SPÖ-Personalrochade: Faymanns letztes Aufgebot

05.03.2013 | 18:11 |  OLIVER PINK UND THOMAS PRIOR (Die Presse)

SPÖ-Chef Werner Faymann ordnet sein kleines Reich neu. Ein richtiger Schachzug zur falschen Zeit.

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Wien. Franz Voves dürfte es – euphemistisch formuliert – schon geahnt haben: Bereits in der Vorwoche ließ der steirische Landeshauptmann ausrichten, die SPÖ brauche „eine Reform an Haupt und Gliedern“. Nun sind immerhin die Bundesgeschäftsführung und das Verteidigungsministerium neu besetzt. Wobei ein Steirer, Gerald Klug, einen anderen Steirer, Günther Kräuter, ersetzt. Ersterer steigt zum Minister auf, Zweiterer im Sommer zum Volksanwalt ab.

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Werner Faymann zieht die Reißleine. Und lässt Kräuter darüberstolpern. Dieser hat die jüngsten, nicht rasend erfolgreichen Kampagnen der SPÖ, etwa jene zur Heeresabstimmung, zu verantworten. In den Ländern hatte sich schon lange Unmut über die mangelnde Schlagkraft der SPÖ, die in erster Linie der Bundesgeschäftsführung in Wien angelastet wurde, aufgestaut. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis gehandelt werden musste.

Der SPÖ-Vorsitzende hat in den vergangenen Wochen wiederholt eine informelle Runde zum Thema Wahlkampf 2013 um sich versammelt. Mit dabei: Staatssekretär Josef Ostermayer, Infrastrukturministerin Doris Bures, Darabos' Kollegin als Bundesgeschäftsführerin im Wahlkampf 2006, und der Verteidigungsminister höchstselbst. Faymann soll den 48-jährigen Burgenländer gebeten haben, in die Bundespartei zu wechseln, weil auch er Zweifel an der Kampagnenfähigkeit von Kräuter und Laura Rudas hatte.

Wobei der jetzige Zeitpunkt der Bekanntgabe seltsam anmutet: Ausgerechnet zwei Tage nach dem fulminanten Wahlsieg der SPÖ in Kärnten. Statt die Peter-Kaiser-Festspiele und den FPK/FPÖ-Abgesang in den Medien erste Reihe fußfrei zu genießen, erinnert die SPÖ mit ihrer Aktion nun an eine der schwärzesten Stunden der jüngeren SPÖ-Historie: die Niederlage bei der Heeresvolksbefragung im Jänner und die damit verbundene inferiore Performance des in Militär und Bevölkerung ungeliebten Verteidigungsministers.

Allerdings war der Sonntag für die SPÖ so sonnig nicht. In Niederösterreich kam sie nur noch auf 21,6 Prozent. Dort leben immerhin 1,4 Mio. Wahlberechtigte, in Kärnten nur 440.000. Will Faymann am 29.September Kanzler bleiben, wird er in Niederösterreich ein besseres Wahlergebnis brauchen.

Und zu diesem soll ihm Norbert Darabos verhelfen. Denn der als Verteidigungsminister Glücklose hat auch seine Meriten. Als Landesgeschäftsführer der SPÖ Burgenland trug er im Jahr 2000 trotz Bank-Burgenland-Skandals und eines weithin unbekannten Spitzenkandidaten namens Hans Niessl maßgeblich zum Wahlsieg bei. Als Bundesgeschäftsführer managte er die Kampagne von Heinz Fischer, die diesen 2004 zum Bundespräsidenten machte, und bescherte Alfred Gusenbauer nach dem Bawag-Skandal 2008 die Kanzlerschaft. „Darabos ist der beste Wahlkampfmanager, den die SPÖ hat“, meint ein führender Genosse. Und so wird explizit auch er hauptverantwortlicher Wahlkampfmanager für den diesjährigen Nationalratswahlkampf sein.

 

Was wird aus Laura Rudas?

Doch was bedeutet das für Laura Rudas, die zweite SPÖ-Bundesgeschäftsführerin? Zum einen ist sie Günther Kräuter los, mit dem die Zusammenarbeit nie so wirklich funktioniert hat. Zu groß waren allein die Mentalitätsunterschiede zwischen dem urbanen roten Jungstar und dem bodenständigen Langzeitmandatar aus der Steiermark. Zum anderen muss sich Rudas in der Wahlbewegung dieses Jahres nun dem Kampagnenprofi Darabos unterordnen. Abmontiert, wie vielerorts vermutet, ist sie aber nicht. Sie hat nach wie vor einen direkten Draht zu ihrem Mentor, Werner Faymann. Und ein Scheitern von Laura Rudas wäre auch eine persönliche Niederlage für den SPÖ-Vorsitzenden.

Eine „Reform an Haupt und Gliedern“ ist das zwar noch nicht. Aber vielleicht ist das ja nur der Anfang. Die Frage ist allerdings, ob es Werner Faymann sein wird, der diese zu Ende bringt. Oder eher ein Genosse vom Kaliber eines Franz Voves.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2013)

 
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146 Kommentare
 
12 3 4
polditante
06.03.2013 20:00
3

nun ja

die personaldecke wird dünner, bald wird bei den roten falken rekrutiert, wobei,- kindermund tut wahrheit kund-, könnte bei den roten falken noch ein personalpotential mit ehrlichem charakter vorhanden sein, da unverdorben.

kawa
06.03.2013 18:51
4

voves ist und bleibt ein steyrer

Das ach so kleine reich des kleinen werners reicht eh nur vom bundespräsidenten über den bundeskanzler und 5 landeshauptleute.
Das einzige was ihm fehlt ist die durchschlagskraft in der eigenen partei.
Der werner wäre gut beraten den häupel in rente zu schicken und den steirern ihren platz.

Antworten Linda Fredi
06.03.2013 19:48
1

Re: voves ist und bleibt ein steyrer

Voves ist kein Steyrer, sondern ein Steirer ... kleiner Unterschied!

Antworten Antworten kawa
07.03.2013 19:11
0

Re: Re: voves ist und bleibt ein steyrer

Er ist und bleibt ein grüner 18ner steyr.
Langsam, klein und laut
Wie cap schon sagte: hauptsache tuk tuk tuk

Antworten Antworten Mores
06.03.2013 20:31
1

Re: Re: voves ist und bleibt ein steyrer

alte schreibweise!

;-)

Dunnerlitchen
06.03.2013 18:26
9

Jetzt ist der Kräuter am Wehrpflichtdebakel schuld?

Eh klar, sonst wäre es ja der Häupl.

sualk46
06.03.2013 17:01
11

Letztes Aufgebot - endlich ist ein Ende der Roten Versager in SICHT!

Fayegger wird wieder Taxi putzen, Spindelmann wird - was hat der eigentlich gelernt? Ja der kann auch Taxis putzen!

derpradler
06.03.2013 14:47
12

der Mainstreetkanzler

steht am selbst geschaufelten Grab der SPÖ!

Black John
06.03.2013 14:33
14

Werner Faymann bringt gar nichts zu Ende.

Ansonsten müsste er selbst auch zurücktreten. Glaubt daran jemand vor der Nationalratswahl?

Antworten Residenz
06.03.2013 15:27
7

Re: Werner Faymann bringt gar nichts zu Ende.

Er kann nicht zurücktreten, der Abgrund hinter ihm hindert ihn daran...

Residenz
06.03.2013 13:57
10

Faymann ist ein Warmduscher...


Kaunitz
06.03.2013 13:20
10

Sieg und Niederlage

Der völlig unverdiente "fulminante " Sieg in Kärnten, der nur durch das absolute Scheitern der Regierungsmannschaft möglich wurde, wird hochgespielt, um das absolute Versagen in NÖ zu überdecken. Und Hr. Da. hat man mit einem Posten versorgt, wo er nix falsch machen kann, denn den Wahlkampf werden sicher wieder die aus den USA importierten Spezialisten organisieren. Ich warte schon drauf, daß man dem Spindl eine Sexattacke im Kindergarten nachweisen wird, weil er einem Mäderl einmal aufs Popscherl geklopft hat.

Antworten Peter Langhammer
06.03.2013 18:15
6

dem Spindl eine Sexattacke im Kindergarten nachweisen .....

dem spindi kann man gar nichts nachweisen.

der hat nämlich überhaupt noch nie irgendetwas getan ......

Anderl74
06.03.2013 13:07
16

ich fasse es mal zusammen...

"...trug er im Jahr 2000 trotz Bank-Burgenland-Skandals und eines weithin unbekannten Spitzenkandidaten namens Hans Niessl maßgeblich zum Wahlsieg bei....managte er die Kampagne von Heinz Fischer, die diesen 2004 zum Bundespräsidenten machte, und bescherte Alfred Gusenbauer nach dem Bawag-Skandal 2008 die Kanzlerschaft." Also er verschafft der SPÖ Wahlsiege trotz himmelschreiender roter Skandale. Ergo, die SPÖ BRAUCHT als Wahlkampfleiter einen Blender, einen Märchenerzähler, einen Massenmanipulator und einen Heuchler. Selten hat sich jemand so über seinen neuen Job bzw. die Befreiung aus seinem alten gefreut wie jetzt der Norbert D.

Antworten Bergfan
07.03.2013 08:47
1

Re: ich fasse es mal zusammen...

er ist einfach der beste, der mit der Dreckschleuder umgehen kann, hat der Werner gesagt.

adyingwish
06.03.2013 12:59
10

Man könnte es auch als das letzte aufbäumen sehen !


Antworten Black John
06.03.2013 14:34
6

Re: Man könnte es auch als das letzte aufbäumen sehen !

I hope so.

Barney Stinson
06.03.2013 12:55
11

das SPÖ Dream Team

Faymann, Ostermayer, Bures und Darabos. Ohne Worte. Aber auch aus dieser Steilvorlage wird die ÖVP wieder nix zustande bringen weil sie mit den Sozis viel lieber im kuscheligen Einheitssozialismusbettchen schmust.

Antworten polditante
06.03.2013 20:03
1

Re: das SPÖ Dream Team

papagei laura vergessen.

Antworten Peter Langhammer
06.03.2013 18:18
1

wird die ÖVP wieder nix zustande bringen ......

kein wunder bei einem spindelegger, rauch, kopf, amon, ...

.... und strasser, grasser, martinz, ...

michaelcollins2
06.03.2013 12:50
2

wie sagen die engländer so richtig?

never change a winning team ^^.

daher: spö nicht winning ^^

Herethereeverywhere
06.03.2013 12:41
7

Und welcher Naivling glaubt

dass jemand sein letztes Aufgebot noch annimmt, geschweige denn noch oder wieder wählt. Wenn er unter anderen und besseren Angeboten wählen kann.Wer möchte sich denn schon auf der Straße der Verlierer wieder finden.

Alterdemokrat
06.03.2013 12:16
14

Wenn Faymann

wirkilch "aufräumen" , verändern will, dann muß auch Laura Rudas weg.

Antworten lb15
06.03.2013 15:48
2

Frau Rudas ist doch

für die Kommunikation zuständig, wie man hört.
Und für das Tragen der Aktentasche des Herrn BuKa, wenn sie wo hineingehen.

Außerdem, wen sollte Frau Kottal sonst parodieren? Nun, wenn ich so nachdenke, die Vassilakou ist eigentlich auch sehr lebensecht!

Antworten Mitredner1
06.03.2013 12:43
7

Re: Wenn Faymann

und er selbst auch. so ein Kasperl muss weg. aber bald sind wieder wahlen. interessant wirds...

Peter Langhammer
06.03.2013 11:28
7

und bescherte Alfred Gusenbauer nach dem Bawag-Skandal 2008 die Kanzlerschaft.....

OLIVER PINK UND THOMAS PRIOR (Die Presse) haben da aber ganz falsch recherchiert.

alfred gusenbauer war von 2007-2008 bundeskanzler, er gewann die nationalratswahl 2006 gegen wolfgang schüssel.

und darabos bescherte als wahlkampfleiter 2006 alfred gusenbauer diesen sieg.

 
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