwanderer haben, kein Bleiberecht erhalten solen !!!
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Es gehört ein System (z.B.: Kanada, Australien) etabliert, daß nur fürs Land bereichernde, gesuchte Menschen zuwandern dürfen !!!!

Re: bei 360.000 Arbeitslosen

Wer hat den Park den unsere Votiv-Asylies verdreckt haben gereinigt ? Ach ja ich vergaß, die Asylies DÜRFEN nicht arbeiten, dieses Privileg wissen die aber trefflich zu nutzen .

Das ganze Theater wird jedenfalls für viele österr. WählerInnen

im Herbst (NR-Wahl) nicht vergessen sein - und ein etwaiges Einknicken erst recht nicht.
Anerkannte Flüchtlinge dürfen arbeiten und Personen, die sich in einem LAUFENDEN Verfahren mit ungewissem Ausgang befinden, bereits nach 6 Monaten einen uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren, ist einfach kurzsichtig. Das Asylrecht ist kein Instrument der Arbeitsmigration, sondern soll Schutz vor politischer Verfolgung und Krieg bieten. Warum wird Asyl mit Zuwanderung vermischt?

Eine solche Forderung sollte -wenn überhaupt- erst umgesetzt werden, wenn es
1. einen allgemeinen, verbindlichen, existenzsichernden Mindestlohn für alle Arbeitnehmer und alle Beschäftigungsverhältnisse gibt (um Lohndumping vorzubeugen)
2. die bereits existierenden enormen sozialen Probleme (Armut, Rekordarbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Prekarisierung etc) angegangen werden

Aber um Punkt 1 kümmert sich die Politik nicht und um Punkt 2 nicht in ausreichendem Maße. Es wird achselzuckend der sozialen Erosion in diesem Land zugeschaut und offenbar soll der Arbeitsmarkt noch weiter unter Druck gesetzt werden. Cui bono?


Re: Das ganze Theater wird jedenfalls für viele österr. WählerInnen

Die schaffen es seit Jahrzehnten nicht das Bundesheer zu reformieren und müssen dazu das Publikum befragen . Wie sollen diese Knalltüten also so dynamische Materien wie Arbeitsmarkt oder Lohnentwicklung und den Zusammenhang der beiden begreifen ?
Wie sie vollkommen zurecht feststellen : Herbst NR-Wahlen .

MFG
überzeugter Ex-SP-Wähler .

Sie sollten nicht dürfen sondern müssen.


WO sind meine postings?

Die werte Zensur zieht es vor, wieder a bissl Inländer zu diskriminieren???

Re: WO sind meine postings?

Der Zensi schlägt hier oft zu !!!!

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Eine andere Form

Des Lohndumping welches ja schon in den 60. iger Jahren erfolgreich (mit dem Verweis es mangelt hier an inländischen Arbeitskräften) eingeführt wurde,es muß eben immer billiger gehen und auch die NEUEN Wählergruppen sind zu berücksichtigen.
Der Austausch der Bevölkerung geht einfach zu langsam voran.
Bravo SPÖ !!!

1 59

Re: Eine andere Form

In den 60er Jahren wurden Gastarbeiter geholt, um Arbeiten zu verrichten, für die sich der Österreicher zu schade war. Hinsichtlich Asylwerbern ist es natürlich wesentlich besser, zwar für die Menschen aufzukommen, aber sie keinesfalls arbeiten zu lassen. Abgesehen davon ist es für mich neu, dass Asylwerber in Österreich wählen dürfen...
Zuletzt stellt sich nur noch die Frage, welche Bevölkerung ausgetauscht werden soll...

10 0

In den 60er Jahren wurden Gastarbeiter geholt, um Arbeiten zu verrichten, für die sich der Österreicher zu schade war...

...ist wohl die blödeste Propagandalüge seit den 60er JAhren!

Re: Re: Eine andere Form

Solche Leute wie du kotzen mich nur mehr an. Seid ihr wirklich so dämlich?

Die wenigsten haben was gegen "Gastarbeiter", wenn es die Wirtschaftslage erfordert, solange sie in Krisenzeiten wieder gehen.
Und um zu erinnern - immer mehr Österreicher sind von Armut betroffen.

Wie wars z.B. mit den Kosovo-Flüchtlichen, die ja angeblich wieder gehen sobald der Krieg vorbei ist? Wieviele sind dann tatsächlich gegangen (worden)?

Für mich kommt zuerst Familie und meine Landsleute (Einheimische ohne MGH). Gehts uns gut, dann ......

Vorher interessieren mich andere - herzlich wenig!

Die Meinung der steuerzahlenden Inländer

beschneiden, dass könnens - die Presse/Zeitungsfritzen. Und sie genieren sich nicht mal dafür!

Ach ja, Herr Cap

wie soll denn das Ihrer Meinung nach durchgeführt werde? Werden die Asylanten den jeweiligen Unternehmen aufgezwungen? Muss sich eine ChefIN zB dann von einem Asylanten tyrannisieren lassen - um der PC der kranken Linken zu entsprechen? Und was genau sollen die denn tun? Ohne Sprachkenntnisse, ohne auch nur irgend etwas gelernt zu haben? Werden die zu einem (wie hoch solls denn sein?) Arbeitsentgelt dann weiterhin alle Zuwendungen bekommen, die sie jetzt auch schon haben? Damit meine ich Kleidung, Essen, Quartier gratis?
Sie Herr Cap müssen das bereits wissen, wenn sie derartige Forderungen stellen. Und ich hätte gerne Aufklärung zu den Punkten.

Fast hätte ichs vergessen! Ich geniere mich für Sie und Ihre Partei abgrundtief. Sie wagen es, jenen, die das Land aufgebaut haben, in dem Sie seit Jahrzehnten Ihr Unwesen treiben dürfen, frech wegzunehmen (fast keine Pensionserhöhung, Mindestpensionisten müssen dennoch ihre Lebenshaltungskosten selber bestreiten, unsere Gesundheitsvorsorge ist dank Ihrer Politik hundsmiserabel geworden usw), sie in jeder Hinsicht zu diskriminieren – zugunsten Fremder deren Absichten undurchsichtig sind. Schändlicher gehts nicht mehr.

5 50

Re: Ach ja, Herr Cap

Vielleicht wäre es ja durchaus eine Möglichkeit, Asylwerber verfpflichtend bei sozialen Berufen, in denen ohnehin ein Mangel an Mitarbeitern herrscht, einzusetzen. Das würde den "Asyltourismus" auf arbeitswillige Menschen beschränken.
Dämlicher als derzeit geht es wohl nicht mehr, Österreich muss zwar laut genfer Konvention für Asylwerber aufkommen, arbeiten dürfen sie aber nicht.
Abgesehen davon dürfen Sie sich gern genieren, die Aufbaugeneration hat dank des Wirtschaftswunders ihre Schäfchen im Trockenen. Den Preis für die derzeitige Politik zahlen in erster Linie die Jungen.

Dieser "Mangel" herrscht vor allem, weil viele in Sozialberufen tätige Menschen

nicht ordentlich und für das, was sie Wertvolles leisten, angemessen bezahlt werden. Mit ihrem Vorschlag würde man diesen unerträglichen Zustand zementieren und Lohndumping noch forcieren.

11 1

Re: Re: Ach ja, Herr Cap

...in sozialen Berufen...
Eine wunderbare Idee.
Der kein Wort Deutsch sprechende Asylwerber in der Altenpflege, als streetworker, als Jugendbetreuer etc.
Wie stellen Sie sich das vor ?

 
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