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Portischs Plädoyer für die EU: Griechen geht es wie uns einst

19.10.2011 | 18:29 |  RAINER NOWAK (Die Presse)

Hugo Portisch listet in seinem neuen schmalen Buch "Was jetzt" die historischen Leistungen der Europäischen Union auf - auch für Österreich. Die Politik kritisiert Portisch: Er höre wenig von den EU-Mandataren.

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Wien. „Wäre ich Herausgeber oder Chefredakteur einer Tageszeitung, würde ich in der Innenpolitik auf die Barrikaden steigen.“ Hugo Portisch ist aber nicht mehr in der Tageszeitung, daher widmet er sich in seinem neuen schmalen Buch „Was jetzt“ Europa. Oder besser: Er wendet sich gegen die Populisten, die gegen die EU Stimmung machen, und gegen die dazu passende mediale Berichterstattung.

Portisch mahnt in Österreich und vergleichbaren Ländern wie Deutschland – ein wenig verwundert – ein, sich an die großen Verdienste des gemeinsamen Projekts Europa bei der Überwindung der tiefen Gräben zweier Weltkriege zu vergegenwärtigen: In den Berichten über Milliardenhilfen für Griechenland käme dies mit keinem Wort mehr vor. Dafür schlüpft Portisch noch einmal in die Rolle des Geschichtslehrers der Nation und verweist auf eine vermeintliche historische Parallele: Österreich sei 1922 – wie Griechenland heute – vor der Pleite gestanden, erst eine Anleihe des Völkerbundes habe das Land gerettet. Allerdings sei Wien unter Kuratel gestellt worden: Ein Kommissär aus Holland hätte jede einzelne Ausgabe geprüft und jede Sparmaßnahme überwacht. Die damals ausgelösten sozialen Spannungen seien auch einer der Gründe für den Bürgerkrieg in Österreich zwölf Jahre später gewesen. Für Portisch ein kleiner Hinweis darauf, derzeit von Griechenland nicht zu viel zu verlangen. Einen zentralen Unterschied gibt es zwischen den beiden Fällen: Die Inflation hatte 1922 in Österreich bereits astronomische Ausmaße.

Portischs Plädoyer richtet sich auch an die Politik: Österreichs Volksvertreter hätten die Aufgabe, das Projekt EU zu erklären und dafür vernünftig zu werben. Aber er höre und sehe wenig von Österreichs EU-Abgeordneten, die in Brüssel sitzen, sagt der Journalist und Autor im Gespräch mit der „Presse“. Portisch übt aber auch Kritik an der EU-Kommission und der EU selbst: „Die EU-Gegner (...) können nur so negativ argumentieren, weil die EU selbst Fehler macht.“ Auch Informationsmaterial, das die Vorgänge und Entscheidungen in Brüssel erkläre, gebe es entweder nicht oder finde den Weg zu den Bürgern nicht, schreibt Portisch in dem Buch. Und: Gerade der Vertrag von Lissabon, den „Krone“, FPÖ und Kritiker hart angriffen, hätte kommuniziert werden müssen. Wäre das passiert, hätte man natürlich auch das Volk befragen können, erklärt Portisch.

Denn generell sieht der Macher der Generationen prägenden ORF-Dokumentationsreihen „ÖsterreichI“ und „Österreich II“ eine Notwendigkeit zu einer Wahlrechtsreform: Das bestehende Listenwahlrecht, durch das die Parteien bestimmen, wer wo kandidiert, sei langfristig „gefährlich“, sagt er der „Presse“. Viel besser wäre für Österreich ein echtes Personenwahlrecht, durch das Abgeordnete ihrem Wahlkreis verantwortlich seien – und nicht nur ihrer Partei.

Auf einen Blick

Hugo Portisch hat „Was jetzt“ als Plädoyer für Europa bei ecowin verfasst. Seine Kernthese: Man dürfe die enorme Friedensleistung der Union nie vergessen. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2011)

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49 Kommentare
 
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Gast: Gast.Gast
06.11.2011 02:14
0 0

Schwammerl

Mir sind seine Schwammerlbücher lieber, sonst geht es mir mit seinen Überzeugungen wie bei Zilk.

Portisch wird auch nicht jünger

Im Alter ist man nicht mehr willens und in der Lage, sich von etwas zu distanzieren, das man den größten Teil seines Lebens für richtig gehalten hat. Wenn sich die liebgewordene, in masonischen Kreisen generierte Utopie als noch so falsch herausgestellt hat, werden deren Anhänger in die Realitätsverweigerung flüchten, um sich davon nicht verabschieden zu müssen. Allerdings werden jene Leute, die noch im Vollbesitz ihres Urteilsvermögens sind, sich früher oder später des Umdenkens befleißigen. Die hehre Europäische Idee ist eine Seifenblase. So können wir nur mit Fausts Gretchen sagen: "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!"

Gast: freund?
26.10.2011 20:10
1 0

im alter stellen sich manchmal



gesundheitsprobleme ein, die noch nicht heilbar sind.

Portisch hört wenig von den österr. EU-Mandataren

Sollte es dem vielgepriesenen Portisch tatsächlich entgangen sein, dass er deswegen von den EU-Mandataren nichts hört, weil sie einfach nichts zu sagen und zu bewirken haben? Das EU-Parlament ist ein Feigenblatt, dass den Völkern Demokratie vorgaukelt - der EU-enthusiastische Portisch ist ob seiner Gutgläubigkeit ja fast zu bedauern. Österreich sollte aus dem EU-Verein so bald es geht aussteigen, um wieder die Souveränität zu erreichen, für die die Nachkriegsgenerationen so schwer gearbeitet haben! http://www.euaustrittspartei.at/

2 0

Leider hat er vergessen zu erwähnen

Das die Politiker es waren die 1930 die durch Unfähigkeit Wirtschaftskrisen zu meistern die Voraussetzungen für den 2.Weltkrieg geschaffen haben.
Und heute sieht es nicht viel anders aus.
Unfähige und korrupte Politiker auspressen der Steuerzahler weil die Staatsschulden ins endlose steigen und vernichten der Zukunftschancen der Jugend .
Wie es anders ist in echten Demokratien zeigt die viel geschmähte Schweiz.
Die ja schon totgesagt wurde ohne EU.

lern geschichte protisch!!!

was war denn vor der völkerbundanleihe?

der erste weltkrieg
der zerfall der habsburger monarchie, und der damit einhergehende verlust vieler rohstoffreicher gebiete, sowie vieler industriegebiete
reperationszahlungen im astronomischen ausmaß
eine bevölkerung in der viele arbeitsfähige männer tot,invalide oder in gefangenschaft waren

uvm

all das trifft auf griechenland nicht zu, verglichen mit österreich um 1920 herum befindet sich griechenland seit einführung des euros geradezu in einem schlaraffenland.

ich finde diese dummen historischen vergleiche also höchst entbehrlich, ihr einziger zweck ist es doch nur österreich und deutschland ein schlechtes gewissen einzureden, und für umstände verantwortlich zu machen die länger als 60 jahre zurückliegen

nun zur EU und das werben:
für die EU kann man nicht werben denn
1)durch die EU hat österreich seit dem beitritt milliarden an € verloren

2) durch die eurozone und diversen vertrags/rechtsbrüchen (erinnert doch irgendwie ann die zeit um 1935) verliert österreich die kontrolle über sein geld, diese wird auf eine von der österreichischen bevölkerung nicht kontrollierbare ebene verfrachtet (ezb, bzw das dupol frankreich, deutschland)

3) dort ist dann außerdem noch ein infaltions italiener (italien hat trotz miserabler wirtschaft ein gefährliches übergewicht in der ezb) am werk, der österreich durch notendrucken und dem kauf von ramsch anleihen entreichert und eine fortsetzung der schuldenparty ermöglicht

4 1

Zu spät aufgehört!

Schade!

Gast: ehschowurscht
20.10.2011 19:11
7 0

Portischs Plädoyer für die EU

Wer nichts mehr zu sagen hat, soll auch den Mund halten, Herr Portisch!

Ich erinnere mich ein ein sehr gutes und lesenwertes Buch von ihnen "Friede durch Angst", indem sie sehr anschaulich den Kampf und Krampf der damaligen Supermächte USA und Udssr auf Kosten der Menschheit beschrieben haben.

Jetzt wird es Zeit sich nur mehr mit Schwammerlsuche zu beschäftigen, weil ich denke, diese hier und jetzt herrschenden Zustände in der EUdssr durchschauen sie leider nicht mehr!

Gast: Staatskanzler
20.10.2011 18:29
3 0

Die EU und die Völker Europas

"Portischs Plädoyer richtet sich auch an die Politik: Österreichs Volksvertreter hätten die Aufgabe, das Projekt EU zu erklären und dafür vernünftig zu werben."

Dieses Bürokratenungetüm, welches die Völker Europas ständig mit einer Flut unverständlicher und sinnloser Regulierungen zu bevormunden sucht, muss nicht mehr erklärt werden. Die Völker verstehen es sehr gut.

Diese ganze EU-Partie ist also nicht mehr zu erklären, sondern ersatzlos anzubringen. Ohne Wenn und aber - mit anderen Worten: Alternativlos!

Gast: Upperclass-Sachverständige
20.10.2011 18:08
0 6

Ist ja wieder fast die gesamte "Hautevolee" der Kommetareschreiber unterwegs heute.

Mehr Schein als Sein...

Antworten Gast: freund?
26.10.2011 20:11
1 0

Re: Ist ja wieder fast die gesamte "Hautevolee" der Kommetareschreiber unterwegs heute.



wie 'upperclass-sachverständiger', zum beispiel?

Die letzten großen "Friedensprojekte" Europas waren:

Der Ostblock (Comecon) und Jugoslawien.

Dabei machte ersterer wenigstens nicht den Fehler, eine gemeinsame Währung für die DDR, Bulgarien und die UDSSR einzuführen.


Gast: Eierbär
20.10.2011 17:36
3 0

Was für ein hinkender Vergleich

kriegt er was aus dem EU-Geldbörsel? Ein NONSENS Vergleich allererster Güte!

EU wird zu UDSSE

Für den komischen Vogel "gegen unsinn":
Union der sozialistischen Staaten Europas.

Antworten Gast: VVH
20.10.2011 17:16
0 1

Re: EU wird zu UDSSE

Das wäre dann aber UDSSE, du "Fünfmal"-Kluger!

Re: Re: EU wird zu UDSSE

Du "Garnicht-Kluger":
Was steht in der Überschrift meines Beitrages?
UDSSE!

Gast: ms
20.10.2011 15:57
0 7

für etwas stehen

wir brauchen politik, die für positive ideen steht und nicht schlechtredner und kaputtmacher, es sind gestallter und visionäre notwendig, leute die etwas aufbauen wollen, keine nörgler, davon gibt es leider gerade bei uns genug, wir haben vergessen, dass es hauptsächlich um friedenssicherung geht um toleranz und möglichst wenig grenzen, danke an portisch

Re: für etwas stehen

Halten Sie allen Ernstes Leute wie Barroso, Ashton, Hahn für "gestal(l)ter" oder gar "visionäre"???
Und ist jeder, der die wahnsinnigsten Exzesse und Fehlentscheidungen aufzeigt ein "Schlechtredner", Kaputtmacher und Nörgler"???

Antworten Gast: @ms
20.10.2011 16:32
7 1

Re: für etwas stehen

´nichts gegen Portish, aber er macht denselben Fehler wie alle Euro-fanatiker, dei der EU, dem EURO alles gute zuschreiben, und mit akopalyptischen Szenarien agieren!

Das ist unfair!

denn - der 2. WK war v.a. dem Fanatismus und dem Wahn eines Mannes und seiner Garde, den Nazis zuzuschreiben.

Vor 100 jahren - vor Beginn des 1. Weltkrieges waren fakt. alle europäischen Herrscherhäuser miteinander verwandt.
Man sagte damals "es wird niemals krieg zw. europäischen Ländern geben, weil ja alle herrscherhäuser miteinander vervettert sind".

Der engl. König war der Cousin des deutschen Kaiser, der span. KÖnig verwandt mit dem deutschen, öst. herrscher-kinder wurden ins französische Königshaus verheiratet, usw.

Und - was passierte?

Der Krieg wurde NICHT von den herrschern verbrochen, sondern von Industriellen, Militärs und Fanatikern...

Und - gerade der EURO zeigt ja, dass eine künstlich drübergestülpte Währung über total unterschiedliche Länder (BRD, GR), eher die Unterschiede fördert als sie ausgleicht!

Also kkontraproduktiv.

Den Yugoslaven wurde 50 jahre lang derMythos von der "Brüderlichkeit" vorgesagt.

Niemand kann sagen dass in YU nicht die "Gleichheit" gefördert wurde.

trotzdem, veill. sogar deswegen, fielen dann die Ethnien mit unglaublichlem Hass übereinander her.

Man kann nicht alles künsteln...

Gast: Bonn
20.10.2011 15:37
5 1

Ursachenforschung

Wenn einem Schreiber nichts mehr einfällt wird ein Bezug zum ersten und zweiten Weltkrieg gesucht. Österreich hat nach dem ersten Krieg die Völker in Europa nicht erpreßt. Griechenland hat das doch gemacht.

Gast: unportish
20.10.2011 15:20
4 1

Portisch vergisst

dass Griechenland, aber auch die anderen netto-empfänger Spanien, Portugal und die neuen Eu-Länder überhaupt niemals besonders was mit den grossen europäischen Kriegen zu tun hatten!

De facto passierte die EU-Vereinigung zwischen Frankreich-Deutschland unter dem Schatten der bedrohung aus dem Osten durch die Sovjetunion.

Die EU war hier Vehikel aber NICHT die Ursache der friedlichen Entwicklung in Europa!

Udn- einige schreiben den Frieden in EUropa ja weniger dem "Wunder" EU zu (wie Portisch es tut), sondern der Tatsache dass die Geburtenrate ab 1920 stark absank (von 5 Kindern pro Frau auf 1,2 Kinder pro Frau heute) - was das gewalttätige Potential durch viele junge Männer stark senkte.

Bei Indianerstämmen konnte man auch en Effekt beoabchten - nach einem starken Bevöklerungsverlust vereinigten sich 2 vormals verfeindete Stämme, um gemeinsam vereint überleben zu können!

also - es dürfte eher eine natürliche Funktion sein.

Und - es zeigte sich ja dass ALLE Transferunionen (UdSSR, Yugoslavien) scheiterten und m.o.w. gewaltsam im Krieg endeten...

Auch Pakistan/Indien trennten sich, weil dei Differenzen zu gross wurden.

Ich sehe eher die Gefahr von Feindseeligkeiten und Gewalt in einer mit Zwang zusammengestoppelten Transferunion - denn wieso sollen WIR ZentralEUropäer auf DAuer den Wohlstand der GRiechen finanzieren?

Warum finanzieren wir nicht auch den Wohlstand der Marokkaner, Algerier, Malinesen, Ägypter, usw.?

Haben die kein Recht auf Geld?

Gast: Geheimrat
20.10.2011 13:50
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Schade um Portisch,

der war einmal ein brillianter Analytiker. Rechtzeitig aufzuhören ist offenbar gar nicht so leicht...
Schwammerlsuchen ist doch auch erfüllend!

Re: Schade um Portisch,

vielleicht eine Alternative: http://www.euaustrittspartei.at/

14 0

Auch ein Portisch verzapft manchmal Stuss

Griechenland 2011 = Österreich 1922? Ich kann es kaum glauben, dass Herr Portisch so einen Stuss verzapft. Der Unterschied ist so evident, dass es fast peinlich ist, es zu erwähnen: Österreich 1922 = Nachkriegsland, unfairer Friedensvertrag und absurd hohe Reparationen, Staatsgebiet zerstückelt - demgegenüber Griechenland 2011 = Bankrott nach jahrelangen Ausgabenexzessen.

Gast: Otto von Habsbourg
20.10.2011 12:58
10 0

Portitsch ist offensichtlich senil

Sonst würde er erkennen, dass die Gründe des österr. Bankrottes völlig anders lagen als die in Griechenland.

Gast: Nacktschwimmer
20.10.2011 12:42
10 0

Absurder Vergleich

Vergleich Österreich 1922 - Griechenland 2011?

Völlig absurd...

Österreich: WK I verloren, enorme Gebietsverluste, Zerschlagung eines Grossreiches, Reparationszahlungen an die Siegermächte...

Griechenland: Überbordendes Sozialsystem, 25% der Erwerbstätigen sind Beamte, exorbitante Lohnerhöhungen seit Euroeinführung, Betrug an europäischen Partner durch geschönte Budgetzahlungen...

Wo soll hier eine parallele liegen? Es ging Österreich schlecht und Griechenland heute auch. Aber das ist auch schon die einzige Parallele...

 
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