Mensdorff: "Ich war mehr wert, als ich bezahlt bekam"

18.12.2012 | 16:11 |  Hellin Sapinski (DiePresse.com)

Der Lobbyist wurde zu seiner "Beratertätigkeit" befragt. Er stritt erneut ab, bestochen zu haben. Um das Firmengeflecht um den Rüstungskonzern BAE zu verstehen, sei er "zu blöd" gewesen. DiePresse.com berichtete live.

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Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen Alfons Mensdorff-Pouilly gab sich der angeklagte Lobbyist philosophisch. „Wenn man nicht immer Böses denkt, kommt man auf das Richtige", sagte er etwa zu Staatsanwalt Michael Radasztics, als dieser ihn auf etwaige Bestechungen in Zusammenhang mit dem britischen Rüstungskonzern BAE ansprach. Er habe mit Bestechungen nie etwas zu tun gehabt: „Ich habe immer gesagt, ich brauche keine Koffer und keine Inhalte." Für BAE sei er schlicht „ein verdeckter Berater" gewesen und habe von dem Konzern über die Jahre einen „höheren sechsstelligen Betrag" lukriert. Das sei aber eigentlich noch zu wenig gewesen: „Ich war mehr wert, als ich bekommen habe."

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An Einkommen mangelte es Mensdorff dennoch nicht: Zusätzlich zu seinen Berater-Honoraren erhielt „Graf Ali" von BAE über die auf den britischen Jungferninseln etablierte Foxbury International SA Gelder. Die Beträge kamen von der Red Diamond Trading Limited, über die BAE laut Staatsanwaltschaft Schmiergeldzahlungen abgewickelt haben soll. Mensdorff meinte dazu, 30.000 bis 40.000 englische Pfund seien jährlich bei der Foxbury eingegangen, 90 Prozent davon flossen seiner MPA zu. „Das war sehr angenehm. Ich war damals mit meiner Firma im Aufbau und habe das nicht abgelehnt." Timothy Landon, sein Mentor bei BAE, habe das alles in die Wege geleitet.

Eine weitere Briefkastenfirma - laut Mensdorff hatte Landon „sicher 20 davon" - war die Brodmann Business S.A.. Laut der Anklage sollen 15,1 Millionen Euro an BAE-Geldern dort gelandet sein, mit denen der Graf Beschaffungsvorgänge in Ost- und Mitteleuropa zugunsten BAE beeinflusst haben soll. Mensdorff sagte, Landon habe mit Brodmann „Spielgeld" in „Projekte investiert, die ihn interessiert haben" - ein 4,6 Millionen Euro schweres Technologieprojekt in Dubai, ein Vorhaben eines russischen Abgeordneten und "eine Flugfunk-Sprachtechnologie-Geschichte".

Er selbst habe dabei „für den Tim als Treuhänder" fungiert. „Ich habe das so betrieben, dass es nach außen nie sein eigenes Geld ist. Viele andere könnten geglaubt haben, dass es meines ist. Das war Sinn und Zweck der ganzen Geschichte." Es habe sich so angefühlt, „wie wenn ich sein Taschengeld verteile". Auf die Idee, dass es sich nicht um Landon-, sondern BAE-Gelder gehandelt haben könnte, sei er nicht gekommen, so Mensdorff. „Ich habe für Tim immer eine Dankbarkeit gefühlt. Ohne ihn würde ich heute noch Kartoffeln anbauen." Um die Firmenkonstruktionen rund um BAE und Landon zu verstehen, sei er aber zu „blöd" gewesen, sagte der „Graf". „Das hat mich auch nicht interessiert."

Die Staatsanwaltschaft wirft Mensdorff Geldwäscherei, Falschaussage in zwei U-Ausschüssen und die Vorlage gefälschter Beweismittel vor. Dafür drohen ihm und seinem Mitangeklagten, dem Bankfachmann Kurt D., bis zu fünf Jahre Haft. Beide bekennen sich „nicht schuldig".

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49 Kommentare
 
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Aber sicher doch.

Natürlich war Graf Ali mehr wert als die 30.000 - 40.000 Euro die er als Jahreseinkommen angibt. Muss ein tüchtiger Bauer/Konsulent sein wenn er trotzdem in einem Schloß wohnen kann. Interessant wäre halt welche seiner Leistungen als Konsulent denn jetzt so unbezahlbar waren - vor allem wie legal sie waren.

Scheindemokratie

wenn man bedenkt das die Politiker (auch dank der "Die Presse") seit Monaten nicht mehr aus den Schlagzeilen kommen ( Grasser, Strasser, Mensdorf/Rauchkalat, Ignoranz von 120.000 Wiener Unterschriften gegen das Parkpickerl von Häupl und Kuh. Spekulanten in Salzburg und Kärnten...
EADS Skandal
ESM Skandal
Inseraten Skandal
U-Auschuss Verweigerer Kanzler Feigmann
7 Milliarden neue Schulden 2012 dank schwarz rot.

fällt eines auf

Die Justiz ist auf beiden Augen blind.

Rot Schwarz hat es geschafft uns in eine Scheindemokratie zu führen.


Re: Scheindemokratie

Bei aller Polemik ist allerdings eines klar, die Justiz kann erst dann vorgehen, wenn Vorwürfe erhoben werden...Nur weil Ihnen und auch vielen anderen Menschen etwas gegen den Strich geht, gleich ein Einschreiten der Justiz zu verlangen funktiniert nicht und das ist auch gut so...Abgeshen davon können Sie doch froh sein, dass die Justiz auch die FPÖ mit Samthandschuhen angefasst hat...Abschließend, um Ihrem Kurzzeitgedächtnis etwas auf die Sprünge zu helfen, ROT Schwarz setzt den Kurs fort, der von Schwarz Blau etabliert wurde, mit einem kleinen Unterschied, sie bedienen sich wenigstens nicht derart ungeniert...darin ist vor allem die FPÖ nur schwer zu schlagen

Re: Re: Scheindemokratie

Und das ist weniger verwerflich. Verstehe ich das richtig. Wenn mein Vater ein Dieb war, und ich als sein Kind genauso ein Dieb bin, aber weniger stehle, bin ich dann besser?

Warum ist der Mann angeklagt?

Ich kann bei bestem Willen keinen Gesetzesverstoss finden.

Begriffsdefinition Fleischhandel

Säue werden im internationalen Fleischhandel nach Gewicht bezahlt. Wurde zuwenig bezahlt, dann war die Sau also mehr wert, dann spricht man auch von einer grossen Sau.

graf ali

ist die augeburt der überheblichkeit und arroganz.
er verhöhnt mit seinen aussagen sowohl gericht als auch den menschen, der seiner meinung nach unter ihm steht - und das ist so ziemlich jeder ;-)

...er sei zu blöd, um alles zu durchschauen...ist ja die verarschung schlechthin ;-))))))))))))

EIN EXEMPEL!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

PS: und seine liebe gattin gleich mit....

Re: graf ali

Unter seinem Wert bezahlt zu werden und dazu noch Ahnungslosigkeit ... das sind doch die besten Vorraussetzungen um Politiker zu werden, warum protegiert ihn seine Gattin nicht, irgend ein politischer Versorgungsposten ginge schon noch.

Mensdorff: "Ich war mehr wert, als ich bezahlt bekam"

dafür hat die gattin via die schwarzen genug abgesahnt, schaden angerichtet, die masken auch noch wo deponiert, für die wir lagerung zahlen?

unverständlich

Eines ist unverständlich: Mensdorff - der Lobbyist = Auftragnehmer -steht im Zentrum eines Verfahrens. Bei den Geschäften gab es immer Auftraggeber - einen Anbieter und einen Kaufinteressenten. Mensdorff war Mittel zu profitablen Zwecken. Und die Auftraggeber waren ahnungslose Geschäftsbeteiligte, der Capo war immer Mr. M.??? Wenn`s die Mali-tant noch geben würde....Der Eindruck bleibt sehr schal und die Schuldigensuche sehr vordergründig..

Ahnungslose in diesem Umfeld?

Hier geht es nicht um eine Alleinschuld sondern um ein Rad in einem System.

Die Verteidigungsstrategie, ich habs net gewusst, ist eine Verhöhnung und ich hoffe, dass die Anklage noch mehr vorweisen kann um dies zu dokumentieren.

der ist ja fast ein noch größerer narzist als schüssel


Ob er das nach der Urteilsverkündung auch noch sagen wird?

Hoffentlich nicht.

"War mehr wert, als ich bekam"

Richtig. Er bekam nur einen Prozess, nötig wären wohl eher deren zehn.

Re: "War mehr wert, als ich bekam"

och, er bekommt dann das goldene Ehrenzeichen der Rep. Österreich...

Mensdorff

Sie sind nur für kriminelle was wert!

"Es war sehr angenehm!"

Das sagte Mensdorff zu den Medien nach dem heutigen Prozesstag! Hmmm - der Richter ist dem Herrn Mensdorff also sehr angenehm....!!! Gibt es da irgendwelche Einflussnahmen oder Absprachen?? - nur mal so eine Vermutung.....

das sind wir

doch alle. grasser, maischberger, strasser,rumpold,....

das sind wir

doch alle. grasser, maischberger, strasser,rumpold,....

"Ich war mehr wert, als ich bezahlt bekam"

Na, das sind Herr Graf aber nicht alleine. Wer ist das nicht? ;-)

Vl gehts aus wie beim Flöttl!

Pulli weiß von nichts, hat nichts gesehen, nichts gehört ............

walt disneys lustige taschenbücher

band nummer 1000:
"graf ali und die abfangjäger-bande"

"....und wenn sie ncht gestorben sind dann schmieren sie noch heute." :-)

War mehr wert als ich bezahlt bekam

Vergessen Herr Graf die 340 Millionen die BAE bezahlen musste um einem Prozess in London zu entgehen ?

GRAF

ich möchte die online-Presse darauf hinweisen, dass sie sich eines strafrechtlich zu verfolgenden Vergehens schuldig machen sofern sie im Artikel den Begriff GRAF für einen österreichischen Staarsbürger verwenden - sofern dieser nicht eine Doppelstaatsbürgerschaft besitzt und der verwendete Adelstitel nicht auf einer Festlegung im Zweitstaat beruht

Re: GRAF

na du bist ma aba a koffa ;-))))

Re: GRAF

Im Grunde stimmt's aber ;-)
In Österreich gibt's keinen Adel mehr, der Titelwahn ist doch abgeschafft was ich mal gelesen habe.

 
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