Strasser-Prozess: „Die Geschichte vom Geheimdienst“

03.12.2012 | 17:53 |  Von MANFRED SEEH (Die Presse)

Oberstaatsanwältin Alexandra Maruna bringt Ernst Strasser am vierten Prozesstag erneut ins Wanken. Die beiden verdeckt arbeitenden englischen Journalisten sind nun für 13. Dezember nach Wien geladen.

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Wien. „Ich hatte schon als Minister das Gefühl, Zielobjekt eines Geheimdienstes zu sein.“ Schon damals habe ihn das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, das BVT (Ernst Strasser sagt immer „der BVT“), im Stich gelassen. Ab 2010 war es wieder da, dieses Gefühl. Damals will Strasser, mittlerweile EU-Parlamentarier, wieder einen Geheimdienst („Vielleicht auch einen Wirtschaftsgeheimdienst“) gewittert haben: nämlich bei seinen Treffen mit den beiden als Lobbyisten getarnten Journalisten Jonathan Calvert und Claire Newell.

Montag, vierter Prozesstag: Richter Georg Olschak scheint mit dem „Gefühl“ des Angeklagten, mag sich dieses auch zweimal eingestellt haben, nicht viel anzufangen. „Wann ist die Geschichte mit dem Geheimdienst aufgekommen?“, fragte er nun einen Korruptionsermittler, der als Zeuge aussagte. Der Zeuge wandelte das Wort „Geschichte“ ab und machte daraus: „Verteidigungslinie“. Diese habe Strasser in der ersten längeren Einvernahme so „gewählt“.

Warum er damals, als EU-Parlamentarier und vor allem als ehemaliger Innenminister, nicht einfach zur Polizei ging, will der Richter von Strasser wissen. Und schlägt rückblickend ein einfaches Wording vor: „Mein Name ist Strasser, es warat wegen dem Bestechungsversuch . . .“ Strasser wusste an dieser Stelle mit seiner Antwort nicht restlos zu überzeugen. Nur so viel: Hätte die Polizei ermittelt, wären die mutmaßlichen Agenten „weg gewesen“.

Der Richter weiter: „Warum haben Sie sich kein Gedankenprotokoll gemacht?“ Strasser: „Den Vorwurf mache ich mir selber auch.“ – „Und warum haben Sie ihren Verdacht nicht einmal ihrem Vertrauensanwalt mitgeteilt?“ Strasser: „Das würde ich heute anders machen.“ Sehr wohl aber hat Strasser den Anwalt jenen Beratervertrag prüfen lassen, den ihm die beiden Journalisten schickten.

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„Doch nicht nur gelogen!“

Richtig unangenehm wurde es für den Angeklagten, als Oberstaatsanwältin Alexandra Maruna – sie wirft Strasser Bestechlichkeit vor, dieser habe versprochen, auf EU-Gesetze Einfluss zu nehmen und dafür jährlich 100.000 Euro haben wollen – mit ihren Fragen begann: Sie griff dabei die Geheimdienst-„Geschichte“ auf, erinnerte den Angeklagten an dessen Angaben, wonach er den beiden Journalisten „etwas vorgelogen“ habe. Und zählte dann – angelehnt an die heimlich aufgenommenen Videos – jene Angaben auf, die Strasser freimütig gemacht hatte.
Angaben über diverse Aufträge (Strasser war und ist Unternehmensberater). Die AUA, die Österreichischen Lotterien, die Baufirma Alpine oder etwa die Österreichische Staatsdruckerei zählten zu Strassers Kunden. Dieser sagt nun, er habe – bis auf Ausnahmen – keine Firmen genannt. Und nein, es sei doch nicht alles gelogen gewesen. Er habe „oft eine nahe der Wahrheit angesiedelte Geschichte erzählt“. Aber „anonymisiert“ und „immer zum Schutze meiner Klienten, immer zum Schutze Österreichs“. Richter Olschak erwies sich an dieser Stelle erneut als Skeptiker: „Was soll da zum Wohle Österreichs sein, wenn Sie erzählen, die AUA hat ein Problem mit einer Landeerlaubnis.“ Konkrete Antwort gab es darauf keine.

Indessen wurden die englischen Journalisten Calvert und Newell für den 13. Dezember nach Wien geladen. Calvert hatte in einem Mail an bestimmte Medien, darunter die „Presse“, erklärt, dass er durchaus aussagen, aber keinesfalls fotografiert werden wolle. Fortsetzung am Dienstag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2012)

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203 Kommentare
 
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Es gibt auch entlastende Fakten...

...für den Ernstl.
Weil er als Bub durch viele James Bond Filme traumatisiert wurde, entwickelte er schon als Jugendlicher eine paranoide Haltung, die später als Innenminister manifest wurde.
Das und seine Charakterlosigkeit sind als mildernde Umstände zu werten.

"Die Geschichte vom Geheimdienst“

Geschichte ??

G'schichterl !!


paranoia

der liebe ernsti sollte paranoia nach dem prozess schleunigst behandeln lassen .... am besten bei wasser und brot....

Er sollte drei Tage prozessfrei bekommen, wegen St. Nikolaus ...

Weil Geschichten erzählen vom hohen Norden, den dunklen Wäldern und der harten Leben könnte er....

Robin Hood war a Lercherl gegen den "Ernstl allein zuhaus" ...

Als Angeklagter darf er lügen, selbstverständlich. Aber, ob das am Ende nicht die Torte dann besonders fett macht, die ihm das Gericht in die Fratze drücken wird?

Der kleine Ernstl

mit der großen Phantasie möchte Märchen auftischen die ihm sowieso keiner glaubt. Trotzdem verhindern seine Seilschaften dass er dorthin kommt wo er hingehört.

Was für ein Wohltäter!

Ein aufrechter Kämpfer und Vertreter der österreichischen Interessen! So aufrecht, dass Ihm sogar der Geheimdienst auf den Fersen war. Beim vorletzten James Bond hat er einen seinen Verfolger ganz deutlich wiedererkannt! Und jetzt diese Ungerechtigkeit! Diese Frechheit! Er, der aufrechte und unfehlbare Lobbyist muss sich jetzt vor Gericht diesen unglaublichen Fragen stellen! Was für eine Ungerechtigkeit, was für Pöbel und Plebs ist dies in Österreich nur? Für diese hat er all seine Energie, seine Intelligenz, seine Arbeit, seinen Fleiß unter unsagbahren Enbehrungen in Brüssel und Strasburg aufgebracht. Oh Du armer, missverstander Strasser, Du! Schämem Sie sich!!

Re: Was für ein Wohltäter!

Ja und so unglaublich mutig war auch noch, als er sich den Geheimdienstleuten zu unser aller Wohle stellte!

man kann doch nicht 6 Stunden durchlügen!

Ist doch logisch dass man in so einem Fall auch teilweise die Wahrheit sagt.

Craig

mag eh nimmer. E.S. sollte sich für die nächste Folge beim Casting bewerben, Titel: EUROFINGER

Auf Krankenschein behandeln

"... „Ich hatte schon als Minister das Gefühl, Zielobjekt eines Geheimdienstes zu sein. Schon damals habe ihn das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, im Stich gelassen ... "

Verständlich. Der Verfassungsschutz behandelt nicht auf Krankenschein.

alle einsperren ...

strasser ist unglaubwürdig und ohne vorverurteilen zu wollen, gehört er meiner meinung nach ins gefängnis.

nur was ist mit den journalisten? die werden als helden gefeiert, sind aber an dem fall ja auch beteiligt. klar, kann man jetzt argumentieren, die wollten ja nicht wirklich bestechen, nur entwischt dann strasser nicht auch, wenn er nicht "korrekt" bestochen wurde?

immerhin haben die beide ja auch nicht als polizeiermittler agiert, genauso wenig wie hr strasser als geheimdienstjäger, sondern waren nur auf einen skandal aus!

Re: alle einsperren ...

ich vermute auch, dass bei Strasser nicht alles die reine Wahrheit ist.

wenn sie schreiben, sie wollen ihn nicht vorverurteilen, dann aber schreiben, er gehöre ins Gefängnis, machen sie das aber!

Re: Re: alle einsperren ...

das ist einfach meine subjektive meinung, die auf den medieninformationen beruht. möglicherweise habe ich das nicht ganz klar zum ausdruck gebracht.

ich kenne den akt nicht und bin nicht im gerichtssaal anwesend. wenn er unschuldig sein sollte und tatsächlich einen unerbitterlichen kampf gegen geheimdienste führt, muss er freigesprochen werden. auch wenn meine meinung dazu immer noch eine andere bleibt!


Re: Re: Re: alle einsperren ...

Ich bin ja ganz Ihrer Meinung; aufgrund der Medienberichte und der haarsträubenden Verteidigungslinie, muss man fast davon ausgehen, dass er "Dreck am Stecken" hat.

Korr.: ....Traditionswachkörpers....


Dieser Strasser - ich schreibe nicht, er sei ein Gangster - ist jedenfalls der Totengräber der österreichischen Bundesgendarmerie, eines sehr erfolgreichen Tradidionswachkörpers.


Mich wundert noch immer, dass sich die österreichischen Gendarmeriebeamten und vor allem das öst Volk die Zerschlagung und Zerstörung einer äußerst erfolgreichen Institution - die Bundesgendarmerie - gefallen lassen haben. Seither gings und gehts mit der öst Exekutive nur noch bergab und mit der Kriminalität in diesem Land nur noch steil bergauf .....


Re: Mich wundert noch immer, dass sich die österreichischen Gendarmeriebeamten und vor allem das öst Volk die Zerschlagung und Zerstörung einer äußerst erfolgreichen Institution - die Bundesgendarmerie - gefallen lassen haben. Seither gings und gehts mit der öst Exekutive nur noch bergab und mit der Kriminalität in diesem Land nur noch steil bergauf .....

Eine Reform war überfällig, nur wie und was Strasser gemacht hat war Schwachsinn. Ob man es nun Gendarmerie oder Polizei nennt ist schnurzegal.

nau und die Parteifreinderl

haben brav zugeschaut, und wissen von nichts!!!?
wenn man das Parlament zu einem Straflager umfunktioniert , tut man der Gerechtigkeit gutes.

Herr Strasser hatte schon früher das Gefühl, vom Geheimdienst verfolgt zu werden.

Dazu fällt mir der Begriff "Verfolgungswahn" ein.
Mann hätte ja auch einen Psychiater konsultieren können.

heute twittert

Florian Klenk ‏@florianklenk

Bald sticht Ernst Strasser mit seiner Nase dem Richter die Augen aus.

:-)

Ein früherer Oberösterreicher namens Strasser

Auf einem Grabstein an der Pfarrkirche zu Steinbach an der Steyr (also in der oberösterreichischen Heimat Ernst Strassers) wird der im Jahre 1801 verstorbene Wolfgang Adam Strasser als "Ein Mann Von deutscher Redlichkeit und wahrem Christenthum" gerühmt. Vielleicht war dieser Mann nicht nur ein Namensvetter, sondern sogar ein Vorfahre Ernst Strassers. Ist er ein Vorbild für diesen oder nicht?

Re: Ein früherer Oberösterreicher namens Strasser

Der Ernst Strasser ist halt ein Mann von österreichischer Redlichkeit

Re: Ein früherer Oberösterreicher namens Strasser

1. Was wollen sie damit sagen?

2. Strasser wurde in Grieskirchen geboren

Re: Ein früherer Oberösterreicher namens Strasser

1. Was wollen sie damit sagen?

2. Strasser wurde in Grieskirchen geboren

 
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