Kindergesundheit: 70.000 Therapieplätze fehlen

Die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit richtet einen Hilfsfonds ein, um unbürokratisch kranken Kindern zu helfen.

In Österreich fehlen 70.000 Therapieplätze für Kinder. Die österreichische Gesundheitsversorgung für Kinder.
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In Österreich fehlen 70.000 Therapieplätze für Kinder. Die österreichische Gesundheitsversorgung für Kinder.
In Österreich fehlen 70.000 Therapieplätze für Kinder. – Die Presse/Clemens Fabry

70.000 fehlende kostenfreie Therapieplätze für Kinder und Wartezeiten von bis zu eineinhalb Jahren: Das ist die Bilanz der österreichischen Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche, die die Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zog. "Schnell und unbürokratisch" Abhilfe schaffen soll zukünftig ein neu eingerichteter Kinderhilfsfonds.

Oft leben Familien mit kranken Kindern in prekären finanziellen Situationen: Selbstbehalte für Therapieplätze oder dringend benötigte Hilfsmittel könnten dann nicht aufgebracht werden, wie Christina Wehringer, Vizepräsidenten der Kinderliga, betonte. Hier soll ab sofort der Kinderhilfsfonds in die Bresche springen: "Wir wollen direkte und rasche Hilfe für Familien, die durch Krankheit der Kinder in Not geraten sind", so Klaus Vavrik, Präsident der Kinderliga.

Fonds soll ab sofort Hilfsmittel vorfinanzieren

Nach einer Prüfung der sozialen Bedürftigkeit und der Indikation der Behandlung wird der Fonds ab sofort beispielsweise Hilfsmittel wie Rollstühle vorfinanzieren oder den Selbstbehalt von Psychotherapie- oder Ergotherapieplätzen übernehmen, um Wartezeiten von bis zu eineinhalb Jahren auf kostenlose Plätze zu vermeiden. Ein Antrag ist möglich, sobald die Diagnostik abgeschlossen ist.

Finanziert wird der neue Fonds durch Spenden und vor allem einen Großunterstützer - die "Concordia Sozialprojekte", bei denen kürzlich der Unternehmer Hans Peter Haselsteiner den Vorsitz übernommen hat. Egal wie viele Anträge tatsächlich kommen, die Finanzierung sei dadurch für drei Jahre sichergestellt.

"So können wir garantieren, dass der Fonds kein Strohfeuer sondern ein verlässlicher Partner wird", meinte Vavrik. Ab einer Antragshöhe von 4.000 Euro soll allerdings der Vorstand in die Entscheidung miteinbezogen werden. Derzeit beschäftigt der Fonds zwei fixe Mitarbeiter sowie den ehrenamtlich agierenden Fachbeirat und Vorstand. "Bei Bedarf können diese Strukturen jedoch ausgeweitet werden", so Vavrik.

Anträge von Kinderzentren oder Eltern

"Die Anträge sollen vor allem von den behandelnden Kinderzentren ausgefüllt werden", berichtete Wehringer. Allerdings können auch Eltern selbst ihr Anliegen inreichen. "Wartet man etwa bei der Finanzierung einer Schiene auf die Zahlungen der öffentlichen Stellen, ist die Schiene, wenn sie kommt, oft bereits zu klein", kritisierte der Kinderliga-Präsident. Deshalb übernimmt der Fonds auch Vorfinanzierungen und stellt dann für die Eltern die notwendigen Anträge an die unterschiedlichen sozialen Einrichtungen zur Rückerstattung.

Dieses One-Stop-Shop-Prinzip wünschte sich Vavrik auch bei allen anderen sozialen Einrichtungen. Statt vielen Formularen sollten Eltern in Zukunft nur noch einen Antrag ausfüllen müssen, Vernetzung und Zusammenarbeit sollen dann im Hintergrund laufen. Schriftlich sollen diese Forderungen an die zukünftige Regierung nächste Woche präsentiert werden.

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