19.06.2013 18:47 Merkliste 0

Nationalismus: Europas Separatisten im Aufwind

19.10.2012 | 18:29 |  SUSANNA BASTAROLI (Die Presse)

In Spanien, Großbritannien oder Belgien streben Regionen in der Krise immer mehr nach Unabhängigkeit. Sie wollen ihren Reichtum nicht mehr teilen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Die Wirtschaftskrise reißt alte Wunden innerhalb der EU-Länder wieder auf: Immer mehr – überwiegend wohlhabende – Regionen streben nach kompletter oder teilweiser Unabhängigkeit von ihren krisengebeutelten Staaten. Zwar haben die einzelnen Separatistenparteien sehr unterschiedliche Geschichten und politische Ausrichtung, doch ihre Versprechen ähneln einander: Neben Selbstbestimmung basierend auf regionaler und sprachlicher Identität geloben sie mehr Wohlstand durch Selbstverwaltung.

So werden vermutlich bei den baskischen Regionalwahlen am Sonntag die Nationalisten mit ihrer Forderung nach mehr Wirtschaftsautonomie die regierenden Sozialisten ablösen. Ebenso wie Basken haben auch Katalanen, Flamen, Schotten oder Südtiroler das Gefühl, zu viel nach Madrid, Brüssel, London oder Rom zu zahlen und zu wenig dafür zurückzubekommen. Mit Parolen wie „Die Flamen haben es satt, wie Milchkühe gemolken zu werden“ gelang dem flämischen Separatistenchef Bart de Wever ein Erdrutschsieg bei Wahlen in Belgien.

Vieles spricht dagegen, dass die Bildung neuer Staaten ins Wirtschaftsparadies führt: Der katalanische Unternehmerverband warnt, dass bei einer Sezession größere Firmen abziehen könnten – aus Angst vor einer Isolierung Kataloniens. Flämische Nationalisten wiederum übersehen gern, dass sie im Fall einer Spaltung einen Großteil der belgischen Staatsschulden erben würden.

 

Der Trend zur Kirchturmpolitik

Es sind irrationale Gründe, die Separatisten Aufwind geben. In der Krise machen sie Hoffnung auf einen radikalen Neustart. Kirchturmpolitik – die Glorifizierung des Provinziellen – vermittelt zudem das Gefühl von Sicherheit.

Paradoxerweise befürworten Nationalisten eine starke EU – freilich mit mächtigen Regionen. Separatisten in Schottland, Flandern und Katalonien könnten sich vorstellen, ihre Außen- und Verteidigungspolitik Brüssel zu überlassen. Schottische Nationalisten wünschen sich sogar den Euro.

Im Überblick:

  • Basken: Baskische Rezepte gegen Krise

Die gemäßigten baskischen Nationalisten (PNV) werden laut Umfragen das autonome Baskenland ab Sonntag wieder regieren. Geschickt verspricht PNV-Kandidat Inigo Urkullu, mit „baskischen Lösungen“ den Weg aus der Wirtschaftskrise zu finden: Er fordert mehr Wirtschaftsautonomie für die wohlhabende Region, ab 2015 will er über eine Abspaltung von Spanien abstimmen lassen. Fast 50Jahre lang hat die Terrorgruppe ETA für Unabhängigkeit gekämpft: Bei etwa 4000 Anschlägen starben mehr als 830 Menschen.

  • Katalanen: Mehrheit will eigenen Staat

74 Prozent der Katalanen sind laut jüngsten Umfragen für die Bildung eines eigenen Staates– und darüber will der katalanische Ministerpräsident Artur Más seine Landsleute noch heuer abstimmen lassen. Geschickt macht der Nationalisten-Chef die Zentralregierung für die Wirtschaftsmisere verantwortlich, die auch die reichste Region des Landes plagt. Die Katalanen kämpfen seit Jahrzehnten für mehr Autonomie und haben bereits viel erreicht: So ist Katalanisch, neben Spanisch, als offizielle Sprache anerkannt.

  • Flamen: Loslösung vom armen Süden

Die flämisch-nationalistische Partei N-VA ist die stärkste Kraft im flämischen Norden Belgiens. Die Nationalisten fordern die Loslösung des wirtschaftlich starken Nordens von der ökonomisch schwachen – frankofonen – Wallonie im Süden. „Die Wallonen kosten jeden Flamen 900 Euro im Jahr“, lautet ihre populistische Parole. Von der Brüsseler Zentralregierung fordert die Flamenpartei nun unter ihrem Chef Bart De Wever, dass sie Belgien „umgehend“ in eine Konföderation umwandle.

  • Schotten: Abstimmung über Unabhängigkeit

Die Schotten werden im Herbst 2014 über ihre Unabhängigkeit abstimmen – das Referendum ist Ergebnis der Regionalwahl 2011, bei der die Schottische Nationalpartei (SNP) die Mehrheit errungen hat. Laut Umfragen will sich derzeit allerdings nur eine Minderheit von London trennen. Stimmung für die Abspaltung macht die SNP mit dem Argument, dass Milliardeneinnahmen aus der Verarbeitung des Nordsee-Öls nach London fließen würden. Und sie verspricht, dass die Schotten den Euro einführen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

200 Kommentare
 
12 3 4 5
Gast: Gast thodoplos
21.10.2012 21:19
0 0

Europas Separatisten im Aufwind..

– Wallonie im Süden. „Die Wallonen kosten jeden Flamen 900 Euro im Jahr“, lautet ihre populistische Parole........ Uns Türken kosten die Kurden 2.000 pro jahr.. Wir behalten liebe..

1 0

Furchtbar schlechter Text

Engagiert die Presse jetzt Journalistinen auf KKP-Niveau?

1. Nationalisten?!
Ist ein bayrischer Separatist etwa ein Nationalist?
In Ö werden Nationalisten als deutschnational assoiziert, was wohl richtig ist. In Spanien sind konservative Einheitsfanatiker als Nationalisten anerkannt und nicht etwa Katalanen.
Meine Güte!

2. zitat: "Vieles spricht dagegen," Aha

"...dass die Bildung neuer Staaten ins Wirtschaftsparadies führt: Der katalanische Unternehmerverband warnt, dass bei einer Sezession größere Firmen abziehen"

Na was da nicht alles dagegenspricht. Kämmerer-Privilegienhanseln mit absurdesten Pseudoargumenten gibt es nicht nur in Österreich. Da ziehen sicher gaaanz viele Unternehmen ab, wenn man flexibler regieren und reagieren kann (bsp. Steuern)


3. zitat "Der Trend zur Kirchturmpolitik" aha. und weiter: "In der Krise machen sie Hoffnung auf einen radikalen Neustart. Kirchturmpolitik – die Glorifizierung des Provinziellen – vermittelt zudem das Gefühl von Sicherheit."

Zum Glück haben wir fundamentalistische Molochanbeter, die alles dem Levitian in Brüssel überlassen wollen. Welch progressive Vordenker wir da doch haben.

4. "Es sind irrationale Gründe, die Separatisten Aufwind geben."

Gibt es im nächsten Artikel (oder wie man das nennt) auch Argumente? Wie z.b too big to... :P

Im Übrigen sind Schweiz, Österreich, Dänemark, Finnland etc. ja alles sehr irrationale Gründe.

ps. Small is beatuiful :)

8 1

Freie Selbstbestimmung für die Völker!

Erst wenn jedes Volk in seinem eigenen Staat nach deren Völkerrechtlichen Grenzen leben kann wird Friede herrschen.

Pfff...

Angenommen wir lassen uns auf Deine Gedankenspielerei ein. Dann würd mich interessieren, wie Du mit Sprachminderheiten umgehst?
Jeder burgenlandkroatischen Exklave ihren eigenen Staat?
Oder diese Teile Kroatien zuordnen?
Oder wiedermal ethnische Säuberungen?

Wahrscheinlich letzteres - und wenn dann die 'anderen' unter der Erde sind, dann herrscht Frieden?

Antworten Antworten Gast: Hunter
21.10.2012 09:03
4 1

Re: Pfff...

Schön warm anziehen Gutmensch.
Der Winter wird eisig.

Re: Re: Pfff...

Dich hat wohl das Wort 'Gedankenspielerei' überfordert.

das römische Reich

ist zerfallen, der Habsburger Völkerkerker wurde zerschlagen, ebenso Napoleons und Hitlers Imperien. Die UDSSR ist verfault und das Britische Empire ist nur noch Kulisse. Die USA kann nur noch durch strenge Überwachung und großem Polizeiaufgebot stabil gehalten werden.

Auch die EU-Finanzdiktatur wird diesen Weg gehen.

... und bis das Vielvölkerland Niederösterreich ...

... in seine vier Ursprungsregionen zerrissen wird, ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Die Zukunft muß heißen: jedem Individuum seinen eigenen Staat.

Antworten Gast: MGM
20.10.2012 21:10
0 4

Re: das römische Reich

Aber klar doch. Wer so wie du nur in der Vergangenheit lebt und daher mit der Vergangenheit argumentiert, für den muss ja alles negativ sein.
Schon mal behirnt, dass Fortschritt nur duchr Veränderung, durch mutige, divergente Politik und Wissenschaft die Menscheit weiter gebracht hat und nicht ewige Nabelguckerei und Hang zum Ewiggestirgen?

Re: Re: das römische Reich

Wenn ich Fortschritt schon hör,
Immer Fortschritt - wohin willst denn "Schreiten" ?

Wieweit soll der gehen?

Ist ja so, daß man sieht, daß oftmals das "Alte" doch besser war (ist)

10 1

Sonderbare Überschrift

Die Überschrift suggeriert, dass Separatisten die Nationalisten wären. Im Artikel steht dann, dass die Nationalisten die großen EU-Befürworter wären. Ich denke, der Begriff wird einfach falsch verwendet. Jene, die für die Souveränität der Nationalstaaten eintreten wollen doch das genaue Gegenteil einer EU. Ich stelle fest, dass der Begriff "Nationalisten" durch "Separatisten" ausgewechselt wurde. Vom Reichsamt für Volkserziehung und Propaganda.

zum Geldverdienen waren die Nationalstaaten recht.

Jetzt wird verteilt. 8 Geberländer finanzieren 18 Nehmerländer! Das 1 mal 1scheint so manchem Steuerverteiler unbekannt zu sein!

Nationalismus ist Gift für die Gesellschaft(en) und ...

... Garant für Not und Krieg, wo immer er sich entfalten kann.

Restösterreich sollte sich auch vom Wasserkopf Wien geografisch und politisch trennen.


1 0

Re: Restösterreich sollte sich auch vom Wasserkopf Wien geografisch und politisch trennen.

Wunderbar! Ich bin dabei! Es gäbe dafür sicherlich genügend Sympathisanten.

Ganz ehrlich, das ist sogar bitternötig. Während Wien immer Richtung Sozialismus tendiert, war und ist (noch) Österreich in den Bundesländern immer ein bürgerlich-freiheitliches Land/Volk.

Daher sollen die Tiroler und Vorarlberger ihre Freistaaten bekommen. In Innerösterreich wären die Bundesländer mAn überflüssig. Daher Freistaat Norikum.

Und auch die Bazis in der Wernerstadt sollen selbst schaun wies weiterkommen.

Verfassung, Militär und Vertretung nach Außen können wir auf nationaler Ebene belassen.

Restösterreich sollte sich vor allem von Kärnten und der Hypo-Alpe-Adria Bank trennen!

Dann wären wir Österreichischen Steuerzahler auf Anhieb mehrere Probleme los!
.
Man sollte die FPKler einen Freistaat Kärnten gründen lassen, ihnen die Hypo zurückgeben und "diesen Staat" dann der FPÖ zum Experimentieren für die "richtige" Staatsform überlassen! Dann wären wir das Übel FPÖ in Restösterreich auch endlich los.

5 1

Kärnten wäre von Westösterreich locker zu finanzieren.

- Wien , Niederösterreich und Burgenland

der Rest wäre eine blühende Landschaft

Die Milliarden, die nach Ostösterreich in den Wasserkopf fließen sind ein Vielfaches von den Geldern, die durch Malversationen Kärntens entstanden sind.

Antworten Gast: nureingast
20.10.2012 14:42
3 11

Re: Restösterreich sollte sich auch vom Wasserkopf Wien geografisch und politisch trennen.

Da haben wir nichts dagegen. Diejenigen, die geistig was drauf haben, kommen sowieso für das Studium nach Wien und bleiben danach hier bzw in den Speckgürteln.

Re: Re: Restösterreich sollte sich auch vom Wasserkopf Wien geografisch und politisch trennen.

Sicher nicht, muß ich als Wiener sagen.
Ich würd sowieso lieber am Land leben, wenns ginge. Wien kannst vergessen seit 20 jahren - leider!

4 1

Re: Re: Restösterreich sollte sich auch vom Wasserkopf Wien geografisch und politisch trennen.

Wie bitte? Das glauben alle, die über den steuerlich überfinanzierten Wasserkopf nicht hinauskommen.

4 1

Re: Re: Restösterreich sollte sich auch vom Wasserkopf Wien geografisch und politisch trennen.

In Wien gibt es dafür aber auch die größte Ansammlung an faulen Dummköpfen, die am Land garnicht überlebensfähig wären.

Österreich ist schon schön so wie es ist. Beispielsweise der einzelne Kärntner kann auch nichts dafür, dass dort ein paar Idioten herumrennen, die alles kaputt machen.

Antworten Antworten Gast: Halbwissen
20.10.2012 17:31
4 0

Re: Re: Restösterreich sollte sich auch vom Wasserkopf Wien geografisch und politisch trennen.

Der sogenannte Speckgürtel ist aber niederösterreichisches Gebiet !

Gast: Niederösterreicher
20.10.2012 13:04
11 2

Ein wichtiger Aspekt wurde vergessen:

Die Auflösung des jugoslawischen Staatenbundes hat es gezeigt. Der Aufstieg der Lega Nord in Italien hat es bestätigt: die reicheren Regionen (meist nördlich gelegen) sind nicht bereit, den Großteil ihres Sozialproduktes den wirtschaftlich unterentwickelten Regionen ihres Land zukommen zu lassen, statt das Geld in die eigenen Region zu investieren und den eigenen Wohlstand zu mehren..

Dazu kommt, daß diese wohlhabenderen Regionen oft mit Gewalt in die staatliche Gemeinschaft gezwungen wurden. Bemerkenswert ist der Kampf der Flandern gegen die Wallonen um staatliche und kulturelle Gleichberechtigung. Seit der Gründung von Belgien im Jahre 1830 wurden holländisch-sprachigen Vlamen von den frz.-sprachigen Wallonen diesbezüglich diskriminiert, nach 1945 als "Nazis" beschimpft etc, obwohl die Vlamen die Bevölkerungsmehrheit bilden. Um in die Oberschicht aufzusteigen, mußte man die frz. Kultur annehmen. Und auch jetzt ist die in Flandern gelegene Hauptsprache Brüssel seltsamerweise eine frz. Sprachinsel ...

Ähnlich auch die Situation im moselfränkischen Luxemburg, wo Herrscherhaus und staatl. Einrichtungen französisiert sind. Der moselfränkische Dialekt ist eine der beiden Staatsssprachen!!!

Re: Ein wichtiger Aspekt wurde vergessen:

Finnland, Ungarn, Österreich, Serbien, Griechenland, Spanien, sogar die Franzosen haben beträchtlichen Zuwachs bei den sogenannten "Separatisten" ... Wers nicht sieht ist selbst Schuld, aber ich denke die Bürger Europas sind sich zunehmend einig.

12 2

Die da oben,

die EURO-Enthusiasten, wollen in Richtung EURO-Zentralstaat, dass Fußvolk tendiert zu immer kleineren Einheiten. Und die da oben ignorieren mittlerweile ihr Fußvolk.

Kompromiß, Gespräche, ..., Null. Beide Seiten setzen auf die "Entscheidungsschlachten" Wahlen und Abstimmungen. Die jeweiligen Sieger zeigen sich danach in der Triumphpose "ich habe Recht behalten".

Egal wer tatsächlich gewinnt, es wird kein Sieg auf lange Dauer sein. Und es konterkariert weiter das immer so hoch beschworene "Friedensprojekt", denn Frieden ensteht aus Ausgleich und Kompromissen, nicht aus Siegen.

Antworten Gast: Phagenmix
20.10.2012 14:28
2 4

Re: Die da oben,

Jeder der oben genannten Konflikte existierte schon vor 1920.

Die Schotten und die Engländer hauen sich schon seit Jahrhunderten die Schädel ein.

Die EU gibt es seit 1995. Aber die ist schuld daran? Wahnsinn ist etwas zu sehen wo nichts ist.

 
12 3 4 5