Wien-Museum: Auf den Spuren des typischen Wieners

Ausstellung: „Wiener Typen – Klischees und Wirklichkeit“. Warum uns Typen wie das Wäschermädel, die Marktfrau oder der Werkelmann noch immer faszinieren.

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Wien-Museum: Auf den Spuren des typischen Wieners
Wien-Museum: Auf den Spuren des typischen Wieners – (c) APA/WIEN MUSEUM (WIEN MUSEUM)

Wien. Was ist eigentlich ein typischer Wiener? Der Mundl Sackbauer, ein grantiger Kellner oder tatsächlich ein Fiaker, der sich vor dem Stephansdom positioniert hat? Wohl kaum. Und doch hat das, was wir als Wiener Typ bezeichnen, zumindest ein bisschen von jedem.

Heute lassen sich Wiener Typen nicht so einfach ausmachen. Früher war das einfacher, da standen einige zur Auswahl: das Wäschermädel, der Schusterbub, der Werkelmann, der Lumpensammler, die Marktfrau oder der Gigerl und der Pülcher. Natürlich ein paar davon gibt es heute noch: den grantigen Kellner, den Fiaker, die Marktfrau oder den Musikanten.

Wäschermädel als Glamourgirl

Das Wien-Museum geht aber ab Donnerstag den historischen Figuren im Rahmen der Ausstellung „Wiener Typen – Klischees und Wirklichkeit“ auf den Grund. Gemeinsam ist all diesen Figuren, dass sie aus der sozialen Unterschicht stammen und von der Oberschicht romantisch verklärt und klischeehaft dargestellt werden. Denn so „süß“ so manches Wäschermädel auch gewesen sein mag, deren Leben und Arbeit war alles andere als das. Genau diese „Glamourgirls der Wiener Typen“ – wie sie Museumsdirektor Wolfgang Kos nennt – machen auch deutlich, warum uns diese Typen so faszinieren, auch heute noch. „Mit dem Aufkommen der großen Wäschereibetriebe Ende des 19. Jahrhunderts sind die Wäschermädel verschwunden und erst damit richtig populär geworden“, sagt Kos. Erst dann wurden die einst dieser Schicht vorbehaltenen Wäschermädelbälle zur Salonveranstaltung, bei der sich Bürgerinnen frivol als Wäschermädel verkleideten – mit Kopftuch, tiefem Dekolleté und (für damalige Verhältnisse) kurzem Rock.

Urbane Folklore

Die Industrialisierung war es also, die diesen Wiener Typen einen Aufschwung brachte – wenn auch nur den Stereotypen und nicht den einzelnen Personen. „Die Figuren stehen für Zeitlosigkeit und Verlangsamung“, so Kos. Und Abgrenzung. Denn die urbane Folklore, wie sie in Wien ab dem 18.Jahrhundert betrieben wurde, diente auch dazu, sich von den Menschen eben abzugrenzen, die meist schwere und unsichere Arbeiten verrichteten. Deutlich wird das an den Porzellanfiguren in Form von Kesselflickern und Obstfrauen, die im Rokoko als festliche Tischdekoration beliebt waren. Oder an den „Mandlbögen“, Papierbögen für Kinder zum Ausschneiden in Form solcher Figuren.

Flitscherl und Pülcher: ''Wiener Typen'' im Wien Museum

Die Faszination der wienerischen Typen führt Kos auch auf die Eigenschaften zurück, die ihnen zugeschrieben wurden. „Das waren Eigenschaften, die man sich damals wünschte. Etwa die Unterwürfigkeit eines Kellners, aber auch ein bissl die Grobheit und auch den Humor.“ Heute haben lediglich ein paar Typen, wie eben der Fiaker, überlebt – wenn auch vor allem für den Tourismus. Neue Typen sind nicht hinzugekommen, zumindest nicht als romantisierter Stereotyp. Kos veranschaulicht das mit einem Beispiel: „Niemand würde heute eine Putzfrau auf eine Postkarte drucken.“

Auf einen Blick

Die Ausstellung „Wiener Typen – Klischees und Wirklichkeit“ läuft bis 6. Oktober im Wien-Museum am Karlsplatz (Di–So: 10-18 Uhr).

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.wienmuseum.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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