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Diamantopoulou: "Wir haben nur noch konsumiert"

31.08.2012 | 18:33 |  von Matthias Auer und Nikolaus jilch (Die Presse)

Athen werde alles zurückzahlen, sagt Anna Diamantopoulou, Kurzzeit-Ministerin für Wettbewerbsfähigkeit. Das gebiete der Stolz. Dafür müsse das Land aber seine Kultur ändern und wieder produzieren.

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Die Presse: Frau Diamantopoulou, Sie waren gerade zwei Monate lang die griechische Ministerin für Wettbewerbsfähigkeit. Ein wenig mehr Zeit hätte für diese Mammutaufgabe nicht geschadet, oder?

Anna Diamantopoulou: Wie Sie wissen, hatten wir in den vergangenen drei Jahren drei Regierungswechsel. Ich kam in den letzten beiden Monaten vor den Wahlen im Mai. Premier Loukas Papadimos, der griechische Mario Monti, hat mich gebeten, ein paar spezielle Reformen durchzubringen. Das habe ich in 40 Tagen geschafft.

Hat es in den vergangenen zwanzig Jahren in Griechenland auch schon ein Ministerium für Wettbewerbsfähigkeit gegeben? Und wenn ja, was ist schiefgelaufen?

Es gab kein eigenes Ministerium mit diesem Namen, aber natürlich gab es Bemühungen um die Wettbewerbsfähigkeit. Erfolgreich waren sie allerdings nicht. Unser Land plagt eine Mischung an Problemen: einerseits der öffentliche Sektor und die Rolle des Staates in der griechischen Wirtschaft, andererseits die Produktionskultur in Griechenland. Zumindest in den letzten dreißig Jahren haben wir nichts mehr produziert. Wir haben nur noch konsumiert. Das ist die Wahrheit. Jetzt muss sich alles über Nacht ändern, und das ist nicht einfach. Aber es gibt Veränderungen: Vor drei Jahren wollten etwa 85 Prozent der jungen Griechen in den Staatsdienst eintreten, heute ist das nur noch für fünf Prozent interessant.

Sie argumentieren natürlich mit den Erfolgen Athens. Aber vielen in Europa gehen die Fortschritte in Griechenland einfach zu langsam.

Ich will hier nichts verkaufen. Es stimmt, Griechenland muss viel Kritik einstecken. Und wir verstehen mittlerweile auch, dass es unser Problem ist und nicht das Problem der anderen. Wir haben 248 Gesetze erlassen in 24 Monaten, die Beamten verdienen 30 Prozent weniger als vor der Krise. Es ist aber offensichtlich, dass wir noch nicht alles gemacht haben. Man kann mit einem Staat nun einmal nicht umgehen wie mit einem Unternehmen. Man kann ein Land nicht in zwei Jahren von Grund auf erneuern.

Ihre Partei, die Pasok, war unter Premier Giorgos Papandreou während der Krise die meiste Zeit an der Macht. Hat er zu spät reagiert?

Wir haben am Anfang sicher zu viel Zeit verloren. Die Pasok kam im November an die Macht, im Februar folgte die Krise. Wir hätten schon im Mai 2010 die ersten Reformen einleiten sollen, nicht erst im Dezember. Ich bin aber nicht sicher, dass es viel geändert hätte. Wir mussten die komplette Kultur ändern, und das ist nicht leicht.

Auch heute sind noch Reformen ausständig, die von den internationalen Geldgebern als Bedingung für die Hilfen eingefordert werden. Wieviel Zeit braucht Athen dafür noch?

Wir haben schon das Pensions-, das Bildungs- und das Gesundheitssystem reformiert. Was wir nicht gemacht haben – und dafür kann man uns kritisieren: Es gibt noch keine große Steuerreform, und die Privatisierungen verzögern sich. Es ist aber auch schwierig, Investoren zu finden in einem Land, über das jeden zweiten Tag gesagt wird, es stehe vor dem Bankrott oder vor dem Austritt aus der Währungsunion.

Meinen Sie das, wenn Sie wie hier in Alpbach sagen: Politiker sollten nicht jeden Tag neue Probleme erschaffen?

Seit Sommer 2010 haben wir Dutzende von Statements von europäischen und nationalen Politikern über Griechenland gehört. Plötzlich ist jeder ein Experte, jeder muss etwas zur Zukunft des Landes sagen. Was oft vergessen wird: All das löst große Reaktionen auf den Märkten und in den anderen Ländern aus, auch wenn es nur an die eigene nationale Öffentlichkeit gerichtet ist. Diese Überproduktion von Statements über Griechenland hat eine polemische Atmosphäre geschaffen.

Vielleicht können Sie ja hier die Spekulationen über Ihr Land beenden. Braucht Griechenland mehr Geld vom europäischen Rettungsfonds, oder wird sich das Land selbst refinanzieren können – etwa über die angesprochene Steuerreform?

Höhere Einnahmen durch eine Steuerreform sind natürlich die oberste Priorität. Aber wir sind in einer großen Rezession. Die griechische Wirtschaftsleistung geht um sieben Prozent zurück. Selbst mit den perfekten Gesetzen und einer perfekten Bürokratie könnten wir nicht viel Geld einnehmen. Unsere größten Probleme sind aber Zeit und Vertrauen. Die Regierung fragt nach mehr Zeit statt nach mehr Geld. Wir wollen wirklich nicht mehr Geld. Die Bevölkerung will das auch nicht. Schließlich ist nichts geschenkt. Es sind Kredite, die wir mit Zinsen zurückzahlen müssen.

Glauben Sie wirklich, dass Griechenland das Geld zur Gänze zurückzahlen wird können? Unter den österreichischen und deutschen Steuerzahlern sind die Zweifel daran eher groß.

Ich bin überzeugt, dass Griechenland das Geld zurückzahlen wird. Das ist eine Frage des Stolzes. Dafür brauchen wir aber Luft zum Atmen und Luft, um zu produzieren. Wenn die Wirtschaft nicht wieder anspringt, können wir gar nichts zurückgeben. Wir müssen zuerst Wohlstand schaffen, dann kommt das Geld zurück.

Wird Griechenland in fünf Jahren noch Mitglied der Eurozone sein?

Wird Österreich noch Mitglied der Währungsunion sein?

Wir werden hier zwar nicht interviewt, aber vermutlich schon.

Ich frage aus einem einfachen Grund: Wenn das erste Land aus der Eurozone austritt, ist nicht mehr sicher, dass die Währungsunion in der Form in fünf Jahren überhaupt noch existiert. Niemand weiß, wer der Nächste sein wird, wenn sich die Türe erst öffnet und das erste Land geht. Daher bin ich überzeugt, dass Griechenland in fünf Jahren noch Teil der Eurozone sein wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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35 Kommentare
 
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Gast: Bronkhorst
02.09.2012 09:16
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Unsere Länder,unser Eigentum

Eher tritt Deutschland, Ösiland und Niederlande ,sowie Luxemburg und Finnland aus diesem €ilemma aus ,als das wir noch mehr in diese Krisenstaaten unser sauer verdientes Geld pumpen! Und ausserdem sollten wir in unseren Antipiigs die Sozialhilfe für Zuwanderer brutal nach Null fahren !Und es so machen wie in den ÖLstaaten: kein JOB in den nächsten ,sagen wir 8 Wochen,muss die Heimreise antreten !Und die Grenzen zu den Ostländern sollten wieder fest geschlossen werden,mit Militärpolizei die bei Flucht schiessen darf !

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Massive Realitätsverweigerung


Der "Stolz" der Griechen mag ja groß sein; aber wie war das mit dem hair-cut vor ein paar Monaten ? Haben da Gläubiger auf Forderungen verzichtet, oder nicht.

Die Kurzzeitministerin ist vollkommen abgehoben. Ich wette mit ihr um 1.000 Euro, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlen wird. Ich wette den selben Betrag mit einer Quote von 1: 10, dass Griechenland nicht einmal 20% seiner Schulden zurückzahlen wird.

Antworten Gast: Antiradler
01.09.2012 21:35
0 0

Re: Massive Realitätsverweigerung

Griechenland wird nicht mal die Zinsen der Schulden zurückzahlen können, so sieht es in Wirklichkeit aus.

Gast: dkrnrn
01.09.2012 16:39
0 0

dsffs

spindi macht schon mal die geldbörse auf, weil die griechen alles getan haben, was sie müssen und das in sagenhaften 2 monaten, die dieses genie mitregiert hat. manchmal hat man den eindruck, wenn man ihn sieht, er könnte noch nicht mal eine gemeinde, die nur aus kühen besteht, regieren.

Gast: fgfgf
01.09.2012 16:00
0 0

saddssd

die rente ist sicher, da kann man daherreden, was man will

Gast: matilda
01.09.2012 15:37
1 0

wer die korruption regieren lässt hat die ehre schon verkauft.

die können nur mehr auf ihren betrug stolz sein.
und das sind sie auch.

so wie alle betrüger auf der welt die noch nicht im gefängnis sitzen.

Gast: Däumling
01.09.2012 14:31
1 0

Der Stolz kommt an der falschen Stelle

Die Kurzzeitministerin vergisst, dass wir es sind, die für die griechischen Schulden zahlen müssen.
Die Griechen stellen Forderungen, Forderungen, Forderungen. Jetzt beklagt sie sich auch noch, dass das Problem beim Namen genannt wird. Das dürfen wir jetzt auch nicht mehr? Die Griechen waren all die Jahre nicht stolz genug Schuldenberge auf Schuldenberge zu häufen. Jetzt auf einmal verletzt es den Stolz, wenn die griechischen Probleme in aller Öffentlichkeit ausgesprochen werden.

Ich bin gewiss dafür, dass die EU und der Euro-Raum erhalten bleiben. Aber die Griechen machen es der EU verdammt schwer.

Gast: halbmond aber mit Stern
01.09.2012 14:28
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jeder wurde Konkurs anmelden aus Grunden betrugerische Krida.

Die Griechen mussen sich schamen ,dass sie so ein faules Volk sind , anstatt zu arbeiten nur siesta . Wie kommen sie dazu dass andere Lander geld geben damit sie ihr nicht arbeitendes Volk auszahlen.

Re: jeder wurde Konkurs anmelden aus Grunden betrugerische Krida.

nicht ihr ernst, oder? arbeiten sie einmal in griechenland - ich möchte sehen wann sie da zur siesta kommen. die GR arbeiten "vollgas" und werden von ihren arbeitgebern (meist ausländische konzerne) ausgenutzt für ein gehalt das unter jeder kritik.

Gast: Teuferl
01.09.2012 14:23
0 1

Warum kann man ein Land nicht in 2 Jahren ändern?


Ganz Mittel- und Osteuropa hat es mehrmals geschafft! 1918, 1938/39, 1945....

Der Ostblock hat es 1980 geschafft...

Kuba hat es geschafft....
Südafrika hat es geschafft....

Tunesien, Lybien... alle schaffen es!

Nicht nach Ausreden suchen! Zugreifen und tun!

Aber mit dem Zuwarten ist wohl viel (schwarzes?) Geld nach Zypern, in die Schweiz und auch nach Österreich geflossen....


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Re: Warum kann man ein Land nicht in 2 Jahren ändern?

Alle Ihre Beispiele stimmen nicht. Denken Sie doch bloss an "Ostdeutschland". Wie lange hat es trotz DM-Milliarden gedauert und der wirtschaftliche Aufholprozess ist bis heute noch nicht abgeschlossen!

Antworten Gast: Däumling
01.09.2012 14:33
0 0

Re: Warum kann man ein Land nicht in 2 Jahren ändern?

Ich kann mich gut erinnern, wie die Merkel heftig angegriffen wurde, weil sie mit ihrem Zuwarten angeblich die griechischen Probleme noch verschärft hat.

Gast: Johnny Weismüller
01.09.2012 13:59
0 1

Stolz, Ehre...

Griechenland, Kärnten...


Gast: phj
01.09.2012 13:37
3 0

Athen werde alles zurückzahlen

Ha, ha, ha, ha

Mehr dazu zu schreiben oder zu kommentieren ist nicht notwendig.

Gast: zzz
01.09.2012 09:59
10 0

"sie ist ÜBERZEUGT...."

blah blah blah
bevor die Griechen diese Kohle je zurückzahlen, wird eher aus Goldmann u. Sachs ein caritativer Verein.

Wenn ein österreichischer Minister neben einem Griechischen sitzt....

dann müsste die Justiz eigentlich in viel höherer Alarmbereitschaft sein, als wenn sich 100 österreichische Tierschützer treffen.

Leider ist es umgekehrt. Weil eben die Minister anschaffen......

Fekter schau oba!


Gast: Kurzweil K
01.09.2012 09:17
8 1

31.08.2012 | 18:33 |  von Matthias Auer und Nikolaus jilch (Die Presse) Athen werde alles zurückzahlen, sagt Anna Diamantopoulou, Kurzzeit-Ministerin für Wettbewerbsfähigkeit. Das gebiete der Stolz. Dafür müsse das Land aber seine Kultur ändern und wieder produzieren.

Dauernd fasseln sie von Stolz und Ehre, während sie weiterlügen.

Diamantopoulou: Nomen est Omen?

Gast: SE42
01.09.2012 07:33
7 0

Unsinn

"Athen werde alles zurückzahlen" ... Nach diesem Satz braucht man nicht mehr weiter lesen. Warum auch einer Lügnerin lauschen? Glaubt die den Unsinn selbst, den sie verzapft?

Schulden

diese Frau lügt wie alle anderen auch! Welcher griechische Stolz? Der Stolz darauf, die Europäer, besonders die Deutschen (diese Deppen), dauernd zu Melken.
Griechenland war schon immer Pleite!
Geschichte lernen!

Re: Schulden

Ich habe Geschichte gelernt. Es stimmt: Griechenland war schon immer Pleite!
Österreich war auch schon immer verlogen!

Antworten Antworten Gast: Platon
01.09.2012 15:11
1 0

Re: Re: Schulden

dann haben Sie nie die Geschichte Griechenlands gelernt!!!!!Das Unglück hat angefangen mit Constantinos Karamanlis angefangen, ist mit Andreas Papandeu weitergegangen. Alle Fabriken wurden zugemacht, die Wähler in den Staatsdienst eingestellt die die Bevölkerung jahrzehntelang drangsaliert haben. Mit den Schmiergeldern bezahlt an die Beamten hätte man ganz Griechenland ohne Schulden darstellen können!!!!!!! Franz Josef Straus hat bereits geäußert beim Verschwinden von fast 200 ECU (EWG) zur Zeit Andreas Papandrous bei einem Staudammbau in Nordgriechenland das man nicht nur Länder aufnehmen sollte sondern auch ausschließen. Die Bevölkerung und hier der "KLEINE MANN" hat davon nichts profidiert!!!!!! Wie überall der kleine Mann zahlt die Zeche auch in der übrigen EU!!!!!!

Re: Re: Re: Schulden

selber Geschichte lernen!
1830, 1870. immer wieder Pleiten der Griechen!
korruptes, faules Volk!
Lebt von anderen und ist noch frech!

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Wer sich so dreist in den Euro hineinlügt hat keinen Stolz!


Erfolgreich waren sie allerdings nicht. Unser Land plagt eine Mischung an Problemen:

Alle Rettungsschirme sind nichts anderes als Kredite und Haftungen. Doch ihr Land hat die Kredite schon verspielt.
Und ihr Land hat unfähige Politiker gewählt, und ca.200 Milliarden Euro für die wir alle haften
in den griechischen Wind gesteckt. Warum sollen wir ihre Wohlstandsverwahrlosung zahlen?
Jeder kann konsumieren was er will, aber bitte auf eigene Rechnung!

Gast: HB4242
31.08.2012 23:31
5 0

Also als Kurzzeit-Ministerin

kann sie so ziemlich jeden Blödsinn von sich geben ...

Hauptsache es gibt dann noch eine fette Rente ! (natürlich von der EU subventioniert ...)

 
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