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Korruption im AKH? Bestbieter im Visier der Fahnder

22.07.2011 | 16:12 |  Von Andreas Wetz (Die Presse)

Der Korruptionsstaatsanwalt ermittelt nun gegen Beamte und den Bestbieter. Eine 50-Mio.-Euro-Ausschreibung soll „geschoben“ worden sein. Der Akt zeigt auch, dass der Krankenhausträger erst spät reagierte.

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Im Juni 2010 vergab das Wiener AKH einen Auftrag über 1050 Leiharbeitskräfte. Seither prüft die Korruptionsstaatsanwaltschaft (KStA), ob es dabei mit rechten Dingen zuging. Nun kam der Knalleffekt: Ermittelten die Fahnder bisher „nur“ gegen Beamte der Stadt, steht seit Kurzem auch der Geschäftsführer jenes Personaldienstleisters unter Verdacht, der den Zuschlag für das 50-Millionen-Euro-Projekt bekommen hat. „Die Presse“ ist im Besitz des Aktes.

Die Vorwürfe lauten auf Beteiligung am Amtsmissbrauch und an Untreue. Damit wackelt die Verteidigung von AKH und Krankenanstaltenverbund (KAV), denn: Bisher hat man damit argumentiert, dass an der Sache nicht viel dran sein könne, weil sich die angeblich bevorzugte Firma „nicht unrechtmäßig verhalten hat“ (Zitat: AKH-Direktor Reinhard Krepler).

Die Fahnder scheinen das anders zu sehen. Grund sind unzählige abgehörte Telefonate der vier verdächtigten Beamten und des nun als Beschuldigten geführten Geschäftsführers. Die Abschriften der Gespräche liegen im Akt, „Die Presse“ darf aus medienrechtlichen Gründen nicht daraus zitieren. Verstöße werden mit Strafen von bis zu 100.000 Euro geahndet.

Wertkartenhandy für Beamten

Für Heinrich Lachmuth, Geschäftsführer und Miteigentümer des Ausschreibungssiegers AGO (Akademischer Gästedienst Österreich), ist diese Entwicklung „unerklärlich“. Er freue sich darauf, zu den Vorwürfen bei Verhören Stellung nehmen zu dürfen. „Ich habe weder jemanden zum Amtsmissbrauch angestiftet, noch etwas veruntreut.“

Die Ermittler konzentrieren sich auf ein vermutetes Naheverhältnis Lachmuths zum ehemaligen Verwaltungsdirektor B. Dieser hat ein solches in einem heimlich aufgezeichneten Telefonat mit dem unterlegenen Zweitbieter bereits angedeutet. Auf die Frage, warum der jährlich um drei Millionen Euro teurere AGO den Auftrag bekommen hatte, antwortete B.: „Das ist hier gelebtes Prozedere seit Jahren, in dem wir uns bewegen und wohlfühlen.“

Der „Presse“ versichert Lachmuth, „keine privaten Zusammenkünfte“ mit B. gehabt zu haben. Aus den von einem Richter angeordneten Telefonüberwachungen geht jedoch hervor, dass Lachmuth B. zum Schutz vor Abhörmaßnahmen ein anonymes Wertkartenhandy überließ. Die Ermittler kamen dahinter, hörten auch diesen Anschluss ab und werten die Aktion nun als konspirativen Akt.

Lachmuth sieht das anders. Er gibt an, im Herbst 2010 von einer ihm unbekannten Person gewarnt worden zu sein. Und: „Man hat mir geraten, auf andere Telefone umzusteigen.“ Warum das überhaupt nötig war, sagt Lachmuth nicht. Schon lange vorher hat „Die Presse“ über die Affäre berichtet, und zwar im Juli 2010. Andere Medien zogen im Oktober nach.

Die nun vorliegenden Ermittlungsakten von KStA und Bundesamt für Korruptionsbekämpfung (BAK) werfen eine weitere Frage auf. Haben sich das AKH, der betreibende KAV und der Eigentümer (Gesundheitsressort der Stadt Wien, Leitung: Stadträtin Sonja Wehsely) nach Aufkommen der Vorwürfe korrekt verhalten? Ende 2010 hat die mutmaßlich bevorzugte Firma AGO nämlich den Auftrag angetreten. Für den Preis von 15 Mio. Euro pro Jahr.

Rückblende: Am 16. April 2010 schreibt Godwin Schuster, SPÖ-Urgestein und Gemeinderatsvorsitzender, um 13.23 Uhr ein E-Mail an KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold. Nach der Anrede „Lieber Willi“ kommt er zum Punkt. Ein leitender Beamter im AKH habe einem Mitbieter von AGO gedroht, er würde alle anderen Aufträge im KAV-Umfeld verlieren, sollte er seinen Einspruch gegen das betreffende Vergabeverfahren beim Vergabekontrollsenat nicht zurückziehen. Er, Schuster, könne Marhold einen Tonbandmitschnitt besorgen.

Am 4. Mai bringt ein Bote ein anonymes Kuvert in die KAV-Generaldirektion (siehe Faksimile). Inhalt: die Niederschriften mehrerer Telefonate. In einem nötigt der Beamte H. den unterlegenen Mitbieter, seinen Einspruch beim Vergabekontrollsenat zurückzuziehen. Tue er das nicht, „ziehen wir es durch, dass Sie 2011 keinen Auftrag mehr haben“. Im anderen lässt Ex-Verwaltungsdirektor B. bezüglich der Entscheidung für die Firma AGO tief blicken. „Die (aktuelle, Anm.) Verwaltungsdirektorin steht hinter der Entscheidung, wir haben es ja mit ihr kommuniziert, wir hängen so was nicht an eine große Glocke.“

Trotz der deutlichen Worte wird der Auftrag später offiziell vergeben. Anzeigen gegen die verdächtigen Beamten unterbleiben – obwohl es das Dienstrecht so vorsähe. Erst am 7. Juli ergeht eine Sachverhaltsdarstellung an die KStA. Delikt: Verdacht auf Amtsmissbrauch. Täter: unbekannt. Warum?

AGO wittert Krieg SPÖ-FPÖ

„Weil wir intern sofort nach Erhalt des Kuverts reagiert haben“, sagt KAV-General Marhold heute. Die Beamten wurden von der Innenrevision befragt. „Sie leugneten.“ Zudem lieferten Wirtschaftsprüfer, Universitätsprofessoren und Anwälte Gutachten. Alle waren der Meinung, dass das Vergabeverfahren korrekt abgelaufen wäre, strafrechtliche Vorwürfe gegen Beamte keinerlei Auswirkung auf den Zuschlag gehabt hätten. Auch diese Unterlagen liegen im Akt. Marhold: „Wir hatten gar keine andere Möglichkeit, als AGO den Auftrag zu bestätigen.“ Und hätte man die schweren Vorwürfe zum Anlass genommen, den Zuschlag doch zu überdenken? „Dann hätten wir Schadenersatz bezahlt.“

Neben Lachmuth, B. und H. führt die Staatsanwaltschaft zwei weitere Beamte als Beschuldigte. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Die Ermittlungen seien ausgeweitet worden, würden noch eine Weile dauern, so die Behörde. Ein AGO-Sprecher vermutet hinter dem Verfahren einen Kleinkrieg zwischen SPÖ und FPÖ im Rathaus. Der unterlegene Mitbieter, Dragan Janus, wollte nicht mit der „Presse“ sprechen.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2011)

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77 Kommentare
 
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Gast: Defender
24.07.2011 15:17
5 0

Korruption in Wien nur im AKH?

Warum berichtet die Presse nicht ausführlich über den kolportierten, riesigen Vermögensverlust der Stadt Wien nach Veranlagung von 1,7 Milliarden € bei der privaten (?) AVZ-Stiftung?


Antworten enzo
25.07.2011 07:44
3 0

Re: Korruption in Wien nur im AKH?

Indem es keinen echten Journalismus mehr gibt (Alfred Worms lässt grüßen ) sind die Medien zum gesteuerten Einheitsbrei verkommen.

Antworten Gast: globetrotterneu
24.07.2011 23:53
5 0

Re: Korruption in Wien nur im AKH?

weil sie auf der spö lohn liste stehen.

Antworten Gast: Es stinkt exrtrem
24.07.2011 16:13
4 0

Re: Korruption in Wien nur im AKH?

das frag ich mich schon seit 3 Tagen.......ich denke mal, dass man da in ein Wespennest stechen würde, welches die "Umverteilung" von nicht weniger als 24 000 000 000 Schilling in alter Währung (VIERUNDZWANZIGMILLIARDEN SCHILLING) aufzeigen würde.....WER WAREN DIE NUTZNIESSER???

Antworten Antworten poldionkel
25.07.2011 08:08
1 0

Re: Re: Korruption in Wien nur im AKH?

die nutzniesser dieser überbordenden malversationen sind u.a in der löwelstrasse zu finden, da ja in den letzten jahren die spö auf wundersamste weise von einer gigantisch überschuldeten partei fast entschuldet wurde. aber wie gesagt, ein schelm der dabei böses denkt, freundschaft

Gast: Fredak
24.07.2011 13:57
6 0

Wo rot Regiert sind die Schulden vorprogrammiert.

Bin Überzeugt, das ist nicht alles. Ich würd sagen volle kontrolle Mit der Stiftung: Wo ist das Geld hin Häupl? Feymann als Stadtrat mit den Gründstücken, verschleudert eh nur 11,8 Millionen Euro. Beteiligte Genossenschaften bei der wo man keine Wohnung bekommst ohne Parteibuch, auch wenns das Geld den Genossenschaftsanteil bezahlst. Wir haben das seinerzeit selber erlebt. Die Frage war, sind sie Parteimitglied? Gleich draufhin, wir halten sie ein Jahr mal in Evidenz. Nix ist kommen. Habe angerufen. die Wohnung war vergeben. Ich hoffe doch das die SPÖ Wähler draufkommen, nur wennst schmierst bekommst was von denen. Die Gargen Sanierung im AKH. Wensn einen KV gibt ist der einzuhalten kann max 20% Übersteigen, nicht von 8hundertausen in die Millionen. Von Häüpl hört man überhaupt nix. Was ist mit den Sprüchen, bin noch nicht Amtsmüde. Wo ist er? wos Tut er?

Antworten Gast: globetrotterneu
24.07.2011 14:18
7 0

Re: Wo rot Regiert sind die Schulden vorprogrammiert.

nix tut er ausser lügen und betrügen ja das ist die spö.

Gast: UKW
23.07.2011 19:34
7 1

Eine Hausdurchsuchung in der SPÖ-Zentrale und im Rathaus sind längst überfällig

Da würde womöglich sehr viel Jauche zutagegefördert werden. Eine stinkende Brühe aus Freunderl- und Parteibuchwirtschaft. Oder ist es ein Zufall, dass die Beamten und Stadtangestellten in Wien fast alle ein rotes Parteibuch haben? Sollten nicht alle Wienerinnen und Wiener die gleichen Chancen haben, einen der gut bezahlten Posten bei der Gemeinde zu ergattern?

Gast: spectatrix
23.07.2011 18:39
6 1

Feiner Unterschied

Glücklicherweise erklärt uns die "Presse" zuerst die Gesetzeslage, nämlich: "Die Abschriften der Gespräche liegen im Akt, „Die Presse“ darf aus medienrechtlichen Gründen nicht daraus zitieren. Verstöße werden mit Strafen von bis zu 100.000 Euro geahndet".

Glücklicherweise zitiert die "Presse" nicht aus dem ihr vorliegenden Akt, das käme ja teuer. Das ginge zwar leicht, denn sie schreibt: "„Die Presse“ ist im Besitz des Aktes" - aber, teufelnochmal, das Zitieren ist unglücklicherweise verboten. Verflixt! In ihrer Not: was macht sie?

Sie sagt der Öffentlichkeit nur, was drin steht.

Toller Unterschied! Gratulation! Auf sowas muss man kommen! Genial!

Antworten Gast: kein roter
23.07.2011 21:04
4 0

Re: Feiner Unterschied

ich deute das so: wenn die polizei gespräche abhört, darf man offensichtlich nicht über den inhalt schreiben. leider. wenn einer der beiden, die am telefon hängen, ein band mitlaufen lässt, schon. so steht es zumindest im text. dafür ist allerdings sinnerfassendes lesen nötig.

poldionkel
23.07.2011 16:25
7 0

nicht überrascht

wer geglaubt hat dass bei der gemeinde wien samt angeschlossenen betrieben auch nur ein großauftrag ohne kuvertwechsel abgehandelt wird glaubt auch noch an den osterhasen.

Antworten enzo
23.07.2011 20:35
2 0

Re: nicht überrascht

Überhaupt seit dem die MA 16 in die Betriebsführung des AKH eingegliedert wurde.Leben die mafiosen Zuschläge in Höchstform.

1 1

Logische Folge

Das ist eine fast zwangsläufige Entwicklung bei der Ausgliederung öffentlicher und kommunaler Dienstleistungen an Privatanbieter. Die StadtvWien hat damit jetzt ausreichend sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Jetzt muss damit Schluss sein.

census
23.07.2011 15:57
12 0

Da werden sich wieder ein paar Genossen ein Penthaus in Wien gönnen.


Gast: globetrotterneu
23.07.2011 15:25
12 0

spö nein danke

Der Fall Lucona
Die Konsum- Pleite
Der Noricum Skandal
Der AKH Skandal
Bank Burgenland Skandal
Der BAWAG Skandal
und jetzt noch die Draufgabe
Öffis, Strom und Müll werden noch teurer, die Schulden betragen mittlerweile drei Milliarden Euro: Wien muss sparen - obwohl die City eigentlich noch "geheime" Reserven haben müsste. In der privaten AVZ-Stiftung hat nämlich 2001 der damalige SP-Finanzstadtrat 1,7 Milliarden Euro angelegt. Doch davon sollen jetzt nur noch 190 Millionen übrig sein – ein Milliarden-Skandal, sagen Insider.

7 0

...

korruption im akh?
aber nicht doch...

Gast: Geheimrat
23.07.2011 14:18
6 0

Die Genossen haben eben ein goldenes Handerl wenns ums Geld geht....

Mega-Vermögen der Gemeinde Wien ging verloren!

http://www.krone.at/Oesterreich/Mega-Vermoegen_der_Gemeinde_Wien_ging_verloren-Milliarden-Skandal-Story-273793

Antworten diabolo
23.07.2011 17:36
3 0

Re: Die Genossen haben eben ein goldenes Handerl wenns ums Geld geht....

das wird aber von fast allen Medien ignoriert warum wohl?
Echt zum Kotzen in was für ein Land wir leben-politisch gesehen.

Gast: kapsitan
23.07.2011 13:30
0 0

Wieder einer der sich auf etwas freut. Wenn einer

schon so anfängt, dann braucht man nicht lange raten, was der Grund seiner "Freude".

Gast: sepplbauer
23.07.2011 13:23
3 0

wer ist die Korruptionsstaatsanwatschaft ?

was machen die ?
wie kommen die zu Informationen ?

Kann mir jemand sagen wo die genau wohnen ?

in ganz Österreich gibt es solche Fälle, aber nur wenige werden "verfolgt" - wieso dass ??


Luzius
23.07.2011 11:57
9 0

AGO wittert Krieg SPÖ-FPÖ

eine dümmere Ausrede fiel dem Sprecher nicht ein ?!
Wahrscheinlich fühlt man sich im bereits lange gewohntem Tun gestört, und dafür muss natürlich eine Partei die einem zu gefährlich scheint (ist/wird), als Sündenbock herhalten .

Es handelt sich auch weiterhin nur um die Spitze des Eisberges, dessen Basis ja bekanntlich zu 2/3 unter Wasser, also im verborgenen weiterhin tätig ist.


Antworten Gast: Comodan
23.07.2011 13:34
0 0

Wieso, die Strategie ist doch bestens:

Bei Angriffen versammle eine Partei hinter dich und mache es zu einer Auseinandersetzung auf ganz anderer Ebene. Nur so dumm wird ja wohl keiner sein, auf solche "Verlagerungen" hereinzufallen und weiterhin sachlich dort zu prüfen, wo die Kontrolle hingehört!

Gast: Presseleser
23.07.2011 11:01
9 0

Saure Wiesen trockenlegen



Bundespräsident Kirchschläger anläßlich des AKH-Skandals 1980.

ps. Es hat sich nichts geändert in den letzten 30 Jahren.





Antworten enzo
23.07.2011 20:44
4 0

Re: Saure Wiesen trockenlegen

Der selige Herr Kirchschläger würde die ehemals "Saueren Wiesn" heute als Jahrhundert Hochwasser das bis zum Hals steht bezeichnen.

Antworten Gast: Bürge(r)&Zahler ltd.
23.07.2011 12:14
3 0

Re: Saure Wiesen trockenlegen

Wieso sollte sich was ändern. Alle 4 Jahre hat der Wähler die Wahl wen zeitbefristet zum Monarchen macht. Ohne erweiterte Oppositionsrechte , erstklassige Rechnungshöfe und investigative Presse ist eine Demokratie nicht viel wert. Es arbeiten zuviele gegen den demokratischen Rechtsstaat (Lobbyisten).

Antworten Antworten enzo
23.07.2011 20:45
2 0

Re: Re: Saure Wiesen trockenlegen

Ja die Wähler sind Idioten ,so einfach ist es.

 
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