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Putin macht mobil gegen "Verräter"

14.09.2012 | 18:46 |  Von unserem Korrespondenten EDUARD STEINER (Die Presse)

Mit Gennadi Gudkow wurde erstmals ein loyaler Abgeordneter wegen oppositioneller Gesinnung gestürzt. Die Machthaber suchen nach Wegen, Fahnenflucht vorzubeugen und das eigene Vermögen zu sichern.

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Moskau. Das bezeichnendste Wort, das gestern in der russischen Staatsduma fiel und das den momentanen Zustand des russischen Establishments umreißt, war „Judas“. Einer der Abgeordneten stieß das Wort laut aus, nachdem Gennadi Gudkow seine Abschiedsrede gehalten hatte. Das zweite bezeichnende Statement hatte Gudkow selbst schon vorab in einem Interview gegeben: „Ich habe mich einfach geweigert, nach ihren Regeln zu spielen.“

So die Begleittöne eines bemerkenswerten Tages. Erstmals nach 17 Jahren wurde gestern mit dem 56-jährigen Gudkow wieder ein Abgeordneter aus der russischen Duma ausgeschlossen – mit knapp 65 Prozent der Stimmen und ohne vorausgehenden Gerichtsbeschluss.

 

Lange Zeit fiel Gudkow nicht auf

„Judas“ Gudkow ist kein medial verkaufbares oppositionelles Opfer wie die jungen Frauen von Pussy Riot, die für ihre Proteste hinter Gitter gingen. Für das Verständnis des russischen Herrschaftssystems ist Gudkows Fall aber ungleich relevanter, zumal es die Machthaber mit seinem Rauswurf eilig hatten, weil heute die erste Massendemonstration nach der Sommerpause stattfindet.

Gudkow, einst KGB-Oberst wie Kreml-Chef Wladimir Putin, war bereits seit 2001 im Parlament gesessen, wo er 2007 zu der zum Kreml loyalen Oppositionspartei „Gerechtes Russland“ wechselte. Lange fiel er dort nicht auf. Nur in Privatgesprächen ließ er wissen, dass ihn die Starre des Machtmonopols an die letzten Jahre der Sowjetunion erinnerte. Als er sah, dass Putin in eine dritte Amtszeit gehen würde, schloss er sich im Vorjahr den von der außerparlamentarischen Opposition organisierten Protesten an. Aus der Duma geworfen wurde er nun mit der Begründung, dass er auch einer – für Parlamentarier generell verbotenen – unternehmerischen Tätigkeit nachgehe.

 

„Für die Feinde das Gesetz“

Ob Gudkow in dieser Hinsicht rechtlich sauber war, ist im heutigen Russland als Frage eher sekundär. Selbst in der als unbefleckt daherkommenden, liberalen Opposition finden sich Akteure, die unter den Bedingungen einer Übergangsökonomie Gesetze übertreten haben. Von Putin-Loyalisten aus der Nähe des Futtertroges ganz zu schweigen.

Primär ist, dass sich das Establishment wegen der Massenproteste veranlasst sieht, die Weggefährten nach kurzzeitigen Auflösungserscheinungen zu disziplinieren und Abtrünnige zu bestrafen. Damit dies leichter zu bewerkstelligen ist, sind die Gesetze im jungen Staat so geformt, dass man sich ohne Übertretungen schwer bewegen kann. So ist jeder Geisel der Bedingungen. Schert er vom Amigo-System aus, wird er über das Gesetz zu Fall gebracht. Das war schon bei dem seit 2003 inhaftierten Ex-Ölmagnaten und Putingegner Michail Chodorkowskij so, dessen Gesetzesübertretungen typisch für die Zeit waren und von anderen Oligarchen ähnlich praktiziert worden sind. Nicht zufällig fühlen sich Russen immer mehr an ihr Sprichwort erinnert, demzufolge „alles für die Freunde, für die Feinde aber das Gesetz“ da sei.

Um Fahnenflucht vorzubeugen, ist derzeit übrigens auch ein Gesetz in Begutachtung, das Beamten und ihren Familienmitgliedern den Besitz von Immobilien oder Bankkonten im Ausland verbietet. Möglich, dass es nicht verabschiedet wird, zumal Beamte laut Ex-Finanzminister Alexej Kudrin massenweise ihre Posten verlassen würden, um ihr Vermögen zu retten. Als Idee dahinter steht jedenfalls, dass die Beamten mit ihrem Vermögen „alle Risken gemeinsam mit dem Land tragen sollten“, wie Premier Dmitrij Medwedjew sagt.

 

Kontrolle der Systemerhalter

In Wirklichkeit ist die Idee freilich auch, dass man die Träger des Systems bei der Stange sowie unter Kontrolle hält und sie zu kollektiven Geiseln der aktuellen Situation macht. Niemand solle sich im Alleingang aus dem Staub machen können. Die oberste Elite weiß, woran jeder denkt. Sie selbst nämlich – so das Resümee der Politologen-Analyse „Politbüro 2.0“ – sucht unermüdlich nach Wegen, die Macht in Besitz zu verwandeln, den Besitz zu legitimieren und zu vererben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2012)

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10 Kommentare
Gast: Imperialist
15.09.2012 16:21
0 0

aber logisch

der russisch-orthodoxer KGBist eben... Die alte gute Stalin-Schule: wenn der "Verräter" nicht aufgibt, wird er vernichtet. Ganz christlich.

Gast: Hacklwerfer
15.09.2012 13:45
0 0

Unser Stronach in ein paar Jahren...


Gast: eso-policier
15.09.2012 12:33
0 0

Russland

In China gelingt es Demonstranten immer öfter, umweltschädliche Projekte zu stoppen. Auch in Russland wird sich die Opposition letztlich durchsetzen. Möglicherweise wird das jetzige System einen ähnlichen Zusammenbruch erleben, wie der Kommunismus. Mehr dazu unter
www.esopolice.wordpress.com

Antworten Gast: Hacklwerfer
15.09.2012 13:48
0 0

Re: Russland

21.12.2012!!!

Gast: b745
15.09.2012 09:34
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putin die lächerlichkeit in person

ist er schon zurück von seinen kranichen schade dass es kein gewitter gab

putin

ist ein enger freund von berlusconi. das sagt eigentlich alles.

Gast: Günther Netzer
14.09.2012 22:59
1 0

Zar Putin ?

Diktator-Fürst-Tyrann-Zar- oder was ?
Es ist unbestreitbar dass ein derartig grosses Land wie Russland(gilt auch für China u.ä. schwer kontrollierbare Gebiete in dieser Grössenordnung) einer starken Führung bedarf.
Doch welches Gesellschaftssystem/Regime wird dem gerecht?
RUS und CHI habne ja ähnliche Sorgen:kontrollierte Freiheit für die Bürger-es besteht immer die Gefahr einer Revolution(z.b.arabischer Frühling ,etc) und die modernen Mittel der Kommunikation und die Konsumwirtschaft bergen viele Gefahren.
Putin: hat es verstanden ,dem Westen eine heile Welt vorzugaukeln-die Wahrheit sieht allerdings anders aus: jede Opposition wird bereits im Keim erstickt(weggesperrt)-so ist seine Herrschaft einzementiert
CHI: auch hier kämpft man mit den Bedürfnissen und Errungenschaften der westlichen Welt-kleine überschaubare Zugeständnisse-kompromisslos gegenüber jeder KRITIK
Ami: die vermeintliche Freiheit der Bürger wird durch einen Orwellschen Überwachungsstaat in perfider Weise kompensiert
p.s. auch Ö ist bereits ein Teil des europäischen Überwachungsnetzwerkes(EU) -nur die Bürger sehen es noch nicht aus dieser Perspektive,es gibt schon jetzt riesige Datenmengen tgl. und wer glaubt dass davon etwas gelöscht wird..lebt in einer Traumwelt

Es lebe Wladimir Wladimirowitsch PUTIN!


Antworten Gast: b745
14.09.2012 21:48
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Re: Es lebe Wladimir Wladimirowitsch PUTIN!

das gegenteil währe besser

Re: Re: Es lebe Wladimir Wladimirowitsch PUTIN!

Soso. W ä h r e das besser?