Der „König der Könige“ und seine Freunde in Afrika

06.09.2011 | 18:27 |   (Die Presse)

Gaddafi unterstützte mit Ölgeldern Machthaber auf dem ganzen Kontinent und ließ etwa in Ugandas Hauptstadt eine gewaltige Moschee erbauen. Er träumte von den Vereinigten Staaten von Afrika.

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Wien/Tripolis/Red. Er träumte von den Vereinigten Staaten von Afrika mit gemeinsamer Währung, Regierung und Armee. Sie sollten auch Bollwerk gegen Amerikaner und Europäer sein, um der Ausbeutung des Kontinents Einhalt zu gebieten. Und die tragende Rolle in diesem Konstrukt schrieb Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi natürlich sich selbst zu. Von Vertretern verschiedenster Clans ließ er sich 2008 in Bengasi als Afrikas „König der Könige“ feiern.

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Und Gaddafi gerierte sich auch immer wieder wie ein – wohlwollender – Monarch. Mit Erlösen aus Libyens Ölindustrie finanzierte er Projekte in mehreren afrikanischen Ländern, ließ etwa in Ugandas Hauptstadt Kampala eine gewaltige Moschee erbauen. Doch Libyen investierte auf dem Kontinent auch in Banken, Fremdenverkehr und den Bau von Pipelines.

Zudem griff Gaddafi afrikanischen Staatschefs unter die Arme, meist solchen, die im Westen nicht gut angeschrieben waren wie etwa Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe. Das führte zuletzt zu Spekulationen, Gaddafi könnte sich nach Simbabwe absetzen.

Neben Burkina Faso wurde auch der Tschad immer wieder als möglicher Fluchtort des gestürzten libyschen Diktators genannt, denn Gaddafi pflegte gute Beziehungen zu Tschads Machthaber Idriss Déby. Zugleich ist Déby aber Verbündeter der Franzosen, die im Tschad Militärstützpunkte unterhalten. Auch von Gaddafi hatte Déby einst militärische Hilfe erhalten, so wie eine Reihe von Milizen in ganz Afrika. Libyens Diktator unterstützte auch Autonomiebestrebungen der Tuareg-Stämme in seinen Nachbarländern. Daraus speisen sich Vermutungen, Mitglieder des Regimes könnten bei den Tuareg Unterschlupf finden.

In Gaddafis Libyen hatten tausende afrikanische Gastarbeiter Jobs gefunden. Zugleich machten sich von Libyens Küste unzählige illegale Migranten Richtung Europa auf. Und der „König der Könige“ benutzte ihr Schicksal, um auf die Europäer Druck auszuüben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2011)

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3 Kommentare

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In dieser Uniform könnte Gaddafi in Österreich um politisches Asyl ansuchen und als Portier im Hotel Imperial anheuern!

Gast: Luzifer
08.09.2011 14:19
0

Und dabei habe ich geglaubt,

Gaddafi habe die ganzen Einnahmen aus dem Ölgeschäft für sich verbraucht ....
Jetzt haben die Franzosen wenigstens auch etwa davon. Denen fehlte zu ihrer "Größe" immer schon ganz N-Afrika!

Gast: julius lieske
08.09.2011 13:19
1

Wahre Kriegsgründe.

Nach all dem Unsinn mit der "Zivilisten-Verteidigung", kommt nun doch nach und nach das Mosaik der wahren Kriegsgründe zum Vorschein: Nicht allein irgendwelche Öl- und Wasser-Reichtümer, sondern das Konzept eines einigen Afrikas, welches sich aus eigener Kraft und mit den eigenen Rohstoffen vom Diktat der Industrieländer befreit und sich entwickelt, sind die Gründe für diesen Angriff gewesen. Eine unabhängige Währung, ein gemeinsamer Markt, gegenseitige Hilfe und der Kampf gegen die Ausbeutung der Rohstoffe durch andere - das reicht als Kriegsgrund allemal.
Und der Quatsch vom König der Könige und ähnliche Folklorevorwürfe sollen davon nur ablenken. Auch ein Gaddafi ist, mit seinen 69 Jahren, nicht mehr der jüngste und wird kaum irgendwelche Führungsansprüche stellen.

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