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Ungarn weitet Zwangsverstaatlichungen aus

17.10.2012 | 17:55 |  Von Christian Höller (Die Presse)

Die österreichische Firma Saubermacher verkauft eine Tochter in Ungarn. Zuvor hat die Budapester Regierung die Verstaatlichung der Abfallwirtschaft beschlossen. Auch Banken klagen über Probleme.

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Budapest/Wien. Die ungarische Regierung verschärft die Gangart gegenüber ausländischen Investoren. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die steirische Firma Saubermacher ihre Tochter Saubermacher Pannonia an die westungarische Stadt Nagykanizsa verkauft hat. Die Stadt habe „ein gut funktionierendes, gewinnbringendes Unternehmen“ mit Erlösen von 7,2 Mio. Euro erworben, freut sich der Bürgermeister.

Die Transaktion erfolgte nach der vom Budapester Parlament beschlossenen Neuregelung der Abfallwirtschaft. Das Gesetz sieht vor, dass die Müllentsorgung ab 2014 nur noch von Firmen, an denen die öffentliche Hand die Mehrheit hält, durchgeführt werden darf. Zudem werden die Unternehmen zur Gemeinnützigkeit verpflichtet. Gewinne müssen an die Kunden weitergegeben werden. „Das ist eine kalte Enteignung“, klagt Saubermacher-Vorstand Frank Dicker im „Presse“-Gespräch. Die Steirer sind seit 20 Jahren in Ungarn tätig.

Österreichern droht die Enteignung

Dicker befürchtet, dass nun die Hälfte der dort erzielten Umsätze von 50 Mio. Euro gefährdet sind. Neben Saubermacher sind österreichische Unternehmen wie die oberösterreichische AVE und die Abfall Service AG (ASA) betroffen.

Diese haben sich über den Verband der europäischen Entsorgungswirtschaft bei der EU-Kommission beschwert.
Als Nächstes droht österreichischen Grundbesitzern in Ungarn die Enteignung. Ein neues Gesetz werde den Kauf ungarischen Bodens durch Ausländer völlig verhindern, kündigt Regierungschef Viktor Orbán am Wochenende an. Ungarn werde sich den durch „Taschenverträge gestohlenen Boden“ zurückholen. In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche österreichische Bürger in Ungarn eingekauft.

Doch die Brüsseler Behörden stehen den Vorgängen in Ungarn bislang tatenlos gegenüber, was auch bei Österreichs Banken für Unmut sorgt. Im Jahr 2010 hatte die Regierung in Budapest eine Sonderabgabe für die Finanzkonzerne eingeführt. Gemessen am Geschäftsvolumen handelt es sich um die höchste Bankensteuer der Welt. Sie fällt an, egal, ob die Banken Gewinne oder Verluste machen. Zusätzlich wurden die Institute per Gesetz gezwungen, in Schweizer Franken aufgenommene Kredite von Privatkunden zu einem günstigen Kurs in die Lokalwährung Forint umzutauschen. Österreichische Banken wie die Raiffeisen Bank International und die Erste Group verbuchten deswegen in Ungarn hohe Verluste.

Banken sind über die Regierung entsetzt

Zunächst sagte die Budapester Regierung zu, dass die Bankenabgabe 2013 halbiert werden soll. Doch am Mittwoch erklärte Wirtschaftsminister György Matolcsy, dass die Abgabe auf dem aktuellen Niveau bleiben werde. Der ungarische Bankenverband zeigt sich darüber entsetzt. Die Abgabe gefährdet den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes, da die Banken weniger Kredite vergeben. Seit Monaten prüfen Österreichs Banken, ob sie gegen Ungarn rechtliche Schritte ergreifen. Doch Raiffeisen-Bank-International-Chef Herbert Stepic schätzt die Chancen, dass tatsächlich geklagt wird, als gering ein. Denn ein Verfahren würde Jahre dauern. Und zudem lasse die Unterstützung der EU zu wünschen übrig.
Ungarn gehört zu jenen Ländern, die in Osteuropa besonders stark von der Finanz- und Wirtschaftskrise erwischt wurden. Die Budapester Regierung verhandelt gerade mit dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union über neue Kreditlinien in Milliardenhöhe.

Um die Budgetlöcher zu stopfen, plant die Regierung auch eine neue Abgabe für öffentliche Versorger und eine Verdoppelung der Finanztransaktionssteuer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2012)

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113 Kommentare
 
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Die $ozen haben dieses Land ruiniert.

Jetzt kommen die Nachfolger und "finden" Firmen bevor sie andere "verlieren".
Aber so schlimm kann das ja nicht sein. Andernfalls gäbe es längst Sanktionen. Oder gibt es die nur bei Demokratischen Wahlen?

Gast: Ungarnkenner
20.10.2012 04:58
0 2

Schlimm!

Jetzt verdienen sich die Banken in Ungarn nicht mehr dumm und dämlich, sondern nur noch dumm! Orban macht das richtig und fässt diesen Blutsaugern mal richtig an die Eier. Wo sind die Artikel zu finden, wie viel Geld die Geldinstitute verdient haben? Wo gibt es Beiträge darüber, dass die Banken den Ungarn die Kredite schon fast aufgenötigt haben? Musste man der Mindestlohn verdienenden Putzfrau wirklich einen Devisenkredit aufschwatzen? Man wollte nicht sehen, was man nicht sehen durfte.

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Diese dummen rechten Sozis, genauso dämlich wie die unsrigen.

Viva la capitalism!
Viva la liberalism!

Gast: bralls
18.10.2012 18:17
1 1

Orban setzt postkommunistischem PostImperialismus ein Ende

In Ungarn bezeichnen sich österr. Firmen gern als Investoren und verschleiern damit, dass sie westeuropaische Umwelt- u Arbeitsrechtstandards massiv verletzten. Ich kenne ungar. Arbeiter, die in österr. Firmen in Mosonmagyarovar ohne Schutzkleidung Elektrosmog, chemischen Stoffen und Farbmitteln ausgesetzt sind und an Krebs erkranken. Wie rechtfertigt das die europaeische Linke?

Auch unsere Firma wird schikaniert ohne ende

Orban macht richtig Jagd auf alle ausländischen Investoren.
Ständige Kontrollen durch die Behörden, verbunden mit willkürlichen Bestrafungen machen das Leben hier nicht leicht.

Wenn es so weiter geht werden wir bald enteignet und aus Ungarn raus geschmissen.

Kann jedem Investor nur raten sich aus Ungarn fern zu halten.

Antworten Gast: Ihre Anonymitaet scheint nicht auf ein gutes Gewissen schließen zu lassen.
18.10.2012 18:10
1 4

Re: Auch unsere Firma wird schikaniert ohne ende

Wer in Ungarn keine Gesetze gebrochen, hat auch nichts zu befürchten. Mit dem postkolonialistischen Raubtierkapitalismus scheint Orban jetzt Schluss zu machen. Gut so! Daran wird sich der westl. Übermenschentum zwar noch etwas gewöhnen müssen...

Re: Re: Auch unsere Firma wird schikaniert ohne ende

Stimmt, mit einer Diktatur tut er sich leichter.

Da er selbst einem mächtigen Zigeunerklan (korrekt Roma oder Sinti (gib aber mehrere)) entstammt, weiß er wie man mit markigen Sprüchen die Demokratie aushebelt, und mit kurzfristiger Gesetzgebung Übertretungen strafen kann.

Dass für die nächsten Wahlen nur Bürger zugelassen sind die sich bis 31.12.2012 registrieren lassen, wissen Ausländer, und Orban treue.

Antworten Antworten Gast: Ute Zwarka
18.10.2012 18:27
0 0

Wer diesen Agitprop glaubt

sollte daheim in Ungarn bleiben. Wir im demokratischen Westen haben für sowas keinen Platz.

Antworten Antworten Antworten Gast: bald
18.10.2012 19:52
0 1

Re: Wer diesen Agitprop glaubt

laesst sich aber nicht mehr so einfach durchsetzen, seit ungarn e gleichberechtigtes eu-mitglied ist. auch linker rassismus bleibt ein rassismus

Antworten Antworten Gast: Fritz Kandler
18.10.2012 18:26
0 0

Die Österreichhasser

auch noch zu unterstützen, ist extrem peinlich.

Gast: Robin Orbanhood
18.10.2012 17:03
3 0

Was sagen EU und Europarat dazu??? Schweigen???

Was sagen eigenlich EU und Europarat dazu? Hat Orban schon mal was von "Freizügigkeit" gehört?

Ich denke, die EU beschäftigt sich eher mit der Krümmung von Gurken bevor man hier einschreitet!

Gast: phj
18.10.2012 17:01
3 0

Sehr geehrte Firmen Saubermacher, AVE und ASA

Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, daß wir derzeit anderseitig so sehr beschäftigt sind, daß wir Ihren Beschwerden zu Zeit nicht nach gehen können.
Mit freundlichen europäischen Grüßen

stellvertretend für die EU

Barolo äh... Baro...

3 0

Wenn Orbán Häupl hieße,...


...wäre ihm wohl niemand böse.

In Wien ist es selbstverständlich, dass kein Privater die Müllentsorgung in die Hand nehmen dürfte.

Und dazu noch zig andere Unternehmenstätigkeiten, welche auch Privatunternehmer erledigen könnten.

Die Firma Wien im Eigentum der SPÖ lebt gut davon.

Orbán hat nur einen Fehler, er ist nicht Sozialmarxist. Hieße er Häupl oder Faymann oder gar Hollande, ihm wäre der Applaus der Welt für seine Maßnahmen wohl sicher.

na geht doch

in Neapel regelt ja auch die Mafia das Entsorgungsproblem,demnächst auch in Budapest

Gast: GAST8934x
18.10.2012 15:50
1 5

Alle Ungarn in Österreich enteignen!!


Gast: Papa Schlumpf
18.10.2012 12:58
9 2

Unsere Regierung bricht straflos die Verfassung

Wo schreit da jemand?

Orban schaut wenigstens auf sein Land.

Antworten Gast: Orka Lo
18.10.2012 18:28
2 0

Sie unterstützen

den auch noch? Na dann wird es Zeit für einen Staatsbürgerschaftswechsel, denke ich. Ungarn, das Land Ihrer Zukunft wartet.

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Und?

Soll das jetzt eine Rechtfertigung für diese ungerechte Vorgangsweise sein?! Selten dämlicher Kommentar..

Orban schaut wenigstens auf sein Land.

Ja, von oben herab.
Das Land ist ihm sch.... egal.

Er bring lediglich seinen Klan unter. Und der hat von ihm die Lizenz zum stehlen.

Freie Medien gibt es nicht mehr, daher kann sein Propagandafunk den Unfug frei verbreiten

Bald lesen wir Kommentare wie :

"Entsorgungsgebühren in Ungarn die höchsten in Europa" etc.
Ungarn exerziert uns gerade vor, wohin Ignoranz gegenüber wirtschaftliche Erkenntnissen führt. Was folgt wird sein: Freunderlwirtschaft und miserabler Service in staatliche Müllentsorgungsbetrieben, Ressourcenverschwendung en gros, sinkende Produktivität.
Seltsam ist die Inaktivität der EU-Behörden bei dieser grassen Verletzung wesentlicher EU-Standards. Ungarn gehört eigentlich aus der EU geschmissen, denn sie brechen jene Verträge, die sie einst unterzeichnet haben.

Re: Bald lesen wir Kommentare wie :

die Würstchen in Brüssel beraten gerade über die erlaubte Krümmung der Apfelstängel!
Das kostet Zeit und Ressourcen, gell!

Bin schon


War ein Orban Fan!!

weil er mit den Sozialdemokraten in Ungaren aufgeräumt hat. Aber jetzt ist er um nichts besser als die menschverachtenden Sozialdemokraten.

Antworten Gast: Xerxa
18.10.2012 18:29
2 0

Einem Ex-Betonkommunisten

haben Sie vertraut??? Na Servas.

Antworten Gast: Sándor Titkos
18.10.2012 12:56
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Re: War ein Orban Fan!!

Er ist ausbeuterverachtend. Nicht menschenverachtend.

Gast: Katzenjammer
18.10.2012 11:07
4 0

Sieh einer an


Könnte es sein, dass Orban den Banken im Alleingang Zügel anlegt? Nicht schlecht! Es geht also, man muss nur wollen. Demnach hat Ungarn bereits eine Finanztransaktionssteuer, die die EU so gar nicht zusammenbringen will.

Und was haben die Ungarn davon, wenn die Gewinne von privatisierten öffentlichen Versorgungsleistungen im Ausland verschwinden? Nix.

 
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