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Wettlauf um Libyens Öl

23.08.2011 | 18:20 |  von Michael Laczynski, Matthias Auer, Julia Kastein, Kordula Doerfler, Rudolf Balmer (Die Presse)

Im Windschatten der Offensive in Tripolis planen internationale Unternehmen für den Tag danach. Österreichische Firmen haben schon Kontakte zu den Rebellen geknüpft.

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Wien/Paris/London/Rom. Nicht nur militärisch ist der Kampf um Libyen in die entscheidende Phase getreten: Während Rebellen in Tripolis in die Festung des Gaddafi-Clans vordrangen und auch Sirte, die Heimatstadt des Diktators, ins Visier nahmen, rücken anderswo die wirtschaftlichen Aspekte des bevorstehenden Machtwechsels in den Vordergrund. China sah sich am Dienstag dazu veranlasst, den Schutz seiner Investitionen in dem umkämpften Land zu fordern. Man hoffe, dass Libyen nach einer Rückkehr zur Stabilität die Rechte der chinesischen Investoren respektieren werde, hieß es.

Die Claims werden abgesteckt

Im Windschatten der Rebellenoffensive bringen sich internationale Unternehmen bereits in Stellung, um nach dem Ende der Kampfhandlungen ihre Claims abzustecken. Zwar hat der Übergangsrat der Rebellen Rechtssicherheit zugesagt – an bestehenden Verträgen soll also nicht gerüttelt werden. Allerdings hat ein Rebellenführer bereits angedroht, chinesische Firmen für die Untätigkeit ihrer Regierung zu bestrafen. Gemeinsam mit Russland und Deutschland hatte China im UNO-Sicherheitsrat nicht zugestimmt, als es um die Autorisierung der Luftangriffe gegen Gaddafi-Truppen ging. Und Chinas Machthaber fürchten offenbar, dass diese Politik zum Stolperstein für jene chinesischen Unternehmen werden könnte, die in Libyen Aufträge an Land gezogen haben.

Ob die Rebellen Verträge annullieren, ist nicht klar. „Aber auch wenn es nicht dazu kommt, könnten Chinesen und Russen bei der Vergabe neuer Aufträge Probleme bekommen“, sagt David Bachmann, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Libyen, der die Lage momentan aus der Wiener WKÖ-Zentrale verfolgt.

Was deutsche Firmen anbelangt, ist Bachmann zuversichtlich, dass Deutschlands Stimmverhalten bei der UNO keine negativen Folgen haben werde: „Kanzlerin Angela Merkel hat das ziemlich gut ausgebügelt.“ Folglich herrscht auch in der Zentrale des deutschen Ölkonzerns Wintershall Gelassenheit. „Wir sind seit 1958 im Land und beschäftigen über 300 lokale Mitarbeiter“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Leunig. Darauf komme es letztlich an.

(c) DiePresse

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Vertragsvolumen: Zwei Mrd. Euro

Für Österreich geht es vordergründig um ein Vertragsvolumen von rund zwei Mrd. Euro – Projekte, die bereits angelaufen sind bzw. schon unterzeichnet wurden. Die großen österreichischen Player in Libyen sind der Ölkonzern OMV, der Zementproduzent Asamer, der Krankenhausversorger Vamed und das Bauunternehmen Strabag.

Die genannten Firmen halten seit Monaten ihre Fühler im von den Rebellen kontrollierten Osten des Landes ausgestreckt und haben Hilfsgüter an Gaddafis Widersacher geliefert. Nun warten sie ab, bis sich der Pulverdampf verzogen hat. Derzeit sei es „verfrüht“, über eine Rückkehr nachzudenken, sagt OMV-Sprecher Sven Pusswald.

Während die von den Rebellen kontrollierte Arabian Gulf Oil Company hofft, dass erste Ölfelder binnen weniger Wochen wieder in Betrieb gehen werden, rechnet OMV damit, dass „Monate vergehen werden, bis die Produktion wieder anläuft“. Derzeit wisse man nicht einmal, wie stark Exportleitungen und Verladehäfen beschädigt wurden. Vor dem Bürgerkrieg förderten die Österreicher in Libyen 33.000 Fass Rohöl am Tag, ein Zehntel der gesamten Produktion.

Auch Strabag und Asamer warten geduldig darauf, am Wiederaufbau des Landes mitarbeiten zu dürfen. Mit wem die heimischen Firmen ihre Geschäfte letztlich machen werden, ist offen. Die OMV knüpft in jedem Fall schon einmal Kontakte zu den Rebellenführern. Als Anfang Juni die libysche Übergangsregierung Außenminister Michael Spindelegger in Wien besuchte, war auch die OMV-Spitze dabei. In den Startlöchern scharren neben der OMV auch andere europäische Ölkonzerne – schließlich gingen vor Kriegsbeginn fast 90 Prozent der libyschen Ölexporte nach Europa. Größter Abnehmer war die italienische Eni. Italiens Außenminister Franco Frattini möchte nun den Freundschaftsvertrag reaktivieren, der 2008 mit Gaddafi abgeschlossen worden war. Für den heutigen Mittwoch ist ein Treffen zwischen Premier Silvio Berlusconi und Mahmoud Jibril vom Übergangsrat anberaumt.

In der Eni-Zentrale will man die politische Charmeoffensive nicht kommentieren. Eine rasche Wiedereröffnung der Förderanlagen sei nicht geplant. Ähnlich zugeknöpft gibt sich Sheila Williams, die Sprecherin des britischen Ölriesen BP. Man wolle die Lage nicht kommentieren und stehe auch nicht in Kontakt mit den Rebellen. Und überhaupt: „Solange Sanktionen der britischen Regierung gegen Libyen aufrecht sind, können wir sowieso nichts unternehmen.“ Und in Frankreich verfolgt der Konzern Total „aufmerksam die Situation“.

An der Pariser Börse gilt Total neben Konkurrent GdF-Suez als Hauptprofiteur eines Machtwechsels. Wohl zu Recht, wie David Bachmann meint: „Den Franzosen wird ihr Engagement bei den Luftangriffen sicher nicht schaden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2011)

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8 Kommentare
A.F.
24.08.2011 14:41
0 0

Und auf Halliburton

und die anderen Amerikaner werden wir auch nicht lange warten müssen...

Antworten Gast: nestbeschmutzer
24.08.2011 17:24
0 0

Re: Und auf Halliburton

Sie können annehmen, das Halliburton schon längst alle Neuen Politiker gekauft hat und alle Mitbewerber chancenlos sind. Würd mich sehr wundern, wenn andere da auch zum Zug kommen; deshalb hat mandiese ganze Show doch abgezogen, oder?

dudelsack
24.08.2011 10:18
0 0

harharhar

ich hoffe einmal dass sich das für meine bp und total aktien auszahlen wird.

diese unternehmen werden hofentlich ordentliche aufträge an land ziehen, die rebellen werden sich bei frankreich und großbritanien ordentlich bedanken

Gast: Analyst
24.08.2011 07:40
1 0

Ihr Ziel erreicht ...

.... haben jetzt die westlichen Kapitaldiktaturen. Gadaffi gestürzt, die Ölfelder im Griff der Freunde des CIA, die über Jahre hindurch gegen Gadaffi aufgebaut wurden, die Chinesen und Russen ausgebremst, .. nun kann der Gewinn wieder sprudeln. Und Libyen, das bislang ein ziemlich sozialer Staat war, das bisher kein Defizit hatte, wird schnell umgekrempelt - das ist sicher! Der Westen und seine marode Wirtschaft kann durchatmen, jetzt gibts wieder Arbeit und Gewinne um die überdimensionierten Militärausgaben zu finanzieren. Und dann muß man sich fragen, wer das nächste Opfer sein wird.

Gast: GastU
23.08.2011 21:17
2 0

Der Raub geht unvermindert weiter!

Seit über 1000 Jahre wird geplündert. Nur die Geschichte anschauen. Begonnen hat mit den ersten Kreuzzügen, es hat sich nur der Vorwand geändert sonst nichts anderes. Traurig und erschreckend. Sorry!

Gast: godsmack
23.08.2011 19:44
0 0

Die Katastrophe des militärischen Keynesianismus Warum die USA wirklich zugrunde gehen

http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=359

Gast: godsmack
23.08.2011 19:30
1 0


Gast: Pipefitter
23.08.2011 19:19
0 0

Asl wichtige bilaterale Einrichtung wäre die Lösung der Asylantenfrage..

aus Afrika nunmehr in gemeinsamer Sichtweise.
Denn die vielen arbeitsfeudigen jungen Afrikaner
sind im menschenleeren Libyen besser aufhgehoben als in EUropa. In Lampedusa.
Zum Beispiel sind die brachliegenden landwirtschaftlichen Flächen im Süden Bengazis
eine lybische Notwendigkeit für die Nahrungsmittelproduktion und dort wäre für afrikanische Leute genügend Platz und Arbeit.
Als gemeinsames Projekt zwischen der EU und Libyen eine realisierbare Sache.