08.11.2009 12:55 | Meine Presse Merkliste0

Kroatien: Fischereizone mit unabsehbaren Folgen

06.01.2008 | 17:47 |   (Die Presse)

Die einseitig erklärte Fischerei-Schutzzone in der Adria könnte Kroatiens Beitritt zur EU verzögern.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

BELGRAD/ZAGREB (ro). Zumindest an Deutlichkeit ließ die keineswegs frohe Neujahrs-Botschaft aus dem fernen Brüssel für den EU-Beitrittskandidaten Kroatien nichts zu wünschen übrig: Die Weigerung, eigene Fischereizonen für alle Mitgliedstaaten zu öffnen, könne zu „Konsequenzen“ führen, warnte Erweiterungskommissar Olli Rehn den EU-Anwärter. Nur mit einer raschen Lösung der Frage könnten „negative Folgen auf den Beitrittsprozess“ vermieden werden, appellierte er an Zagreb, von der zu Jahresbeginn angekündigte Einführung einer neuen Adria-Schutzzone doch noch abzusehen.

Die Beitrittsverhandlungen mit Kroatien könnten 2008 in eine „entscheidende Phase“ treten: „Wir vertrauen darauf, dass sich Kroatien entsprechend verhält.“ Doch der drängende Appell blieb genauso ohne Widerhall wie die heftigen Proteste der Adria-Anrainerstaaten Italien und Slowenien.

Zu Jahresbeginn hat Zagreb die bereits 2004 angekündigte Fischereizone vor Kroatiens Küste offiziell in Kraft gesetzt. Die Einführung der 57.000 Quadratkilometer großen Zone begründet Kroatien mit Überfischung. Auf 300 Millionen Euro beziffert Zagreb den jährlichen Verlust vor allem durch italienische Fänge: So übersteige der italienische Fang in kroatischen Gewässern mit jährlich 200.000 Tonnen den der heimischen Fischer um das Zehnfache. Mit Schutzmaßnahmen gegen Mitgliedstaaten finden EU-Anwärter in Brüssel jedoch selten Freunde.

Premier Ivo Sanader ist zur Beschleunigung der sehr schleppend verlaufenden Beitrittsverhandlungen zwar am Wohlwollen der EU-Kommission gelegen. Gleichzeitig steht er innenpolitisch zur Einhaltung des Wahlversprechens der Realisierung der Fischereizone gehörig unter Druck. Kurz vor Abschluss schwieriger Koalitionsverhandlungen ist seine konservative HDZ für eine Regierungsmehrheit zudem dringend auf die Stimmen der Bauernpartei HSS angewiesen. Die HSS war und ist als Lobby-Partei die Triebfeder hinter der Einführung der Schutzzone. Premier Sanader bemüht sich, Hoffnung auf einen Kompromiss nach seiner Amtsverlängerung zu verbreiten: Die neue Regierung werde einen Weg finden, „dass alle Seiten zufrieden sein können“.


„Illegale“ Italiener aufgegriffen

Nach Meinung der slowenischen Zeitung „Dnevnik“ beschert die Verwirklichung der Zone dem gewieften Taktiker Sanader einen „doppelten Erfolg“. Zum einen geht es um stimmenträchtige Wahlkampfmunition. Zum anderen könne er sich nach seiner neuerlichen Vereidigung mit einem kleinen Rückzieher als Mann des Kompromisses profilieren.

Die nun eingeführte Zone hält das Blatt ohnehin nur für einen „Papiertiger“: „Kroatien hat gar nicht die Mittel, sie zu überwachen.“ Doch vorigen Donnerstag brachte ein kroatisches Kriegsschiff bereits den ersten italienischen Trawler im eigenen Hoheitsgewässer auf. Wegen „illegaler Fischerei“ soll die Besatzung des Kutters nun vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2008)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

9 Kommentare
Gast: Lenid
10.01.2008 08:15
0 0

Hand aufs Herz

Kroatien hat nicht einseitig eine Fischereizone ausgerufen. Italien und Slowenien haben dies bereits im Vorfeld getan (wie alle EU - Staaten außer Griechenland). Wenn fast alle Staaten der EU das Recht haben eine Fischereizone zu erklären, was spricht dagegen das ein Betrittskandidat ebenfalls vom diesem Recht gebrauch macht ?
Italien hat seine Gewässer vollkommen Überfischt. Eine Fischereizone seitens Kroatiens dient auch dem Umweltschutz. Dies scheint in Brüssel nicht einmal "die Grünen" zu interessieren.
Hand aufs Herz. Italien geht es um reinen Profit. Slowenien will gegenüber Kroatien territoriale Ansprüche entgegen dem internationalen Seerecht geltet machen. Das Druckmittel ist der EU – Beitritt. Unter diesen Umständen sollte Kroatien auf einen EU – Beitritt verzichten.

0 0

Ekelhaftes Ansinnen der EU

Als Stammgast des wunderbaren Kroatiens zum Segeln und Urlauben weiß ich schon dies und das über den Kroatischen Eigensinn und die Bürokratie zu erzählen … aber dieser Vorwurf an die Kroatische Regierung ist mehr als pervers!
Der Krieg hat, weltweit von Biologen interessiert beäugt und bestätigt, der kroatischen Adria eine einzigartige Chance auf Erholung und Steigerung der Abundanz gegeben. Ein echtes ökologisches Geschenk! Es sollte eher im Sinne der EU sein, dieses zu erhalten als mit egoister Borniertheit den (inzwischen eigentlich überholten) Standpunkt der "Freien marktwirtschaftlichen Ausbeutung" zu vertreten.

Gast: Beobachter
07.01.2008 09:28
0 0

EU-Beitritt fuer Meer-Anrainer bedeutet freie Fahrt fuer Spanische Trawler

Kroatien sollte sich ernsthaft ueberlegen, ob nicht eine Dubai-Loesung fuer das Land besser waere: Freizuegigkeit fuer entsprechend wohlhabende Auslaender (second home croatia Programm), Freihaefen, niedrige Steuern, hohe Sicherheit. Die Cote D'Azur kann bald verdraengt werden. Die Europaer werden schon aufgrund der Landschaftlichen Schoenheit und der Adria kommen. Kroatien braucht KEINE EU Mitgliedschaft! Schengen mit offenen Grenzen kann man auch so (siehe Schweiz) haben, WENN man will.

lurch
07.01.2008 13:09
0 0

Re: EU-Beitritt fuer Meer-Anrainer bedeutet freie Fahrt fuer Spanische Trawler

So ist es!
Wäre wirklich schön, wenn die Kroaten ganz einfach sagen würden: "wir pfeifen auf die EU!".

Antworten Gast: nostradamos
07.01.2008 11:48
0 0

Re: EU-Beitritt fuer Meer-Anrainer bedeutet freie Fahrt fuer Spanische Trawler

und das hätte ich fast noch vergessen. reisefreiheit ist ja da, und wenn ich mit dem flugzeug fliege bin ich in 1 minute durch die kontrollen durch. früher stand man mit dem auto zwischen stuttgart und zagreb an 3 grenzen mit mindestens 5 kontrollen und heute ist es 1 grenze mit 2 kontrollen.
was ich aber glaube ist, dass montenegro den von ihnen angegebenen weg gehen wird. ein kleines land, schlitzohreige politiker und das potential für ein balkan monaco. wir werden sehen! beste grüsse!!!

Antworten Gast: nostradamos
07.01.2008 11:44
0 0

Re: EU-Beitritt fuer Meer-Anrainer bedeutet freie Fahrt fuer Spanische Trawler

da stimme ich ihnen gerne zu, auch die immobilienpreise in kroatien lassen dieses phänomen erkennen. ein haus mit 100 qm kostet schnell mal an der küste 300.000euro aber auch die ansiedlung von engländern, italienern, australiern und mittlerweile auch deutschen und österreichen spricht für sich.
die punkte die sie vorschlagen sind gedanklich sehr gut. meines erachtens aber hat kroatien noch nicht die reife , politisch und gedanklich diesen weg zu gehen. die menschen sind pessimisten und wurden schon oft enttäuscht. sie waren nie dabei wenn es kuchen gab aber wenn man die scherben wegräumen musste sehr oft. deutschland und österreich waren immer vorbilder und die sind nun mal in der eu. ich würde mich freuen, wenn einige politiker ihre anregungen aufnehmen würden. ein freund sagte mal: die eu wird uns nicht nur gutes bringen, aber die ordnung, die gesetzte und die rechtssicherheit sind es wert, das schlechte zu vergessen. und das denken viele!!!!

Gast: nostradamos
06.01.2008 22:21
0 0

machen sie mal den versuch

und werfen sie ihre angel vor italien ins meer und hoffen sie darauf, dass sie nicht ärger bekommen. jeder der mal in italien zu schnell gefahren ist weiss, wie pingelig und übertrieben die italienischen polizisten ihren geldbeutel leeren. auch sollte man nicht vergessen, dass slowenien aber auch italien einseitige schutzzonen im jahr 2005 ausgerufen hatten!

0 0

Re: machen sie mal den versuch

Erzählen Sie hier keine Märchen von Dingen die Sie nicht kenn: Vor Italien die Angel ins Meer zu werfen ist frei erlaubt. Allerdings wird kaum ein Fisch anbeissen, weil durch die Abwässer des Po die Population praktisch auf Null reduziert wurden. Die italienische Ignoranz gegenüber der Umwelt in Kroatien ausgleichen zu wollen – über den EU-Umweg ist eine Lösung die ihrer "Polizisten-Beschreibung" entspricht (die allerdings auch nicht betätigen kann).

Antworten Antworten Gast: nostradamos
09.01.2008 11:28
0 0

Re: Re: machen sie mal den versuch

wenn ich mit einer kleinen ironie angeln geschrieben habe dann nehmen sie das bitte nicht wörtich. was meine sie würde passieren wenn ein z.b. afrikanischer, kroatischer oder japanischer fischkutter dort einfach seine netze auswirft und zu fischen beginnt. gut, er würde nicht viel fangen und vermutlich im schlamm stecken bleiben aber glauben sie mir, die italienischen behörfen sind da gar nicht zimperlich!!!
1. geldstrafe, und zwar saftig
2. einreiseverbot nach italien, und somit in die gesamte EU dank schengenabkommen
3. beschlagnahmung der netze, des fanges und vermutlich des fischkutters...

Schlagzeilen Politik