Lokalaugenschein: Test für autofreie Mariahilfer Straße

03.05.2013 | 17:11 |  Von Christine Imlinger (DiePresse.com)

Drei Tage lang wird eine Mini-Version der künftigen Fußgängerzone in der Einkaufsstraße getestet. Die Passanten reagieren ratlos - aber Chaos blieb vorerst aus.

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Wien. Ein Autofahrer schlägt vor Zorn aufs Lenkrad, wartet, vor ihm zwei Autos. Davor wird gerade die Sperre aufgestellt. Von Freitagmittag bis Sonntag 17 Uhr sind 150 Meter der Mariahilfer Straße - von Neubaugasse bis Esterházygasse - schließlich für Autos gesperrt. Die neue Fußgängerzone, oder zumindest eine Mini-Variante dessen, was im Herbst kommt, wird getestet. Ein Chaos ist am Freitag zwar ausgeblieben, aber dennoch, die Anrainer, Passanten und Einkäufer sind zunächst erst einmal ratlos.

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„War ein Unfall?", fragt einer und beobachtet Feuerwehrmänner, die eine Vespa aus der gesperrten Zone schieben. Nur zögerlich trauen sich die ersten Fußgänger mitten auf die leere Fahrbahn. So, wie es ab Herbst zwischen Andreasgasse und Kirchengasse rund um die Uhr möglich sein wird. Die Zonen zwischen Museumsplatz und Kirchengasse bzw. zwischen Andreasgasse und Kaiserstraße werden dann Begegnungszonen.

Eine, die dieser Ratlosigkeit entgegenwirken soll, ist Gitti Dorfstätter. Sie arbeitet für das Raumplanungsbüro Stadtland und betreut die Dialogbox, einen Container nahe der Neubaugasse, in dem sich Interessierte seit Mitte April informieren und Anregungen abgeben können. „Am Anfang", sagt sie, „war das Interesse groß." 65 Leute seien im Schnitt am Tag gekommen. Ihre Anregungen pinnen die Anrainer, auf bunte Zettel notiert, auf ein riesiges Luftbild des Areals an der Containerwand.

"Hundezone. Einkaufen mit Pkw", steht auf einem. „Anrainerdurchfahrten ermöglichen", „Kein programmiertes Chaos. Querungsmöglichkeiten bewahren. Kein Straßenlabyrinth" auf anderen. Oder einfache Wünsche. „Steckdose (um Handy aufzuladen)", „Basketballplatz", hat jemand notiert. Die positiven und negativen Simmen, so Dorfstätter, hielten sich bisher etwa die Waage.
„Klar ist: Das Thema polarisiert. Viele sind verärgert, besonders die, die sich zu Unrecht nicht befragt fühlen." Schließlich wurden nur die Anrainer einiger Straßen befragt - und die auch nur zu möglichen Querungen, nicht zum gesamten Projekt.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

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„Man muss viel weiter denken"

Einer, für den mit der autofreien Mariahilfer Straße eine „lange Sehnsucht" in Erfüllung geht, ist Walter Vertat. Er hat lange in der Straße gearbeitet, zum Start der Test-Fußgängerzone ist er extra vorbeigekommen. Ihm hat es ohnehin zu lang gedauert, war die Straße doch schon beim Bau der U-Bahn in den 1980er-Jahren als Fußgängerzone angedacht.

„Auch jetzt muss man noch viel weiter denken. Der Bereich könnte bis in die Stadt, über die Praterstraße und bis zum Lusthaus eine wunderschöne Route werden", träumt er, spricht aber von „provinziellem Denken" und „Querulantentum" in Wien.

Zum Start des Testbetriebs ist davon nicht viel zu bemerken. „Skeptisch" sei sie, meint Maja Kojwer, eine junge Mutter aus dem siebten Bezirk. Schließlich fürchtet sie, dass der Autoverkehr in ihr Viertel verdrängt wird. Und schon am Testtag stockt der Verkehr. Nicht zuletzt, weil zugleich, am Freitag und Samstag, der Frühlingsflohmarkt in der Neubaugasse stattfindet - die ist dann für Autos auch gesperrt. Aber, so Maja Kojwer, es könnte auch gut ausgehen, die neue Fußgängerzone könnte eine neue Anziehungskraft entwickeln, für ihre Kinder sicherer werden. „Ich bin noch skeptisch - aber offen", sagt sie.

Zumindest am Probewochenende bietet die Mini-Fußgängerzone Kindern eine neue Qualität. Teilen doch Stelzengeher vor der Dialogbox Luftballons aus, am Samstag stehen Kinderschminken und ein fahrradbetriebenes Kino auf dem Programm, am Sonntag wird die Straße zur Picknickfläche. Ab Sonntagabend gehört die Straße aber wieder den Autos - wenn auch nur bis zum Spätsommer. Denn dann wird das umstrittene Konzept in vollem Umfang getestet. Im Herbst werden noch einmal die Anrainer befragt - und im Frühjahr 2014 soll die Fußgängerzone stehen. Dann allerdings permanent, und nicht nur zur Probe.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 4. Mai 2013)

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207 Kommentare
 
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Es war einfach nett zu flanieren. Viele haben sich noch nicht auf die "Fahrbahn" getraut.

In einem Jahr ist die Fußgängerzone Mahü so selbstverständlich wie autofreie Kärntnerstrasse.

Re: Es war einfach nett zu flanieren. Viele haben sich noch nicht auf die "Fahrbahn" getraut.

Warum gehen Sie nicht in die Praterhauptallee "flanieren"? keine Autos, viel grün.

Mit öffis sind Sie schell dort, odere mit dem Fahrrad in einer halben Stunde.

"Begegnungszone" - schonwieder so ein grünisches Neusprechwort! 90% der dort herumlaufenden Menschen hat nicht das geringste interesse jemandem zu "begegnen", schon gar keinen Bettlern, Straßenmusikanten udgl.


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und jetzt: testwiederholung an den ersten 3 tagen der nächsten arbeitswoche.


damit jede/r sieht, wie destruktiv diese verordnung der grünen phantastentruppe ist.

ich frage mich, woher das Geld kommt,

sowohl Meidlinger Hauptstraße, Mariahilfer Straße umzubauen? bei der Ottakringer Straße gab's wenigstens noch eine EU Förderung, die allerdings im Sommer 2013 ausläuft, somit darf der Steuerzahler voll dafür aufkommen und damit hat die MA 28 wohl auch kein Budget mehr, für die Sanierung der teilweise stark mitgenommen Straßen in ganz Wien... wirtschaftlich Kontraproduktiver geht's wirklich nicht mehr...

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wie umweltfreundlich...

hier wird ein problem(wenn es eins gibt mit der mahü) optisch bereinigt, damit a paar müslifresser den eindruck bekommen wir seien eine saubere und euhige stadt und alles holodrio. Das die bösen autofahrer aber jetzt 7 mal mehr rumfahren müssen und die sonst eigentlich recht flüssige gumpendorfer überfüllen werden ist ja scheissegal. Hauptsache das einkaufen wird dann angenehm und ruhig. Die zusätzliche umweltverschmutzung fährt ja sowieso aussen rum.... Ahhh nein ich verwirrter hab mich geirrt- die geben ja alle nach und fahren dann mit der u-bahn :-)

Na dann ist die Umbenennung dieser Straße in ....


.... "Mariahilflos (Vassilakou) Straße"

nicht mehr weit entfernt.

Die Leute die...

...in der Zieglergasse wohnen können sich freuen, dass wird dann eine richtige Durchzugsstraße wenn die Pläne so beibehalten werden.

da muss noch etwas geschehen!

"neue Anziehungskraft entwickeln, für ihre Kinder sicherer werden..."

Nach den Autos muss aber dringend ein Beschäftigungsverbot für die organisierten Bettler verhängt werden!

Seit die Kärntnerstraße Fußgängerzone ist gibt es Chaos in den Seitengassen!

Auf der Freyung und in der Singerstraße staut es sich bis zum Mond. Ein Skandal!

Das gleiche Problem hatte man vor vielen Jahren

in München. Als die Kaufingerstraße, die Neuhauserstraße und die Theatinerstraße samt dem Marienplatz zur Fußgängerzone umgebaut wurden, liefen viele Leute Sturm dagegen und hatten Angst, diese Straßen würden "sterben". Heute sieht man das anders und speziell die Jüngeren können sich nicht vorstellen, dass in diesen Straßen einmal Autos und Straßenbahnen fuhren. Und diese Straßen gehören heute zu den bel(i)ebtsten Straßen mit den höchsten Geschäftsmieten in Deutschland. Nun kommt es also darauf an, wie die Wiener/innen reagieren werden.

Re: Das gleiche Problem hatte man vor vielen Jahren

München Marienplatz = Wien Stephansplatz
München Neuhauserstraße = Wien Graben
München Theatinerstraße = Wien Kohlmarkt

Diese Straßen haben eine ganz andere Lage, Funktion und Bedeutung als die Mariahilferstraße und sind sowieso schon seit Jahrzenten eine Fußgängerzone - deswegen ist Ihr Vergleichsversuch absolut sinnlos.

Sind Sie vielleicht auch ein Dolmetscher der seinen Überschuss an Kreativität und sachlichen Ahnungsloslosigkeit auf städtebaulichem Gebiet zur Wirkung bringen versucht?

Re: Re: Das gleiche Problem hatte man vor vielen Jahren

@stoneisland2: Jetzt bremsen Sie sich bitte ein. Man darf doch noch Beispiele bringen oder nicht? Dass die Münchner Straßen im Zentrum liegen ist mir schon klar, aber die Mariahilferstraße liegt doch auch nicht am Stadtrand. Wenn Ihnen mein Vergleich missfällt, dann kann man das auch anders schreiben. Aber Ihr letzter Satz zeigt nicht gerade das, was man normaler Weise an Respekt vor der Meinung eines Anderen erwarten kann. Höflichkeit ist eine Zier,.....

Re: Re: Re: Das gleiche Problem hatte man vor vielen Jahren

Es geht hier gar nicht um gefallen oder nicht gefallen sondern um Sachlichkeit.
Sie können weiterhin Äpfel mit Birnen tendenziös vergleichen, nur sollen Sie keinen großen Respekt dafür erwarten.

Haben Sie überhaupt eine Ahnung wie viel der Umbau, der von einer gescheiterten Dolmetscherin in Wechseljahren forciert wird, uns Steuerzahler kosten wird? Und ob es in Wien keine größeren Probleme gibt als die bestfunktionierende Einkaufsstraße und ihre Umgebung, ohne Rücksicht auf Verluste, radikal umzukrempeln.

Das was die Vasilaku und ihr besoffener Koalitionspartner hier mit dem Steuergeld machen ist einfach ein Verbrechen!

Re: Re: Re: Re: Das gleiche Problem hatte man vor vielen Jahren

>Es geht hier gar nicht um gefallen oder nicht gefallen sondern um Sachlichkeit.

Dann bleiben Sie sachlich. Denn Ihr letzter Satz im ersten Beitrag zielt auf die Person Pilatus

Re: Re: Re: Re: Re: Das gleiche Problem hatte man vor vielen Jahren

Irrtum: Der letzte Satz im ersten Beitrag war eine Frage an den Poster Pilatus, die er nicht bantwortet hat.

Re: Re: Re: Re: Re: Das gleiche Problem hatte man vor vielen Jahren

Irrtum: Der letzte Satz im ersten Beitrag war eine Frage an den Poster Pilatus, die er nicht bantwortet hat.

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Es herscht bereits jetzt Chaos!


Meine Tochter mußte jetzt bereits alleine durch die Sperre Kirchengasse 1/2 Stunde Umwege in Kauf nehmen - da der Hinweise zur Umfahrung falsch ist!

Re: Es herscht bereits jetzt Chaos!

Das ist kein Chaos, da war wohl eher eine Einzelperson unfähig die Verkehrsmeldungen richtig zu deuten.

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Re: Re: Es herscht bereits jetzt Chaos!

Schließen Sie möglichst nicht von Ihrem IQ auf den anderer!

Re: Re: Re: Es herscht bereits jetzt Chaos!

Meiner hat ja ausgereicht um mich nicht zu verfahren.

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Re: Es herscht bereits jetzt Chaos!

Vielleciht sollte ihre Tochter mit dem Rad fahren oder öffentlich!

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Re: Re: Es herscht bereits jetzt Chaos!

Warum sollte sie! Grüngewaschenen Hirnen ist es offensichtlich nicht klar zu machen, daß es Menschen gibt, die ihre Autos nicht just for fun haben!

Re: Re: Es herscht bereits jetzt Chaos!

genau!
oder
gleich zu Hause bleiben.....

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Re: Re: Re: Es herscht bereits jetzt Chaos!

Aber sicher doch - am besten noch mit der Burka.

.

Wenn die Mahi zur Fussgaengerzone wird, dann fällen die vielen Käufer weg, deren Hauptbeschaeftigung wegen einer geregelten Arbeit nicht das Bummeln und Shoppen ist. Mit U-Bahn zum Einkauf fahren tu zb ich mir als Wiener nicht an, da fahre ich dann lieber ins DZ. Da Einkaufsstrassen, die nur mit Touristen und jungen Osteuropaeerinnen mit viel Tagesfreizeit aber nur in Zentrumslage funktionieren, werden wir dort bald nur noch Wettbueros und Doenerlaeden sehen. Wer dort eine Eigentumswohnungen gekauft hat, kann sich dann ja bei den Gruenen fuer die verfavoritnerung Wiens bedanken.

 
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