Klaus: 'Austritt Griechenlands für Eurozone kein Problem'

15.11.2012 | 15:56 |  Von Christian Ultsch (Die Presse)

Tschechiens Präsident Václav Klaus sieht die EU in der Sackgasse. Im Interview mit der "Presse" fordert er eine Umkehr.

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Die Presse: Sie haben den Austritt Griechenlands aus der Eurozone empfohlen . . .

Václav Klaus: Ich habe das nicht so gesagt. Wo haben Sie das gehört?


Sie haben beispielsweise hier in Wien bei der Pressekonferenz mit Bundespräsident Fischer gesagt, dass sich Griechenland in einer Euro-Zwangsgemeinschaft befinde . . .

Nein, nein.


Dann frage ich Sie offen: Welche Zukunft sehen Sie für Griechenland innerhalb der Eurozone?

Stellen Sie die Frage noch einmal (haut auf den Tisch). Wie lautet die Frage?


Wissen Sie, ich muss Sie auch gar nicht interviewen. Ich habe es so verstanden, dass Sie den Austritt Griechenlands empfehlen. Wenn es nicht so ist, können Sie mir ja erläutern, was Sie gemeint haben.

Ich habe hier in Wien und auch in Prag etwas anderes gesagt. Griechenland in der Eurozone zu halten ist eine Komplikation für Griechenland. Ich habe keine Ratschläge für Griechenland, was es machen soll. Das ist keine Kategorie meines Denkens. Ich sehe keine positive Zukunft für Griechenland in der Eurozone. Aber es ist die Entscheidung Griechenlands, nicht meine.


Wirtschaftsforscher warnen davor, dass Griechenland die Eurozone verlässt. Denn dies wäre nicht nur für die Griechen, sondern für die gesamte Eurozone mit hohen Kosten verbunden.

Dann muss ich sagen, dass diese Forscher die Volkswirtschaft nicht gut studiert haben. Es wäre eine Lösung für Griechenland, die Eurozone zu verlassen. Ein organisierter und geplanter Austritt Griechenlands wird auch für die Eurozone kein Problem sein. Aber die Voraussetzung ist: Der Austritt darf nicht chaotisch ablaufen.


Die große Befürchtung ist ja, dass ein griechischer Austritt eine Kettenreaktion auslösen könnte und andere, größere Euroländer unter Druck setzen und mitreißen könnte.

Deshalb muss der Austritt organisiert werden. Dann ist es nicht schwierig, weder theoretisch noch praktisch. Wir haben in dieser Hinsicht sehr gute Erfahrungen bei der Spaltung der Tschechoslowakei gemacht. Der Fall war ähnlich. Wir hatten vorher die Tschechoslowakische Krone, dann haben wir die Krone geteilt. Wir haben das gut vorbereitet, und es hat keine Probleme verursacht.


Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, und andere sagen, dass mit dem Euro auch das Schicksal der Europäischen Union auf dem Spiel stehe?

Das ist wirklich nicht so. Eine kleinere Eurozone kann ohne Schwierigkeiten weiterexistieren und die Europäische Union auch.


Sie haben mehrfach erklärt, dass die EU in einer Sackgasse stecke. Zu welcher Abzweigung wollen Sie zurück?

In einer Sackgasse kann man nicht weitergehen. Das ist eine Utopie, ein Traum. Die Frage ist, wie weit man zurückgehen muss. Und diese Kreuzung war für mich Anfang der 90er-Jahre der Maastricht-Vertrag. (Die EG wandelte sich zur EU und legte den Grundstein zur Wirtschafts- u. Währungsunion; Anm.)


Besteht nicht die Gefahr, dass man eine derartige Rückabwicklung nicht mehr kontrollieren kann?

Das stimmt, aber darin sehe ich kein Problem. Die Leute können das gut und positiv organisieren.


Sehen Sie in der EU Verbündete für Ihre Ansichten?

Ich kenne viele europäische Politiker, die ohne solche Geräte (deutet auf das Tonband; Anm.) etwas Ähnliches wie ich sagen. Hoffentlich werden sie in Zukunft tapfer sein und es auch ganz laut sagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2012)

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89 Kommentare
 
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Frage an den Präsidenten

Sehr geehrter Herr Präsident, gestatten Sie mir eine Frage: Weshalb gibt es in Ihrem Land offensichtlich von offizieller Seite niemanden, der sich bei den über 3 Millionen sudetendeutschen Opfern der ethnischen Säuberung verbunden mit Raub des gesamten Eigentums sowie tausendfachen Morden einfach nur entschuldigt, ohne wenn und aber und ohne fadenscheinige „Begründungen“ für diese Verbrechen zu suchen. Jeder kann sich heute in den archivierten Hass- und Hetzreden von Benes und dessen Handlangern nach Kriegsende, wo eindeutig zu ethnischer Säuberung und Mord aufgerufen wurde, selbst überzeugen, dass Benes öffentlich zugab, dass man die ethnische Säuberung schon 1919 durchführen wollte, also der 2. WK nicht die wahre Ursache für den Genozid war, ebenso ist die oft zitierte Begründung, dass man ja nur das Ergebnis der Potsdamer Konferenz ausführte, nicht haltbar, da schon über 800.000 Menschen brutal vertrieben wurden, bevor diese Konferenz überhaupt einberufen wurde.
Ja, keine Frage, die Nazis waren Verbrecher,- ja, Lidice war ein Kriegsverbrechen – aber auch ja dazu. dass die Deutschen dies ohne Einschränkung zugeben und sich dafür entschuldigt haben und auch schämen. Warum sieht man keinen tschechischen Politiker, wenn z.B. in Usti nad Labem (Aussig) eine Gedenktafel für die Opfer des Massakers enthüllt wird? Es ist schade, dass dieser Prozess des Bedauerns und der Versöhnung nur einseitig betrieben wird, vor allem schade für die Jugend in Ihrem Lande.

Klaus

Der deutsche Bundespräsident Gauck hat sich heuer offiziell in einem Schreiben an Klaus für die Kriegsverbrechen in Lidice entschuldigt und dies bedauert. Soweit in Ordnung und eigentlich ein Ding der Selbstverständlichkeit. Mich würde nur interessieren, ob sich Klaus auch schon offiziell für die Nachktriegsverbrechen an über 3 Millionen Sudetendeutschen entschuldigt hat? Eher kaum, sonst würde er nicht so fanatisch die Benesdekrete in Schutz nehmen, welche ethnische Säuberung, Raub und Mord zu legalisieren versuchen. Laut internationalem Völkerrecht ist Vertreibung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, welches auch nicht verjährt, egal von wem, warum und unter welchen Umständen sie geschehen ist. Für solche Verbechen gibt es keine plausiblen Begründungen, ebensowenig wie für die Jahrhundertverbrechen der Deutschen!

Klaus

Der deutsche Bundespräsident Gauck hat sich heuer offiziell in einem Schreiben an Klaus für die Kriegsverbrechen in Lidice entschuldigt un dies bedauert. Soweit in Ordnung und eigentlich ein Ding der Selbstverständlichkeit. Mich würde nur interessieren, ob sich Klaus auch schon offiziell für die Nachktriegsverbrechen an über 3 Millionen Sudetendeutschen entschuldigt hat? Eher kaum, sonst würde er nicht so fanatisch die Benesdekrete in Schutz nehmen, welche ethnische Säuberung, Raub und Mord zu legalisieren versuchen. Laut internationalem Völkerrecht ist Vertreibubg ein Verbrecheen gegen die Menschlichkeit, welches auch nicht verjährt, egal von wem, warum und unter welchen Umständen sie geschehen ist. Für solche Verbechen gibt es keine plausiblen Begründungen, ebensowenig wie für die Jahrhundertverbrechen der Deutschen!

Er haut auf den Tisch und nötigt den Interviewer die Frage "richtig" zu stellen!

Ein ziemlich primitives Auftreten für eine Präsidenten.

Hinweis an Interessierte

Man gestatte mir an dieser (unpassenden) Stelle einen Hinweis:

Das Schweizer Fernsehen strahlte gestern einen äusserst sehenswerten Dokumentarfilm aus. Thema: Griechenland und die "europäische Krise" im Allgemeinen. Wen es interessieren sollte (ca. 50 Min., nur wenige Passagen auf Schwiizerdütsch):

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=b636b525-a8e9-4633-a7fc-7725d83fe915

Wünsche allen ein schönes Wochenende.

3 0

Re: Hinweis an Interessierte

danke.

6 11

Ich teile die Meinung von Tschechiens Präsident Klaus

aber das Interview von Herrn Christian Ultsch war nicht fair. Mir wäre lieber, die Presse Redakteure würden nicht immer ihre eigenen Glaubensbekenntnisse in den Mittelpunkt ihrer Interviews stellen.

Solange die Altstars wie Juncker, Merkel, Barroso, Lagarde usw...

...ihre manischen, ja geradzu sektenartigen, Weisheiten umsetzen dürfen wird sich nichts ändern.

Sie opfern ganze Generationen am Altar ihrer eigenen Eitelkeiten und dem nicht eingestehen wollen Fehler gemacht zu haben.

Die Regentschaft der Alten im Geiste muss beendet werden, lasst die junge Garde ran!

Strache und Stronach stehen schon bereit die Trümmer der Linken aus dem Weg zu räumen und daraus ein neues Europa zu bauen welches seinem Namen in den nächsten 1000 Jahren gerecht wird!

21 10

Klaus: "Viele europäische Politiker sagen in der Öffentlichkeit nicht, was sie wirklich denken"

Wei sie sich sonst mit dem Machtapparat anlegen und ihren Job los sind.
Das ist unsere "moderne, fortschrittliche" EU. In Wirklichtkeit aber bereits eine Meinungsdiktatur wie im Sozialismus der DDR, UdSSR.

17 2

Re: Klaus: "Viele europäische Politiker sagen in der Öffentlichkeit nicht, was sie wirklich denken"

Wenn er schon so mutig und anständig ist, dann soll er sich für die Abschaffung der abartigen Benes-Dekrete einsetzen und nicht für sein Land belangloses Geschwätz von sich geben. Tschechien geht der Euro nichts an.

Re: Re: Klaus: "Viele europäische Politiker sagen in der Öffentlichkeit nicht, was sie wirklich denken"

Die sind froh, daß Sie den Euro nicht haben. Sie brauchen auch nichts für die Eurorettung Zahlen, das ist der feine Unterschied.

Re: Re: Klaus: "Viele europäische Politiker sagen in der Öffentlichkeit nicht, was sie wirklich denken"

Vollkommen richtig, denn indem Klaus die Benesdekrete verteidigt, verteidigt er damit auch ethnische Säuberung, Raub und Mord! Und dies ist in jedereuropäischen Gemeinschaft untragbar, egal welche Fehler diese Gemeinschaft auch hat!

14 2

Austritt, nein.

Rauswurf ja.

Für GR hat das bereits Tradition. Die flogen 1908 aus der Lateinischen Münzunion.

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Re: Austritt, nein.

Griechenland ist schon mehrmals pleite gewesen. Das ist für die nichts Neues.

Ich bin dennoch dagegen, dass man sie rauswirft. Die Leute haben dort nichts Unanständiges getan. Wenn bei uns das Finanzamt nicht nach Steuern ragt würde es auch nur ein paar Leute geben, die Steuern zahlen. Wenn die das in Ordnung kriegen, kommen die schon wieder auf die Füße. Aber sonst haben die in den nächsten paar Jahrzehnten arges Elend.

Außerdem konnte mir noch niemand erklären wie das sinnvoll funktionieren soll, dass ein Land aus dem Euro herausgenommen wird, wenn der Euro daneben weiterhin existiert. Ich glaube das geht nicht, resp. kann sich dann der Staat nicht über die Währung sanieren, was ja der einzige Witz der Übung wäre.

Re: Re: Austritt, nein.

Sie haben wie wir, immer Regierungen gewählt, die immer mehr Schulden gemacht haben. Der Unterschied liegt lediglich darin, daß wir eine bessere Wirtschaft haben und die Leute immer noch Steuern zahlen, obwohl sie wissen, daß unsere unfähige Regierung unser Steuergeld in die Pleiteländer und Banken schickt.

15 10

Warum kann bei uns nicht so jemand als Bundespräsident-Kandidat bei der Wahl antreten

Warum muss die ÖVP gleich im vorauseilendem Gehorsam der SPÖ gegenüber überhaupt auf einen Kandidaten verzichten.

Und die FPÖ eine schicken die daher kommt als wäre sie direkt aus dem Jahr 1942 mit einer Zeitmashiene geschickt worden.

Ich hoffe auf Stronach und wünsche ihm noch viel Gesundheit.

guter Vorschlag!

der Vorschlag ist nicht neu und wird auch nicht ausgeführt solange die Politiker in Griechenland nicht ausgetauscht werden da die ja die Banken schützen, wie die Politiker im Rest Europa. die Banken wären nämlich die grossen Verlierer.

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Re: guter Vorschlag!

Banken schützen ist ein guter Hinweis! Draghi, Monti, etc etc - alle die, welche in führenden Banken- oder bankähnlichen Institutionen sitzen, haben eine Karriere bei Goldmann-Sachs hinter sich. Und diejenigen, welche nicht direkt aus diesem Moloch und Hort der Korruption kommen, beraten jene Kräfte, die auf der politischen Ebene das Sagen haben. Was also soll sich ändern?
Im Übrigen, der ständige Hinweis, wie schlimm es kommen würde, träte Griechenland aus, ist kaum glaublich, wenn man die Milliarden zusammenzählt, die jährlich bereits in den einzelnen Staaten für Blödsinnsprojekte verbrannt werden.

Da war noch was

Zwei Sachen wirds, laut Klaus in Tschechien nie geben, den Euro und das Rauchverbot.

6 11

Klaus ein kompetenter Mann?

Ein Präsident eines europäischen Staates, welcher fordert, dass die Grundrechtecharta der EU (Menschenrechte!) für sein Land nicht angewandt werde, nur weil er um die Gefährdung des Fortbestandes der völkerrechtswidrigen und menschenrechtsverletzenden Benes-Dekrete fürchtet, hat moralisch überhaupt nicht das Recht, in Europa mitzumischen. In seinem Land werden bis heute ehemalige Schwerverbrecher (Massenmörder und Folterer) vor der Justiz "geschützt". Von solchen Leuten brauchen wir wirklich keine Ratschläge!

Re: Klaus ein kompetenter Mann?

Mich würde nur interessieren, ob die roten Stricherl Klaus gelten, da er die Menschenrechtscharta nicht anerkennen will, oder mir, da ich die Unverfrorenheit habe, dies aufzuzeigen! Wäre interessant!

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Wirtschaftsforscher warnen

Da wurden nur die ausgesucht die im Sinne der EU Elite reden, es gibt mindestens genauso viele die einen Austritt empfehlen!

Re: Wirtschaftsforscher warnen

Die vertreten dann die Meinung der durchaus EU-kritischen aber gleichwohl bonzigen Engländer? Ist doch alles das selbe Pack.

seit Monaten

seit Monaten (vielen Monaten) gibt es diese Überschriften. Ich habe aufgehört die Artikel dazu zu lesen.
Sie dienen der Volksverblödung und dem Hinhalten derer, die sich in Geduld üben wollen. Die Griechen werden leider nicht austreten und die Eu wird sie auch nicht austreten. Also - alles ödes Gequassel, das kaum wert ist, das man überhaupt postet. Aber nach vielen Monaten dachte ich, heute will ich das mal schreiben.
Tschüss - bis in ca 8 Monaten....

16 20

Andere Frage

Eine ganz andere Frage, vielleicht nicht zu weit hergeholt: Was geht Tschechien bitte der Euro an?

Re: Andere Frage

Die sind froh, daß sie ihn nicht haben, frag Sie.

 
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