Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

EU-Studie: 62 Millionen Frauen erlebten Gewalt

Die Zahl der Betroffenen ist höher, als Italien Einwohner hat.
Die Zahl der Betroffenen ist höher, als Italien Einwohner hat. / Bild: (c) Bilderbox 

Körperliche und sexuelle Übergriffe gegen Frauen geschehen vor allem im eigenen Zuhause. Nordeuropäerinnen geben öfter an, Opfer zu sein, als Südeuropäerinnen.

 (Die Presse)

Wien. Die Zahl der Betroffenen ist höher, als Italien Einwohner hat: 62 Millionen EU-Bürgerinnen waren seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal Opfer sexueller oder physischer Gewalt. So lautet das Ergebnis einer europaweiten Erhebung der Grundrechte-Agentur FRA im Auftrag des EU-Parlaments, bei der insgesamt 42.000 Frauen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren befragt wurden. Es ist damit die größte jemals durchgeführte internationale Umfrage zum Thema Gewalt gegen Frauen zu Hause, an öffentlichen Plätzen und in der Arbeit. „33 Prozent aller Befragten waren mindestens einmal im Leben körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Es ist an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen“, forderte FRA-Direktor Morten Kjaerum bei der Präsentation der Ergebnisse vor Journalisten in Wien.

Mehr zum Thema:

Häufig passieren die Übergriffe im eigenen Zuhause; die Mehrzahl der Fälle wird nicht zur Anzeige gebracht. Fast jede vierte Frau gab an, ihr Partner habe ihr gegenüber schon einmal physische oder sexuelle Gewalt angewandt. Konkret wurden bei den oft über zwei Stunden dauernden Face-to-Face-Interviews Attacken in Form von Stoßen oder Rempeln, Schlagen, dem Werfen harter Gegenstände auf das Opfer, Ziehen an den Haaren oder Würgen sowie das Zwingen zu verschiedenen sexuellen Handlungen durch körperliche Gewaltanwendung abgefragt. Eine von 20 Frauen wurde seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt (von einem Partner oder einem Fremden). Viele Opfer befinden sich in einem Teufelskreis: Fast ein Drittel aller Frauen, die von ihrem Partner oder Ex-Partner sexuell missbraucht wurden, waren bereits als Kinder Opfer sexueller Gewalt.

Belästigung am Arbeitsplatz


Von Stalking – also dem Verfolgen und Belästigen einer Person – waren 20 Prozent der befragten Frauen schon einmal betroffen. Häufig sind es auch hier frühere Lebensgefährten, die eine Trennung nicht akzeptieren wollen und sich durch lästige Telefonanrufe und Auflauern vor der Haustür wieder Zutritt ins Leben der Ex-Partnerin verschaffen wollen.

Vor allem sexuelle Belästigung spielt aber auch im beruflichen Umfeld eine große Rolle. Ungewollte Berührungen, Umarmungen oder Küsse haben 20 Prozent der Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal erlebt; jede Dritte von ihnen gab an, der Täter sei der Chef, Kollege oder ein Kunde gewesen. Bei Frauen in Top-Positionen liegen die Zahlen noch viel höher: 75 Prozent der weiblichen Top-Managerinnen waren schon Opfer sexueller Belästigung. Doch auch die Angriffe über soziale Medien, E-Mails und SMS nehmen zu: Eine von zehn Frauen war schon betroffen.

Besonders auffällig an den Umfrageergebnissen sind die Unterschiede zwischen Nord- und Südländern: Während etwa die Zahlen körperlicher und sexueller Gewalt in Ländern wie Finnland (47 %), Dänemark (52 %) und den Niederlanden (45 %) sehr hoch sind, fallen sie in Spanien (22 %), Italien (27 %), aber auch Österreich (20 %) vergleichsweise niedrig aus. Studienautorin Joanna Goodey begründet das einerseits mit der in manchen Ländern höheren Bereitschaft, über solche Übergriffe zu sprechen. Zudem könne die fortgeschrittene Geschlechtergleichstellung dazu führen, dass Frauen eher gefährdet sind, sexueller, physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt zu sein – etwa am Arbeitsplatz. Auch die unterschiedlichen Trinkgewohnheiten in den einzelnen Ländern dürften eine entscheidende Rolle spielen. „In manchen Ländern trinkt man Alkohol zum Essen, in anderen geht man aus, um sich zu betrinken“, gibt Goodey zu bedenken. „Mit höherem Alkoholkonsum steigt natürlich auch die Bereitschaft zu Gewaltanwendung.“

Depressionen, Panikattacken


Die Folgen körperlicher und psychischer Gewalt sind für die Betroffenen verheerend: Depressionen, Angst und Panikattacken treten besonders häufig auf, ebenso wie der Verlust des Selbstvertrauens, Konzentrations- und Schlafstörungen.

Diese psychischen Störungen sind wohl auch ein Grund dafür, warum so viele weibliche Opfer die an ihnen verübten Straftaten nicht zur Anzeige bringen. Nur etwa jede dritte Frau geht nach einer sexuellen Attacke zur Polizei; sie tut das aber eher, wenn der eigene Partner der Täter ist (39 % zu 30 %). Bei Anwendung sonstiger körperlicher Gewalt liegen die Zahlen sogar noch darunter (31 % zu 24 %).

/ Bild: (c) Die Presse Grafik 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2014)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

64 Kommentare
 
12

wer als mann die hand gegen eine frau erhebt, hat sowas von ueberhaupt kein rueckgrat

in der heutigen pervertierten gesellschaft werden jahrtausende alte grundlegende natuerliche instinkte (zb mann als beschuetzer) ausgehebelt und von der linken emanzipationsfront kommt abartiger schwachsinn, dass es aerger nicht mehr geht

vorwaertseinparkende, wamduschende, beckenrandschwimmende waschlappen werden bombadiert von propaganda 24/7/365 und bei ein paar brennen dann die sicherungen durch, was schade ist aber sich nicht verhindern laesst.

manchmal wuenschte ich es waere 1814 und nicht 2014 ...

da wird nichts hinterfragt

qualitätsjournalismus sieht jedenfalls anders aus

2 0

Die Studie disqualifiziert sich selbst!

Dafür dass die typischen Macho-Kulturen so gut abgeschnitten haben, wurde gleich eine Erklärung aus dem Hut gezaubert:

"Die Gleichstellung der Geschlechter könnte zu höherer Bereitschaft führen, Fälle von Gewalt gegen Frauen zu berichten. Fälle von Gewalt gegen Frauen werden in Gesellschaften mit besserer Gleichstellung mit größerer Wahrscheinlichkeit offen angesprochen und hinterfragt."

Ob den Erstellern der Studie aufgefallen ist, dass sie mit solch einem unbelegten Kommentar die Aussagekraft Ihrer eigenen Studie in Frage stellen???

Link zu den Originalfragen

Wenn ihr wirklich etwas zum Lachen braucht. :D

http://fra.europa.eu/sites/default/files/fra-violence-against-women-survey-questionnaire_en.pdf

und wie viele männer ahben in ihrem leben schon gewalt erlebt??

da gibt es keine studien, weil die wären desaströs für alle beteiligten ind er politik, den gewaltschutzeinrichtungen

der blick richtet sich nur auf frauen, die fragen, sind ja auch der witz schlechthin, da wird gefagtm wurden sie schon mal geschupst - daraus leitet man dann ab gewalt gegen frauen, umarmungen gelten als sexuelle belästigung usw

qualitätsjournalismus sieht meiner meinung nach anders aus

es wird nichts hinterfragt, nur 1 zu 1von emanzen abgekopfert

warum wird gewaltschutz nicht geschlechtsneutral behandelt? warum nur bei frauen??

allein das ist schon gewalt und sexuelle diskriminierung

wie schwach muss man(n)/frau sein

um in der Beziehung zuzuschlagen

liegt das Problem nicht eher daran das die Masse der Menschen nicht Single sein können und sich von einem Unglück in das Nächste stürzen

zuviel einlenken und alles ändert sich ja wenn man kräftig daran rüttelt führen zu diesem Ergebnis

ich war über 15 Jahre Single und wäre nie einen Kompromiss eingegangen

dann zog die perfekte Frau in meine Nachbarschaft und jetzt hab ich das genaue Gegenstück ohne Ecken und Kanten das genau meine Schwächen sowie auch an meine Stärken ausgleicht

deshalb machen sie vorher Schluss planen sie Kinder und Tiere im voraus und an alle man hält den Partner nicht nur wenn man ihm/ihr ein Kind anhängt

viel glück euch allen


Die Kulturbereicherung

schlägt voll zu!

Warum wurden

nicht gleich auch die Männer mitbefragt?
Eine einseitige Studie zeitigt auch ein einseitiges Ergebnis und ist somit nicht ernst zu nehmen.

O Gott!

Hauptsächlich lauter frustrierte Männer haben hier Schwachsinn gepostet. Bloß schnell weg hier von der Waschlappenfront.

Re: O Gott!

frustriert sind da schon andere, warum wird eigentlich gewalt nur bei frauen stigmatisiert??

in allen bereichen sind männer stärker von gewalt betroffen als frauen

vor was hast du eigentlich so eine angst, auch gewaltstudien gegen männer zu erstellen und zu veröffentlichen??

Süden und katholische Länder

Es fällt auf, dass es vor allem in den konservativeren Gesellschaften, die auch noch katholischer sind als der Norden (Polen, Irland) angeblich weniger Gewalt gibt. Das kann nicht an der Realität liegen (Spanien ist zB besonders bekannt für Gewalt von Männern gegen ihre Frauen in der Ehe!), sondern einzig an der Wahrnehmung. Die Fragen, die zT auf subtile und verbale Gewalt abstellen, wurden eben auch nur von Frauen, die bereits durch die öffentlichen Diskussionen zum Thema sensibilisiert wurden, entsprechend beantwortet. Dagegen wird offenbar in Ländern, die die Gewalt noch tabuisieren, darüber auch von Opfern lieber geschwiegen und verharmlost. Das ist Selbstschutz der Betroffenen. Diese Kulturunterschiede wurden in der Studie offenbar nicht gebührend beachtet!

1 0

Re: Süden und katholische Länder

"subtile oder verbale Gewalt", die "nur von Frauen (die) sensibilisiert wurden" "entsprechend beantwortet. :-) Aha.

Neulich hat die Kassiererin verdächtig schnell ausgeatmet, als ich ihr meinen Hunderter hingehalten habe. Das hat mich total verstört.

Bin ich jetzt das Opfer "Subtiler Gewalt" geworden oder sollte ich einfach an meinem Selbstvertrauen und Gelassenheit arbeiten??

15 3

Differenzierung: Fehlanzeige

Es lohnt sich die Studie mal im Detail zu betrachten:

Bei "psychischer Gewalt" wurde u.a. danch gefragt, ob der Partner
- Sie unter vier Augen herabgesetzt oder
gedemütigt hat?

In welcher Partnerschaft auf der Welt ist das noch nie beidseitig vorgekommen??


Re: Differenzierung: Fehlanzeige

soll der hinweis auf psychische gewalt physische gewalt relativieren? zu psychischer gewalt kann man keine seriösen studien machen, da haben sie ein totschlagargument gefunden!

physische gewalt gegen mädchen und frauen in hohem ausmaß ist keine erfindung hysterischer emanzen, sondern eine traurige tatsache unserer hochkultur. das war und ist insidern schon lange vor dieser studie bekannt.

Re: Re: Differenzierung: Fehlanzeige

Ja, insbesondere, wenn physische Gewalt schubsen, rempeln und mit Gegenständen aufeinander zu werfen beinhaltet. Das hat man nämlich in ca. 100% aller Beziehungen mal. In psychische Behandlung muss deswegen keiner. Aber es lässt sich toll vom Komplexemanzentum instrumentalisieren. Einfach Lächerlichkeiten hochstilisieren und schon hat man das gewünschte Ergebnis.

Re: Re: Differenzierung: Fehlanzeige

und warum wird die psychische und physische gewalt eben von diesen gegenüber von männern totgeschwiegen bzw verharmlost??

2 3

7 200 000 000 Täter / Opfer

auf dieser Welt!

13 42

Liebe Presse...

... wenn Sie etwas Anstand haben schließen Sie bitte dieses Forum. Es ist ekelhaft wie Gewalt gegen Frauen verharmlost wird und im Gegenzug nur behauptet wird, dass auch Frauen Gewalt ausüben.

Re: Liebe Presse...

das einzige was in der presse (allgemein median) verharmlost wird ist die gewalt gegenüber männern

Re: Liebe Presse...

Vielleicht weil diese Studie an Absurdität nicht mehr zu übertreffen ist? Willst du uns für komplett dämlich verkaufen? Schau dir mal an, was laut dieser Umfrage als "Gewalt gegen Frauen" durchgeht. Da geht es wohl eher nicht um prügelnde Männer...

Re: Liebe Presse...

da öffnen sich völlig neue welten. die intensität der umkehrung ist bemerkenswert. sexuelle und körperliche gewalt von frauen gegen männer gibts genau wo? selten was gehört davon. bleibt nur noch die psychische. ob die so aus dem blitzblauen kommt? schätze das beruht in der regel auf gegenseitigkeit. das leben ist halt schon kompliziert.

Re: Liebe Presse...

Was es nicht geben darf muss weggesperrt werden, gell?

Re: Re: Liebe Presse...

Die Bauern haben das früher tatsächlich mit ihren sogenannten "Hofdodeln" immer so gehandhabt.

Re: Liebe Presse...

Warum? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Es gibt nämlich genügend Studien zu diesem Thema, die das auch belegen. (Hab ich bereits gepostet.)

Wenn Poster ausfällig werden sehe ich das ja ein, aber sachlich auf Studien verweisen wird doch wohl erlaubt sein, in einem Land, wo die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist (oder zumindest sein sollte).

Das Problem ist nämlich bei einer derart einseitigen "Studie", daß ein völlig falschens Bild von der tatsächlichen Lage entsteht.

4 13

Re: Re: Liebe Presse...

Die meisten hier sind aber nicht sachlich. Und macht ihre Studie Gewalt an Frauen ungeschehen oder wieso darf man darüber nicht schreiben? Ja es gibt die andere Seite, um das geht es hier aber nicht!

Re: Re: Re: Liebe Presse...

"Ja es gibt die andere Seite, um das geht es hier aber nicht! "

Doch, geht es.

Ganz einfach deswegen, weil die Mehrheit es zum Thema macht.

 
12
AnmeldenAnmelden