US-Verdacht: Assad setzt Giftgas ein

25.04.2013 | 21:57 |  von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die amerikanischen Geheimdienste vermuten, dass die Regierungstruppen in Syrien kleine Mengen des Nervengases Sarin verwendet haben.

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Die Indizien verdichten sich, dass der syrische Machthaber Bashar al-Assad chemische Massenvernichtungswaffen gegen die Aufständischen einsetzt. Am Donnerstag folgte die amerikanische Regierung den Beispielen von Großbritannien, Frankreich, Israel und Katar und veröffentlichte ihre Einschätzung, wonach Assads Truppen das Nervengas Sarin in „kleinem Rahmen" eingesetzt haben dürften. „Das verletzt jegliches Abkommen über die Kriegsführung", warnte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel während eines Treffens mit den politischen Führern von Abu Dhabi.
In einem Brief an die Senatoren John McCain und Carl Levin (die wichtigsten Außenpolitiker der beiden Parteien im Kongress) fasst Miguel E. Rodriguez, der juristische Berater von Präsident Barack Obama, den Erkenntnisstand der Geheimdienste zusammen.

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Rodriguez betont aber mit Nachdruck, dass die Vermutungen über den Giftgaseinsatz noch nicht ausreichend bestätigt seien. „Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht, und angesichts dessen, was wir aus unseren jüngsten Erfahrungen gelernt haben, sind geheimdienstliche Einschätzungen nicht ausreichend", schreibt Rodriguez. „Nur glaubwürdige und belastbare Tatsachen" könnten die Entscheidungen der amerikanischen Regierung leiten: ein Hinweis darauf, dass Obamas Vorgänger George W. Bush vor genau zehn Jahren den Irakkrieg auf Basis von teils mutwillig gefälschten geheimdienstlichen Angaben über angebliche Massenvernichtungswaffen in den Händen von Saddam Hussein begonnen hatte. Diese Waffen wurden nach dem Einmarsch der anglo-amerikanischen Truppen allerdings nie gefunden.
Obama hat mehrfach betont, dass das Regime von Assad eine „rote Linie" überschreite, würde es Massenvernichtungswaffen einsetzen. Wie die USA dann zu reagieren gedächten, ließ der Präsident dabei stets im Vagen. Eine direkte Intervention amerikanischer Bodentruppen ist so gut wie unwahrscheinlich; denkbarer wäre die Zerstörung vermuteter Lagerstätten für das Giftgas, sollte sich der Verdacht bestätigten und Assad nicht von sich aus einlenken.
Mehrere Sicherheitsexperten werten den veröffentlichten Brief des Weißen Hauses an die beiden Senatoren allerdings als Mittel, um im Rahmen der Vereinten Nationen Druck auf das syrische Regime zu machen, Chemiewaffeninspektoren ins Land zu lassen.

Hilfe von Nordkorea und Iran

„Dieses Statement der US-Regierung fällt insofern in dieselbe Kategorie der britischen und französischen Statements zu Beginn dieser Woche", sagte die Chemiewaffen-Expertin Amy E. Smithson vom James Martin Center for Nonproliferation Studies in Washington auf Anfrage der „Presse".
Smithson betont, dass einiges an der geheimdienstlichen Einschätzung rätselhaft sei. So habe es zum Beispiel militärisch wenig Sinn, Giftgas nur in kleinem Rahmen einzusetzen. Sein taktischer Nutzen liegt eher darin, dem Gegner großflächige Verluste zuzufügen. Auch sei offen, welche „physiologischen" Proben die US-Dienste gezogen hätten. „Ob das tierische oder menschliche Blutproben waren, wissen wir nicht."
Wie viel Sarin und sonstige chemische und biologische Kampfstoffe Assads Regime hat, sei unbekannt: „Wer eine Zahl nennt, lehnt sich sehr weit heraus. Bestätigt hingegen sei sehr wohl, dass Iran und Nordkorea dem syrischen Regime in den 1980er-Jahren bei der Entwicklung dieser Massenvernichtungswaffen geholfen habe. „Die USA und ihre NATO-Alliierten müssen ziemlich schwere Entscheidungen fällen, wie man den Einsatz chemischer Waffen beendet, bevor er ausufert", warnte Smithson.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2013)

 
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27 Kommentare
 
12
QuoVadis
25.04.2013 23:03
5

Die richtige Stelle fragen

„Nur glaubwürdige und belastbare Tatsachen" könnten die Entscheidungen der amerikanischen Regierung leiten".

Die USA sollten einmal bei der "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" (mit Sitz in einer Londoner Snack-Bar) nachfragen. Unsere Politiker und Mainstreammedien fahren voll auf deren Informationen ab.


Paparduke
25.04.2013 22:59
4

Geh....

bitte. Die USA sollen nicht immer so einen Unsinn verzapfen.

ras1h
25.04.2013 22:42
4

USA

soll sich um ihren eigenen Dreck kümmern

Blitzky
25.04.2013 21:39
18

Es wird Zeit, dass denen einmal ein neuer Schmäh einfällt...

Der Chemiewaffenschmäh ist doch schon uralt und dermaßen abgenutzt, dass ihn nicht einmal in den USA noch jemand glaubt.

Antworten Kontrahent
26.04.2013 11:56
1

Re: Es wird Zeit, dass denen einmal ein neuer Schmäh einfällt...

...wenn es aber doch die Israelis bestätigen !?! ;-)

Hansdietermatthies
25.04.2013 21:16
9

Anfrage eines Harmlosen: " Haben in den USA die Ex-Präsidenten eine Beratungsfunktion ???

..... und täglich grüßt G.W.Bush ????

Na, ich dachte ja nur ...... ( the same procedure as in the past ...)

jagi69
25.04.2013 19:56
18

Informationen

sind sicher aus der selben Quelle wie damals im Irak

gregor127
25.04.2013 19:38
14

gut gemacht

Diesmal ist es besser aufgebaut als sonst immer. Erst sagen die Juden die haben Sarin geworfen, die Amis sagen na eher nicht. Ein paar Tage später, ja doch die haben Sarin genommen. Klingt total echt. Super gemacht von Juden und Amis. Jetzt noch ein paar Bildchen vom Geheimdienst dazu und die Sache paßt.

Antworten edmundoros
26.04.2013 00:38
0

Re: gut gemacht

Spinnen sie auch Flachs?

Global-Observer
25.04.2013 19:37
5

CIA undercover Agent Soetoro bläst zum Angriff...



Antworten AVier
25.04.2013 20:15
9

Re: Diese roten Linien sind wohl egal!

Der Einsatz von DU-Waffen (DU...Depleted Uranium) durch die USA und Großbritannien im Irak-Krieg, in Libyen und auch im Balkan-Krieg darf nicht vergessen werden:

http://de.rian.ru/security_and_military/20110329/258706698.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uranmunition-im-irak-das-strahlende-vermaechtnis-der-alliierten-a-278417.html

Das sind große Kriegsverbrechen, die von der NATO in diesen Kriegen begangen wurden!

Antworten Antworten NUR_SO
26.04.2013 05:56
2

Re: Re: Diese roten Linien sind wohl egal!

Hab vor kurzem ein video gesehen wo soltaten in den
USA Demonstrieren und ihre Orden wegwerfen
weil sie nicht mehr fuer die NATO
toeten wollen

Sabine63
25.04.2013 19:11
15

Rote Linien

Es bleibt zu hoffen, dass keine Seite von chemischen Waffen Gebrauch macht.
Aber dass gerade jene Nation, die Atomwaffen sowie Napalm- und Nervengase zu Hunderten Tonnen wahllos hauptsächlich gegen Zivilisten zum Einsatz brachte, von einer "roten Linie" spricht, ist einfach nur absurd!

Antworten Aurel2
25.04.2013 20:17
9

Re: Rote Linien

und Käfer als Bakterienträger über Nordkorea abgeworfen hat.

Antworten Toast
25.04.2013 20:08
12

Re: Rote Linien

Nicht zu vergessen auch die Uranmunition.

Antworten gregor127
25.04.2013 19:40
11

Re: Rote Linien

Da ist doch ein großer Unterschied: Wenn die Amis das machen dann ist es gut. Wenn es die Juden machen ist es auch gut. Aber sonst ist das unakzeptabel. Nur die Amis wissen genau, welche Zivilisten man mit Giftgas, Uranmunition oder sonstigen Chemikalien verseucht. Und der Rest der Welt hat das zu akzeptieren. Schluß

Antworten Antworten edmundoros
26.04.2013 00:39
0

Re: Re: Rote Linien

Haben sie schon ihre Mikrowelle untersucht? Vielleicht sitzt ja der Mossad drin!

Antworten Antworten Demokierkratie
25.04.2013 21:21
10

Stimmt schon! Aber es sind nicht DIE Juden.

Es sind die Zionisten unter den Juden.

CortoMaltese
25.04.2013 19:06
9

nachdem also die Chemiewaffen "in geringem Maße" eingesetzt wurden

heißt das jetzt, dass es zu einem
internationalen militärischen Eingriff in geringem Maße kommt?

hahaha


Antworten Bluesman
25.04.2013 20:00
1

Re: nachdem also die Chemiewaffen "in geringem Maße" eingesetzt wurden

Aus einem neutralem Staat herauszubellen, weil man zur Lösung des Problems ja eh nichts beitragen darf-man würde ja, wenn man dürfte-haha-ist aber schon ein bisserl einfach,oder?

Was habens für Gegenvorschläge zur Lösuzng des Problems. Syrien könnte die Region schon aufgrund seiner Größe dort leicht destabilisieren.?

Antworten Antworten Demokierkratie
25.04.2013 21:23
11

Die Lösung des Problem sist ganz einfach:

Unterstützung der Terroristen von außerhalb unterbinden, und schon kehrt wieder Ruhe ein.

Antworten Antworten CortoMaltese
25.04.2013 20:59
1

ahem, das war ironisch gemeint

(im Bewußtsein, dass schon die längste Zeit alles versucht wird um 'legal' intervenieren zu können)

Michael
25.04.2013 18:27
15

Obama hat Chemiewaffen als rote Linie bezeichnet

nach der ein Militäreinsatz möglich wäre.

Und schon wurde die rote Linie angeblich überschritten ... ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Antworten chipotle
25.04.2013 19:18
4

Re: Obama hat Chemiewaffen als rote Linie bezeichnet

Klar, Amis luegen. Mensch wirsd das langsam langweilig... Habts ihr sozen nicht genug mit dem geldverteilen anderer leute zu tun?

Antworten Antworten Fornax A
25.04.2013 19:39
3

Re: Re: Obama hat Chemiewaffen als rote Linie bezeichnet

Ihre Art quer zu denken ist besorgniserregend!

Auf Statistik Austria finden sie den Verlauf der Staatsverschuldung über Jahrzehnte.

Und jetzt! Vorsicht!
Machen sie einen Abgleich mit den Regierungskoalitionen.

Sie werden feststellen das die Schwarzen außer Bundesvermögen verkaufen und Schulden machen auch nichts Anderes können.

Übrigens!
Suchen sie sich einen guten Arzt ;)

 
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