Salzburg: So verspielte eine Beamtin 340 Millionen

06.12.2012 | 18:48 |  GERHARD HOFER UND CLAUDIA LAGLER (SALZBURG) (Die Presse)

In Salzburg dürfte eine Referatsleiterin die Finanzabteilung und den Rechnungshof genarrt haben. Die Aufklärungsarbeit des Landes funktionierte schlecht.

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Salzburg. Sie war eine angesehene Finanzexpertin. Mehrmals musste die Salzburger Landesregierung sogar bangen, dass Monika R. abgeworben wird. „Die Banken rissen sich um sie“, erzählen Kollegen. In Sachen Finanzmanagement konnte ihr keiner das Wasser reichen. Auch nicht der Landesrechnungshof. Der war mit den Finanzgeschäften, für die die 45-Jährige verantwortlich war bis zuletzt sehr zufrieden. Tatsächlich könnte die Juristin aber 340 Millionen Euro Steuergeld verspekuliert haben. Das gab gestern der für Finanzen zuständige Salzburger Landeshauptmannstellvertreter David Brenner (SPÖ) bei einer Pressekonferenz bekannt.

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Ganz genau weiß im Land keiner, was da vor sich gegangen ist. Die Zahl 340 Millionen stammt von der Vertragsbediensteten selbst. Jetzt wird gerechnet und aufgearbeitet. Und wenn alles gut geht, flattert bei der Staatsanwaltschaft Salzburg heute eine Anzeige ins Haus. Gestern war man dort über die wilde Geschichte ebenfalls nur erstaunt.

Rekonstruktion des Falls

„Sie hat die Politik getäuscht, sie hat den Landesrechnungshof und alle Kontrollinstanzen getäuscht“, sagte Brenner. Wie eine einzige Landesbedienstete so viel Geld abzweigen und verspekulieren konnte? Die Antwort auf diese Frage blieb er größtenteils schuldig. „Die Presse“ versucht eine Rekonstruktion:

Im Jahr 2001 beschloss das Land Salzburg sich mit Steuergeld aufs glatte Finanzparkett zu begeben. Man wollte Kapital gewinnbringend veranlagen und hatte dafür eine „fleißige, verlässliche und fachlich brillante Kraft“, wie es gestern hieß: Monika R.

Chronologie: Wenn Finanzjongleure Milliarden verzocken

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Natürlich wurde das Spielkapital nicht ihr alleine überantwortet. Es herrschte das Vier-Augen-Prinzip. Problem dabei: Das zweite Augenpaar gehörte einem ihrer Untergebenen. Und damit war der Malaise Tür und Tor geöffnet.

Bis 2006 soll alles gut gegangen sein. Dann kaufte R. isländische Staatsanleihen. Island kollabierte und versenkte Milliarden. Einige Millionen aus Salzburg mit eingerechnet. Ab diesem Zeitpunkt soll R. nur noch versucht haben, das verlorene Geld zurückzugewinnen. Es gebe keine Anzeichen, dass sie Geld in die eigene Tasche abgezweigt hat, heißt es. Aber sie habe ihren Mitarbeiter genötigt, Unterschriften zu leisten. Später habe sie diese einfach gefälscht.

Portfolio-Reports haben gepasst

Und die Kontrollgremien des Landes? „Die Portfolio-Reports haben immer gepasst“, heißt es im Büro Brenner. Kein Wunder: Die Reports waren längst Fantasieprodukte. Die wahren Transaktionen kannte wohl nur eine: Monika R.

Wie sie es schaffte, 340 Millionen Euro zu verstecken? Geschickt dürfte sie das Geld immer wieder aus der laufenden Gebahrung abgezweigt und wieder eingebucht haben, hieß es gestern.

Im Sommer begann das Lügengebäude zu wackeln. Wieder wollte R. einen riskanten „Range Accrual Swap“ durchführen. Diesmal spielte ihr Mitarbeiter nicht mit, er meldete den Vorfall. Trotzdem wird nun auch gegen ihn ermittelt.

Verdacht auf Burnout

Mit Händen und Füßen wehrte sich Monika R., als man ihr nahe legte, Urlaub zu nehmen. Die Kollegen hatten eine Vermutung. „Verdacht auf Burnout“, attestierten sie Monika R. Man schickte sie in Zwangsurlaub. Ein anderer kümmerte sich in der Zwischenzeit um die Finanzgeschäfte. Plötzlich kamen da Informationen von der Deutschen Bank in Frankfurt, die so gar nicht mit den offiziellen Finanzgeschäften das Landes zusammenpassten . . .

Am 25. November habe R. – für sie gilt die Unschuldsvermutung – ein umfassendes Geständnis abgelegt, sagte Brenner. Warum die Anzeige an die Staatsanwaltschaft erst am Nikolaustag erfolgt ist? Auch das gibt Anlass für Spekulationen.

Auf einen Blick
Eine 45-jährige Mitarbeiterin der Salzburger Landesregierung könnte bis zu 340 Millionen Euro Steuergeld bei riskanten Finanzgeschäften verspielt haben. Die Affäre wurde am 6. Dezember publik. Die Frau, für die die Unschuldsvermutung gilt, soll entlassen werden. Das Land erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Auch ein zweiter Landesbediensteter dürfte in den Fall involviert gewesen sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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422 Kommentare
 
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Unschuldsvermutung?

Wieso gilt für die Frau Monika Rathgeber, die unsere 340 Millionen Euro verzockt hat, die Unschuldsvermutung, wenn sie ja geständig war? Wetten, daß der wie üblich sowieso nichts passiert, und sie einfach bei einer Bank anheuert. Ich hasse das. Die soll 10 Jahre hinter Gitter. Auch wegen der Abschreckung für andere. Eine Drittel Milliarde Euro verzocken, unser Geld!

Verantwortlich

ist Finanzdirektor Eduard Paulus.

David Brenner...

Nomen est omen!

Wer Latein kann ...

Der Schlüsselsatz dieses Kommentars lautet:

"Im Jahr 2001 beschloss das Land Salzburg sich mit Steuergeld aufs glatte Finanzparkett zu begeben. Man wollte Kapital gewinnbringend veranlagen und hatte dafür eine „fleißige, verlässliche und fachlich brillante Kraft“, wie es gestern hieß" Daraus folgt aber, dass sofort drei verantwortliche Landespolitiker zurücktreten müssen: Die Frau Landeshauptmann, der Landesrat für Finanzen und der Herr Landeshauptmann- Stellvertreter.

Nun ist aber in keiner Landesverfassung die Spekuilation mit Steuergeldern verfassungsgemäß festgelegt.

:"Natürlich wurde das Spielkapital nicht ihr alleine überantwortet. Es herrschte das Vier-Augen-Prinzip. Problem dabei: Das zweite Augenpaar gehörte einem ihrer Untergebenen. Und damit war der Malaise Tür und Tor geöffnet."

Genau da beginnt aber die Verantwortungslosigkeit der drei Hauptverantwortlichen in der Salzburger Landesregierung. Wenn man ohne Kontrolle der drei wichtigsten und verantwortlichsten Salzburger Landespolitiker frei spekulieren darf, dann ist das grobe Fahrlässigkeit. Daher muss dieser Fehler auch von einem Gericht sofort überprüft werden!

Re: Der Schlüsselsatz dieses Kommentars lautet:

Jetzt ist der Ernstfall eingetreten. Die Verantwortung, auf die sich gutbezahlte PolitikerInnen bei jeder Gelegenheit berufen, kommt zur Anwendung. Die politische Verantwortung wird dann schlagend, wenn im Zuständigkeisumfeld eines Referenten derartige Vorkommnisse möglich sind.

Der Schlüsselsatz dieses Beitrags von G.Hofer & Cl. Lagler:


Wenn das Anliegen der Landeshauptmaennin

Eben die Vernichtung der Jugend bereits vor der Geburt ist, kommt es auf ein paar hundert Millionen auch nicht mehr an.

Wären Gewinne gemacht worden,

würde die Dame belobigt worden. Doch kann es selbstverständlich keinesfalls sein, daß solange spekuliert wird, bis derartige Verluste eintreten. Hier hat wohl die gesamte Landesregierung Salzburgs, die mit Finanzen zu tun hat, versagt, beziehungsweise die Augen verschlossen. Derlei Dinge müssen doch auffallen. Auch die Bundesaufsicht über Finanzgebarungen darf sich in die Pflicht nehmen. Die Landeshauptfrau Burgstaller ist rücktrittsreif! Wetten, daß es keinem Vorgesetzten der Monika R. einfällt, die Konsequenzen zu ziehen...

Leider,

Gehen gute Manager in die Wirtschaft, was übrig bleibt spielt Politik...

und wer jetzt denkt

irgend jemand übernimmt für das Totalversagen der Kontrolle die Verantwortung und tritt zurück, der hat sich wie immer bei uns in Österreich getäuscht. Es geht ja nur um Steuergeld...

Ich hoffe unsere tollen Beamten bekommen auch 2013 wieder viele Milliarden zusätzlich! Nicht nur zum Spekulieren, sondern zum Im-Amt-verschludern!

Arbeiten ja alle für uns wie die Wilden!
Unsere Arbeitssuperhelden!

Wenn dasselbe in Wien passiert wäre,..

..würde die Öffentlichkeit wohl nie davon erfahren. So wie das Bawag Dessaster halt auch nur durch den Refco Zusammenbruch an die Oberfläche gespühlt wurde. Im Vertuschen waren die Genosssen schon immer Weltklasse.

Re: Wenn dasselbe in Wien passiert wäre,..

nicht nur die genossen, bitteschön.
man denke nur an buwog, eurofighter, etc.

Ansammlung Unfähiger!!

Das gibt es nur in Österreich. Wie kann eine Einzelne Person solche Summen über einen so langen Zeitraum "doppeln"?? Die wahren Transaktionen UND die Verluste konnten frisiert und verschleiert werden. Welche Wirtschaftsprüfer haben dies geprüft. Wer war der interne Revisor?? Es wurde wohl nicht geprüft, sonern abgestemelt und unterschrieben. Wird in salzburg noch mit Klatten und nicht mit Computer gearbeitet?? Liebe Gabi, jetzt wird es nach den ganzen anderen Skandalen, von denen Sie angeblich nichts gemerkt haben endgültig Zeit, den Sessel zu räumen. Sie beschmutzen diesen.

Re: Ansammlung Unfähiger!!

Und: Wer hat den Auftrag dazu gegeben, mit Steuergeld zu zocken?

Und die Moral aus der Geschichte:

Man löst kein Finanzproblem, indem man es vergrössert. Das ist Voodoo-Ökonomie. Man kann es auch Spielersyndrom nennen.

Ein schaden aber kein Grund zur Panik

Nachher kann man immer wen für Fehler verurteilen und sich selbst für gescheit halten. Es hätte genau so alles gut gehen können. Die Frau hat unternehmerisch gehandelt und hat nun alles verloren. Ein Schicksal vieler selbständiger. Dass die Republik Österreich auch Wagnisse eingeht ist aus meiner Sicht nichts Verwerfliches, wir haben sich halt leider da verspekuliert. Aber wer wagt gewinnt. Hier kommt so was wenigstens ans Tageslicht, in einer Bananenrepublik wird das unter den Teppich gekehrt. Verwerflich ist natürlich die Konkursverschleppung seitens der Mitarbeiterin und dass ihr Untergebener alles genehnigen musste. Trotzdem sollte es von Staatsseite aus weiterhin Unternehmungen geben!

Re: Ein schaden aber kein Grund zur Panik

In Ihren Augen sind wohl auch alle spielsüchtigen Cassino Junckies irgendwie Unternehmer, denn die versuchen ja auch nur, das im Spiel verlorene Geld zurückzugewinnen und schlittern immer weiter ins Dessaster.

Re: Ein schaden aber kein Grund zur Panik

Vorschlag: Sie nehmen einen persönlichen Kredit auf. Das Geld geben Sie mir und ich reiche es an jemanden weiter, der die Basics der Investition (z.B. Stops, damit Verluste nicht ausufern, Risikostreuung etc.) nicht versteht.
Den lassen wir dann die Kohle verlieren. Um die Verluste "abzudecken", lassen wir ihn gaudihalber in Ihrem Namen noch die Kreditsumme erhöhen. Natürlich ist auch das Geld dann weg.
Was für ein Spaß aber auch, dann Ihr Posting hier lesen zu dürfen.

Ich hoffe, Ihnen ist klar, dass Sie´s geschafft haben, alle Unternehmer in diesem Land bis auf die Knochen zu beleidigen. Gratulation.

Wenn dem Steuerzahler 340 Mill. gestohlen werden, gehört die ganze Landesregierung eingesperrt

Wenn Stronach Landeshauptmann in Sbg. wäre, hätte er sicher die Zahlen ab der Hunderttausender Marke selbst kontrolliert.

Jetzt geht es nur noch darum wer die Verantwortung übernimmt, ob der Steuerzahler seine Mille wieder sieht interessiert keine Sau.

Salzburger Casinomentalität-GELD RETOUR!

340 Mio Euro fremdes Geld verspielt! Kontrolliert wurde anscheinend schon, aber wieder einmal nicht ausreichend und daher ist Schadenersatz von allen, für diese Angelegenheit verantwortlich und zuständigen Personen, zu erwarten. Es sind sicher mehrere Verantwortungsträger dafür zuständig, sodaß man einen wesentlichen Betrag wieder zurückbekommen kann! Die Stelliungsnahmen, wir wurden ALLE getäuscht, entsprechen nicht den Aufgaben und der Verpflichtung von Verantwortung, Kontrolle und Prüfung!

Re: Salzburger Casinomentalität-GELD RETOUR!


Die Verantwortung hat eindeutig Burgstaller!

WievielenRussen will sie jetzt wiederEinbürgern um den Schaden zu bezahlen?


5 Milliarden in echtem Geld!


Das einzige, das die Sozis von Geld verstehen ist, daß sie es von Anderen haben wollen!


2001, als das Problem begann, war die Salzburger Regierung Tief-ÖVP.

Die hochgelobte Beamtin, damals eingestellt, ist also garantiert schwarz, auch wenn es Ihr Weltbild erschüttert.

Re: 2001, als das Problem begann, war die Salzburger Regierung Tief-ÖVP.

Die Dame ist keine Beamtin, sondern Vertragsbedienstete.

Re: Re: 2001, als das Problem begann, war die Salzburger Regierung Tief-ÖVP.

So!?
Und wo istjetzt der Unterschied?
Länger als ein Beamter kann auch kein Vertragsbediensteter im Amt schlafen, weil ja der Tag nur 24 Stunden hat und das Jahr nur 365 Tage!

 
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