Israel: Vereint im Kampf gegen den Feind

17.11.2012 | 18:11 |  von susanne knaul (Die Presse)

Israel setzte die Angriffe auf den Gazastreifen auch am Samstag fort, eine Bodenoffensive wird immer wahrscheinlicher. Innenpolitisch erhält Ministerpräsident Netanjahu großen Beifall.

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Heftige Explosionen erschüttern am frühen Samstagmorgen erneut den Gazastreifen; vermehrt sind Fluggeräusche israelischer Drohnen zu hören. Das mehrstöckige Regierungsgebäude der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas in Gaza-Stadt liegt in Schutt und Asche. Die israelische Luftwaffe bombardierte zudem das Innenministerium, ein Polizeihauptquartier und weitere Regierungsgebäude.

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Es war der vierte Tag der Gewalteskalation im Nahen Osten, und alles deutet eher auf weitere Eskalation denn die baldige Einigung auf einen Waffenstillstand hin. „Israel wird einen hohen Preis für seine Verbrechen zu zahlen haben“, schwor Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri nach dem Angriff auf das Regierungsgebäude. Gleichzeitig ging die Stationierung von Panzern im Grenzgebiet zum Gazastreifen weiter – eine Bodenoffensive wird immer wahrscheinlicher.

Ende der Woche gab es zum ersten Mal seit 21 Jahren überraschend Raketenalarm in Tel Aviv. Die Realität, die für die Bevölkerung in Sderot oder Ashkelon seit Jahren Alltag ist, erreichte auch am Samstag die israelische Großstadt. Das heilige Jerusalem ist vor den Raketen der Islamisten in Gaza ebenfalls nicht länger sicher.


Erhöhte Kampfstufe. Es ist für die Hamas ein riesiger Erfolg, weitere eineinhalb Millionen israelische Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Regierung in Jerusalem nimmt die Angriffe als Sprung auf eine erhöhte Kampfstufe und entscheidet über die Mobilisierung von bis zu 75.000 Soldaten, zehnmal mehr als das Aufgebot, das vor vier Jahren in Gaza kämpfte. Sollte die Armee eine Bodenoffensive mit solchen Ausmaßen starten, dann würde das Schicksal des Hamas-Regimes im Gazastreifen vermutlich sehr rasch besiegelt werden.

Die ersten Tage der Operation hätten für Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak kaum besser laufen können. Ein Beifallssturm ging durch sämtliche großen Parteien, als am Mittwochabend die gezielte Exekution des De-facto-Hamas-Militärchefs Ahmad Al-Jaabari bekannt wurde.

Sogar die Chefin der Arbeitspartei Scheli Jechimowitsch, sonst eine der schärfsten Kritikerinnen Netanjahus, stellte sich hinter den Regierungschef, wohl wissend, dass Volkes Sympathie dem Mann mit harter Hand gehört. Egal, wie sich der Krieg noch entwickeln wird, für die bevorstehenden Wahlen steht fest, dass die Agenda erneut von der Sicherheit bestimmt wird. Wirtschafts- und Sozialpolitik spielen jetzt keine Rolle mehr.

Vereint gegenüber dem islamistischen Feind löst sich der Missmut zwischen Netanjahu und Barak, der seit Wochen die Stimmung im Regierungshaus trübt, wie von selbst auf. Netanjahu hat dem Verteidigungsminister vorgeworfen, in der Iran-Frage kalte Füße zu kriegen und im Weißen Haus gegen ihn zu intrigieren. Schon schien das politische Aus für Barak sicher, wenn im Januar Parlamentswahlen stattfinden. Noch vor wenigen Tagen sagten ihm Umfragen ein Scheitern an der Zwei-Prozent-Hürde voraus.


Olmert-Comeback. Mit Überschwang nannte Barak in der Wochenendausgabe der liberalen „Haaretz“ nun die Zahl von 13 Mandaten für seine Minipartei „Unabhängigkeit“, mit der er sich vor gut einem Jahr von der Arbeitspartei absetzte. Die Erfahrung lässt ihn hoffen. Vor vier Jahren kommandierte Barak als Verteidigungsminister in der Regierung Ehud Olmerts die Offensive im Gazastreifen. Damals sagten ihm Umfragen zwischen sechs und acht Sitze vor dem Krieg voraus und zwischen 15 und 16 danach. Am Ende wurden es 13.

Der Einzige, der Netanjahu bei den Wahlen Paroli bieten könnte, so heißt es, ist Ehud Olmert. Der frühere Regierungschef müsste nur die zahlreichen Parteien der Mitte unter einen Hut bekommen, um mit vereinter Kraft gegen das neue Bündnis von Netanjahu und dem rechts-konservativen Außenminister Avigdor Lieberman anzutreten. Diese Woche Donnerstag wollte Olmert sein politisches Comeback der Öffentlichkeit kundtun, verschob aber tunlichst den Termin, als die Botschaft vom Tod Al-Jaabaris kam, den er zunächst unkommentiert ließ.


Ruf zur Einheit. Bei den Palästinensern zeigt sich ein komplett unterschiedliches Bild. Aus Ramallah kam ein pathetischer Ruf zur nationalen Einheit, dem aber niemand Aufmerksamkeit schenkte. Für die Hamas ist die neue Regierung in Kairo entscheidender als die eigenen Landsleute im Westjordanland. Der Wahlsieg der Muslimbrüder, aus denen die Hamas einst hervorging, trägt schmerzlicherweise für sie noch kaum Früchte. Der Grenzübergang in Rafach blieb weitgehend geschlossen. Stattdessen sprengten ägyptische Grenzer zahlreiche Tunnel, in denen die Palästinenser Waren und Waffen nach Gaza schmuggeln.

Die Hamas schien schon zum Einlenken bereit, als die Luftwaffe den tödlichen Sprengstoff auf den Armeechef abwarf. „Al-Jaabari stand kurz vor der Unterzeichnung eines langfristigen Waffenstillstandes“, berichtet die liberale „Haaretz“ am Wochenende. Unklar ist jetzt, wer das Kommando hat. Al-Dschabari galt als unantastbarer Chef der Militärs, der sich von der politischen Führung nicht dreinreden ließ. Offiziell gibt es noch keinen Nachfolger für den getöteten Armeechef.

Die politische Führung setzte im Vorfeld des Krieges immer deutlicher auf eine zumindest temporäre Abkehr vom bewaffneten Widerstandskampf. Khaled Mashal, noch Politbürochef der Hamas, kehrte nach jahrelangem Exil in Syrien Präsident Baschar Al-Assad den Rücken und zog nach Katar. Der Ortswechsel signalisierte einen Kurswechsel hin zu moderateren arabisch-muslimischen Staaten, wie Ägypten und der Türkei. Mashals Einfluss innerhalb der Hamas schrumpft indes. Er will zum Jahresende von seinem Amt abtreten. Mögliche Nachfolger sind sein Stellvertreter Mussa Abu Marsuk und die beiden Spitzenpolitiker im Gazastreifen. Hamas-Regierungschef Ismail Haniyyeh gilt als der Pragmatiker unter den Islamisten, Außenminister Mahmud Sahar als der Hardliner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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141 Kommentare
 
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In den 1930er Jahren hätte man auf Seiten des

jü*dischen Volkes sein müssen - heute ganz genau so.


Neutral!

Österreich hat keine Interessen mehr im Nahen Osten. Wir haben keinen Grund, uns auf eine Seite zu stellen und können gelangweilt zusehen ...

Geht es Ihnen vielleicht auch so wie mir?

Ich kann das alles nicht mehr hören! Mein ganzes Leben begleitet mich schon der Kampf Israels mit seinen Nachbarn! Ich habe genug davon!

Israel ist ein Land, das nicht einsehen will, dass Fehler bei seiner Entstehung gemacht wurden, wie damals europäische Einwanderer bereits im 19.jahrhundert, ohne Rücksicht auf die dort Lebenden sich sukzessive die Macht angeeignet und die Einheimischen vertrieben bzw. unterdrückt haben. Dass das folgenlos bleiben würde. konnte doch niemand ernsthaft annehmen!!!

Dieser Netanjahu ist ein Kriegstreiber, dem jedes Mittel recht ist. Und er war es, der mit der Ermordung des Hamasführers den Anfang gemacht hat! Vielleicht weil, wie viele politische Beobachter vermuten, Wahlen vor der Tür stehen?

Israelis, lernt Geschichte und jagt alle Kriegstreiber davon! Nur so könnt ihr dort überleben und in Frieden leben!

Ich habe für mich jedenfalls beschlossen, dass das mein letztes Posting zum Thema war. Ich habe genug!

Re: Geht es Ihnen vielleicht auch so wie mir?

die Verfolgungswahnsinnigen werden dennoch keine Ruhe geben , fürchte ich.

Re: Geht es Ihnen vielleicht auch so wie mir?

es gibt auch andere,denkende menschen:
http://www.zeit.de/2012/13/Interview-Barenboim/seite-3

Re: Re: Geht es Ihnen vielleicht auch so wie mir?

Danke, Claus für den Link. Dem Mann gehört schon lange meine ganze Bewunderung!

Es gibt viele Israelis, die die Stimme der Vernunft sprechen, aber sie werden von den radikalen Rechten überschrien. leider finden sich auch in Österreich Befürworter der gnadenlosen Gewaltausübung , der Aug um Aug, Zahn um Zahn Politik Netanjahus!

Dieser hat vom Beginn seiner Amtszeit an auf Provokation gesetzt. 21 % der Israelis sind Araber. Sie werden gnadenlos übertönt!

Und die Welt hat es inzwischen satt, dauernd den Holocaust als Begründung vorgesetzt zu bekommen!

Warum führen die Palästinenser seit 64 Jahren denselben, inzwischen längst aussichtslosen Krieg gegen Israel?

Warum führen die Palästinenser seit 64 Jahren denselben,? Warum verkünden immer neue fanatische Führer dieselbe Botschaft vom irgendwann bevorstehenden Endsieg? Und warum verurteilen sie nun schon die dritte Generation von Palästinensern dazu, ihre Lebenschancen auf dem Altar der Ideologie zu opfern?

Re: Warum führen die Palästinenser seit 64 Jahren denselben, inzwischen längst aussichtslosen Krieg gegen Israel?

Weil wenn sie sich nicht wehren würden, würden sie auch aus den kläglichen Rest ihrer Gebiete von den Zionisten vertrieben!

Re: Re: Warum führen die Palästinenser seit 64 Jahren denselben, inzwischen längst aussichtslosen Krieg gegen Israel?

Wehren?? Seit wann müssen sich die palästinenser wehren?
Israel wehrt sich sei JAHREN von den täglichen Raketen die auf sie geschossen werden!! Und wenn Israel endlich etwas dagegen tun, sagt die ganze welt das sie angreifen, Kinder töten etc.
Wie würdest du dich fühlen wenn Wien täglich mit Raketen beworfen wird? Wenn du angst hast um deine Kinder wenn sie zur Schule gehen!???
Israel hat das Recht zu exisitieren. Es ist Ihr Land, und sie werden dafür kämpfen.
Hamas sind terroristen und sollten getötet werden denn mit terroristen kann man nicht verhandeln.
Peace for Israel! Stand strong!

Ein Kriegshetzer läßt wieder Zivilisten töten

und dieses Faktum wird von der Presse, wie eigentlich immer, wohlwollend kommentiert.
Seriöser Journalismus sieht anders aus!

Re: Ein Kriegshetzer läßt wieder Zivilisten töten

Und auf der anderen Seite?

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Auf.dem.foto.

zeigt Netanjahu sein wares gesicht!Eine ganz neue art von wahlkampf,der ueberragt noch den 9/11 vom bush und sandy vom obama!!

Re: Auf.dem.foto.

mir gefällt sehr sein gesicht...das photo zeigt seine kraft und entschlossenheit.

wow

ich habe noch nie so viele rot und grüne Balken gesehen wie bei diesem Beitrag.

zum glueck wissen die hamas & abas nicht den alten trick:

einfach ein paar muenzen zwischen die angreifer werfen und dabei zuschaun, wie sie sich gegenseitig abmurksen ...

Dieses Bild

Satanisch....

Re: Dieses Bild

wenn dich jm provoziert und angreift und vernichten will, willst du etwa lachen?

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Re: Re: Dieses Bild

Und wenn Sie lebendig eingemauert werden,Ihr Land und Eigentum geklaut oder zerstört wird,lachen Sie einfach???

Maus vs. Elefant

Man muss leider sagen, dass die Hamas "Dumm" ist.
Was tut sie ihrem Volk gutes? Selbst wenn wir davon ausgehen, dass sie moralisch oder ideologisch gesehen recht hätten bringt es nicht einen übermächtigen Feind zu reizen!

Wenn ich Monate lang Raketen und Granaten regnen lasse, damit ein paar Israelis töte und dafür in Kauf nehme, dass ein modern ausgerüstetes Militär in einer Woche vermutlich 100 mal so viele Palästinenser tötet, kann ich damit meinem Volk definitiv nichts gutes tun.

Und so schön Diskussionen über "Wer hat recht?", "Wer ist der Auslöser?" oder "Was ist gerecht?" sind, im Endeffekt muss man aus der Realität das beste machen und in der Realität gewinnt nun mal der stärkere egal ob er recht hat oder nicht!

Ich hab' da einen netten link

damit man sich ein wenig in die Leute da unten reinversetzen kann.

http://www.facebook.com/pages/Peace-from-Gaza/413167405418665

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diese super presse

Die zensur ist hier schlimmer wie in china viel schlimmer!!

Bald gehören wir zur Arabischen Liga

Nämlich wenn die EU vor den Moslembrüdern in die Knie geht und Israel als Aggressor beschuldigt.
Der Hollande hat schon damit begonnen und einen Syrischen Terroristen empfangen. Die anderen Europäer hat er aufgefordert zu folgen.

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ICH

hoffe nicht das der kriegsgeile Netanjahu mit so einem Foto,wiedergewaehlt wird!!

Re: ICH

ich hoffe es sehr wohl

 
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