Demo gegen Akademikerball: „Schließen Gewalt nicht aus“

Während die Organisatoren der Nowkr-Demo Provokation üben und mit kruden Theorien Gewalt rechtfertigen, fordert Bezirksvorsteherin Stenzel einen Einsatz des Bundesheers.

Demo gegen Akademikerball
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Demo gegen Akademikerball
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Ein ehrliches Motto klingt anders. „Für ein Ende der Gewalt“ – mit diesem Slogan rufen die Bündnisse „Nowkr“ und „...ums Ganze!“ zu ihrer Demo gegen den Wiener Akademikerball am Freitag auf. Wie wenig dieses Motto taugt, machen zwei Sprecher dieser Bündnisse am Dienstag klar: Man rufe zu einer Demonstration „mit vielfältigen Mitteln“ auf. Werde Besucher des FPÖ-Balls „nicht mit Samthandschuhen anfassen“, so üben sich Lars Fischer („...ums Ganze“) und Mirko Neuss (Nowkr), zwei blasse junge Deutsche, in Provokation.

Einen Aufruf zum gewaltfreien Protest verweigern sie deutlich, sprechen von „verschiedenen Aktionsformen von unserer Seite“. Und stellen in ihren Unterlagen klar, worum es auf ihren Plakaten geht: „Wenn wir von Gewalt sprechen, dann meinen wir diese („bürgerlich-kapitalistischen“, Anm.) Verhältnisse, wenn wir ein Ende der Gewalt fordern, dann fordern wir ein Ende dieser Verhältnisse“, heißt es. Denn es gehe nicht nur um den Ball: „There is an alternative – Kommunismus statt Österreich.“ Jedenfalls, die Nowkr-Demonstration, die vom Karlsplatz zum Graben führen soll, ist noch nicht genehmigt. Das Anmeldeprocedere verzögere sich, da die Person, die offiziell als Organisatorin auftritt, kurzfristig ausgetauscht wurde.

Ein zweiter Demonstrationszug, jener der „Offensive gegen Rechts“, der ab 17 Uhr vom Schottenring (Universität) in Richtung Innenstadt führen soll, wurde bereits genehmigt. In Summe sind laut Polizei 13 Märsche und Standkundgebungen gegen den Ball der FPÖ angemeldet. Auch zu Sitzblockaden im Anschluss an die Demonstrationen wurde aufgerufen. Aber der Protest soll auch friedlich stattfinden: Unter anderem durch eine Veranstaltung der Initiative „Jetzt Zeichen setzen“ am Heldenplatz, die laut Veranstalter bereits genehmigt sei.

Das Bündnis hinter der Nowkr-Demo sieht die Tatsache, dass andere Demonstrationen bereits genehmigt wurden, sie darauf aber noch warten müssen, als Versuch, Ballgegner in „gut und böse“ zu spalten. Und, die zwei jungen Männer selbst pflegen ihr Selbstbild als radikale Linke: Sie sprechen von „internationalen Genossinnen und Genossen“, die kommen würden (online bewirbt das Bündnis Busreisen aus Landeshauptstädten, Tschechien oder Deutschland), auch der Kurs in Richtung Polizei ist klar: Diese habe den „Dialog an die Wand gefahren“, „eskaliere schon wieder“. Dann nennen Neuss und Fischer die Polizei noch einen „Haufen Sicherheitsextremisten“ und warnen, für den Fall, dass ihre Demo nicht genehmigt wird, vor chaotischen Zuständen in der Innenstadt. Mögliche Gewalttaten seien in ihrer Sicht aber auch nicht überzubewerten. Vergleicht man Sachschäden und Vandalenakte mit toten Flüchtlingen an EU-Außengrenzen, so die Argumentation.

 

Stenzel will Bundesheer in der City

Jedenfalls in Teilen der Stadt scheint die Provokation zu wirken: Ursula Stenzel etwa fürchtet Sachbeschädigungen und will die Demo-Organisatoren persönlich bei Sachbeschädigungen zur Kasse bitten. Außerdem forderte die Vorsteherin des 1. Bezirks (ÖVP) vorsorglich die gesamte Innenstadt zur Sperrzone erklären zu lassen und wünscht sich auch einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres, da die polizeilichen Maßnahmen für den Schutz der Inneren Stadt nicht ausreichen würden.

 

Bälle als Protest jenseits der Demos

Bürgermeister Michael Häupl vertraut indes in die Sicherheitsvorkehrungen: „Ich erwarte mir, dass es heuer keine Zerstörungen von Geschäften gibt. Das werden wir wohl zusammenbringen“, erklärte er am Dienstag. Trotzdem wäre ihm lieber, „wenn man sich das (den FPÖ-Ball, Anm.) hätte ersparen können“. Und er wirbt für den von der Stadt initiierten Wiener Ball der Wissenschaften am Samstag „wo sich tatsächlich die Intelligenzija trifft“. Dieser Ball im Rathaus ist mittlerweile – anders als der FPÖ-Ball am Freitag – ausverkauft. Auch ein zweiter Ball als Gegenveranstaltung findet dieses Wochenende erstmals statt: Der „Good-Ball“ im Werk am Donaukanal soll am Freitag ein „gutes Pendant“ zum FPÖ-Ball sein, heißt es. Der Erlös des Benefizballs – der wohl eher eine Party wird – kommt dem Integrationshaus und dem Projekt Prosa, einer Bildungsinitiative für junge Asylwerber, zu Gute. (cim/maka)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2015)

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