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Syrien: Schlag ins Herz des Assad-Regimes

18.07.2012 | 21:52 |  Von unserem Mitarbeiter MARTIN GEHLEN (Die Presse)

Ein Attentäter tötete den Verteidigungsminister und weitere Top-Sicherheitsleute. Stunden später gab es Gerüchte, der Präsidentenjet habe Damaskus verlassen.

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[Kairo/Damaskus] Das blutige Finale in Syrien hat begonnen. Nach dem spektakulären Anschlag auf den innersten Führungszirkel von Präsident Bashar al-Assad gerät die Lage immer mehr außer Kontrolle: Wie das staatliche Fernsehen meldete, wurden gestern Verteidigungsminister Daoud Rajha und der Schwager Assads, Assef Shaukat, sowie ein weiterer ranghoher General bei einem Anschlag auf ein Spitzentreffen von Ministern und Vertretern der Sicherheitskräfte getötet. Sie zählten zu den wichtigsten Strategen des Regimes im Kampf gegen die Aufständischen.

Nur Stunden später berichtete ein Oppositionsaktivist, die Präsidentenmaschine sei vom Flughafen Damaskus gestartet, mit Ziel Latakia. Die Küstenstadt ist eine Hochburg der alawitischen Minderheit, der auch Assad angehört. Darüber, wer an Bord gewesen sein soll, gab es zunächst keine Informationen.

Zu dem Anschlag bekannte sich die „Freie Syrische Armee“: „Das ist der Vulkan, von dem wir gesprochen haben. Wir haben gerade erst begonnen“, erklärte einer ihrer Vertreter. Bereits tags zuvor hatte Oberst Kassem Saadeddine, der Sprecher der Rebellen in Homs, für die kommenden Tage „Überraschungen“ angekündigt.

Vom Hergang des Anschlags gibt es mehrere Versionen: Zunächst hieß es, ein Angehöriger der Sicherheitskräfte, laut dem Sender al-Jazeera gar ein Mitglied der Leibgarde des Diktators, habe einen Sprengstoffgürtel gezündet. Der Kommandeur der „Freien Syrischen Armee“, Riad al-Asaad, erklärte allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur AP, seine Mitkämpfer hätten einen Sprengsatz in dem Konferenzraum platziert und dann ferngezündet. „Alle, die das Attentat durchgeführt haben, sind in Sicherheit“, sagte er.

Für viele Stunden stand eine hohe Rauchsäule über dem Explosionsort, der Nationalen Sicherheitsbehörde. Einheiten der Republikanischen Garden sperrten das Gebäude sofort weiträumig ab, ebenso wie das nahe gelegene Shami-Hospital, in dem die Verwundeten versorgt werden.

Heftige Kämpfe in der Hauptstadt


Der getötete Verteidigungsminister Rajha gehört der christlichen Minderheit an und war erst seit etwa einem Jahr im Amt. Widersprüchliche Meldungen gab es zum Zustand von Innenminister Mohammed Shaar. Mehrere arabische Sender berichteten, der Politiker sei ebenfalls tot. Dem Staatsfernsehen zufolge jedoch wurde er nur verletzt. Die Opfer gehören zum engsten Krisenstab von Assad. Das Gremium, dem auch die Chefs von Staatssicherheit, Geheimdienst und Militärgeheimdienst angehören, tagt regelmäßig, die Entscheidungen über die täglichen Einsätze trifft Assad aber stets persönlich.

Seit vier Tagen liefern sich Rebellen und Sicherheitskräfte schwere Kämpfe in der Hauptstadt, die sich jeden Tag auf weitere Stadtteile ausdehnen. Die heftigsten Gefechte konzentrieren sich jedoch auf den Stadtteil Al-Midan, in dem überwiegend Sunniten leben. Nach Berichten von Anwohnern gingen die gefürchteten Regime-Milizen wenige Stunden nach dem Bombenanschlag zum Gegenangriff über und begannen, Wohnungen zu durchsuchen und zu plündern. Immer mehr Familien irren durch die Straßen der syrischen Hauptstadt auf der Suche nach einem sicheren Ort. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter verbreitete die Opposition die Nachricht, an die Armee würden Gasmasken verteilt.

Die für Mittwochabend geplante Abstimmung im UN-Sicherheitsrat in New York über eine Resolution zu Syrien sowie die Verlängerung des Mandats der UN-Beobachter wurde angesichts der aktuellen Ereignisse in Syrien auf Donnerstag verschoben. Bisher haben Russland und China alle Resolutionen per Veto blockiert, die dem syrischen Regime Sanktionen androhen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow ließ in einer Reaktion auf die dramatischen Vorgänge in Damaskus durchblicken, dass sich an dieser Haltung nichts geändert habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

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85 Kommentare
 
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Gast: E.T.
19.07.2012 10:03
3 0

Ist das nicht pervers

Die ganze Welt sieht zu, wie sich die Menschen dort abschlachten.
Ich kann nicht beurteilen, warum, wieso, wer, was, dazu haben ich persönlich zu wenig Kenntnisse über Syrien, aber das die täglichen Bilder, die man uns ins Haus liefert, verrückt sind, kann ich beurteilen.
Es kann doch nicht sein, dass wir zusehen, wie ein Land vor die Hunde geht und im Endeffekt ein islamischer Staat entsteht.

Gast: r-tiroch@t-online.de
19.07.2012 08:58
1 1

Taschengeld

die werden sich 500 mrd an Taschengeld für alle Fälle mitgenommen haben und landen vielleicht in Nordkorea, gell?

Antworten Gast: Brestide
19.07.2012 09:30
1 2

Re: Taschengeld

Was hast du mit N-Korea? Bist schon ein Vogel.

4 0

Es kommt nichts besseres nach...

Assad und seine Clique sind mit Sicherheit ein Greul für das Land...

...aber wer glaubt, dass nun Freiheit und Demokratie Einzug halten, wird eines besseren belehrt werden.

Ich schätze es wird auch nach dem Sturz von Assad zu Massenhinrichtungen kommen.

Die "Rebellen" haben ja schon bewiesen was sie mit Christen und Alawiten vorhaben - siehe Vertreibung der Christen in Homs!

Gast: Na und?
19.07.2012 07:20
9 1

Was zu kritisieren ist:

Töten Regierungtruppen Unschuldige, wird das zurecht angeprangert.

Töten die Rebellen Unschuldige, ist das egal.

Scheinheiligkeit nennt man so ein Verhalten. Man könnte auch "verlogen" dazu sagen.

Re: Was zu kritisieren ist:

Der Unterschied ist meiner Meinung nach, dass die Regierung das Problem von Anfanf an anders hätte lösen können und alles in der Hand hatte. Die Rebellen/Unterdrückten alleine (ohne externen Eingriff, Verhandlungen, ...) haben kein anderes Mittel, um sich zu wehren und REagieren entsprechend auf die Gewalttaten der letzten Wochen/Monate ...

Antworten Antworten Gast: Na und?
19.07.2012 08:34
4 1

Re: Re: Was zu kritisieren ist:

Jetzt verraten Sie mir doch bitte, von woher die Rebellen ihre Waffen und den Sprengstoff haben?

Ich nehme denen ganz einfach nicht ab, nach der Revolution Frieden zu halten. Eher werden sich verschiedene Milizen das Land aufteilen, wie im Irak.

Folge: riesige Vertreibungen, neue Krisenherde auf ewig...

Da ist mir Assad lieber!

Antworten Antworten Antworten Gast: Und na?
19.07.2012 09:31
1 2

Re: Re: Re: Und du meinst, es interessiert jemanden, wer dir lieber ist?


Komiker.

Das sind die gleichen Profis am Werk

wie in Libyen.

Gast: HerrvonderInnerenStadt
19.07.2012 00:34
1 1

Ich ahne nichts Gutes!

Ich habe Sorge, dass sich alles noch zu einem schlechteren wandelt.

Staat und Kirche gehören getrennt!

Der Westen hat sein Interesse - aber es gibt die Zivilbevölkerung und diese wird leiden und leidet....

Gast: netter gast
18.07.2012 23:41
4 2

Kriegspropaganda ?

Wie kann man einen Terroranschlag mit :

"Schlag ins Herz des Assad-Regimes"

übertiteln ?

Hat die Kriegspropaganda jeden Rest an Humaninsmus weggebrannt ?

Antworten Gast: Watchdog2012
19.07.2012 07:40
2 1

Re: Kriegspropaganda ?

Der Unterschied zwischen einem Terroranschlag und einem Attentat im Rahmen einer Revolution besteht darin, dass letzterer sich nicht auf Zivilisten bezieht sondern auf politische oder militärische Schlüsselpersonen des Regimes.

Ohne irgendeine Seite zu beziehen, nur durch die Ähnlichkeit der Methode ist dies keinesfalls mit systematischen Selbstmordattentaten gegen Zivilisten im nahen Osten zu vergleichen.

Tooooooooooooooooooooooooooor !


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und noch eine Demokratie

Auf dem Weg zur besten Regierungsform.
Wenn auch nun die Ismlamisten an die Macht kommen sollten und was zu vermuten ist nichts bessert sich, dann im nächsten Schritt wird auch diesen Menschen klar, das religiöser Fanatismus nie der Weg sein wird ein friedliches Zusammenleben im Wohlstand zu ermöglichen.
Resultat? ne bessere Welt.

3 0

Re: und noch eine Demokratie

Genau den religiösen Fanatismus gibt es ja bislang nicht in Syrien. Der soll eben erst installiert werden. Zumindest bekommen sie dann eine unabhängige Nationalbank. Die Libyer sind auch ganz begeistert davon, dass ihnen ihre Bodenschätze nicht mehr zugute kommen und das Wasserprojekt, das Afrika unabhängig gemacht hätte zerstört ist. Dafür dürfen sie jetzt auch aus vorausgewählten Politikern wählen.

Gott sei dank ist die österr botschaft noch offen

dann kann UHBP einem verdienten antifaschisten asyl anbieten

5 8

Syrien

Braucht man eigentlich das Landgebiet Syrien, falls man bei einem US Angriff auf den Iran Israel schützen will? Es grenzt zwar nicht direkt an, konnte aber für die Raketenabwehr bedeutend sein?

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Re: Syrien

Nein

Gast: Grünschild
18.07.2012 21:15
20 4

Der Sturz des Regimes wird genau NICHTS in der Welt besser machen

Ich befürchte eher das Gegenteil. Die größten internationalen Schädlinge werden einen weiteren Etappensieg eingefahren haben.

Antworten Gast: Leon Walras
19.07.2012 06:21
0 1

Re: Naja ...

... das wird zumindest die Bevölkerung von Syrien ganz anders sehen. Wieder muss einer der menschenverachtenden Diktatoren die Segel streichen, der die Zeichen der Zeit weder verstanden noch richtig ausgelegt hat. Dialoge sind ihm fremd, da lässt er lieber auf das eigene Volk schießen.
Assad sollte möglichst rasch in Syrien vor Gericht gestellt werden, auf dass die Bevölkerung dieses traurige Kapitel ihrer Geschichte endgültig abhaken kann ...

Re: Der Sturz des Regimes wird genau NICHTS in der Welt besser machen

So what? Wird der Aufstand niedergeschlagen, ist es (vom Blutzoll ganz abgesehen) ein Etappensieg für Russland und den Iran. Und sogar der größte Antiamerikaner muss zugeben, dass die zumindest nicht nicht besser sind. Zu glauben, irgendeine Großmacht wäre „moralischer“ als irgendeine eine andere, ist sehr idealistisch (aber ich respektiere es, so war ich auch mal). Alle morden, lassen morden und unterstützen ihre „Freunde“ , völlig egal, wie diese handeln. Allen geht es um Machtakkumulation. Die Frage ist einzig und allein, wessen Werte man eher teile, in einer einer von wem dominierten Welt man eher leben würde. Das musst jeder selbst wissen, aber ich lebe unter der US-Hegemonie bis jetzt ganz gut.

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Wundert sich niemand

wie und von wem die Aufständischen bewaffnet wurden?
War doch in Libyen nicht anders.
Mich dünkt dieser 'arabische Frühling' ist viel eher ein 'islamistischer Morgengrauen'.

Antworten Gast: Säkularistin
18.07.2012 21:26
11 3

Re: Wundert sich niemand

sehe ich ähnlich.

das Morgengrauen hasttest Du aber falsch geschrieben.

Morgen Grauen wäre besser gewesen;-)

So eine widerliche feige Mörderbande!

Man kann sich gut vorstellen, wie es den Alawiten, Christen; Juden, Driusen, Aleviten und auch den sunnitischen säkularen Menschen geht, wenn diese Typen die Macht vollends an sich gerissen haben werden.

Arme Syrer!

Gast: Picgirl
18.07.2012 20:10
4 1

...

Irgendwie schaut das Bild nach Photoshop aus, als ob Assad reingeschnitten worden wäre.
Er steht voll unrealistisch am Boden, die ganze Szene wirkt unrealistisch. Was stellt das aufgeklappte Teil in der Mitte dar? - eine Pyramide?

Das Foto vom Standard zeigt gar eine Deix artige Szene mit dem Bruder von Homer Simpson ganz links
http://images.derstandard.at/t/12/2012/07/18/1342156268010.jpg

Gast: mostsaat
18.07.2012 20:08
6 2

Zu dem Anschlag bekannte sich

sieht mir von den logistischen anforderungen her, eher nach geheimdienst aus.

Gast: Sltn
18.07.2012 19:59
1 8

nicht Lugen

Na ja , das letzte Wort aus der Turkei war - es war nicht FlaK , und Sie werden von uns horen ,was sagen Sie daruber Hr Assad.

 
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