Zeitplan für Ziesel-Absiedlung aufgetaucht

03.02.2013 | 18:35 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Die geschützten Nager könnten ein Bauprojekt zu Fall bringen. Die Bauträger haben nun mit einer Expertin einen Plan entwickelt, um die Tiere zu vertreiben. Zuerst muss aber die Hälfte freiwillig abwandern.

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Wien. Die Ziesel, um die in Floridsdorf nun seit eineinhalb Jahren gestritten wird, schlafen derzeit unter der Erde. Doch über ihnen diskutieren Politiker, Anrainer und Bauherren heftig über ihre Zukunft. Der Grund: Die Nager genießen in Europa höchsten Artenschutz. Das wiederum kommt einem Wohnprojekt nördlich des Heeresspitals in die Quere, wo die Ziesel derzeit leben. Auf der Fläche sollen 900 Wohnungen entstehen.

Nun sorgt ein eben der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal ausgehändigtes Dokument für Ärger. Es ist ein Zeitplan für die Absiedlung der Tiere, den die Bauträger Kabelwerk und Donau City Wohnbau bei Knollconsult Umweltplanung und der Zieselforscherin Ilse Hoffmann in Auftrag gegeben haben. Demnach könnte zwischen März und August eine Absiedlung stattfinden, vorausgesetzt, 50 Prozent der Population befände sich dann außerhalb des Baulandes. Als Absiedlungsmaßnahme wird das Pflügen (nicht tiefer als 30 Zentimeter) angegeben. Damit die Tiere nicht mehr zurückkehren, soll in regelmäßigen Abständen weitergepflügt werden.

 

Bewilligung für Absiedlung nötig

Dabei hat die Stadt noch im Sommer 2011 Proteste gegen das Pflügen des Feldes damit abgewehrt, dass das Pflügen den Zieseln nicht schaden würde. Zu diesem Schluss kam auch ein Gutachten von Zieselforscherin Hoffman für die Stadt. Auch einer Absiedlung der Ziesel wurde bis heute nicht stattgegeben. Die Naturschutzbehörde arbeitet noch immer an der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die feststellen soll, wie es mit den Tieren weitergeht.

Was das Pflügen betrifft hält Hoffmann auf Nachfrage an ihrem früheren Gutachten fest.Wenn das Feld maximal zwei Mal im Jahr gepflügt wird, nütze das den Tieren sogar – „weil sie einen besseren Zugang zu alten Baueingängen haben“, sagt Hoffmann. Anders verhalte es sich, wenn das Feld mehrmals bestellt wird. Denn bei wiederholtem Pflügen wird der Lebensraum der Ziesel definitiv zerstört. Und die stehen sowohl unter Arten- als auch Lebensraumschutz, sagt sie. Das heißt: Wer auch immer Zieselfläche in sehr kurzen Zeitabständen bearbeiten will, braucht eine Ausnahmebewilligung der Naturschutzbehörde.

Diese Ausnahme könnte nun die UVP liefern, deren Ergebnis in den kommenden Wochen erwartet wird. Der Zeitplan ist übrigens Teil davon, das bestätigen sowohl Stadt Wien als auch Hoffmann. Man wollte wissen, wie eine Umsiedlung theoretisch aussehen könne.

Wie die Ziesel-Expertin überhaupt einen Zeitplan mitverantworte, der solche Einschnitte in den Lebensraum beinhaltet? „Weil diese Maßnahmen nur in Kraft treten, wenn bereits 50 Prozent der Tiere von sich aus auf die Ausgleichsflächen gewandert sind“, sagt Hoffmann. Das sei ohnehin schwierig. „Es ist sicher nicht optimal, dass ein Großteil der Flächen nicht unmittelbar an das Lebensgebiet der Ziesel angrenzen.“

Seitens des Bezirks haben die Ziesel jedenfalls politische Hilfe erhalten – und die Floridsdorfer SPÖ in Bedrängnis gebracht. Im Bezirksparlament haben Opposition und Grüne für einen Antrag gestimmt, in dem die Stadt aufgefordert wird, die geplante Umsiedlung der Nagetiere zu stoppen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

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6 Kommentare

Frei nach Erich .

Den Kommunismus in seinem Lauf,
hält weder Ochs noch Ziesel auf.

jajaja..

wenn ein Kleinhäusler dies macht, kriegt man gleich ein bauverbot...

wenn ein großunternehmer macht, verschwindet der Nager freiwillig, oder wie???

wie gibts sowas wo doch grüne

in der stadtregierung sitzen - part of the game ?

Die SPÖ braucht Platz

für die vielen Anatolen sie sich geholt hat.

Re: Die SPÖ braucht Platz

Grammatikalisch und inhaltlich ist Ihr Beitrag eher bescheiden....

Lasst die letzten Nager in Ruhe!!!

Jede noch so schöne Gstätten wird zugebaut mit hässlichen Legenatterien für noch mehr Stimmvieh.

In der Stadt braucht es mehr Grün und Brachflächen zwischen den Häusern auch als Naherholungs- und Rückzugsgebiete für die Bürger!

Ein begrüntes MA48er-Haus wird so zu einem verlogenen Alibi!

Zurück zu den Zieseln:

Auf der Perchtoldsdorferhaide und rund um Canuntum hat es von zutraulichen Zieseln nur gewimmelt. Jetzt sieht man jahrelang, auch bei häufigem Besuch, kein einziges Exemplar mehr.

Traurig ist das. Wo und wie sollen unsere Kinder sonst Natur kennen und wertschätzen lernen, wenn nicht auf solchen Plätzen?

Wie Arik Brauer schon sang:

Siehst den ganzen Tag a graue Mauer
Kriegst a graues Herzel auf die Dauer
Spieln die Bubn auf ein' hartn Grund
Kriegn's bald harte Augn, an harten Mund

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