Spindelegger stoppt Geldlieferung an Syrien

06.08.2011 | 18:06 |  CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Seit 2009 hat die Oesterreichische Banknoten– und Sicherheitsdruck GmbH Syrien mit 600 Millionen Banknoten versorgt. Angesichts des brutalen Vorgehens gegen Demonstranten in Syrien ist damit ist nun Schluss.

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Wien. Österreich wird dem syrischen Regime bis auf Weiteres keine Banknoten mehr liefern. Das habe die Oesterreichische Banknoten– und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS) Vizekanzler Michael Spindelegger (VP) am Samstag angesichts des brutalen Vorgehens gegen Demonstranten in Syrien zugesichert, erklärte Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal gegenüber der „Presse am Sonntag“. Seit Beginn der Proteste haben syrische Sicherheitskräfte bis zu 2000 Menschen getötet.

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Die OeBS, eine Tochter der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), hat 2008 mit Syrien einen Vertrag über den Druck syrischer Lira abgeschlossen und seit 2009 600 Millionen Banknoten in verschiedenen Denominationen geliefert. Der letzte Transport erfolgte im Frühjahr dieses Jahres, als bereits auf syrische Demonstranten geschossen wurde.

Seither überlegt die Nationalbank eigenen Angaben zufolge, wie man mit der heiklen Situation umgehen soll. So richtig scharf scheint man jedoch erst darüber nachzudenken, seit der politische Druck wächst. Zuletzt hatte auch SPÖ-Finanzstaatsekretär Andreas Schieder die Banknotengeschäfte mit Syrien als bedenklich bezeichnet.

Nun erwägen die Notenbanker einen Ausstieg aus dem Vertrag. Der Vereinbarung zufolge hätte eine letzte Tranche frischer Banknoten, die übrigens auch in Österreich entworfen wurden, gegen Ende des Jahres nach Syrien überstellt werden sollen.

Deutscher Lieferant. Vertreter der syrischen Opposition haben behauptet, dass die Lieferung ursprünglich schon für Ende August geplant gewesen sei. Das bestreitet die Nationalbank. Österreich ist nicht das einzige Land, das Syrien mit Geld versorgt. Die in München ansässige Firma „Giesecke & Devrient“ druckt ebenso syrische Lira. Auch in Deutschland wächst deshalb das politische Unbehagen.

Dutzende Staaten lassen ihr Geld im Ausland herstellen. Libyen etwa ließ Dinar in Großbritannien drucken. Im Frühjahr wurde eine Schiffslieferung im Wert von 1,5 Milliarden Dollar, mit denen Gaddafi seine Kriegskasse füllen wollte, gerade noch abgefangen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2011)

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16 Kommentare

Nachdem er beim

türkischen Botschafter versagt hat, greift er jetzt mit brutaler österreichischer Härte durch. Wenn Assad davon nicht beeindruckt ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Das ist ein illegaler Vertragsbruch.

Abgesehen davon, dass man mit dem Lieferungsstopp nicht "das Regime" trifft, sondern die Menschen, die das Geld in der Hand haben und nun mit zerfledderten Scheinen bezahlen müssen, hat die österreichische Firma die Ware zu liefern, wenn der Druck bezahlt wurde. Nur weil mir an einer Regierung was nicht passt, darf ich nicht einfach einseitig Pflichten nicht erfüllen.

Gast: tsat
07.08.2011 09:08
2

Was wurde da gestoppt?

Lieferung ist ohnehin nicht jede Woche vorgesehen, also bis zum nächsten Mal!

Gast: g749+
07.08.2011 08:36
2

der sollte lieber auch mal in seine partei aufräumen



Fleischer Hermann Gruber ist das Lachen vergangenen. Grund sind die Probleme mit der prominenten Nachbarschaft.

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Der private Streit zwischen Finanzministerin Maria Fekter und einem Fleischhauer in Oberösterreich nimmt kein Ende

Gast: cosinusserl
07.08.2011 07:13
5

mein Gott.....

dann druckt die Banknoten halt wer anderer....
die Chinesen können das gut?

...und ich dachte es sind Sommerferien...


Gast: Hohe Wand
07.08.2011 02:06
0

...................hat 2008 mit Syrien einen Vertrag über den Druck syrischer Lira abgeschlossen und seit 2009 600 Millionen Banknoten in verschiedenen Denominationen geliefert............

.....aha, da hat er gar nix gsagt da Brunosekretär........liefert Österreich, auch Banknoten nach Nordkorea???
glauben tätis gleich!
http://www.kleinezeitung.at/allgemein/video/multimedia.do?action=showEntry_VideoDetail&id=49345&project=462

Gast: Adam1
06.08.2011 23:54
2

lächerlich

Kasperl = Spinatlecker
So einen Versager haben wir schon lange nicht mehr gehabt

Gast: Brennstein
06.08.2011 23:06
3

Was für ein T...el

Ist der wirklich so dämlich oder steuert den wer??

Re: Was für ein T...el

"SPÖ-Finanzstaatsekretär Andreas Schieder".... steht eh im Artikel!

Antworten Gast: Gast.Gast
07.08.2011 02:02
1

Re: Was für ein T...el

Unglaublich, Spindelegger ist offensichtlich die UNO himself. Hat er sich auch gefragt, warum immer Staaten aufs Korn genommen werden, die sich aus der Dollarbindung verabschieden möchten.

Gast: Brennstein
06.08.2011 23:05
2

Was für ein T...el

Ist der wirklich so dämlich oder steuert den wer??

Langsam samma

Erst jetzt? Was hat das Aussenministerium die ganze Zeit gemacht - nur zugeschaut!

Re: Langsam samma

Wahrscheinlich hat er auf das Sommerloch gewartet und dass es in Libyen wieder etwas ruhiger wird, damit er es in die Nachrichten schafft.
Bezüglich dieser beiden Länder wird ja gelogen, dass sich die Balken biegen. Wahrscheinlich wollen die Syrer das bedruckte Papier nicht mehr, weil sie jetzt auf den Gold-Dinar oder Bitcoins umsteigen, und der Spindelegger tut jetzt so, als würden sie aus politischer Anständigkeit den Syrern kein Geld geben. In Wirklichkeit sitzt die österreichische Gelddruckeri auf ein paar LKWs voll nunmehr ungültigen alten syrischen Geldscheinen.

Gast: herbst9
06.08.2011 21:48
3

... hatte auch SPÖ-Finanzstaatsekretär Andreas Schieder die Banknotengeschäfte mit Syrien als bedenklich bezeichnet.


Jetzt auf einmal kriegt er kalte Füß', der Schieder. Und hat Bedenken. Über eine ausgelagerte Dienstleistung, die von der OeBS schon seit Jahren erbracht wurde.

Dann haben wir noch einen Wichtigtuer, den Spindelegger. Der glaubt, sich jetzt in innere Angelegenheiten eines anderen Landes einmischen zu müssen.

Zuerst machen wir mit den "Schurkenstaaten" Geschäfte und dann - wenns opportun wird - drehen wir uns, wie die Fahne im Wind.

Gast: g749+
06.08.2011 19:58
1

unglaublich der mut dieses mannes

der hat kanzlerqualität

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