Tschechien: Schwarzenberg schafft es in die Stichwahl

13.01.2013 | 19:31 |  von Hans-Jörg Schmidt (Die Presse)

Überraschung in der ersten Runde der Präsidentenwahl: Außenminister Schwarzenberg belegt knapp hinter Ex-Premier Zeman Rang zwei. In 14 Tagen kommt es zum Duell.

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Prag. Mit einem fulminanten Schlussspurt im Wahlkampf hat der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg überraschend die Stichwahl um das tschechische Präsidentenamt erreicht. Dort wird der 75-jährige Fürst auf den linksgerichteten Ex-Regierungschef Miloš Zeman (68) treffen. Die Stichwahl in zwei Wochen wird erforderlich, weil keiner der neun Kandidaten in der ersten Runde die absolute Mehrheit für sich verbuchen konnte.

Für Zeman stimmten nach Auszählung von 90,9 Prozent der Wahllokale 24,2 Prozent, Schwarzenberg kam auf 23,4 Prozent. Der in den Umfragen lange favorisierte frühere unabhängige Premier Jan Fischer kam nur auf den dritten Rang (16,4 Prozent) vor dem Kandidaten der Sozialdemokraten, Jiří Dienstbier (16,1). Die übrigen Anwärter auf die Prager Burg, unter ihnen der Musikprofessor Vladimír Franz (6,8), landeten weit abgeschlagen.

Zeman nahm das Ergebnis nur kurz „mit wie immer guter Laune" zur Kenntnis. Fischer zeigte sich enttäuscht. Schwarzenberg war in den vergangenen Tagen von großen Prager Zeitungsredaktionen zur Wahl empfohlen worden. Der „Fürst", wie er von den Tschechen genannt wird, verkörpere die Ideale der Revolution und verfüge über internationales Renommee.

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Persönlichkeit vor Partei

Schwarzenberg wurde in seiner Zentrale schon wie der neue Präsident gefeiert. In der Stichwahl gehe es darum, ob man das Land in die Hand eines „Mannes der Vergangenheit" - Zeman - lege, oder in seine. In den Umfragen war Schwarzenberg maximal der dritte Platz zugetraut worden, da er der derzeitigen (unbeliebten) Regierung angehört. Politologen machten im Fernsehsender CT24 jedoch darauf aufmerksam, dass die Wähler eher eine Persönlichkeitswahl getroffen haben, als nach Parteipräferenzen zu entscheiden.
Die Stichwahl ist nach Meinung der Experten völlig offen. Die Tschechen wählen das Staatsoberhaupt erstmals direkt. Die Amtszeit des derzeitigen Präsidenten Václav Klaus endet Anfang März.

 
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    Miloš Zeman und Jan Fischer / Bild: (c) EPA (FILIP SINGER) Am Freitag und Samstag steigt die erste Direktwahl des tschechischen Staatsoberhaupts. Der scheidende Präsident Klaus befürchtete einen Wahlkampf wie eine Castingshow. Er sollte teilweise recht behalten.

84 Kommentare
 
12 3
sirgerald
14.01.2013 20:21
0

Warum Milos Zeman wählen

wenn man Karl Schwarzenberg zum Präsidenten haben könnte?

buhbuh
13.01.2013 21:33
1

schön,dass der Herr "Fürst " hier solchen Beifall

findet, zur Abkühlung sei der entsprechende Artikel in der konservativen " Welt " des Springer
Verlages empfohlen.

Antworten ohodombo
13.01.2013 22:26
2

der empfohlene Artikel ist zu langweilig,

zu lauwarm, um irgendwen "abzukühlen"

Antworten Antworten buhbuh
14.01.2013 09:15
0

Re: der empfohlene Artikel ist zu langweilig,

Grüsse in die Geriatrie

APFELSYS
13.01.2013 17:53
4

wo bleibt der Schwarzenberg mit österreichischem Pass... ???

Die Tschechen sind zu beneiden!

Antworten Daily Observer
13.01.2013 19:05
0

Re: wo bleibt der Schwarzenberg mit österreichischem Pass... ???

er hat einen tschechischen und einen schweizer pass. von einem österreichischen weiss ich nichts?

modestus
13.01.2013 15:58
1

format

vielleicht bekommen die tschechen tatsächlich einen mann von format...den knize

piraa
13.01.2013 15:33
3

Ein neuer Präsident

Ich wundere mich über die Statements zu diesem Artikel. Fast gewinne ich den Eindruck, es geht um einen Präsidenten für Österreich.

Auch ich halte Herrn Schwarzenberg, wie viele hier schreiben, schon aufgrund seiner Bildung, Erfahrung und seinem politischen Engagement für sehr gut geeignet. Trotzdem träume ich persönlich nicht davon einen neuen Adel, der das alleinige Sagen hat. Demokratisch gewählt und gemeinsam mit allen anderen ja - als absolute Macht nein.

Ich wünsche mir keine Feudalherrschaft zurück - selbst wenn diese Personen noch so gute Schulen besuchen konnten.

Antworten Eusebius
13.01.2013 19:31
3

Re: Ein neuer Präsident

Wer wünscht sich Feudalherrschaft zurück? Niemand.
Absolutismus liegt schon sehr, sehr, sehr lange zurück.
Was hier - meiner Meinung nach - zum Ausdruck kommt, ist, dass "man" sich nach Persönlichkeiten sehnt, eben nicht nach Apparatschiks, nach Parteischulabsolventen und danach kommt lange, allzu lange nix.

Antworten Foxbobuli
13.01.2013 17:17
2

Re: Ein neuer Präsident

Was wollen Sie-träumen Sie hier? des oder des oder was nun? Adel ist immer suspekt. Wie überhaupt alles dieses aus der "Steinzeit"

ohodombo
13.01.2013 15:18
7

Schwarzenberg

... die Tschechen wären zu beneiden! Auch für Österreich sollte endlich sich ein Staatsoberhaupt mit unbestrittener Integrität, freier (weil durch Glaubwürdigkeit) selbst erworbener Autorität, mit Stil(!) und jener gewissen Elegance im Denken finden...

Antworten Daily Observer
13.01.2013 19:07
0

Re: Schwarzenberg

da sind einige aufgrund eines kürzlich abgelaufenen unapetitlichen erbschaftsstreites nicht ganz ihrer meinung!

Antworten Antworten ohodombo
13.01.2013 22:54
1

wahrhaft "unappetitlich"

ist dabei lediglich die Rolle der Elisabeth Pezold und ihres Gatten.

Hedge
13.01.2013 14:53
4

Ich freu mich schon auf den Antrittsbesuch in der Hofburg

wenn der große, elegante Mann von Welt auf unseren Zwerg-Igel trifft

Antworten Daily Observer
13.01.2013 19:11
1

Re: Ich freu mich schon auf den Antrittsbesuch in der Hofburg

also ich kenn ihn: er ist weder groß noch elegant sondern leider schon etwas senil, oder zumindest erweckt er diesen eindruck, wenn er bei reden regelmäßig einschläft.
schade, dass die tschechen niemanden jüngeren haben. der andere, zeman, ist ja noch fossiler!
und beide verteidigen temelin vehement. also für Ö. keine gute wahl!

Antworten Antworten ohodombo
13.01.2013 22:57
3

an "Daily Observer":

Schwarzenberg trennt das Wesentliche vom Überflüssigen im Halbschlaf; Sie unterschätzen diesen Mann gewaltig!

Antworten Antworten Hedge
13.01.2013 22:35
2

Kennt er Sie auch ?

Vermutlich nicht.
Und bei uns ist es umgekehrt:
wir schlafen regelmäßig ein, wenn Heinz Fischer redet

Paparduke
13.01.2013 13:47
3

Klaus....

war ein richtiger Präsident den man sich wünscht mit einer ordentlich kritischen Haltung zur EU. Von so was kann Österreich mit dem Kaspar Fischer nur träumen. Hoffentlich kann Schwarzenberg in Klaus Fußstapfen treten. Ein Sozialist als Präsidentennachfolger wäre für die Tschechen ein Riesen Rückschritt.

Antworten Daily Observer
13.01.2013 19:13
1

Re: Klaus....

sehe ich ganz und gar nicht so.
wollen sie eigentlich wieder zurück zum eisernen vorhang? das könnte nämlich passieren, wenn die EU zerfällt, und jeder gegen jeden ist.

Krash
13.01.2013 12:03
0

"Schwarzenberg" ist das ein Sudeten deutscher?


Antworten erich47
13.01.2013 13:15
1

Re: "Schwarzenberg" ist das ein Sudeten deutscher?

er wurde von den schwarzenberg adoptirt

Antworten Antworten Eusebius
13.01.2013 13:26
3

Re: Re: "Schwarzenberg" ist das ein Sudeten deutscher?

Sie irren!

Antworten Eusebius
13.01.2013 13:11
1

Re: "Schwarzenberg" ist das ein Sudeten deutscher?

Karl Schwarzenberg wurde in Prag geboren.
Wikipedia gibt ein bissl mehr Auskunft über die Familie Schwarzenberg - sollte Sie das interessieren.

Antworten Foxbobuli
13.01.2013 13:09
1

Re: "Schwarzenberg" ist das ein Sudeten deutscher?

sind wir hier im Rätselklub?

ZARA 2.01
13.01.2013 11:17
10

Du meine Güte!

Sowas gibts halt in Österreich nimmer!
Ein gut erzogener, charmanter und hochgebildeter mensch, also ein wahrer Aristokrat und dann in Staatsfunktion.
Bei uns, denken wir an die ÖVP, da kommt ein Bauer daher.............

Antworten piraa
13.01.2013 12:45
5

Re: Du meine Güte!

Ihre diskriminierende Aussage gegenüber Bauern wundert mich schon sehr. Sind Sie nicht Grünvertreterin und halten sich für ach so.............. gerecht und vorurteilsfrei ?

Außerdem informieren Sie sich, unsere Landwirte sind gut ausgebildet. Ein landwirtschaftlichen Betrieb zu führen ist ebenfalls eine logistische und kaufmännische Aufgabe.


 
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