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SPÖ und ÖVP haben Wikipedia manipuliert

30.08.2007 | 14:39 |   (DiePresse.com)

Seit mehreren Jahren werden von Partei-Computern aus Einträge im Internet-Lexikon Wikipedia beschönigt. Rot und Schwarz bestreiten lediglich, dies von oben gesteuert zu haben.

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Funktionäre von SPÖ und ÖVP sind offenbar bereits seit Jahren im Internet-Lexikon "Wikipedia" unterwegs, um dort jene Einträge, die die eigene Partei betreffen, zu schönen und die Konkurrenz entsprechend schlecht aussehen zu lassen. So wurden von Servern der SPÖ aus kritische Passagen aus dem Porträt von Parteichef Alfred Gusenbauer gestrichen, die ÖVP textete eifrig an der eigenen Parteigeschichte mit und ließ im Präsidentschaftswahlkampf 2004 kritische Links aus dem Wikipedia-Eintrag ihrer Kandidatin Benita Ferrero-Waldner verschwinden.

Möglich sind derartige Manipulationen, weil Wikipedia auf einem auf den ersten Blick bestechenden Grundprinzip basiert: Jeder kann mitmachen. Wer in einem Artikel Fehler entdeckt, wer es besser oder einfach mehr weiß, der kann Korrekturen anbringen oder Artikel ergänzen.

Genau das macht das System aber auch fehleranfällig. Wie sich nun herausstellt, sind nämlich bei weitem nicht alle Autoren der Wahrheit verpflichtet: Von der israelischen Regierung bis hin zum Software-Konzern Microsoft haben Behörden, Unternehmen und Politiker zu ihren eigenen Gunsten in die Online-Enzyklopädie eingegriffen - eben auch die österreichischen Großparteien.

"Wikipedia-Scanner" als Enthüller

Enthüllt wurden die Manipulationen mit Hilfe eines vom amerikanischen Informatikstudenten Virgil Griffith entwickelten Recherche-Werkzeugs, dem "Wikipedia-Scanner". Technisch ist das nicht besonders schwierig, denn alle Änderungen an den Wikipedia-Artikeln werden automatisch protokolliert - inklusive IP-Adresse (eine Art Internet-Telefonnummer) der Autoren.

SP startete bereits 2005

Ergebnis: Ausgehend von einer der SPÖ zuzurechnenden Adresse wurde bereits 2005 versucht, kritische Passagen aus dem Wikipedia-Porträt von Kanzler Alfred Gusenbauer zu streichen. Von einem SP-Rechner aus wurde versucht den Satz "Auch in den auf die Nationalratswahl 2002 folgenden Jahren konnte Gusenbauer nur bedingt positiv auffallen" zu löschen. Als das misslang, wurde folgender Ergänzung hinzugefügt: "Seit der Nationalratswahl 2002 befindet sich die SPÖ im permanenten Aufwind, hat alle Wahlen gewonnen und liegt konstant in allen Umfragen vor der ÖVP."

Von der selben IP-Adresse aus bearbeitet wurden auch die Porträts anderer roter Politiker - etwa von Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter oder Bildungssprecher Josef Broukal - und bereits verstorbener Parteigranden - von Otto Bauer bis Bruno Kreisky.

Auch ÖVP schläft nicht

Doch auch die ÖVP nutzt das Internet-Lexikon bereits seit längerem für ihre Zwecke, wie Recherchen der APA im Wikipedia-Scanner ergaben. Am Beispiel des Präsidentschaftswahlkampfes 2004: Als damals im Wikipedia-Porträt der VP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner Links zu kritischen und satirischen Homepages auftauchten, wurden diese kurzerhand gelöscht - und zwar von einer auf die VP-Tochterfirma Alpha Medien Service registrierten Adresse aus. Die selbe Adresse fügte dann dem Wikipedia-Eintrag des SP-Kandidaten Heinz Fischer einen Hinweis auf eine Homepage hinzu, die den Ferrero-Waldner-Konkurrenten als "Roten Heinzi" persiflierte.

Besonders häufig bearbeitet wurde von dieser Adresse aus auch der Eintrag über die ÖVP selbst - zuletzt im November 2006. Themen: "Die Ära Schüssel - Koalition mit der FP", "Die Renaissance der VP unter Alois Mock" und "Literaturtipps" von Autoren wie Andreas Khol, Reinhold Lopatka und Wolfgang Schüssel.

Aber auch über die politische Konkurrenz hat die ÖVP im Internet-Lexikon einiges zu sagen. Etwa über die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou oder über den steirischen SP-Landeshauptmann Franz Voves. Hier funktionierte allerdings die Selbstreinigungskraft der Wikipedia-Community: Die Passagen wurden mittlerweile von anderen Usern gelöscht.

SP und VP bestreiten organisierten Eingriff

SPÖ und ÖVP bestreiten Eingriffe in das Internet-Lexikon Wikipedia im Auftrag der jeweiligen Parteizentralen. "Auf keinen Fall ist das von der Bundesgeschäftsstelle aus gesteuert", versicherte SP-Sprecherin Catherina Straub.

Ähnlich ihr VP-Kollege Gerald Fleischmann: "Es gibt keine Anweisung, den politischen Mitbewerber mit solchen Mitteln schlecht zu machen - weder früher noch heute."

Dass Partei-Mitarbeiter Wikipedia-Beiträge manipuliert haben könnten, wollen freilich weder SPÖ noch ÖVP ausschließen. "Unser Haus nützt das Internet im Alltag, daher kann man nicht ausschließen, dass in unserem Haus so etwas geschehen ist", sagt Fleischmann. Und: "Wie wir in Zukunft damit umgehen, werden wir jetzt prüfen."

Broukal outet sich bei eigenem Eintrag

Der SP-Abgeordnete Josef Broukal outete sich als Mitautor des eigenen Eintrags im Internet-Lexikon. Er betont, dass die Parteizentrale bei seinem Wikipedia-Eintrag "nur meine eigenen Rechtschreibefehler ausgebessert hat, wofür ich ihr sehr dankbar bin".

Demnach hat der SP-Abgeordnete etwa selbst den Hinweis eingefügt, dass er mittlerweile zum stellvertretenden Klubchef befördert wurde, sich ein "zweites berufliches Standbein" als EDV-Trainer aufgebaut und als "Mister Internet" zur Verbreitung des neuen Mediums in Österreich beigetragen habe.

Von einer Manipulation seines Eintrags durch die SP-Zentrale könne man nicht sprechen, betont Broukal. Gusenbauer-kritische Passagen seien nämlich nach wie vor enthalten.

(Ag./Red)

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25 Kommentare
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Gast: WIKIPEDIA-Mitverfasser
02.09.2007 17:40
0 0

Wissenschaftlich korrekt

ist es, aus den WIKIPEDIA-Artikeln nichts zu löschen, zu verfälschen oder zu verändern, sondern seine eigenen
(tatsächlich oder vermeintlich richtigen)
Einträge ohne Anstastung der bereits vorhandenen Einträge unterzubringen.
Bearbeiten - ja, aber redlich!

saudade
30.08.2007 17:05
0 0

Die Frage ist eher,...

...wer macht das nicht...

jta
30.08.2007 15:13
0 0

das mit den veräterischen IP adressen

wird natürlich jetzt nie wieder vorkommen

man kann sich ja helfen.
so viele junge mitglieder haben internet zu ahuse udn da gibt es noch die uni, die ja besonders unauffällig sein könnte.

ist halt so, wie mit den statistiken. glaub nur den beiträgen, die du selbst verfälscht hast.

dass unsere parteien das mit wiki gegnissen ahben zeigt ja schon von ein bisserl intelligenz. dass sie gleich ihre büros zur fäscherwerkstatt funktioniert haben, weniger.

mfg
johann potakowskyj

Ophicus
30.08.2007 17:09
0 0

Re: das mit den veräterischen IP adressen

Oder es waren irgendwelche Parteifußsoldaten die auf eigene Faust da was geändert haben, weil sie (wie es sich für Parteifußsoldaten gehört) einfach persönlich der Meinung waren, dass man so etwas böses doch nicht schreiben darf.
Dass sie ihren Büro-PC dafür verwendet haben und nicht den zuhause macht die Partei noch nicht wirklich verantwortlich für die Aktion.
Wenn andererseits die Partei die Mitglieder anweist Wikipedia zu manipulieren und die das alle von zu Hause aus machen, dann ist die Partei daran nicht unschuldig.
Anders gesagt: Wo der PC dazugehört sagt im Grunde garnichts aus. Diese ganze Aufregung um diesen Wikipedia-Scanner ist einfach nur wieder eine Bestätigung für die, die es ja sowieso schon immer gewußt haben. Fakten bringt es so gut wie keine.

0 0

Informationsschifferl-Versenken...

Das muß ja in den Pareitzentralen ziemlich lustig zugegangen sein, wenn man sich an den Computer setzte, um den politischen Gegner durch fingierte Eintragungen zu verarschen! Zum Glück brauchen die "Menschen draußen im Land" keine Wikipedia, um sich ein objektives Bild von ihren "Volksvertretern" zu machen. Sie wissen nämlich selbst aus täglicher leidvoller Erfahrung, wes Geistes Kind diese sind und wie wenig man sich von ihnen tatsächlich erwarten darf! Doch dieser Bericht rundet immerhin deren eh schon miserablen allgemeinen Eindruck noch weiter ab...

panda82
30.08.2007 12:01
0 0

Es ist nicht mehr lustig...

Wollen diese Leute Ernsthaft ein Land regieren??

Anscheinend ist Österreich nicht umsonst eine Bananenrepublik geworden...

4x4
30.08.2007 13:26
0 0

Sehr lustig!

Ein Türke bezeichnet Österreich als Bananenrepublik.

Lieber die schlimmste Republik, als das beste Kalifat.

Antworten Antworten Gast: AEIOU
30.08.2007 14:22
0 0

ahhh

manchmal schreibt die presse so richtig primitiv. dann verstehe ich auch wieder, warum sich 4x4 hier so wohl fühlt.

4x4
30.08.2007 14:49
0 0

Re: ahhh

AEIOU, das ist hier viel zu "primitiv" für dich, lies lieber den "Standard" und verschone uns hier.
:-))

Antworten Gast: gast
30.08.2007 12:09
0 0

Leider machen das ALLE Politiker auf der ganzen Welt

Auch Politik beruht eben auf Manipulation und Lüge.

Ophicus
30.08.2007 13:47
0 0

Re: Leider machen das ALLE Politiker auf der ganzen Welt

Nein, es machen nicht alle Politiker. Aber wenn es die Politiker nicht machen, dann machen es ihre Mitarbeiter, Parteifreunde oder Sympathisanten.
Nicht jedes Mal wenn in der Politik betrogen wird ist ein Politiker schuld - oder weiß auch nur davon. Meistens schon, aber manchmal eben auch nicht. Man weiß es nie sicher.

0 0

und?

Hmm, das Interesse an Wikipedia ist anscheinend schon wieder abgeflaut. Wie davon berichtet wurde dass die Kirche Beitraege manipuliert war die Hoelle los, aber nun ... Tote Hose.

Was solls ...

C. P. U.
30.08.2007 12:24
0 0

Re: und?

Wikipedia ist uninteressant geworden da man sich seitens Wikipedia nicht auf die Füße gestellt hat und dem Druck der Meinungsdiktatoren nachgegeben hat und immer mehr Seiten von der Bearbeitung durch gewöhnliche User ausgeschlossen hat. Dadurch wurde der Sinn von Wikipedia kontakariert.

Wer Wikipedia verwendet, sollte also immer schauen, ob die Beiträge zu diesem Begriff überhaupt bearbeitet werden können. Ist das nicht der Fall, so ist der Eintrag als Falscheintrag bzw. verfestigter Unsinn zwecks Irreführung von Usern zu Werten und man muss sich aus möglichst ungefilterten Quellen sinnvolle Informationen zum jeweiligen Thema besorgen.

Ophicus
30.08.2007 13:49
0 0

Re: Re: und?

Und den Brockhaus kann man auch nicht editieren, also glaubt ihm ja nichts.
Nehmt nur solche Informationen ernst wo ihr nicht überprüfen könnt von wem sie kommen und die jeder verfälschen kann wie er will. DAS sind verlässliche Informationen.

Sisyphus
30.08.2007 11:36
0 0

naja....

fuer die roten wirds net viel bringen weil deren klientel net grad die leser von solch seiten sind... :-D

fuer die schwarzen is des auch wieder wurscht weil was die koenne net soviel schoendaschreiben wie deren "vertreter" wieder bloedheiten einfallen...

alles in allem...luegen tuns beide und des is ja nix neues. wunder es dann noch jemanden wenn jugendliche den papst als vorbild sehen ("der is zwar megakonservativ aber der steht wenigstens dazu...").

es wird wirklich zeit, dass oesterreich erwacht und den gross dieser schmarotzer zum teufel jagt. neue parteien gehoeren her. die direktwahl. mitbestimmungsrecht des buergers (ergebniserzwingende volksbefragungen ala schweiz!) etc. etc... und das lieber heute als morgen!

ich bin gespannt wann sich der erste da drueber draut. die FPO hat als EINZIGE partei eine (IM ANSATZ) liberale geschichte. ich bitte darum das zu vertiefen und wenn der HC nicht tragbar ist dann suchts euch an neuen!!

Antworten Gast: Austriacus
30.08.2007 14:00
0 0

Re: naja....

Liberal wie der Herr Peter? Wenn jemand die Bevölkerung mehrerer Ortschaften massakriert hat, ist er für mich kein guter und auch kein liberaler Mensch mehr.
Die letzten Liberalen sind 1938 aus Österreich ausgewandert oder wurden ermordet. Alle Politiker seither sind Anhänger eines mehr oder minder (eher mehr als minder) totalitären Staates.
Die manipulierten Wikipedia-Artikel sind im übrigen leicht an ihrer Sprache zu erkennen.
Das einzige, was hilft, ist selbst mitzuschreiben. Trotz der Manipulationen ist Wikipedia eigentlich ein recht hochwertiges Lexikon.

Sisyphus
31.08.2007 07:32
0 0

Re: Re: naja....

Sie wissen so gut wie ich, dass ich nicht Peter meinte (wobei..Für die Roten war er gut genug um denen den Wahlsieg zu sichern..Und die IRONIE des Jahres damals. Ein Jude holt sich einen ExNazi ins Parlament..Soviel zum Rückgrad Kreiskys und der Roten....)

Die Ansätze der FP waren nicht derart schlecht. Es gab eine Liberalen Flügel nur wurde der leider vom Rechten schnell "gestutzt"!.

Zum Rest Ihres Beitrages stimme ich voll zu.

Was die WikiArtikel betrifft. Es IST erkennbar. Bedingt... Für jene 75% die auch Meinungsumfragen vor Wahlen Glauben schenken....??

Und Ja. Ich finde Wikipedia noch immer ein gutes Stk onlineInfo.

Gast: plebs potus
30.08.2007 10:51
0 0

ich schreibs mir auf ein zetterl

"spö, övp, alle anderen parteien und deren vertreter sind eine pr-Selbstbedienungsmafia, deren Gleichberechtigungsbestrebungen gegen Null und deren Soziales Gewissen den Jordan hinabstreben"

Hah, geschichtsverfälsch this, ihr schizophrenen, macht- und geldbesessenen PR-Konspiranten.

Gast: N:N
30.08.2007 10:30
0 0

Ha ha

Na wenn ich daran denke wieviele Presse Poster hier z.B Heinz Fischer als "roten Heinzi" bezeichnen und noch dazu mit welcher Ausdauer dann könnte man vielleicht zu der Ansicht kommen.....

Nein an Verschwörungstheorien glaube ich nicht

Alien
30.08.2007 12:24
0 0

was sollen wir denn tun?

Der Name paßt einfach so gut, auch wenn das Original sicher mehr drauf hatte, als der jetztige.

4x4
30.08.2007 09:20
0 0

Huch, wie schockierend! :-)

Dass Politik ein schmutziges, verlogenes Geschäft ist, wissen (fast) alle!
Solche G'schichterl regen schon lange keinen mehr auf.

Gast: pferdekopf
30.08.2007 09:06
0 0

und wieder einmal...

natürlich hat von den oberen wieder einmal niemand etwas gewusst.
was mich interessieren würde; wurden die manipulationen rückgängig gemacht oder gleitet wikipedia immer mehr in die unglaubwürdigkeit ab?

0 0

Re: und wieder einmal...

pei politischen themen wäre ich sehr vorsichtig, die sind mir zu links.

neutrale themen sind nicht schlecht. medizinische zum beispiel.

mfg
mc

Gast: Realist
30.08.2007 08:57
0 0

Merkwürdig

ist nícht das Bemühen, auf Wikipedia Einfluß zu nehmen, sondern die besondere Intelligenz, dazu immer dieselbe IP-Adresse zu verwenden.

Alien
30.08.2007 12:25
0 0

So merkwürdig ist das nicht,

das können dort scheinbar nicht so viele...

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