Wien-Museum: Auf den Spuren des typischen Wieners

24.04.2013 | 18:14 |  KARIN SCHUH (Die Presse)

Ausstellung: „Wiener Typen – Klischees und Wirklichkeit“. Warum uns Typen wie das Wäschermädel, die Marktfrau oder der Werkelmann noch immer faszinieren.

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Wien. Was ist eigentlich ein typischer Wiener? Der Mundl Sackbauer, ein grantiger Kellner oder tatsächlich ein Fiaker, der sich vor dem Stephansdom positioniert hat? Wohl kaum. Und doch hat das, was wir als Wiener Typ bezeichnen, zumindest ein bisschen von jedem.

Heute lassen sich Wiener Typen nicht so einfach ausmachen. Früher war das einfacher, da standen einige zur Auswahl: das Wäschermädel, der Schusterbub, der Werkelmann, der Lumpensammler, die Marktfrau oder der Gigerl und der Pülcher. Natürlich ein paar davon gibt es heute noch: den grantigen Kellner, den Fiaker, die Marktfrau oder den Musikanten.

Wäschermädel als Glamourgirl

Das Wien-Museum geht aber ab Donnerstag den historischen Figuren im Rahmen der Ausstellung „Wiener Typen – Klischees und Wirklichkeit“ auf den Grund. Gemeinsam ist all diesen Figuren, dass sie aus der sozialen Unterschicht stammen und von der Oberschicht romantisch verklärt und klischeehaft dargestellt werden. Denn so „süß“ so manches Wäschermädel auch gewesen sein mag, deren Leben und Arbeit war alles andere als das. Genau diese „Glamourgirls der Wiener Typen“ – wie sie Museumsdirektor Wolfgang Kos nennt – machen auch deutlich, warum uns diese Typen so faszinieren, auch heute noch. „Mit dem Aufkommen der großen Wäschereibetriebe Ende des 19. Jahrhunderts sind die Wäschermädel verschwunden und erst damit richtig populär geworden“, sagt Kos. Erst dann wurden die einst dieser Schicht vorbehaltenen Wäschermädelbälle zur Salonveranstaltung, bei der sich Bürgerinnen frivol als Wäschermädel verkleideten – mit Kopftuch, tiefem Dekolleté und (für damalige Verhältnisse) kurzem Rock.

Urbane Folklore

Die Industrialisierung war es also, die diesen Wiener Typen einen Aufschwung brachte – wenn auch nur den Stereotypen und nicht den einzelnen Personen. „Die Figuren stehen für Zeitlosigkeit und Verlangsamung“, so Kos. Und Abgrenzung. Denn die urbane Folklore, wie sie in Wien ab dem 18.Jahrhundert betrieben wurde, diente auch dazu, sich von den Menschen eben abzugrenzen, die meist schwere und unsichere Arbeiten verrichteten. Deutlich wird das an den Porzellanfiguren in Form von Kesselflickern und Obstfrauen, die im Rokoko als festliche Tischdekoration beliebt waren. Oder an den „Mandlbögen“, Papierbögen für Kinder zum Ausschneiden in Form solcher Figuren.

Flitscherl und Pülcher: ''Wiener Typen'' im Wien Museum

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Die Faszination der wienerischen Typen führt Kos auch auf die Eigenschaften zurück, die ihnen zugeschrieben wurden. „Das waren Eigenschaften, die man sich damals wünschte. Etwa die Unterwürfigkeit eines Kellners, aber auch ein bissl die Grobheit und auch den Humor.“ Heute haben lediglich ein paar Typen, wie eben der Fiaker, überlebt – wenn auch vor allem für den Tourismus. Neue Typen sind nicht hinzugekommen, zumindest nicht als romantisierter Stereotyp. Kos veranschaulicht das mit einem Beispiel: „Niemand würde heute eine Putzfrau auf eine Postkarte drucken.“

Auf einen Blick

Die Ausstellung „Wiener Typen – Klischees und Wirklichkeit“ läuft bis 6. Oktober im Wien-Museum am Karlsplatz (Di–So: 10-18 Uhr).

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.wienmuseum.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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12 Kommentare

Bei den Vorträgen zur Eröffnung ging es explizit darum

wie "Typen" entstehen, nicht nur in Wien, sondern auch wo anders.

Der typische Wiener ...

... ist leider grantig wie der angesprochene Kellner.
An sich finde ich die Idee toll, aber ich vermute doch, daß man versuchen wird, schamlos gängige Klischees zu bedienen um sich Publikum zu sichern.
Eine Putzfrau auf einer Postkarte - eine Super-Idee, nur hat sie noch niemand verwirklicht. Das wäre doch Tipp für Postkartenverlage - Karten mit echten Typen d'rauf !

10 0

Die Sonderausstellungen

im Wien Museum sind immer interessant. "Aufpassen" muss man jedoch bei den mitunter tendenziellen Textierungen.

och mei,

solche typen gab es in anderen städten der welt (ja, die gibt es!) wie paris, london, rom, oslo oder madrid ja gaaaar nicht, alles typisch wienerisch oder? Liebe Presse-Autorin: Entgegen der Ansicht Ihres Herrchens hat Wien die Stadt an sich nicht erfunden, so was lernt man auch nur nach zuviel Leserei von Falter, Standard und Blödsinn...

8 0

Re: och mei,

Als Kosmopolit MUSS ich antworten:
Wäschermädl mit "wiener" Mentalität Ende des letzten Jahrtausends in Doha?
Fiaker mit "wiener" Mentalität in Singapur oder Old Delhi...?
Die Wiener glauben ganz sicher nicht, sie hätten die Stadt erfunden, aber hier geht es um echte "Wiener Typen"... So wie eben jede Stadt "ihre" Typen hat! Und in der Ausstellung geht es um Wien. Aber in einem haben Sie recht, Herr Grantler, "Pücher" gibt's leider überall...

Re: Re: och mei,

Hihi, mit Grantler haben's mich erwischt, stimmt! Aber erstens geht es in Text und Thema großteils nicht ums Ende des letzten Jahrtausends (also die jüngste Vergangenheit im Computerzeitalter) sondern vorwiegend ums 18. bis spätestens Anfang 20. Jhdt; zweitens gab es Wäscherinnen, Schusterbuben , Lumpensammler etc. wirklich überall, auch in Graz oder Innsbruck, man muss gar nicht bis Peking oder Melbourne gehen; Marktfrauen und Musikanten gibt es auch heute noch weltweit (genauso wie Grantler oder Pülcher und Gigerl, nur heißen die halt anders, tun aber das gleiche). Und drittens wird diese bemühte angebliche Wiener Mentalität dieser Protagonisten im Text nicht erwähnt und war/ist in Summe im Weltvergleich wohl auch nicht sooo wahnsinnig soziologisch einmalig, dass man's so dramatisch "Mir-san-mir"-mäßig und selbstverklärend betonen muss. Bleiben eigentlich nur noch die Fiaker. Aber Kutscher gibt's auch anderswo, und dann hätt eine Ausstellung über diese anzugtragenden Pferdeäpfelwerfer auch gereicht. G'schamster Diener, Ihr Grantler ;-)

MEDIKAMENTE EINNEHMEN

BITTE - und statt zu posten besser die persönliche Entspannung pflegen! Wenn das WIEN MUSEUM in WIEN einstige (Wiener) TYPEN präsentiert, wird doch nirgends bestritten, dass es ähnliche nicht auch andernorts geben konnte....

Re: MEDIKAMENTE EINNEHMEN

Jessas, was für eine Rotstricherlorgie, was für aufgehusste Sensibelchen hier in der Hauptstadt hausen, und wenn man zur Abwechslung mal ein bisserl auf deren Kosten herumironisiert (sonst geht's immer auf die "Provinz los, gell), da rollt's allen zwischen der Josefstadt und Liesing die Schnoferln hoch. Aber stimmt: Etwas mehr Sonne und Entspannung tät jedem von uns gut, das merkt man speziell im Wiener Winter ;-)

Aufgehusst??

Durch wen, wodurch? Höchstens animiert durch Ihr provinziell formuliertes Posting unter dem Motto "Grüße vom Heim-PC". Hoffentlich bekam Ihr Pfleger nun keine Probleme wegen mangelnder Aufsicht...

Re: Aufgehusst??

Bussi! Und Grüße auch an Ihren PC, dem in einer stadtgewordenen Großanstalt so genial urban formulierte Postings gelingen. Im übrigen: Die Waffen nieder! Das Wetter und das Leben sind zu schön zum Rumlabern.

Das Wetter und das Leben

wären auch schon am 24. 4. um 21:54 schön genug gewesen, sich ein Rumlabern à la Beschwerer zu ersparen...

Re: Das Wetter und das Leben

...aber offenbar nicht schön genug, um am 26. 4. um elf nach Mitternacht auf ein Herumlabern nicht betroffen aufzuspringen und nicht ang'rührt zurückzukeifen, (schmunzel).

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