"Alles krank": Ärzte protestieren in Linz gegen Gesundheitsreform

16.01.2013 | 16:51 |   (DiePresse.com)

"In fünf Jahren werden wir teilweise vor den Trümmern eines Gesundheitswesens stehen", warnte Ärztekammer-Präsident Niedermoser auf der Demo.

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Rund 700 Teilnehmer hat die Ärztekammer für Oberösterreich Mittwochnachmittag bei ihrem Protest gegen die Gesundheitsreform in der Linzer Innenstadt gezählt. Präsident Peter Niedermoser ging in seiner Rede mit der Bundesregierung, allen voran SP-Minister Alois Stöger, hart ins Gericht: "Man will uns zu Befehlsempfängern im System machen, es geht um Machtergreifung durch die Politik." Niedermoser kündigte weitere Maßnahmen gegen die "Spar- und Reduktionsreform" an.

Mit Trommeln und Trillerpfeifen traf der Protestzug um 15.20 Uhr auf dem Hauptplatz ein. "Trostpflaster" wurden verteilt, auf der Verpackung hieß es: "Gesundheitsreform mit Nebenwirkungen". "Ja zum Solidarsystem - Nein zum Leistungsabbau", "Noch weniger Zeit für unsere Patienten? Nein danke!" und "Herr Gesundheitsminister: Schenken Sie der Bevölkerung reinen Wein ein: Geplant sind weniger Geld für Gesundheit, Leistungskürzungen und Bürokratie" war auf Schildern zu lesen. Die Teilnehmer der Demo ließen Luftballons mit der Aufschrift "Alles krank" steigen.

"Es ist wirklich eine Schande"

Bis 2020 sollten elf Milliarden Euro eingespart werden, sagte Niedermoser. "In fünf Jahren werden wir teilweise vor den Trümmern eines Gesundheitswesens stehen." Man werde die Reform aber dorthin bringen, wo sie hingehöre - "in den Papierkorb der Geschichte". Die Wähler seien von der Politik hinters Licht geführt worden. 2008 habe Stöger als Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse noch davon gesprochen, dass es "ungesund und unrealistisch" sei, das Budget zu kürzen, erklärte Niedermoser. "So schnell ändert man seine Meinung, es ist wirklich eine Schande." Die Ärzte hätten den ethischen Auftrag, sich schützend vor die Patienten zu stellen, betonte der Präsident. Die Proteste würden heute kein Ende nehmen. "Es ist der Anfang des Verhinderns dieses Papieres."

1200 Praxen oder rund 80 Prozent der niedergelassenen oberösterreichischen Ärzte haben nach Auskunft der Kammer am Mittwoch aus Unmut über die Reform bis auf einen Notdienst zugesperrt. Ursprünglich waren bundesweit Ordinationsschließungen geplant, dann wurden sie aber doch wieder abgeblasen. Oberösterreich beharrte als einziges Land darauf. In Salzburg, der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland gibt es ebenfalls Veranstaltungen, aber keine Schließungen.

Für die Gesundheitssprecherin der oberösterreichischen Grünen, Ulrike Schwarz, ist der Ärzteprotest "ein zugegeben drastisches Mittel, aber demokratisch legitim und teils verständlich". Das Berufsbild des Allgemeinmediziners müsse aufgewertet und die Rahmenbedingungen müssten verbessert werden. Sie appellierte dennoch an die Ärzteschaft, von weiteren Streiks abzusehen. Eine Lösung könne nur im Gespräch gefunden werden. Verständnis für die Proteste kam auch vom BZÖ Oberösterreich: Die Gesundheitsreform sei in Wirklichkeit "ein drastisches Sparprogramm bzw. eine Kürzung der Finanzmittel", so Gesundheitssprecher Josef Brunmair.

((c) APA)

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6 Kommentare

SPÖVP brauchen das Steuergeld für Finanzspekulationen

da bleibt eben für die Gesundheit weniger über...

etwas exakter bitte...

...wir werden vor den Trümmern, eines verstaatlichten Gesundheitssystems stehen...

Reform

Die sog,Gesundheitsexperten Stöger, Schelling &Co samt der Landespolitiker fahren über die Ärzte drüber. Die Bevölkerung wird für dumm verkauft, weil trotz Milliarden Kürzungen kein Lesitungs- oder Quaitätsverlust eintreten soll. Das sind gatte Unwahrheiten - wenn Spitäler, Ambulanzen geschlossen werden, wo sollen die Patienten hingehen- die Anzahl der niedergelassenen Ärzten beleibt gleich????
Reform wäre EINE Kranken- und EINE Pensionsversicherung, aber das wollen die Politiker nicht, entfallen dann doch die Versorgungsposten der Parteien. Stöger ruiniert das Gesundheitswesen. Sparen ja, aber richtig!

Wenn die Ärzte für die Einführung einer Ordinationsgebühr streikten....

ich würde sie ohne Vorbehalte unterstützen!
Ich bin der felsebfesten Überzeugung, dass im Nu die Ärzte die Patienten haben, die ihre Leistung schätzen, tatsächlich benötigen und verdienen. Und dafür auch bereit sind einen Selbstbehalt zu leisten!

Das Problem ist der zur Zeit einzementierte flotte anonyme Dreier.
Die Patienten wollen alles gratis haben
Die Ärzte sollen alles graits für die Patienten machen
und die Krankenkasse soll alles zahlen.
Selbstverständlich ohne die Rechung dafür kontrollieren zu können.
So aber streiken die Ärzte um Systemerhalt? Aber was ist das für ein System, wo der Anspruchberechtigte weder dazuzahlt noch wirklich erfaßt, welche Kosten er verursacht?
Was ist das für ein System, wo die Inanspruchnahme um jeden Preis gefördert wird und das Sparen hintenherum mit Einführung überbordender Bürokratie erzwungen werden soll.

Wenn die Ärztze am Freitagnachtmittag oder am Samstag gestreikt hätten....

wer hätte das dann bemerkt?

Wenn man die Sauerei der Politik in den letzten 20 Jahren sieht

ist man geneigt den Ärzten 100% Recht zu geben.
Obwohl die Zahl der Alten und chronisch Kranke ständig zunimmt sollen die Ausgaben an die Wirtschaftsentwicklung verknüpft werden!?!
Welche Idioten sitzen hier am Werk?
Warum nicht an der Zahl der Sonnenflecken?! Ist genauso relevant!

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