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Spittelau, wo Wien mit Müll dem Frost entgegenfeuert

03.02.2012 | 18:22 |  MAGDALENA KLEMUN (Die Presse)

750 Tonnen Abfall verbrennen täglich in der Spittelau. Wie daraus Fernwärme wird, darf man aus Sicherheitsgründen nicht näher beobachten. Doch der Blick aufs Wiener Müllmeer beeindruckt auch so. Und beunruhigt.

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Wien. Frostige minus drei Grad zeigen die Thermometer im Kontrollturm am Nachmittag an – Markus Bacher, stellvertretender Werksleiter der Müllverbrennungsanlage Spittelau, steht auf dem Vorplatz in Sakko und Hemd. Kein Wunder: Ein Mann, der seit 17 Jahren direkt an der Wärmequelle vieler Wiener Haushalte seinen Job tut, spürt bei ein paar Grad unter null vermutlich noch keine Kälte. „Eh nicht so frisch hier“, meint Bacher lapidar, bevor er mit schlanken Sätzen und üppigem Zahlenmaterial die Verwandlung von Müll in Wärme und Schlacke erläutert.

750 Tonnen Müll werden täglich in der Spittelau verbrannt. Daraus entsteht rund ein Drittel jenes Teils der Fernwärme, den Wien aus Abfällen gewinnt. Der größere Teil der Hitze im weitläufigen Rohrnetz im Untergrund der Stadt, das mit bis zu 140 Grad heißem Wasser die Wärme in Wiener Wohnzimmer pumpt, kommt allerdings von der Abwärme in Gaskraftwerken. Die größte Quelle ist das Kraftwerk Simmering.

Doch wer in den Abgrund des „Bunkers“ blickt, wo der Müll gesammelt wird, der muss die Spittelau trotz allem für einen Giganten halten: Über acht Abladestellen kippen Müllwagen ihren Inhalt hier hinein, mitunter sind auch Einkaufswagerln und alte Motoren dabei. In der Halle entsteht so ein Meer aus zerschlissenen Plastiksäcken, Erde und anderen Resten aus dem Alltag einer Großstadt. Zwei metallene Greifer regieren dieses Meer, transportieren den Müll in Richtung Feuerrost und durchmischen ihn, damit der Heizwert des Abfalls nicht zu stark variiert.

 

„Wir machen das Paradies kaputt“

Mit einem Leergewicht von viereinhalb Tonnen sind die Greifer schon Kolosse, bevor sie zufassen – Letzteres ist seit 28 Jahren Dragisa Strajinovics Aufgabe. Ihn trifft man nach einigen „Mahlzeit“-Rufen im Oberstock, wo der Kranfahrer mit Bewegungen des Steuerknüppels die Greifer auf- und abfahren lässt. „Die alten waren schneller“, meint Strajinovics und lässt den Greifer zum Beweis in den Müll hinabrasen – für Beobachter rasch genug. Wie Lego-Tech für Erwachsene.

Aber dass Müllverbrennung so spaßig auch wieder nicht ist, befand schon Friedensreich Hundertwasser, der der Anlage auch innen seine Handschrift verpasste und dazu vom damaligen Bürgermeister Zilk erst überzeugt werden musste: Sätze wie „Wir leben im Paradies, wir machen es nur kaputt“ prangen an den Wänden der Gänge, durch die Bacher eher zügig schreitet. Zuletzt ist die Masse des Wiener Hausmülls von 2009 auf 2010 leicht angestiegen. Ob sich Menschen wie Bacher beim Anblick dessen, was von der Buntheit im Supermarkt bleibt, auch der Gedanke an Müllvermeidung aufdrängt? „Natürlich frage ich manchmal selbst, wie oft ein Produkt noch eingepackt ist“, so Bacher, „aber wir holen aus dem Unvermeidlichen noch das meiste raus, und das auf besonders ökologische Weise.“ Plastiksäcke sind unvermeidlich? Einem Profi der Müllverbrennung ringt man keinen Satz über Ressourceneffizienz ab: „Wäre es nicht Plastik, läge hier eben mehr Papier.“

Wie genau der Müll auf elf Prozent seines Volumens reduziert wird, was Bacher gern wiederholt, sehen Besucher der Spittelau nur auf Skizzen. Verbrennungsrost, Feuerraum, Kessel und Turbine sind abgeschirmt. Eine Sicherheitsmaßnahme, nachdem 2010 ein Tankleck in der Simmeringer Müllverbrennungsanlage eine Explosion verursachte. Zu Schaden kam niemand, dabei soll es bleiben. Aber vorstellen kann man sich den Ursprung des heißen Wassers, das nur hoher Druck flüssig hält – in Rohren mit bis zu 80 Zentimetern Durchmesser, neben denen man unter dem Gürtel spazieren könnte.

Das Wasser in den Rohren kommt dabei nie direkt mit dem Wasserkreislauf in der Spittelau in Berührung, weil das Wasser darin zur Schonung der Anlage spezialbehandelt wird – und nicht nach außen gelangen sollte. An drei Kondensatoren gibt mittels heißer Rauchgase erzeugter Dampf seine Wärme an jenes Wasser weiter, das die Anlage unterirdisch in Richtung Haushalte und vor allem zum Großabnehmer AKH verlässt.

 

Kein Müll aus dem Ausland

Dass Wien im Winter unterirdisch heiß bleibt, ist auch ein logistischer Aufwand: Damit der Verbrennungsprozess aufrechtbleibt, muss laufend Brennstoff nachkommen, müssen zusätzliche Kessel angefeuert werden. Besonders vor langen Wochenenden muss daher genug Müll für die großzügig dimensionierte Anlage ankommen – Müllimporte aus dem Ausland sind dabei laut rot-grünem Regierungsprogramm „ausgeschlossen“.

Was vom Wiener Müll bleibt, wenn ihn die Wärme verlassen hat? 250 kg je Tonne Abfall entstehen an Rückständen und Asche, mit denen die Stadt dann zum Teil nichts mehr zu tun haben will – ein geringer Teil wird in Endlager nach Deutschland abtransportiert.

Zur Person

Markus Bacher
ist der stellvertretende Werksleiter der Wiener Müllverbrennungsanlage Spittelau. Die Anlage verarbeitet 250.000 Tonnen Abfall im Jahr. Sie wurde zwischen 1969 und 1971 erbaut und nach einem Großbrand 1987 vom Künstler Friedensreich Hundertwasser umgestaltet. [Mirjam Reither]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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23 Kommentare
1 2

Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig

Ein Wahnsinn bei dem überwiegenden Westwind, der alles schön über Wien bläst. Wer hat denn diese Standorte bestimmt?

Antworten Gast: Aufmerksam und wachsam
11.02.2012 10:06
1 0

Re: Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig

Das waren vor über 50 Jahren "unsere" Stadtpolitiker, der damalige Bürgermeister Jonas ließ sich auch von einer von 6000 Wienern und Wienerinnen unterschriebenen "Petition" nicht erweichen, und die Bedenken der Ärzte der umliegenden Spitäler (Lungenheianstalt (!) Baumgartner Höhe, Hanuschkrankenhaus, Wilhelminenspital, Altersheime, Kindergärten (!) wurden barsch abgewiesen. Eine "Delegation" von Politikern reiste damals (auf Kosten der ....) in die Schweiz, um so ein Werk zu besichtigen. Näheres sh. u.a.

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=566

und "Dioxin über Wien" - es gibt nach wie vor die "Überparteiliche BI MV Flötzersteig"!


0 1

Re: Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig

Keine Sorge, die Filter sind inzwischen so gut, dass die Abluft aus dem MVA besser ist als in jeder stark befahrenen Straße.

Antworten Antworten Gast: Aufmerksam und wachsam
10.02.2012 14:19
0 0

Re: Re: Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig


Fein- und Feinststaub ist FILTERGÄNGIG!

http://www.total-recycling.org/emissionsmengen.html

Man muß wirklich nicht alles für bare Münze nehmen, was uns unsere Politiker "erzählen" und schon gar nicht, was uns hochbezahlte (wofür wohl - Schweigegelder?) "Gutachter" weismachen wollen!


0 0

Re: Re: Re: Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig

Keine Sorge.
Die Emissionswerte der Wiener MVAs liegen weit unter den Grenzwerten. Auch beim Feinstaub!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Aufmerksam und wachsam
10.02.2012 15:23
0 0

Re: Re: Re: Re: Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig

Warum sollte irgendwer Michael Bakunin glauben?
Weil Sie es sagen???

Mitarbeiter der MA48?
Oder gar Frau Stadträtin Uli S. höchstpersönlich?
Oder gar ihr Untergebener, .... Chef der MA48?

Ich mach mir Sorgen - um Sie, der alles schluckt und glaubtj

0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig

Informiere dich halt, wenn du es nicht glauiben willst. Es gibt genug Informationsquellen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Aufmerksam und wachsam
11.02.2012 21:28
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Müllverbrennungsanlage Spittelau und Flötzersteig

Erstens sind wir nicht per Du und zweitens informiere ich mich sicher nicht über Jubelpropagandabroschüren.

ga-stein
04.02.2012 13:42
1 2

müllverbrennung-energiewahnsinn

müllvermeidung.mülltrennung.wiederverwertung.

Gast: Mittendrin statt nur dabei
04.02.2012 10:08
2 3

Müll vermeiden, und für den, ders wirklich genau wissen will:aa

Müll ist der giftigste Brennstoff, den es gibt!

Das Endlager für Filterkuchen befindet sich - wg. der Giftigkeit untertage (!) in einem Salzstock bei Heilbronn.

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1020

Filter nützen nur, wenn man genau weiß, WAS gefiltert werden kann – was beim Hausmüll niemals der Fall sein kann!
Oder wer kann wirklich kontrollieren/garantieren, ob nicht Medikamente, Chemikalien, Glühbirnen, .... im Hausmüll landen und und untereinander neue Verbindungen eingehen....Dioxin entsteht bei allen Verbrennungsprozessen.

Fein- und Feinststaub ist FILTERGÄNGIG!

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1514

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1201

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=893

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1398

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1144

Die 5 Wiener MVAs sind (wie andere Industrien) Feinstaubschleudern!

Es ist nicht zu verantworten, daß für Kinder/Jugendliche Events in der Müllverbrennungsanlage Spittelau veranstaltet werden!

Außerdem: Für diesen Umbau muß wie gesetzlich vorgeschrieben eine ÖFFENTLICHE BAUVERHANDLUNG stattfinden!!!

Mit SUP, Umweltprüfung etc.


0 0

Re: Müll vermeiden, und für den, ders wirklich genau wissen will:aa

Danke für den ausführlichen Beitrag. Es sagt ja schon sehr viel aus, dass Wien über keine Kunststoffsammelcontainer verfügt (die vorhandenen sind nur für Flaschen!) demnach auch für keine Wiederverwertungsanlage von Plastik. Nein, das wird alles mit dem Hausmüll verbrannt! Ein Wahnsinn, auch aus Sicht der immer knapper werdenden Rohstoffe, in dem Fall Erdöl!

Antworten Kraftmeier
04.02.2012 12:26
2 1

Re: Müll vermeiden, und für den, ders wirklich genau wissen will:aa

Sie haben vergessen, dass hier von Wien die Rede ist. Dort ist Gesetz, was die Rathausroten und -grünen (und -rotinnen und -grüninnen natürlich auch) sagen.

0 0

Re: Re: Müll vermeiden, und für den, ders wirklich genau wissen will:aa

Ui, ist das lustig, wie du das schreibst...
Bist du grad vom Kindergarten entlassen worden?

Antworten Antworten Gast: OttakringerInnen
04.02.2012 13:35
2 1

Re: Re: Müll vermeiden, und für den, ders wirklich genau wissen will:aa

Jetzt, wo die Grünen in Wien ja "mitregieren" in der Koalition, darf man gespannt sein, ob sie dem Koalitionspartner SPÖ Wien für den Umbau der MVA Spittelau die gesetzlich vorgeschriebene Bauverhandlung "abringen" werden oder ob sie wieder kusche(l)n:

http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1640
" target="_blank">http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1640


http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1459
" target="_blank">http://www.aktion21.at/themen/index.html?menu=106&id=1459


Oder wird dieses Bürgerrecht zugunsten eines Radweges ins Nirgendwo geopfert werden?

Büro Vassilakou, bitte melden, wird es für den Umbau der MVA Spittelau Prüfungen, Auflagen, eine öffentliche Verhandlung (wie für alle anderen Bauten in Wien auch) geben?

Oder mach ma das wie zu SPÖ-Alleinregierungszeiten „unter der Tuchent?“ – Mir wern kann Richter brauchn?

Über Geld spricht man nicht, Geld HAT man!


Antworten Gast: salusa secundus
04.02.2012 12:05
1 0

Re: Müll vermeiden, und für den, ders wirklich genau wissen will:aa

> Dioxin entsteht bei allen Verbrennungsprozessen.

Stimmt so nicht. Ich darf hier mal Wikipedia zitieren:

Dioxine entstehen unvermeidlich als Nebenprodukte bei der Herstellung chlororganischer Chemikalien oder bei beliebigen Oxidationsreaktionen von Kohlenwasserstoffverbindungen in Anwesenheit von Chlorverbindungen (beispielsweise Kochsalz NaCl). In der Regel entstehen nachweisbare Konzentrationen von Dioxinen bei Verbrennungen mit Temperaturen oberhalb 300°C (Assoziation der Dioxinmoleküle) und unterhalb von 700°C (Dissoziation der Dioxinmoleküle).

Die 300-700 Grad sind der Knackpunkt, insofern ist z.b. das Verheizen von Plastiksackerln im Hausofen deutlich schlimmer als im Fernheizwerk ...


Gast: Xiongerl
04.02.2012 08:09
6 0

Asche nach Deutschland ist Wertvergeudung!

In Österreich gibt es einige Unternehmen, welche aus der Asche die Wertstoffe rückgewinnen können. Aschen aus Verbrennungsanlagen sind perfekte Rohstoffe für "Surface Mining" und kein Abfall. Es ist traurig, dass man sich hier in freiwillig in eine Entledigungsphilosophie zwingt. Eine etwas modernere Unternehmensstrategie ist eindeutig anzuraten!

0 0

Re: Asche nach Deutschland ist Wertvergeudung!

Das ist ein Missverständnis.
Die Asche wird nicht nach Deutschland geschickt, sondern auf der Deponie Rautenweg gelagert (nachdem sie zu einem Asche-Schlacke-Beton-Gemisch verarbeitet wurde).
Ins Endlager nach Deutschland kommt nur der hochgiftige Filterkuchenrest.

Gast: Wiener
03.02.2012 20:57
9 2

also exportiert Wien 62.500 Tonnen Müll (Rest nach Verbrennung lt. Artikel)nach Deutschland - jährlich....

Und dann heißt es lapidar von rotgrün Müllimporte ausgeschlossen aber Exporte schon??

0 0

Re: also exportiert Wien 62.500 Tonnen Müll (Rest nach Verbrennung lt. Artikel)nach Deutschland - jährlich....

Du solltest vorher genauer lesen!
Zitat: "ein geringer Teil wird in Endlager nach Deutschland abtransportiert2.
Alles klar?

Antworten Antworten Gast: Aufmerksam und wachsam
10.02.2012 17:24
0 0

exportiert Wien 62.500 Tonnen Müll (Rest nach Verbrennung lt. Artikel)nach Deutschland - jährlich....

Und dieser Filterrückstand ist so giftig, daß er untertage (!!!) in einem Salzstock in der Nähe von Heilbronn, Deutschland, gelagert werden muß!

Und das ist siocher nicht umsonst, oder??

Wes Brot ich eß, des Lied ich sing, ist schon klar.
Muß fad sein, so ein Nachtdienst.

Antworten Gast: Zurechtrücker
03.02.2012 21:32
13 0

Re: also exportiert Wien 62.500 Tonnen Müll (Rest nach Verbrennung lt. Artikel)nach Deutschland - jährlich....

...wenn's denn stimmen würde, was in dieser Kurzreportage geschrieben steht.
Tut es aber nicht.
Nur ca. 0,1% der Restmüllinputmasse kommt in Form von Filterkuchen (das Endprodukt der Reinigung der Prozesswässer, die wiederum das Rauchgas gereinigt haben) in eine Untertagedeponie in Heilbronn in Deutschland. Das sind 1-2 LKW pro Monat.
Die Verbrennungsrückstände (also Schlacke=das, was an Unverbranntem auf dem Rost liegen bleibt und Asche=im Elektrofilter abgeschiedene Flugasche) landen sehr wohl in Wien, genauer: auf der Deponie Rautenweg als stabilisierter Asche-Schlacken-Beton zur Errichtung/Verbesserung der Randwälle.

Im übrigen wird das Kraftwerk Simmering nicht ausschließlich mit Erdgas befeuert.

Antworten Antworten Gast: Nemesis
04.02.2012 07:44
3 0

Re: Re: also exportiert Wien 62.500 Tonnen Müll (Rest nach Verbrennung lt. Artikel)nach Deutschland - jährlich....

Danke für die Info ich dachte mir schon mit dem Artikel stimmt was nicht.