Wien: Radfahren im Winter boomt

28.01.2013 | 18:48 |  Von Martin Stuhlpfarrer und Christine Imlinger (Die Presse)

Ein Drittel der Wiener, die im Sommer mit dem Rad unterwegs sind, fährt jetzt auch im Winter. Täglich werden 92.000 Fahrten gezählt. Ein wichtiger Grund, weshalb das Radfahren im Winter boomt, ist die Schneeräumung.

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Wien. Es ist kalt, eisig und Schnee liegt auf den Straßen. Das hält aber immer weniger Wiener davon ab, im Winter auf ihr Fahrrad verzichten zu wollen. „Rund 34P rozent jener, die im Sommer mit dem Fahrrad unterwegs sind, fahren auch im Winter“, erklärt Martin Blum von der Wiener Fahrradagentur der „Presse“.

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Und es werden nach seinen Angaben immer mehr: „Radfahren ist ein Trend in allen größeren Städten. Wien ist keine Ausnahme“, erklärt Blum.Radfahren im Winter gehört erst seit Kurzem zum Wiener Stadtbild. Rund 92.000Fahrten werden derzeit an Wintertagen an den Zählstellen der Stadt pro Tag registriert.

Was motiviert die Wiener nun, trotz des widrigen Wetters das Fahrrad nicht einzuwintern – sondern es weiter zu gebrauchen? Viele, die eine Sommersaison durchfahren, würden automatisch auch im Winter nicht auf ihr Fahrrad verzichten. Denn tatsächlich gebe es keinen Grund abzusteigen, sagt Blum. Immerhin stärke Radfahren im Winter das Immunsystem; bei richtiger Kleidung werde Radfahrern auch nicht kalt.

 

Geräumte Wege

Ein wichtiger Grund, weshalb das Radfahren im Winter boomt, ist die Schneeräumung. Seit dem Vorjahr werden die wichtigsten Radwege von der MA48 gleichzeitig mit den Straßen geräumt. Dadurch habe sich die Situation für Radfahrer enorm verbessert, so Blum.

Bereits in den Morgenstunden finden Radfahrer beispielsweise am Ringradweg schneefreie Fahrbahnen vor. Im internationalen Vergleich schließt Wien langsam zu anderen fahrradfreundlichen Städten auf. In Kopenhagen sind im Winter wie in Wien rund 34 Prozent der Radfahrer unterwegs. In Freiburg dagegen sind es 60 Prozent.

Mit der steigenden Zahl von Radfahrern im Winter stellt sich die Frage nach den Unfällen. Denn kaum ein Radfahrer ist bei Schnee und Eis mit Spikes unterwegs. „Man merkt nicht, dass es mehr Unfälle gibt“, so Blum. Der Grund: Jene, die im Winter fahren, würden auch im Sommer fahren. Daher seien im Winter hauptsächlich geübte Radfahrer unterwegs: „Und die fahren auch langsamer, weil die Straßenverhältnisse schlechter sind als im Sommer.“ Wobei der oberste Wiener Radfahrer Spikes, die es seit wenigen Jahren gibt, nicht unbedingt für notwendig hält. Diese würden auf Schnee gut funktionieren, sonst aber nicht besonders sinnvoll sein. Er selbst, so Blum, fahre täglich ohne Spikes in die Arbeit.

Damit sich das Rad – im Winter wie im Sommer – noch stärker als Alltagsfahrzeug durchsetzt, haben sich am Wochenende die heimischen Fahrrad-Initiativen Argus, IG Fahrrad und Radlobby NÖ zu einer gemeinsamen Radlobby Österreich (RLÖ) formiert (siehe nebenstehendes Porträt des Tages).

 

Konflikt Radfahrer–Fußgänger

Durch die steigende Zahl von Radfahrern gibt es auch im Winter Konfliktpotenzial – aus einem skurrilen Grund: Oft sind die Radwege besser geräumt als die Gehsteige – was jetzt auch für eine politische Diskussion gesorgt hat. Als Folge des Räumungszustandes weichen Fußgänger auf den Radweg aus, wo sie auf die Radfahrer treffen.

 

Säumige Hausbesitzer

Der Grund: Die Räumung des Gehsteiges liegt in der Verantwortung des jeweiligen Hausbesitzers. Und hier sind viele oft säumig. Wobei Blum nicht glaubt, dass es zu Konflikten auf den geräumten Radwegen kommt: „Erstens sind im Winter weniger Radfahrer unterwegs, zweitens fahren die langsamer.“ Es sei daher kein Problem für ein Miteinander, wenn Fußgänger im Fall eines ungeräumten Gehsteigs einen geräumten Radweg benutzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2013)

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108 Kommentare
 
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Am besten

Am besten wäre, wenn alle Wiener aufs Rad umstiegen, Autofahren können sie einfach nicht.Oft genug erlebt.Ausserdem kämen dann nicht so viele nach NÖ.Euch Wiener brauchen wir hier nicht.Bleibts in eurer Sch... Stadt.

Das Problem ist nur,

Das doch mindestens so viele Niederösterreicher nach Wien fahren wie umgekehrt. Also es besteht kein Grund für die Niederösterreicher, sich da besser vorzukommen, oder?

Keine Ahnung

Man sieht einfach, dass die meisten Wiener keine Ahnung vom richtigen Österreich haben.Ausserhalb Wiens sind die Entfernungen im täglichen Leben einfach zu groß, um diese mit dem Fahrrad zurückzulegen.Meine tägliche Strecke in die Arbeit sind 65 km.Mit Öffis bräuchte ich doppelt so lange wie mit dem Auto, da brauche ich vom Rad gar nicht reden.

Dumm

Man sieht halt einfach wie dumm die Wiener sind.Nirgendwo anders wollen radfahrende Leute andere missionieren.Das passiert nur in dieser unseligen Stadt.Typisch.

Wiener

Die Wiener kapieren halt so vieles nicht.

Den Wienern fällt nichts ein? Irrtum.

Ich denke da an die Reichsbrücke...

Am Land

Die Leute am Land sind schon mit dem Rad gefahren, da haben die Wiener noch gar nicht gewusst, dass es so etwas überhaupt gibt.Am Land ist das Fahhrad ein normales Verkehrsmittel und kein Heiligtum.Nur die dummen Wiener, die alle missionieren wollen, kapieren das nicht.

beinhart recherchiert

beinharte undercoverreportage von Martin Stuhlpfarrer und Christine Imlinger...

im ernst:
einfach eine presseaussendung vom sicher nicht schlecht bezahlten fahrradbeauftragten der stadt und ex -VCÖ-ler unreflektiert und ungeprüft mit einem interviewsatzerl zu garnieren ist ein bisserl schwach.

"Die Räumung des Gehsteiges liegt in der Verantwortung des jeweiligen Hausbesitzers. Und hier sind viele oft säumig."

da habe ich nicht viel an säumigkeit erlebt.

"Bereits in den Morgenstunden finden Radfahrer beispielsweise am Ringradweg schneefreie Fahrbahnen vor."

jaja, aber ganz sicher...

ich steige ja von meiner wohnung am schubertring auf's radl bei schneefall und fahre dann zum universitätsring ins rathaus zur arbeit.

wenn man die verarsche mit dem schmäh nimmt, kann man wenigstens darüber lachen.


Wiener Fahrradagentur

Sicher die voll objektive Quelle für so einen Bericht. Danke liebe QualitätsPresse.

radlerzählung heute 12h am ring

dem aushängeschild de radelwege schlechthin.
4min - 4 radler, ca. 40 auto und 2 straßenbahnen mit ca 150 personen - dh. ca 3% radleranteil - stichprobenartig fetgestellt - radeln boomt !!! im sommer sind es dann satte 6 % ! ganz toll -dafür brauchen wir einen beauftragten und die tägliche falschmeldung zum tollen radfahrverkehr in wien !

Re: radlerzählung heute 12h am ring

An Ihrem Ansatz kann man viel aussetzen. Dass ein Zeitraum von 4 min an einer Stelle repräsentativ ist, wird Ihnen jeder Statistiker um die Ohren knallen. Lächerlich auch Ihre Zahlenangaben, die so tun als hätten Sie den Artikel damit überführt: der relative Anteil zum Auto- oder öffentlichen Verkehr wird dort nirgends erwähnt. Es ist der Relativanteil Winter zu Sommer, der 34% beträgt. Demnach wären Ihren 3% im Sommer etwa 9% (also das ca 3fache, ihre 6% sind nämlich frei erfunden und nebenbei die 3% ein unbrauchbarer Wert) gegenüberzustellen. Zurück zu Absolutzahlen: wenn man - an wievielen Messstellen und Orten auch immer - 92000 Fahrten pro Tag zählt, dann ergäbe das im Sommer 270000/Tag. So vernachlässigbar ist das nicht. Es soll übrigens Leute geben, die sowohl Auto, Fahrrad als auch Öffis benutzen - nur halt nicht gleichzeit um 12h am Ring. Bevor Sie hier also von Falschmeldungen reden, weil Ihnen der Inhalt nicht in den Kram zu passen scheint, versuchen Sie Zahlen einmal richtig zu begreifen, bevor Sie dagegen wettern.

Re: Re: radlerzählung heute 12h am ring

es ist durchaus leicht zu begreifen,dass die geschönten statistiken dazu dienen sollen mehr platz für rad gegen den rest der welt zu erreichen. sie können gerne auch einen feldversuch starten. es war nicht mein erster. die ergebnisse sind eigenartigerweise immer ähnlich. auch die der radlobby die ja schon von 10% radverkehr spricht, um dann wieder schon mit 5-6% glücklich zu sein. verfolgen sie das einmal - auch wenn ihnen diese ziffern nicht zu schmecken scheinen.

Der gesunde Menschenverstand müsste dem Autofahrer sagen,

dass jeder Radfahrer mehr auch ein Gewinn für den Autofahrer selbst ist.
Ein Rad braucht viel weniger Platz,
verursacht nur ganz wenig CO2,
ist leise und umweltfreundlich.
Und all die Vorteile kommen ALLEN Bewohnern dieser Stadt zugute.
Auch den Autofahrern, übrigens...

Re: Der gesunde Menschenverstand müsste dem Autofahrer sagen,

Ein Auto weniger(Radfahrer)Kann von vernünftigen Menschen nur gutgeheissen werden.

Re: Re: Der gesunde Menschenverstand müsste dem Autofahrer sagen,

Vor allem ein Wiener Auto weniger ist schon ein Gewinn für alle anderen Autofahrer.

Stimmt. Vor allem bedeuten weniger Autos weniger Stau - für die anderen Autofahrer

ein Vorteil

Blödsinn!

Bei dem Wetter bremst es sich schon mit 4 Rädern schwer.....

Re: Blödsinn!

Mit Zwei noch schwerer.

Nachdenken.

Der Bremsweg ist mit dem Fahrrad dennoch kürzer (wegen der geringeren Geschwindigkeit). Physik.

Re: Nachdenken.

hr. physiker:

20 km/h mit dem auto ist wieviel bremsweg?
20 km/h mit dem bike ist wieviel bremsweg?

gibt es andere faktoren auch noch?
vielleicht z.b. masse?

Re: Re: Nachdenken.

Das widerspricht sich ja nicht. Radfahrer sind langsamer > kürzerer Bremsweg. Radfahrer sind leichter > noch kürzerer Bremsweg. Und noch was: selbst wenn Sie ein Radfahrer mit 20 km/h umfährt haben Sie eine deutlich bessere Prognose als wenn ein Auto das macht, weil auch noch der Impuls des Impakts (Masse x Geschwindigkeit zum Quadrat) viel geringer ist. Noch kein Anspruch auf Vollständigkeit :-)

Nachdenken.

Sie sollten mal die Verkehrstauglichkeit von zehn angehaltenen Rädern überprüfen, da würden Sie schön schauen, wie mieserabel die ist! Da faseln Sie von Anhalteweg und Nachdenken.....

Re: Nachdenken.

Wenn denn die Bremsen auch wirken würden....

Da spielt auch der Hass

der Übergewichtigen und Schweinsköpferln tragenden AutosdierollosmeiststehendusjJa doch, Saurier haben auch überlebt, auf die eher ranken und schlanken,oft sexy ausehenden FahrraddfahrerInnen eine Rolle.Ausnahmen bestätigen die Regel.

Als Balder Radler

Protestiere ich hier aufs Schärfste!
Wenn es etwas gibt, dass mich noch mehr aufregt als ignorante Autofahrer, dann sind es sportlich aufgezwirbelte Rennradler!

Ihr Posting ist ebenfalls hasserfüllt und voller Vorurteile


 
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