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Österreich ist Schlusslicht bei Informationsfreiheit

26.06.2012 | 18:21 |  FLORIAN SKRABAL (Die Presse)

In vielen Ländern wird das Recht der Bürger auf staatliche Informationen gestärkt - nicht aber in Österreich. Wie offen Politik und Verwaltung sein können, machte vor zwei Wochen Hamburg vor.

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2009 – Die Gefahr einer Pandemie ist akut. Die Republik beschließt, Impfstoffe anzuschaffen. Warum die Entscheidung im Ministerium auf den einen und nicht den anderen Hersteller fällt, bleibt – wie auch der Vertrag – bis heute geheim.

Ein Umweltskandal in Niederösterreich. Jahrelang förderte das Land eine Firma, die das Grundwasser verschmutzt haben soll. Mit Millionen Euro an Steuergeldern. Wie viel genau, darüber gibt es keine Auskunft.

Über Jahrzehnte vergab das Außenministerium Diplomatenpässe an Personen ohne offizielle Funktion. An wen und mit welcher Begründung? Ebenfalls: geheim.

Beispiele dieser Art bietet die Republik zur Genüge. Sie zeigen, dass trotz jüngst entdeckter Transparenz das Amtsgeheimnis in Österreich noch immer regiert.

Wie offen Politik und Verwaltung sein können, machte vor zwei Wochen die freie Hansestadt Hamburg vor. Die Parteien haben sich dort auf ein Transparenzgesetz der anderen Art geeinigt: Das Amtsgeheimnis wurde abgeschafft. Die Stadt will die Geheimniskrämerei in Ämtern und Behörden unterbinden – eine gläserne Verwaltung soll entstehen. So sieht das Hamburger „Transparenzgesetz“ vor, dass künftig Dokumente aus Politik und Verwaltung – etwa Gutachten oder Baugenehmigungen – ins Internet gestellt werden müssen. Außerdem soll die Verwaltung alle von ihr abgeschlossenen Verträge, die ein Volumen von mindestens 100.000 Euro umfassen, veröffentlichen.

 

Studie: Österreich Schlusslicht

Kommt man von der Elbe zurück an die Donau, kann von Glas meist nur bei den Fenstern der Verwaltungsgebäude die Rede sein. Beim Rechtsanspruch auf Informationen besteht Nachholbedarf, wie im vergangenen Jahr die erste zu dem Thema durchgeführte internationale Studie der Republik attestierte. In dem sogenannten „Right to Information Ranking“, das die beiden Menschenrechtsorganisationen „Access to Info Europe“ (aus Spanien) und das kanadische „Centre for Law and Democracy“ erstellten, belegte Österreich von 89 untersuchten Ländern den letzten Platz. Fazit: Informationsfreiheit, im Sinne eines Rechtsanspruchs auf Zugang zu amtlichen Informationen, gibt es in Österreich so gut wie nicht.

„Im Kern liegt das an dem sehr schwachen Gesetz, das die Informationsfreiheit in Österreich regelt“, sagt Helen Darbishire, die „Access to Info Europe“ seit 2006 leitet. Darbishire spricht das Auskunftspflichtsgesetz an, das – am Papier – einer Art Informationsfreiheitsgesetz am nächsten kommt. Seit 1988 regelt es die Verwaltungstransparenz von Bund, Ländern und Gemeinden. Es gibt Bürgern das Recht, über die Verwaltung Auskunft zu verlangen. Nicht ohne Haken, wie aus den Erläuterungen zum Gesetzestext hervorgeht: „Gründe für die Nichterteilung einer Auskunft sind gesetzliche Verschwiegenheitspflichten einschließlich der Amtsverschwiegenheit.“ In einem Bericht aus dem Jahr 2007 bezeichnet der damalige OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien, Miklós Haraszti, das österreichische Gesetz als „nicht adäquat“. Und weiter: „Die weitreichenden Ausnahmen zum Gesetz lässt Kommentatoren dieses als ,häufig illusorisch‘ beschreiben.“

 

Von Holschuld zur Bringschuld

Dabei dienen Informationsgesetze zu mehr als nur zur Kontrolle, wie Helen Darbishire sagt: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Verwaltung effizienter wird, weil Beamte ihre Informationen besser ordnen müssen.“ Am längsten gibt es ein Informationszugangsrecht in Schweden. Seit 1766 darf eingesehen werden, was sich in den Schränken schwedischer Behörden befindet. Nur wenn die Sicherheit des Staates oder die Privatsphäre von Personen gefährdet ist, können Dokumente zurückbehalten werden.

Ähnlich verhält es sich in den USA, wo der „Freedom of Information Act“ (FOIA) seit 1966 Einsicht in die öffentliche Verwaltung gewährt. Deutschland verabschiedete 2006 ein Informationsfreiheitsgesetz. Hier wahren Datenschutzbeauftragte Geschäftsgeheimnisse und die Persönlichkeitsrechte von Privatpersonen. Womit sich das Hamburger Gesetz nun abhebt: Die Verwaltung muss Dokumente von sich aus zur Verfügung stellen, nicht erst auf Bürgeranfrage.

Diese Umkehrung einer Holschuld des Bürgers in eine Bringschuld der Behörden brachten SPÖ-Abgeordnete vor elf Jahren ins Parlament: Ein runder Tisch sollte sich mit der Informationspflicht von Behörden wie einem „verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Information“ befassen. Damals war die SPÖ in Opposition.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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24 Kommentare

Holschuld

des Bürgers führt dazu, dass er auch noch verhöhnt wird wenn er seine Rechte einfordert.
Es wird das Amtsgeheimnis vorgeschoben und wenn man nachweisen kann dass die Sache diesem Amtsgeheimnis gar nicht unterliegt läuft man weiter im Kreis von einer MA zur anderen.
Die Krönung sind die Firmengeflechte und die von der Stadt Wien ausgelagerten Abteilungen wie der KAV, denn da kann mann sich auf privatrechtliche Abmachungen berufen die den Bürger nichts angehen obwohl diese sogenannten privatrechtlichen Abteilungen dem Diktat der Stadtregierung unterworfen sind.
Das zu ändern würde ja bedeuten dass man jahrzehntelang geübte Verschleierungen aufgeben müsste und dem Bürger seine in der Verfassung zugestandenen Rechte gewähren müsste.
"Dös hama do imma so gmocht, da könnt jo a jeda kumma".

Gast: Korrupty
28.06.2012 20:16
2 0

Bananenrepublik

Die Politiker wollen keine gebildeten Bürger (siehe Schulpolitik, Pisatest)
Damit es nicht auffällt wie korrupt und unfähig unsere Politiker sind!

Es geht nicht nur um das Amtsgeheimnis.


Auch die möglichen Folgen einer politischen Entscheidung gehören dem Bürger erklärt.

Die Bedeutung und der Inhalt von weitreichenden Verträgen und Entscheidungen gehören dem Bürger erklärt.
Gehen Sie einmal auf die Strasse und fragen Sie die Leute nach dem ESM---Sie werden verständnisloses Achselzucken ernten-und doch bestimmt z. B. dieser Knebelvertrag die Zukunft aller Bürger.
Haben Sie schon eine Sendung im ORF über den Inhalt und die folgenschweren Formulierungen des EMS gesehen? --ich nicht !!

Antworten Gast: Als angemeldeter User gesperrt
28.06.2012 17:06
4 0

Re: Es geht nicht nur um das Amtsgeheimnis.

Über die gestrige Kundgebung bzgl. ESM auf dem Ballhausplatz hat, obwohl sämtliche Medien anwesend waren, nur Ö24 berichtet - allerdings falsch u. tendenziös und in der ZIB 2, weil HCS anwesend war, wurde es auch erwähnt, ebenso falsch.
Nur keine Wellen schlagen - sonst könnt´ja das Volk gar noch draufkommen wie mies u. fies dieser ESM ist.
Wie arg bestochen sind unsere Medien bereits, dass NULL reelle Info durchkommt?

Gast: klingelts
27.06.2012 18:52
4 1

Selbstverschuldete Unmündigkeit, wenn man immer wieder die wählt, die dies so verheimlichen

ist aber ja auch kein Wunder, bei uns waren zuviele am Moskauer Flughafen und in Nordkorea

man stelle sich das ende des amtsgeheimnisses in wien vor

dann ware die regierung und verwaltung dort ja eines ihres, wenn nicht des schärfsten, Knebelungs,Verhinderungs, vertuschungs und angstverbreitumgsinstrumentes beraubt.

Selbiges schützt vor allem die Gauner und tachinierer.
wo komma denn da hin....

vom sozialistischen schweden immer nur am sonntag reden,aber die gleichnamigen gardinen fürchten, sollte das schwedische Amtsgeheimniskonzept (nämlich gar keines) auf wien ubertragen werden.....

2 0

...

ja da waeren dann 50% der staatsmitarbeiter und der justiz im gefaengnis...

Gast: gastnamen
27.06.2012 12:22
7 0

Bürgerdaten in Ö

Ich finde es immer sehr amüsant, die eigenen Daten eigentlich nirgends einsehen zu können, es wäre doch interessant, welche Datenmenge in den verschiedenen Behörden, Ämtern, Provider (Vorrat), GSM... von mir vorhanden sind, des weiteren, wie diese gespeichert und gegen Klau gesichert sind.
Warum der Staat keine eigenes, physikalisch unabhängiges Netzwerk für Behörden, Medizin,... baut ist mir ein Rätsel, denn so wären die Daten bei vernünftiger Struktur und bei vernünftig programmierten Anwendungen mit strengen Sicherheitsvorkehrungen vor Fremdzugriffen, vor allem aus dem Netz geschützt und wenn man in diesem Netz keine Rechner mit USB, firewire, CD/DVD,... zulässt, ist das Netz autonom und auch sicherheitstechnisch höher zu bewerten.
Und jeder sollte das Recht haben, all seine Daten sichten zu können. Der Bürger sollte der Eigner der Daten sein und sollte somit auch alle Rechte wie Einsicht, Recht auf Abänderung, Löschung (je nach Bereich eben) haben (Dies muß und könnte in diesem Beispiel auch nicht über das Internet geschehen).
Daten, welche mich betreffen gehören mir und sicher keinen Einrichtungen jeglicher Art.
LG

Antworten Gast: gastnamen
27.06.2012 18:36
0 0

Re: Bürgerdaten in Ö

Daten, welche die Verwaltung, Staat,... betreffen, gehören allen und müssen somit mindestens von unabhängigen Prüfern, wenn nicht sogar von allen eingesehen werden dürfen...

Demokratur ...

Parteibuchwirtschaft und Versteckspiel bis ins Parlament!

1 0

Informatiensfreiheit

Ist ja bei den gleichgeschalteten Medien zu sehen.

Gast: ckx375
27.06.2012 07:48
9 0

In Schweden kann ...

man auch beim Finanzamt erfragen was der Nachbar verdient - das wäre in Ö und in D völlig undenkbar.

Die Skandinavier haben eine echte Demokratie, das österreichische System kann ich schwer definieren - es erinnert mehr an ein Kasten-System (hier sagt man Kammern).

Respekt an die Hamburger !

Gast: hansvstein
27.06.2012 06:33
5 0

untern Tisch kehren, nix sagn, vertuschn, abstreiten, anders ist dieses Land nicht regierbar

und sie haben sofort die passenden Argumente parat, Neid ,Intrigen usw. und damit alles so bleibt sorgen sie für das entsprechende Klima, Goschn halten und kuschn.

7 0

hi

naja, dafür bei der Parteienfinanzierung ganz vorn.

Macht und Selbstverständlichkeit

Das Politik- und Gesellschaftsverständnis der Herrschenden einerseits und eine träge und kleinbürgerliche Wählerschaft andererseits haben diese Zustände ermöglicht.
In die Verantwortung zu nehmen sind natürlich die Regierenden. Die Wählerschaft ist aufgerufen, Reife und Entschlossenheit zu zeigen. Es liegt in der Macht der Regierenden, den Wählerwunsch zu missachten. Und es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, Politiker und Parteien dafür zu belangen. Einfach nicht mehr wählen.

19 0

der vergleich mit deutschland hinkt

dort treten politiker ja auch zurück, wenn man ihnen auf die schliche kommt, dort gibt es offensichtlich mehrere menschen mit restrückgrat. hierzulande brauchen sich die herrschaften auch mit transparenz vor nichts zu fürchten, die justiz spielt ja mit...

Gast: MichaelLan
26.06.2012 21:04
13 0

Leider überrascht das niemanden :(


17 0

Macht ja nix. Dafür sind wir bei der Parteienförderung und der Steuerquote ganz vorn dabei.


1 0

Re: Macht ja nix. Dafür sind wir bei der Parteienförderung und der Steuerquote ganz vorn dabei.

gleicher Gedanke!

Unsere Politiker

haben zuviel zu verbergen, da muss man erst gar nicht darüber berichten!

Ich werde bei der nächsten Wahl meine Rechte einfordern, und mir nicht immer "Pflichten" gefallen lassen, die längst keine mehr sind.

1 0

Re: Unsere Politiker

nicht verbergen, sie können sonst nix!

Re: Unsere Politiker

sie held! und welche alternativen werden sie wählen??? ist doch jacke wie hose...

Re: Re: Unsere Politiker

..ich schrieb nichts von Alternativen...

Der Name "Politiker" ist ja nur ein Synonym, welches seine Berechtigung schon längst eingebüsst hat!

Gast: Be-obachter
26.06.2012 19:42
8 0

Wiss'ma eh!