Rechtsstreit: Edelleute von heute

02.11.2007 | 18:17 |  OLIVER PINK (Die Presse)

Warum Adelstitel in Österreich im Zweifelsfall wieder zulässig sind.

(c) ORF (Adi Schafler)

Jahrhunderte regierte er das Land und seine Bürger. Heute geht es ihm anscheinend schlecht, dem Adel. „In der Schule habe ich mich sogar geprügelt, weil die Geschichtslehrerin gesagt hat, meine Vorfahren seien am Ersten Weltkrieg Schuld gewesen“, erzählt Stephan Hohenberg, Nachfahre der Habsburger, über den „angefeindeten“ Stand, dem er angehört.

Hohenberg ist Vorsitzender der „Vereinigung der Edelleute in Österreich“. Und ebendieser Verein gab den Anstoß dazu, dass die Adelstitel in Österreich, seit 1919 abgeschafft, wieder zulässig sind, wie die Publizistin Gudula Walterskirchen in ihrem neu aufgelegten Buch „Adel in Österreich heute“ schildert.

Im November 2005 war im Nachrichtenmagazin „profil“ ein Artikel über die „Vereinigung der Edelleute“ (V.E.Ö.) erschienen. Nicht ohne Folgen. Die SPÖ-Abgeordneten Hannes Jarolim, Christian Puswald und Peter Wittmann brachten daraufhin eine Anfrage an das Innenministerium ein: Sie stießen sich daran, dass die Gründungsmitglieder bei der Gründung des Vereins zu ihren Namen auch die Adelstitel anfügten. Genehmigt worden waren die Statuten im Frühjahr 2005 von der Bundespolizeidirektion Wien. Laut Statut können Personen Mitglieder des Vereins werden, „die zur Führung eines Adelstitels gemäß dem geltenden Adelsrecht berechtigt sind“.

Die SP-Mandatare wiesen zudem daraufhin, dass die V.E.Ö. eine Neuauflage einer Vereinigung von Monarchisten (gegründet 1914) sei, die 1938 (!) verboten wurde. Originalzitat: „Seit dem Verbot im Jahre 1938 wurde die Erteilung einer Genehmigung für einen solchen Verein stets versagt. Nun jedoch wird die Praxis völlig geändert.“ An die damalige Innenministerin Liese Prokop wurde noch die persönliche Frage hinzugefügt, ob die Genehmigung des Vereins etwas mit ihrer Ehrung durch die monarchistische Verbindung Elisabethina zu tun habe.

Im Februar 2006 folgte die Antwort des Innenministeriums: Auch wenn Adelsbezeichnungen in den Vereinsstatuten verwendet worden seien, sei hier eine „mit der österreichischen Rechtsordnung vereinbare Auslegung möglich“. Dennoch erhielt die V.E.Ö. am 16. Februar 2006 den Bescheid, dass der Verein aufgelöst sei: Die Vereinstätigkeit stimme mit den Statuten nicht überein. Einige Vertreter des Vereins seien österreichische Staatsbürger und damit nicht zum Führen eines Adelstitels berechtigt.


Erfolgreicher Einspruch

Die V.E.Ö. beeinspruchte den Bescheid – mit Erfolg. Im November 2006 teilte die Vereinsbehörde mit, dass das Verfahren zur Einstellung der Vereinsauflösung eingestellt sei. Begründung: Die Mitglieder der V.E.Ö. seien laut Adelsaufhebungsgesetz 1919 zwar nicht öffentlich zur Führung eines Adelstitels berechtigt, sie würden aber weiterhin dem „historischen Adel“ angehören. Im Zweifel seien die Statuten im Sinne der Vereinsfreiheit auszulegen. „Somit wurde von einer österreichischen Behörde erstmals in der 2. Republik anerkannt, dass es noch einen österreichischen Adel gibt“, resümiert Autorin Walterskirchen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2007)


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73 Kommentare
 
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Von Gast: Jurist am 11.12.2007 um 10:12

Noch so eine illegale Edeltat

aus der unseligen Prokopzeit. Mit dem geltenden Recht hat es das Ministerium, das zur Überwachung der Einhaltung des geltenden Rechts berufen ist, damals nicht so wirklich gehabt ...

Von Gast: Philipp Gudenus am 10.11.2007 um 10:40

Adelsrecht,

hoffentlich hat diese Vereinigung bessere Kenntnisse hinsichtlich des Adelsrechtes, dem auch das Eherecht angehört. Damit sind Neuerungen, insbesondere ab 1938 ausgeschlossen. Wie etwa Folgen aus Ehen mit dem (SS-?) Stahlhelm; diesbezüglich siehe St. Johanns-Club, in Wien, Mitgliedsverzeichnis

Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 10.11.2007 um 17:21

Ehehindernis des Katholizimus, ABGB, §§ 62, 119

(Manz, Grosse Ausgabe, 1906, S 74) untersagt Ehe eines Katholiken mit geschiedenem akatholischen Christen. Aus "Ehe", nach 1937, gebohrne Tochter - die Clubmitglied heiratete - kann somit keineswegs ein "Gräfin von" sein. Änderungen des Eherechtes nach 1918/1919 sind hinsichtlich des Adelsrechtes irrelevant; Die historischen ôsterreichischen Familien, ein Teil des histoirschen Adels, sterben somit langsam aber sicher aus. So diese Familie dem ungarischen Adelsrecht auch unterstehen, so tritt der Schaden nicht ein.

Von Gast: Philipp Gudenus am 06.11.2007 um 16:44

Französische Republik, Abschaffung, erbliche Titel

in F abgeschafft bzw. aufgehoben, Titel werden jedoch jeweils vom Justizminister als Oberst-Siegelbewahrer nach Todesfall nächstem Berechtigtem bestätigt. Es gibt einen Verein des Adels. All das ohne Kommentare. Zwischen A und F: der Rhein. A, offensichtlich Dorf bzw. tiefste Provinz. Ähnliche Diskussion in F würde erstaunen. In DK nicht aufgehoben, jedoch quasi nicht in Verwendung.

Von geheimrat am 05.11.2007 um 16:55

Könnte es sein,

daß die Adeligen, so wie der gemeine Pöbel auch, am Häusel die Hosen runterlassen müssen ?

Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 05.11.2007 um 21:09

Geheimrat [und nicht ein geheimer Rat],

also ein Preuss, folglich haben diesem Rat Deutschnationale Elemente in den ihnen eigentümlichen forschendem Ton zu antworten!

Antworten Antworten Von Lillith am 06.11.2007 um 10:27

Re: Geheimrat [und nicht ein geheimer Rat],

P.Gudenus eine nie versiegende Quelle an Schwachsinn

Antworten Antworten Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 06.11.2007 um 16:31

geheimer Rat,

so lautete der k.u.k. Titel, der Inhaber ware eine Excellenz, etc

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 07.11.2007 um 14:49

geheimer Rat, später: Geheimer ...,

stand jederman offen, auch einem Herrn Klein, z.Bsp. Franz Klein, Justizminister. Bei Hofe konnte es passieren, dass Vorrang vor einem Fürsten bestand; im Staatsschematismus nach Datum der Ernennung nachschlagbar, daher auch hier in eventu Vorrang vor Fürsten

Von Ophicus am 05.11.2007 um 13:56

Ach wie schön, ein echtes Problem

Ich stamme auch von den Habsburgern ab und habe mich in der Schule deshalb nie geprügelt. Allerdings ist inzwischen so viel "Bürgerliches" Blut dazu gekommen, dass ich auch nach altem Recht keinen Titel hätte.
Trotzdem: Wenn der Adel die Titel wieder haben will sollen sie die meinetwegen wieder bekommen. Dadurch werden arrogante Idioten keine strahlenden Staatsmänner und wer davor schon einer war wird dadurch nicht zum Großkotz.
Die Gesellschaftsschichten die den Adel rein um seines Titels willen umschwärmen machen das auch wenn es den Titel offiziell nicht gibt.
So lange der Adel seine Privilegien nicht zurück bekommt ist doch völlig unerheblich wie sie sich nennen lassen.

Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 05.11.2007 um 14:31

Privilegien,

diese waren? Wohl nur bei schwerer Missetat: Entadelung. Einige Familien hatten Sitz im Herrenhaus (hatten aber kein Recht auf Einberufung), sowie im Landtag von Tirol (was ward schon hier entschieden). Ansonsten nichts!

Von ujvar am 05.11.2007 um 13:00

Noblesse

Einer der nobelsten, angesehensten, gebildetsten Bürgern dieser Welt:

der Sohn des letzten österreichischen Kaisers und Königs von Ungarn, Otto Habsburg-Lothringen.

Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 05.11.2007 um 13:17

Noblesse,

dieser sind souveräne Häuser keineswegs zugehörig. Wohl aber unterstehen dieser solche Häuser

Von Gast: Otto am 05.11.2007 um 12:24

Lächerlich.

Wenn dieser lächerliche "Sieg" alles ist, was man braucht um unsere Aristos zu erfreuen - ist es gut, wenn das Adelsaufhebungsgesetz in Kraft bleibt.

Antworten Von Gast: Ph.Gudenus am 05.11.2007 um 13:14

soll in Kraft bleiben

! Es geht auch ohne, denn man hat nicht etwa Herr Arbeiterrat, Doktor, resp. sonstige Vicherei zurückzugeben, ja sogar ohne Herr geht es!

Antworten Antworten Von Lillith am 05.11.2007 um 17:41

Re: soll in Kraft bleiben

das klingt dann in etwa so:..."Sie(er) darf das Essen servieren.."
oder:"Sie (er) darf den Weihnachsmarkt bezahlen. Ich gebe ihr das Geld später."


Antworten Antworten Von Gast: Lillith am 05.11.2007 um 17:00

Re: soll in Kraft bleiben

Wie bitte darf ich das verstehen?

"Sie (er) darf mir den tee servieren?

statt korrekte anrede mit einem durch ein Studium erworbenen Titel, heißt es dann aus gräflichem Mund....."Sie(er) darf mir Tabletten gegen meine Kopfschmerzen geben?

Antworten Antworten Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 06.11.2007 um 16:35

Dieser beim Arzt,

Monsieur Müller/Herr Müller ich haber Kopfweh, bitte um ein Rezept (Ordinantion kostet Euro 22)

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Lillith am 06.11.2007 um 16:48

Re: Dieser beim Arzt,

Aha, nicht versichert, ohne arbeit? warum wohl? nichts zu bieten?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: Philipp Gudenus am 06.11.2007 um 18:24

22, in F der Verdienst des praktischen Arztes,

offensichtlich genügt dieser Betrag nicht, will sagen in Ö wird man ausgenommen. Es gibt in daneben noch für Socialfälle, also Nicht-Versicherte, den Arzt samt Medikament umsonst, bei der Mairie zu beantragen. Da EU kann man ohneweiteres nach F überwiedeln.

Von Gast: Philipp Gudenus am 05.11.2007 um 12:18

Homepages diverser Monarchisten

Diese, noch die M... werden zitiert. Zweifeln sind daher in jeder Richtung angebracht.

Nichtadel ist Pöbel, soll sein, dass dies nur für heute gilt. So man auch auf vorgestern schliessen darf, so beide Grossmütter vom Pöbel. Stört weiter nicht, da man sich bestimmt nicht als Edelmann von Heute, noch von Gestern, noch gar von Morgen fühlt.

Adelsfamilien, es gibt wohl solche und solche. Zunächst muss man die Namen haben; denn einige sind von der Kategorie “Nichtadel mit Briefadel”, schon ein cowboy want the real thing.

The real thing sind die etwa 100 Häuser, die im Herrenhaus sassen, dazu die Familien hier rundherum. Also schon äusserst eingeengt. Um 1800 setzte ein: schon Fürsten zwickten ihre Küchenmädels - also Untergebene von Köchinnen auf -auf; entsprechende Folgen in den FAMILIEN waren DANN da.

The real thing engt sich also immer mehr ein. Zum Schluss bleibt nichts mehr übrig; bestenfalls ... verköchinnent, Ergebnis vivotiert nur noch dahin.

Von Silvester am 05.11.2007 um 11:03

Adel und Pöbel

Zufällig bin ich auf Homepages diverser Monarchisten gestoßen und was bekam ich da zu lesen? Kurz gesagt: Alle Nichtadeligen sind Pöbel!
Die Einstellung des Adels, sofern die genannten Seiten für ihn repräsentativ sind, ist, was Soziales betrifft, katastrophal, halsabschneiderisch geradezu. Die sehen in unserer Sozialversicherung das Übel für alle Mißstände in unserem Lande! Kämen sie an die Macht, würden sie alles was irgendwie sozial ist sofort abschaffen! Thron und Altar würden wieder unumschränkt herrschen.

Beruflich hatte ich vor einiger Zeit mit Mitgliedern zweier Adelsfamilien zu tun. Ich kann euch sagen, die Arroganz, die die an den Tag legten, ist im wahrsten Sinn des Wortes umwerfend! Außerdem schoben sie mir die Schuld für etwas in die Schuhe, wofür ich soviel konnte, wie dafür daß in China irgendwo ein Fahrrad umfällt.

Also nehmt die Adeligen und ihre Titel nicht auf die leichte Schulter!

Von pennpatrik am 04.11.2007 um 15:50

Der Pöbel ...

... ist voll Hass über jeden, der ihm wissen macht, dass er Pöbel ist.
Alle müssen Pöbel sein, damit er sich wohl fühlt.
Aber solange es Fleissige und Faule, Gescheite und Deppen gibt ...
Mit einem Wort: Pöbel wird Pöbel bleiben, auch wenn es ihm gelungen ist, dem Adel ans Bein zu pinkeln.
Was schert es die Eiche ...

Antworten Von Gast: tc_c am 04.11.2007 um 17:18

Re: Der Pöbel ...

nach dem lesen deiner kommenare wird schnell klar, dass du der prototypische rechte pöbel bist.

mehr hass, missgunst und menschenfeindlichkeit als du, kann man gar nicht ausschwitzen. da erscheint sogar "graf gudenus" gebildeter.

aber vielleicht täuschen ja all deine wortspenden in diesen foren ...

Antworten Antworten Von pennpatrik am 05.11.2007 um 13:25

Re: Re: Der Pöbel ...

Äh? Renn ich herum, und will anderen etwas wegnehmen? Will ich die Zwangstagsgesamtschule? Sperre ich andere Menschen ein, weil sie eine andere Meinung vertreten als ich? Renn ich auf die Straße und brülle eigenartige, primitive Parolen? Trage ich T-Shirts von Massenmördern und bin noch dazu stolz drauf? Verbiete ich anderen Menschen, ihren Namen zu tragen? Ziehe ich fremdes Vermögen ein (ein hübsches Wort für einen Raubzug)?
So einfach können Sie es sich nicht machen.

 
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