Von der Caritas bis zum Asyl-Hardliner: Die vielen Gesichter des Ernst Strasser

14.01.2013 | 18:20 |  MARTIN FRITZL (Die Presse)

Der Zug zur Macht war dem früheren Innenminister immer schon vertraut. Ebenso die Wandlungsfähigkeit.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Wer ist Ernst Strasser? Und wie ist er wirklich? Ist das Bild des Politikers, der sein Mandat zu Geld macht, das wahre Bild? Oder das des Innenministers, der in Rambo-Manier sein Ministerium politisch umdreht und alle Sozialdemokraten erbarmungslos aus dem Weg räumt? Oder ist es vielmehr der softe Polizeiminister, der bei den Demonstrationen gegen Schwarz-Blau zu Zurückhaltung mahnte? Oder ist der echte Ernst Strasser der Student mit Anfang 20, der das Bundesheer abschaffen und Privatkapital einschränken wollte?

Mehr zum Thema:

Ernst Strasser hat eine bewegte Karriere hinter sich – und einen weiten Weg, was seine inhaltliche Positionierung betrifft. Aus bäuerlichem Milieu im oberösterreichischen Grießkirchen stammend, wird das Studium in Salzburg zu einem prägenden Erlebnis. Dort fasst er in der Katholischen Hochschulgemeinde Fuß, einem linken Flügel der ÖVP, wie es ihn heute so nicht mehr gibt. Mit dabei damals: Wilhelm Molterer, noch ein Minister (und späterer Parteichef) der Ära Schüssel, der ebenso einen weiten ideologischen Weg hinter sich brachte.

Strasser hatte schon damals den Zug zur Macht und viel strategisches Geschick, wie ein ehemaliger Mitstreiter berichtet. Trotzdem dauerte es einige Zeit, bis seine Karriere so richtig in Schwung kam. Über den Bauernbund kam er ins Kabinett des damaligen Landwirtschaftsministers Josef Riegler, wechselte später in die Privatwirtschaft zum Umdasch-Konzern. Ein anderer Bauernbündler holte ihn zurück in die Politik: Als Erwin Pröll Landeshauptmann in Niederösterreich wurde, suchte er nach einem Parteisekretär: Einem, der im Tagesgeschäft dem Parteichef den Rücken frei hält, und keine Hemmungen hat, mit harten Bandagen zu kämpfen. Ernst Strasser hat diesen Auftrag perfekt erfüllt. Das System Pröll, das dem Landeschef ungezügelte Machtbefugnisse verschaffte und die Opposition zur Marginalie verkommen ließ, war zu einem guten Teil auch ein System Strasser.

 

Erwin Prölls Mann in der Regierung

Als Prölls Vertrauensmann kam er auch in die erste Regierung Schüssel. Das Softie-Image, das ihm angedichtet wurde („Der Vertreter der Caritas in der Regierung“), stimmte damals schon nicht mehr. Und so ging Strasser daran, das traditionell rote Innenministerium konsequent umzufärben. Gestützt auf eine Gruppe junger Kabinettsmitarbeiter, allesamt genauso karrierebewusst und rauhbeinig wie ihr Chef, wurden Zug um Zug bewährte Parteigänger in Schlüsselpositionen gesetzt. Pech für den Minister, dass der E-Mail-Verkehr Jahre später an die Öffentlichkeit gelangte und die Vorgangsweise öffentlich machte. Glück für ihn, dass der Staatsanwalt damals gnädiger war als dessen jetzige Kollegen, und eine mehrhundertseitige Anzeige dazu einfach „übersah“.

Warum Strasser 2004 von einem Tag auf dem anderen aus der Politik ausstieg, ist bis heute nicht völlig klar. Sein Versuch, in der Wirtschaft Fuß zu fassen, war jedenfalls nicht sonderlich erfolgreich. Ein Lobbying-Auftrag hier und da, ein paar Kontakte, die noch aus der Ministerzeit kamen, in Geld umgemünzt – das war es auch schon. Insofern versprach das Angebot von Josef Pröll, für die ÖVP in die EU-Wahl zu ziehen, neuen Schwung in die Karriere zu bringen. In Wahrheit ist er genau darüber gestolpert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

8 Kommentare

Es gibt eine 2 Klassen-Justiz in Österreich

Die Justiz für Politiker und die Justiz für den Rest.
Grauenhaft. Eine Schande für die Republik!!!

Olschak hat mit diesem völlig überzogenen Urteil der Justiz enorm geschadet

Vergewaltiger werden zu 1 Jahr Haftstrafe verurteilt. Die Begründung ist völlig unsachlich. Als ob er im Blutrausch wäre. Er hat es den Medien recht gemacht. Eine Schande für die Republik, wir sind kein Rechtsstaat mehr. Ich habe damit jedes Vertrauen in die Justiz verloren.

nur gerecht,

schon wegen der damals "vergessenen" Anzeige

Die vielen Konten Ernst Strasser's ...?

"Das Konto Seperato" über die Zusammenlegung der österreichischen "Wachkörper" (aufwachen!) Gendarmerie & Polizei sollte doch geöffnet werden;

Ob denn da nicht auch noch jährliche Tantiemen fließen?

es ist alles ECHT an ihm,

weil er sich selbst unermüdlich mit solch unglaublicher Routine manipuliert, dass er sich selbst alles glaubt, dass er 100% mit sich im Reinen ist, durch eine beispiellose permanente Autosuggestion, deren Kraftaufwand an künstlicher Harmonisierung ein Normalsterblicher niemals erbringen könnte, mit einer Eloquenz, die das speziell Gute in sich selbst als seine höchstpersönliche und vor allem selbstverständliche Legitimation für größere Rechte versteht... (Subjektiver Eindruck nach kurzer Begegnung)

Ernst Strasser schaut einem direkt in die Augen...

... mit einem derart strahlenden Ausdruck, dass man an allen Medien der Republik zweifelt. Sein Lächeln ist geradezu mitreißend, seine Körperhaltung dazu wirkt wie die eines Mannes, der mehr weiß als die anderen, vor allem aber, der etwas weiß, das ein gebildeter Mensch niemals für möglich halten würde, nämlich, dass komplizierte Aufgaben ganz einfach anzugehen sind, wenn man erfolgreich sein will, so einfach, daß jedes einigermaßen lebenserfahrene "Schlaucherl" sofort an dieselben Wege und Methoden denken würde, vermutlich jedoch mit einem Funken mehr Respekt vor der Materie. Doch Respekt verursacht Zaudern, und wer zaudert, hat bereits verloren. - Wer nicht täglich mit Politikern zu tun hat, vermutet vielleicht trotz aller Kritik irgendwelche Sonderqualitäten, die ihre Position in und ihr Handeln für die Allgemeinheit besonders legitimieren. Auch kommt man leicht zu der Überlegung, daß sie über besonderes Werkzeug verfügen. - Das ist ein Irrtum. Letztlich verwenden auch sie die Axt, allerdings nur, wenn sich die Anstrengung aus irgendwelchen Gründen nicht delegieren lässt. Aber sie sind erfolgreicher als der kleine Mann von nebenan, der noch ahnt, was Skrupel sind, der lieber bescheiden, dafür aber mit ruhigem Gewissen leben will. DAS aber kann auch Ernst Strasser: Mit ruhigem Gewissen leben. Sein Trick dabei: Das Lächeln, dieses offene Gesicht, KANN gar nicht falsch sein, ist es auch nicht; es ist alles ECHT an ihm...

es ist alles ECHT an ihm,

weil er sich selbst unermüdlich mit solch unglaublicher Routine manipuliert, dass er sich selbst alles glaubt, dass er 100% mit sich im Reinen ist, durch eine beispiellose permanente Autosuggestion, deren Kraftaufwand an künstlicher Harmonisierung ein Normalsterblicher niemals erbringen könnte, mit einer Eloquenz, die das speziell Gute in sich selbst als seine höchstpersönliche und vor allem selbstverständliche Legitimation für größere Rechte versteht... (Subjektiver Eindruck nach kurzer Begegnung)

Re: es ist alles ECHT an ihm,


ich bin ihm gottseidank nicht begegnet.

Umfrage

Mein Parlament

AnmeldenAnmelden