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Wenn die Krankengeschichte online geht

17.02.2011 | 18:29 |  Von Thomas Prior (Die Presse)

Der Gesetzesentwurf für die Elektronische Gesundheitsakte geht in Begutachtung. Künftig werden alle Patientendaten via Internet abrufbar sein. Was die Akte bringt – und was sie für den Datenschutz bedeutet.

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Wien. Nach Jahren des Planens nimmt die Elektronische Gesundheitsakte, kurz Elga, langsam Gestalt an. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) wird den Gesetzesentwurf in den nächsten Tagen in Begutachtung schicken. Der Beschluss im Nationalrat soll noch vor dem Sommer erfolgen. In der Elektronischen Gesundheitsakte werden in Zukunft alle relevanten Patientendaten gespeichert. Dabei werde dem Datenschutz höchste Priorität eingeräumt, erklärte Stöger am Donnerstag bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten. Was bringt und kann Elga? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

1Was genau ist die Elektronische

Gesundheitsakte?

Elga ist ein Informationssystem, das Patienten, Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken unabhängig von Zeit und Ort den Zugang zu Gesundheitsdaten ermöglicht. Das Projekt wurde 2006 gestartet und befindet sich nun in der Umsetzungsphase. Beteiligt sind Bund, Länder und Sozialversicherungen.

2Welchen Nutzen hat Elga – für Patienten und Anbieter von Gesundheitsdiensten?

Ärzte sind stets auf einem aktuellen Informationsstand über den Patienten, weil sie Einblick in die Befunde und die Medikamentengeschichte haben. Die E-Medikation, ein Teilprojekt von Elga, soll verhindern, dass es bei der Behandlung mit Medikamenten zu Wechselwirkungen oder Mehrfachverschreibungen kommt.

Über das Portal www.gesundheit.gv.at wird jeder Patient auf seine Gesundheitsakte zugreifen können. Dort ist auch protokolliert, wer seine Daten wann eingesehen hat. Für weniger internetaffine Personen wird eine Ombudsstelle eingerichtet. Durch Elga soll die Kooperation zwischen Ärzten, Spitälern und Apotheken verbessert werden, weil alle auf demselben Informationsstand sind.

3Welche Daten werden in der Elektronischen Gesundheitsakte erfasst?

Dokumente und Befunde, sofern sie für die Behandlung erforderlich sind; Krankenhaus-Entlassungsbriefe, Labor- und Radiologiebefunde, Informationen zur Medikation, Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Die Daten müssen aktuell und relevant sein. Nach festgelegten Fristen (sechs Monate für Medikamente und Laborbefunde, drei Jahre für Röntgenbilder und Entlassungsscheine) werden sie wieder gelöscht.

4Wer nimmt an Elga teil?

 

Alle Personen, die sich in Österreich behandeln lassen – und teilnehmen wollen. Denn der Patient kann sich sperren lassen oder nur bestimmte Informationen freigeben. Besonders sensible Daten (HIV, Schwangerschaftsabbruch, psychische Erkrankungen) werden nur nach Zustimmung ins System gestellt. Für Ärzte ist die Teilnahme verpflichtend, wenn sie über eine IT-Ausstattung verfügen (wovon in fast allen Fällen auszugehen ist).

 

5Wer hat Zugriff auf die Gesundheitsakte des Patienten?

Alle Anbieter von Gesundheitsdiensten – und zwar ausschließlich zur Behandlung von Patienten. Die Berechtigungen werden generell für bestimmte Berufsgruppen durch Verordnungen des Ministers und individuell durch den Patienten festgelegt. Vom Zugriff ausgenommen sind Betriebs-, Amts- und Chefärzte der Sozialversicherung (Kontrollärzte).

6Wie werden die Daten technisch

geschützt?

Es gibt strenge Vorgaben für das Verschlüsseln der Daten und ein verpflichtendes IT-Sicherheitskonzept. Die Informationen werden dezentral (vom Arzt) gespeichert, wobei die Patienten mit E-Card und Ausweis identifiziert werden müssen. Ausnahmen werden nur in medizinischen Notfällen gemacht.

7Welchen Rechtsschutz gibt es für die

Patienten?

Es gibt ein Verwendungsverbot für nicht behandelnde Ärzte, Arbeitgeber, Behörden und Versicherungen. Missbrauch wird straf- und verwaltungsrechtlich verfolgt. Verboten ist beispielsweise, dass beim Bewerbungsgespräch ein Elga-Ausdruck verlangt wird.

8Wann wird Elga bundesweit im Einsatz sein? Gibt es Pilotprojekte?

Die Pilotprojekte für die E-Medikation starten – nach mehrfachen Verschiebungen – mit 1.April in drei Regionen (in den Wiener Bezirken 21 und 22, im oberösterreichischen Bezirk Wels und im Tiroler Bezirk Reutte). Nach ungefähr einem halben Jahr sollen die nötigen Erfahrungsberichte vorliegen, damit stufenweise ausgeweitet werden kann.

Der Gesundheitsminister geht davon aus, dass 2013 nicht nur die E-Medikation österreichweit ausgerollt sein wird, sondern auch schon die ersten Befunde im System gespeichert werden können. Spätestens im Jahr 2015 soll die Elektronische Gesundheitsakte dann komplett implementiert sein.

9Was kostet Elga?

 

Die Kosten für die Errichtung der Elga-Kernbestandteile wurden mit rund 30 Millionen Euro veranschlagt. Über die weiteren Finanzmittel muss im Rahmen des nächsten Finanzausgleiches (ab 2014) verhandelt werden. Stöger glaubt allerdings, dass sich das Projekt selbst finanzieren wird. Denn die Errichtungskosten würden durch Effizienzsteigerungen im System wieder hereingebracht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2011)

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22 Kommentare
Cicero
18.02.2011 17:27
1 0

Denken erlaubt!

Da hat der Herr Redakteur wieder etwas gesagt bekommen, was er in Summe nicht durchschaut.

Es wird doch glatt behauptet, der Chefarzt der Sozialversicherung soll keinen Zugriff auf die geplante Datenbank haben. Du meine Güte, der Chefarzt hat fast alle Daten aus dem eigenen Haus zur Verfügung.

Jährlich gibt es eine Abrechnung der Sozialversicherung, welche Tabletten ich geschluckt habe. Wenn darunter eine Tablette ist, die nur für eine bestimmte psychische Krankheit angewendet wird, weiß der Chefarzt alles. Wenn ich bewilligungspflichtige Tablette brauche, muß der Arzt begründen, warum ich sie brauche, muß also mindestens eine Kurzdiagnose mitliefern.

Voriges Jahr oder so wurde diskutiert, die Gesundheitsdaten des Patienten auf seiner e-Card abzuspeichern. Die Datenschützer heulten auf, da könne es Mißbrauch geben. Es wurde nicht weiter verfolgt.

Wenn meine Daten nur auf meiner e-Card abgespeichert werden und für den erstellenden Arzt die Verschwiegenheitspflicht herrscht und beachtet wird, dann kann nur der in meine Daten Einsicht nehmen, dem ich meine e-Card aushändige. In die Datenbank kann jeder legal oder illegal Einsicht nehmen, ohne daß ich es weiß.

Der Notarzt braucht mir bei einem Unfall nur meine e-Card aus der Tasche zu ziehen und weiß alles, was er wissen muß. Dazu braucht er in seinem Einsatzwagen nur ein Lesegerät für die e-Card. Für die Datenbank braucht er eine drahtlose Internet-Verbindung, die er z.B. in einem Funkloch gar nicht haben kann.

Denken erlaubt!

Anything that can happen - will happen

http://www.familienmedizin.net/files/publs/Patientendaten.ppt

Das ist der Super-GAU

Gast: Gast
18.02.2011 10:19
2 1

Ich werde ganz bestimmt

... diesem Wahnsinn NICHT zustimmen. Sollte irgendjemand Gesundheitsdaten ueber mich sammeln, werde ich gerichtlich dagegen vorgehen. Was glauben die Verantwortlichen eigentlich? Alle Untersuchungen, Befundungen, etc., werden mit MEINEM Geld bezahlt, daher habe auch nur ich die Verfuegungsgewalt. Das ist ein unerhoerter Eingriff in die Privatsphaere. faellt in die Kategorie der Datenspeicherung in der Kommunikation - auch das ist eine grenzenlose Schweinerei. Langsam wird's Zeit, dass wir alle diesem Irrsinn Einhalt gebieten.

Antworten mediview
18.02.2011 11:07
0 3

Re: Ich werde ganz bestimmt

Warum so negativ? Wenn dadurch ein Menschenleben mehr gerettet, eine OP schneller durchgezogen, oder eine Medikametenverwechslung vermieden werden kann, soll es uns doch recht sein, oder? Nehme an, Sie zahlen nur bar, holen Ihr Geld nicht vom Bankomaten, telefonieren nicht mit dem Handy, surfen nicht im Internet und fahren in keine Tiefgaragen. http://mediview.wordpress.com/

Antworten Antworten Manuel
20.02.2011 09:22
0 0

Re: Re: Ich werde ganz bestimmt

Ich kann Ihnen da nur zustimmen. Beinahe jeder zweite Österreicher ist auf Facebook angemeldet und gibt dort intimste Daten preis, aber wenns um eine Effizienzsteigerung im Gesundheitssystem geht, dann wäre plötzlich der Datenschutz so wichtig. Das passt doch nicht zusammen.

Meiner Meinung nach ist die ELGA einer der wichtigsten gesundheitsökonomischen Maßnahmen zur Reduktion von Informationsasymetrie zwischen Ärzten und Patienten. Patienten erhalten so die Möglichkeit, dass jeder Arzt ihre Krankenakte einsehen kann und somit auf dem neuesten Stand ist. Bisher gab es da eher eine Art Abhängigkeitsverhältnis. Ich hoffe, dass das Projekt jetzt ordentlich umgesetzt wird und nicht zu löchrig wird.

Antworten Antworten Gast: gsund
19.02.2011 09:08
0 0

Re: Re: Ich werde ganz bestimmt

@gast: sie dürfen verweigern...lesen und nicht gleich lospoltern...dann machens halt 2-3 röntgen und 1 mrt mehr...

Gast: Besorgter
18.02.2011 07:53
3 0

Für geile Medien

Können wir dann in Zukunft neben allen möglichen Indiskretionen aus Justiz, Innenministerium usw. auch noch die Gesundheitsdaten in geilen Boulevardmedien lesen?

Übrigens: Die Titelgeschichte des aktuellen Spiegel ist in diesem Zusammenhang sehr interessant. Wird doch gemäß diesem Artikel die zunehmende Verfügbarkeit von Diagnosen in elektronischen Gesundheitsakten als ein Hauptgrund für zunehmende (massive) Fehldiagnosen und -behandlungen gesehen, da Ärzte anscheinend zu sehr auf die (Fehl-)Diagnosen ihrer Vorgänger vertrauen.

Gast: halt!
18.02.2011 07:01
4 0

Dass alle Apotheken auf persönliche Krankenakte zugreifen können, ist eine Schweinerei!

Bösartige Geschäftemacherei.

Westend
18.02.2011 01:49
0 0

Grenze

Der ausländische Arzt hinter der Grenze kann sicher nichts eingeben in das Spitzelsystem.

Gast: VersusGerechtigkeit
18.02.2011 00:32
1 0

was haben Sie für ein Problem....diese Sätze zu veröffentlichen....Aufruf zu öffentlicher Unruhe.(Terrorparagraph)....na gut....sage ich halt nichts mehr :-)


3 0

Der allwissende Staat:

ELGA einschl. E-Medikation, ELBA, ELENA (in D angedacht), die Rufdatenspeicherung, die Früherkennung von potenziellen Straftätern (wird ebenfalls bereits geforscht), smooth metering (zentrale Erfassung des persönl.Stromverbrauchs) - alles zentral gespeichert und vernetzbar - und keiner revoltiert.
"Wir haben ja nix zu verbergen"

Antworten Gast: VersusGerechtigkeit
18.02.2011 00:22
0 0

Re: Der allwissende Staat:

...bin schon enttäuscht von Ihnen.....warum fressen Sie die nicht alle :-)

Gast: besorgter Bürger
17.02.2011 23:53
3 0

Datenschutz??

Zum einen frage ich mich, wie Sie den Datenschutz hinbekommen wollen? Wo es gesicherte Daten gibt, gibt es auch ungewollten Zugriff. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!

(Einzig Google sei hier ausgenommen, wobei... eh schon wissen...)

Zum anderen bin ich nicht heiß drauf, dass der Apotheker zugriff auf all meine Befunde hat, der soll mir einzig ein Medikament ausstellen, für das ich ein Rezept habe. Mein tatsächlicher Gesundheitszustand geht diesen Personen absolut nichts an.

Hier wird nur wieder der Personenkreis etwas erweitert, der sich Auskunft über die Gesundheitsdaten verschaffen kann.

Mfg

Antworten Gast: VersusGerechtigkeit
18.02.2011 02:14
1 0

Re: Datenschutz??

...sie brauchen eine Wohnung....na mal schauen ob Sie zu "UNS" gehören....:-)

was haben sie zu verbergen mit Ihrem Gesundheitszustand.....? ....Sie können sich im Sinne der ärztlichen Schweigepflicht heute "legal" kein Medikament mehr besorgen ohne das es Ihr Apotheker um die Ecke in eine Datenbank eintragen muß....schimpfen Sie Ihn nicht....er muss nur kuschen....fernab von ..."Hippokrates"


0 0

Wenn eine Regierung Menschenleben rettet

Während Gadhafi auf Befehl Menschen verletzten lässt, sorgt unsere Bundesregierung dafür, dass Menschen geholfen und gerettet werden. Unsere Regerierung schenkt uns damit ein längeres, verbessertes und zufriedenes Leben.

Sagen wir Danke, eine Hochelite als unsere Leader haben zu dürfen. Sie sind für mich und dich da, weil Sie selbst Bürgerliebe leben.

Aber auch in den Umfragen zeigt sich, dass die Hochelite - bestehnd aus den Kreis rund um Werner Faymann, die Nummer 1 bildet, weil Sie die Herzen der Bürger eroberten.

"Ich bin froh verantwortungsvolle Politiker haben zu dürfen. Gerade die wertvolle Vorratsdatenspeicherung zeigt, dass ich rund um die Uhr zu meiner eigenen Sicherheit gut geschützt bin. Damit fühle ich mich Wohler und brauche auch Nachts keine Angst mehr haben", so eine Bürgerin, die die Regierung als Service für sich begriffen hat. Bürgerservie als erster Stelle, dass ist das Motto für 2011.

Frieden statt in den Krieg ziehen zu müssen, eine Schule für alle, Websicherheit und jetzt Gesundheit für alle und immer. Da ist es nur logisch dass viele Länder revoltieren, da auch Sie den Genuß in die Hochelite kommen wollen.

Werner Faymann, einer der ganze Bibliothken an Geschichtsbüchern fühlen wird. Und wir dürfen ein Teil davon sein.

Für mich als Mensch, nur das Beste.

Antworten JoL
18.02.2011 00:09
0 0

Re: Wenn eine Regierung Menschenleben rettet

Menschen -> Menschen/innen??
Politiker -> Politiker/innen??

Kein korrekt gegenderter Text?? Ich bin entäuscht?

Antworten Antworten Gast: VersusGerechtigkeit
18.02.2011 00:53
0 0

Re: Re: Wenn eine Regierung Menschenleben rettet

...ich glaube an Sie....."Sie" nicht die Regierung ... :-) ......denken Sie trotzdem positiv.....die Geschichte hat automatisch Recht.......das ist der einzige Grund....warum Geisteswissenschaften eine Berechtigung haben.....sonst wäre es zum Verzweifeln.....

Antworten Gast: VersusGerechtigkeit
17.02.2011 22:37
2 0

Re: Wenn eine Regierung Menschenleben rettet

Sie haben Recht....bin ja so froh, das mich täglich der Blick meiner Nachbarin erinnert sobald ich aus dem Haus gehe (sie ist Sekretärin bei meinem Psychiater) das ich die Tabletten gegen Paranoia nehme.

danke,danke,danke für so viel Sorge und Umsicht ....für mein kleines, dummes Leben :-)

Gast: VersusGerechtigkeit
17.02.2011 21:55
2 0

nur eine Frage ohne WISCHI-WASCHI

Stöger sagt nicht wo und bei wem ich meine Familie sperren lassen kann, d.h wir wollen dieses System nicht nützen.

Ob ein Anruf bei www.arge-elga.at etwas nützt.

Gast: Transparenz ist das Gebot der Stunde
17.02.2011 21:33
3 0

Dabei werde dem Datenschutz höchste Priorität eingeräumt.....

Smile, also ich lese täglich die Interna des Innenministeriums, Außenministeriums, Bundeskanzleramtes und was mich noch so als aufrechter Bürger online interessiert..............
.-)

Antworten Gast: VersusGerechtigkeit
17.02.2011 22:19
2 0

Re: Dabei werde dem Datenschutz höchste Priorität eingeräumt.....

Sie meinen die Regierung handelt nach dem Motto - nach dem viele Menschen nichts gegen Facebook haben ....kann es ja nicht schlimm sein , das jede Arzthilfe sämtliche Gesundheitsdaten von mir sieht :-)
...das bei einer Privatisierung des Gesundheitssystem diese Daten plötzlich unheimlich viel Wert bekommen...:-(

ein aufrechter Kranker hat ja nichts zu verbergen und es geht immer um das Allgemeinwohl :-)

SIE ERZÄHLEN NICHTS NEUES....

war schon beim Verkauf der Buwog - Wohnungen so....jeder Mieter kann seine Wohnung kaufen......das Brieflein vom Grasser hab ich heute noch Zuhause......aber ach Pech.....so weit kam es nicht.......genauso wird es mit der Möglichkeit sein, "Sich nicht in das System aufnehmen zu lassen".....*g*

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ELGA nützt Siemens, sonst niemandem.


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