Hundstorfer: "Frauen zum Zivildienst brächte Lohndumping"

21.01.2013 | 18:15 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

SPÖ-Sozialminister Rudolf Hundstorfer lehnt den ÖVP-Vorstoß zur Ausweitung des Wehrersatzdienstes ab. Auch sollte der Zivildienst nicht von neun auf sechs Monate verkürzt werden.

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Wien. Er hat im Vorfeld der Volksbefragung das freiwillige Sozialjahr als Alternative zum Zivildienst beworben. Nach dem Votum der Österreicher für ein Festhalten an Wehrpflicht und Zivildienst gibt es für Sozialminister Rudolf Hundstorfer keinen Bedarf für Neuerungen beim Wehrersatzdienst. Was sich ändern müsse? „Gar nichts“, antwortet Hundstorfer im Gespräch mit der „Presse“. „Was soll sich ändern? Ich kann ja das Ergebnis auch so interpretieren, dass die Leute mit dem Zivildienst zufrieden sind. Punkt.“

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Verkürzung? „Wünsche viel Vergnügen“

Der SPÖ-Ressortchef stellt jedoch klar, was für ihn keinesfalls infrage kommt. So hält er eine Verkürzung des Zivildienstes, der neun Monate dauert, auf sechs Monate, wie beim Präsenzdienst, für unrealistisch. Zu solchen Forderungen sagt Hundstorfer offen: „Da wünsche ich schon jetzt viel Vergnügen.“ Die Rettungsorganisationen seien dann die Ersten, die dagegen auftreten würden.

Entschieden lehnt der Sozial- und Arbeitsminister eine Ausweitung ab, indem auch Frauen freiwillig Zivildienst machen. Am Sonntag hat Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) eine Öffnung für Frauen auf freiwilliger Basis vorgeschlagen. Ob das für ihn ein gangbarer Weg sei? „Nein, sicher nicht“, betont Hundstorfer. Denn damit bringe man „noch eine Gruppe ins Lohndumping, da stehe ich nicht zur Verfügung“.

Männer und Frauen könnten schon jetzt ein freiwilliges Sozialjahr absolvieren, wobei es allerdings nur eine geringe finanzielle Entschädigung gibt. Daher würden dies derzeit nur 400 Österreicher pro Jahr nützen, „das hat einen ökonomischen Hintergrund“.

 

„Das ist ein Kaschieren der Lage“

Bei einer Ausweitung, dass Frauen freiwillig Zivildienst machen können, würden sie wie die Burschen nur rund 600 Euro im Monat erhalten. Bei der Masse der Zivildiener sei es sogar deutlich weniger, weil für jene, die Essen erhalten, das Verpflegungsgeld wegfällt. Der Sozialminister sieht durch den ÖVP-Vorstoß zur Öffnung des Zivildienstes für Frauen seine Warnungen bestätigt, dass bis 2030 aufgrund des Geburtenrückgangs Burschen fehlen werden. Der ÖVP-Plan sei daher „nichts anderes als ein Kaschieren der Lage“, um die geringere Zahl auszugleichen.

Für Hundstorfer ist jetzt der Koalitionspartner ÖVP gefordert, andere Alternativen zu präsentieren. Er formuliert das so: Da müssten „all jene, die meinen, das jetzige System ist das glückseligmachende, der Bevölkerung Rede und Antwort stehen“. Nachsatz: „Das ist keine trotzige Antwort, damit wir uns nicht missverstehen.“ Aber den demografischen Wandel bis 2030 könne man „nicht wegdiskutieren oder schönreden“. Die Konsequenz steht für ihn fest: „Entweder es fehlen die Präsenzdiener oder die Zivildiener.“ So würden sich zum Beispiel in Wien schon jetzt 55 Prozent eines Jahrgangs für den Zivildienst entscheiden.

Beim Bundesheer müsse es Änderungen bei den Inhalten der Ausbildung geben. Vonseiten der Koalition halte er es aber für „realistisch“, dass es bis zum Herbst eine Wehrdienstreform gebe. Noch wenig aussagekräftig sind die Antworten Rudolf Hundstorfers auf die Frage, was denn tatsächlich ausschlaggebend gewesen sei für die geringe Zustimmung der Bevölkerung zum SPÖ-Plan für ein Berufsheer. „Da gibt es keine Patentantwort. Da gibt es viele Faktoren“, erklärt der Sozialminister: „Es hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der Österreicher eine Beibehaltung der Wehrpflicht will.“

 

„SPÖ ist bei der Wahl anders aufgestellt“

Welche Konsequenzen die SPÖ jetzt aus der Volksbefragungsschlappe am Sonntag für die heurigen Wahlen ziehe? Die SPÖ habe Stunden nach der Volksbefragung „kein Patentrezept“, erläutert Minister Hundstorfer. Zugleich versichert der SPÖ-Politiker: „Es wird natürlich einen Nachdenkprozess geben müssen.“ Bei der Heeresfrage habe in der SPÖ keine Geschlossenheit geherrscht: „Sie dürfen aber voraussetzen, dass wir bei einer Nationalratswahl anders aufgestellt auftreten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2013)

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11 Kommentare

Zivildienst = Hölle

Es ist wirklich unglaublich wie Arrogant die Wehr und Zivildienstbefürworter sein können. Niemand scheint auch nur ansatzweise zu wissen wie Zivildienst wirklich aussieht.

Die meisten "Hilfs"organisationen sind keineswegs so selbstlos, wie es sich so mancher vorstellt.

Die wenig wirklich wohltätigen Tätigkeiten sind nichts weiter als Imageplege. (der Organisation und dessen politisch Schwarzen Führung) Man stellt vielleicht einigen behinderten oder alten Menschen einen Raum zur Verfügung und verteilt Spenden, die wirklich wohltätige Menschen (meist aber nur Lebensmittelgeschäfte, die schlicht keine Verwendung für alte Waren haben) hergaben. Auf der anderen Seite verkauft man aber auch Orthopediebedarf, Kinder, Alten und Behindertenbetreung zum doppelten Preis.

Und vor allem nutzt man die Privilegien die man als "Hilfs"organisation erhält schamlos aus.

Als Zivildiener arbeitete ich immer wieder 60 Stunden die Woche für nur 280€ pro Monat (und eine Mahlzeit). Einen freien Tag bekam ich nicht selten erst nach zweiten Wochen. Essen auf Räder auszuliefern war lebensgefährlich. Die alten Leute leben oft am Arsch der Welt. So fährt man völlig erschöpft über schmale Bergwege.
Ich dachte einige Male daran einfach das Steuer loszulassen, aufzugeben...

Die zuständigen Behörden sind auch ziemlich fähig. Sie klopfen der "Hilfs"organisation auf die Finger, so dass sie zwei Wochen warten, bis sie unmenschlichen Behandlung fortfahren.

So wird Gutmütigkeit belohnt ... Aber dass scheint Österreich ja egal zu sein.

unlogisch und unkonsequent

frauen als zivi = lohndumping
männer als zivi = bürgerpflicht

versteht das einer?

mich interessiert folgendes: das rote kreuz bekommt angeblich 600,-/Zivi vom Staat. der bekommt aber viel weniger Lohn von eben diesen Organisationen.
1.) wo bleibt die Differenz?
2.) muß das mal klar ausgesprochen werden: zivi-einsatz ist betrug an unseren SVA-versicherungsanstalten. diese zahlen nämlich volle Leistung für ein personal das sogar auch noch staatlich subventioniert wird !!
versteht das wer? und wir werden hier 2mal zur kassa gebeten. diese angebliche system kommt also sauteuer, da es nicht mal transparent ist

lohndumping oder hohndumping?

ist amateurfussball lohndumping? ist ein freiwilliger rettungsdienst lohndumping? aber herr hundsdorfer!

Mannohmann

Jedesmal wenn der den Muund aufmacht kommt Müll heraus!

„Sie dürfen aber voraussetzen, dass wir bei einer Nationalratswahl anders aufgestellt auftreten.“

Heißt..man wird die Meinung halt wieder einmal ändern.

Ist doch egal, was ihr von euch gebt-glaubt euch doch eh keiner mehr!!

Warum Lohndumping?

Warum Zivildienst für Frauen ein Lohndumping bringt soll mir einmal jemand erklären! Bis jetzt habe ich Herrn Hundstorfer noch zu den besseren Ministern gehalten (all zu viel gibt es davon ja nicht ) , aber der Vergleich ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen.
Ich war am Sonntag bei der Abstimmung, wählte aber ungültig, da meiner Meinung nach weder die vorhandene Struktur noch das Berufsheer meine Zustimmung findet.
Die Kosten für Berufsheer und Ausfall des Zivildienstes sind erheblich und eines darf nicht vergessen werden. Ein Berufsheer kann auch leichter gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden.
Meiner Meinung nach sollte eine Militär oder Sozialdienst für alle jungen Menschen in länge von 6Monaten verpflichtend sein. Dabei meine ich natürlich auch Frauen. Ich teile sicher nicht oft die Meinung mit Frau Glawischnig, aber recht hat sie mit der länge des Zivildienstes. Es ist nicht einsichtig, warum der Zivildienst 3 Monate länger dauern muss!

Re: Warum Lohndumping?

ein berufsheer kann genauso wie die (berufs)polizei gegen die eigene bevölkerung eingesetzt werden. das als angst im hinterkopf zu haben ist paranoid.

Re: Re: Warum Lohndumping?

Wie sie richtig erkannt haben kann ein Berufsheer zusätzlich wie die Polizei gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden. Außerdem war meine Formulierung „leichter“ und das bedeutet nicht, dass ich paranoid bin, denn die Geschichte (auch die jüngste) legt oft Zeugnis davon ab. Ich habe auch nicht behauptet, ein derartiges Szenario ist in Österreich, zur Zeit, zu befürchten. Trotzdem sollte vor der Einführung eines Berufsheeres auch an diese Fakten gedacht werden.

Da müssten „all jene, die meinen, das jetzige System ist das glückseligmachende, der Bevölkerung Rede und Antwort stehen“.

Naja den Auftrag haben sie ja jetzt. Oder war die Befragung eh nur ein Witz, damit die Leut am Sonntag a bißl spazierengehen?

Hundstorfer: "Frauen zum Zivildienst brächte Lohndumping"

noch mehr?

Das ist ja dann "Sex-Dumping" - meine Frau war beim Heer/Zivi und die 9 Monate + Schutzzeiten verfallen....

Grandios wie man wertloses mit noch wertloserem verbindet

Frauen beim Zivildienst bringt Lohndumping

Frauen in normalen Beschäftigungsverhältnissen ist aber UR super, weil der Sozialist damit die Familie zerstören kann, um den neuen Menschen in roten Erziehungseinrichtungen mit seinem Weltbild zu verseuchen. Wie mir vor dieser Ideologie graust!

na dann

wo bleibt die Wehrpflicht für Frauen, die Rosinenpickerei muss ein Ende haben.

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