09.02.2010 22:20 | Meine Presse Merkliste0

Sex-Outing: Der junge Mitterrand macht Ärger

08.10.2009 | 18:15 |  WELTMENSCHEN VON RUDOLF BALMER (Die Presse)

Sein eigenes Buch wird dem französischen Kulturminister Frédéric Mitterrand zum Verhängnis. Darin soll er Erlebnisse als homosexueller Sextourist schildern.

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Es sei ein „unauslöschbarer Schandfleck in der Regierung“, sagte Marine Le Pen, die Rechtsaußenpolitikerin und jüngste Tochter von Jean-Marie Le Pen, am Montagabend live in einer Fernsehtalkshow. Was sie damit erreichen wollte, hat sie jetzt: einen handfesten Skandal.

Aber der Reihe nach: Die Oppositionspolitikerin warf dem gerade erst ernannten Kulturminister Frédéric Mitterrand nämlich vor, er habe 2005 seine Erlebnisse als Sextourist mit Kinderprostituierten in Thailand in seinem autobiografisch gehaltenen Buch „La Mauvaise Vie“ („Das schlechte Leben“) erzählt. Den Einwand des Gesprächsleiters Yves Calvi, es handle sich da doch wohl bloß um literarische Fantasien des Autors, wollte Le Pen nicht gelten lassen. Zu genau seien die Schilderungen der Situation, aber auch der Gewissensbisse des damaligen Schriftstellers und heutigen Ministers, aus dessen Buch sie im Fernsehen auch zitierte: „Dieser Sklavenmarkt erregt mich enorm. Vom moralischen Standpunkt aus ist es ein widerliches Spektakel, mich aber erregt es über jede Vernunft hinaus. Dieses Angebot an attraktiven und sofort verfügbaren Knaben versetzt mich in einen Zustand des Begehrens, den ich weder zurückzuhalten noch zu verbergen brauche.“

Die übrigen Gesprächsteilnehmer im Fernsehstudio waren sichtlich peinlich berührt von dieser Enthüllung. Der ebenfalls anwesende Sprecher der Regierungspartei UMP, der sonst so schlagfertige Frédéric Lefebvre, meinte nur, er habe das fragliche Buch nicht gelesen und könne darum nichts dazu sagen. Im Internet aber macht seither die Videosequenz die Runde. Und auch der Sprecher der Sozialistischen Partei, Benoit Hamon, legte nach. „Während Frankreich mit Thailand den Kampf gegen das Übel des Sextourismus angeht, haben wir einen Minister, der erklärt, dass er selbst Kunde ist“, sagte Hamon.

Nach den Medienberichten wollte der Minister, ein Neffe des mittlerweile verstorbenen früheren Präsidenten François Mitterrand, zu den gravierenden Anschuldigungen und Rücktrittsforderungen bisher nicht Stellung nehmen. In der Zwischenzeit werden Literaturexperten zurate gezogen.

So meinte etwa der Literaturkritiker des „Nouvel Observateur“ es handle sich bei dem Buch und eine „halb reelle, halb geträumte Autobiografie“, in der sich Vergangenheit und Gegenwart vermischen würden. Nur am Rande verwies er darauf: „Wer meint, es handle sich um Prahlerei, sollte aufmerksam die sehr schöne Liebesszene mit einem Prostituierten von Phat Pong lesen, eine überraschend delikate Schilderung trotz der Präzision der Details.“ Mit ihrem sehr vehement vorgetragenen Vorwurf, Minister Mitterrand habe selber in Sachen Kinderprostitution und Sextourismus keine klare Haltung, unterstellt ihm Marine Le Pen, er sei in der Frage des wegen eines Sexualdelikts an einer Minderjährigen beschuldigten Polanski befangen.

Der 62-jährige Mitterrand, der bekennender Homosexueller ist, hatte vergangene Woche kurz nach Polanskis Verhaftung in einer ersten Reaktion erklärt, der französisch-polnische Regisseur sei in eine Falle geraten, und sprach von einem „Amerika, das Angst macht“. Später rückte er die Aussage zurecht und erklärte, er habe „zu emotional“ reagiert. Es ist also kein Zufall, dass das Buch Mitterrands nun ins Rampenlicht gerät.

AUF EINEN BLICK

Frédéric Mitterrand,geb. 21.8.1947, ist der Neffe des früheren franz. Staatspräsidenten François Mitterrand und seit 24. Juni Kulturminister im Kabinett von Nicholas Sarkozy.

Mitterrand ist bekennender Homosexueller und war Kinobesitzer, Schauspieler, Fernsehproduzent, zuletzt Direktor der Französischen Akademie in Rom.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2009)

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15 Kommentare
Gast: Bürger
09.10.2009 08:49
0 0

Sauerei

Man sieht sofort, wie wichtig es war, das Schutzalter für Homosexuelle, bzw. dazu verführte, herabzusetzen. Es ist zum Speiben.

Gast: orange
09.10.2009 00:37
1 2

Hut ab Mr. Mitterrand..

Frederic Mitterrand's Buch ist sein Leben wie er es sieht und lebt and lebte, Hut ab.. offen und ehrlich.. Er ist nicht in einen Auto betrunken gerast nach einen Aufenthalt in einer Homo Bar und dabei gestorben.. wie unser Haider..alles unter den Teppich..

steinstark
08.10.2009 14:24
2 0

falls im in frankreich nun probleme machen soll er nach österreich kommen,

mit dieser biografie ist er für den orf hochqualifiziert!

Antworten Gast: louis victor
08.10.2009 18:08
0 0

Re: falls im in frankreich nun probleme machen soll er nach österreich kommen,

Bitte um nähere Explikation.

4 0

Pufferzeit


Wir leben in einer Pufferzeit.

Die Dekadenz der Alt-68er hat den Horizont im Westen erreicht und lässt letzte rosalila Abendröte aufflackern, während am östlichen Firmament bereits die alles wieder in natürliche Ordnung bringende Isla misierung erste Lichtstrahlen zucken lässt.

Paco
08.10.2009 11:04
3 0

>Anlass ist sein Buch "La mauvaise vie" (Das schlechte Leben), in dem der Neffe des früheren Staatspräsidenten François Mitterrand bereits im Jahr 2005 von seiner Vorliebe für Homosexuellen-Bordelle in Südostasien erzählt hatte.<


Oh, ein zweiter Daniel Cohn-Bendit?

Antworten Gast: right
08.10.2009 14:02
2 0

Re: >Anlass ist sein Buch

... auch er wird nach brüssel weggelobt werden.

APFELSYS
08.10.2009 12:49
4 0

Re: >Anlass ist sein Buch

Der wird sicher Ehrengast beim nächsten Life-Ball.
Und der Alfons darf ihn in die Suite begleiten.

Gast: frage
08.10.2009 10:58
0 1

wo genau ...

... liegt das problem, solange sich alles in einem legalen rahmen bewegt? und von illegalen aktivitäten lese ich hier nichts.

Paco
08.10.2009 13:13
4 0

Re: wo genau ...

>>und von illegalen aktivitäten lese ich hier nichts.<<

Anderswo schon! Hier z.B.:

http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/ein_bumerang_fuer_den_kulturminister_1.3816515.html

[...] In diesem autobiografischen Werk schildert der 62jährige nicht nur die Entdeckung homosexueller Neigungen, sondern auch die entsprechenden Erlebnisse mit «jeunes garçons» im Fernen Osten. [...]

Ich glaube, so einen Typen nennt man einen Päderasten?

P.S.: Man stelle sich vor, der Haider hätte so ein "Buch" geschrieben ...

Aber wenn man Linker oder Grüner ist ...

Antworten Antworten Gast: Gustl
08.10.2009 14:26
0 0

Re: Re: wo genau ...

Wie kommen sie gerade auf Haider?

Antworten Antworten Antworten Gast: Ungustl
08.10.2009 20:18
0 0

Re: Re: Re: wo genau ...

Wie schon? Politiker und Homosexueller in Personalunion.

Antworten Antworten Gast: frage
08.10.2009 14:04
0 1

Re: Re: wo genau ...

in der NZZ wird ja auch nur um den heißen brei geredet, was bedeuten jeunes garcons im französischen umgangssprachlich (die wörtliche übersetzung kenne ich auch)? reden wir hier von pädo oder vom sextourismus?

die aufregung gg letztes verstehe ich nicht.

Gast: Kettenjohnny
08.10.2009 10:26
0 0

Das kann nur ein Franzose sagen

Frankreich what else?

regrat
08.10.2009 13:45
0 0

Re: Das kann nur ein Franzose sagen

what else sagt frankreich?
frankreich spricht englisch?
freiwillig?
mit wem?
helmut wöhrer fragt sich und den
ketten jonny (wher is the 'h' fragt franceman) auf deutsch