26.05.2012 11:38 | Meine Presse Merkliste 0

Pirkers Lobbyfirma an Karas' Adresse

23.03.2011 | 18:47 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die Volkspartei im Europaparlament: Seit dem Jahr 2009 verwendete der neue EU-Mandatar Hubert Pirker die Wohnadresse seines Parteikollegen Othmar Karas für den Schriftverkehr seiner Lobbyfirma „EU-Triconsult“.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Brüssel. Wer in den letzten eineinhalb Jahren einen Brief an das Brüsseler Büro der Lobbyistenfirma „EU-Triconsult“ schickte, landete im privaten Postkasten von Othmar Karas, dem designierten neuen Chef der ÖVP-Abgeordneten im Europaparlament.

Karas hat seinem Parteifreund Hubert Pirker, der nach dem Rücktritt von Ernst Strasser wieder ins Europaparlament einzieht, im Herbst 2009 seine eigene Wohnadresse in Brüssel zur Verfügung gestellt, als dieser nach dem Ausscheiden aus dem Parlament als Lobbyist und Unternehmensberater zu arbeiten begonnen hat. Das fand „Die Presse“ am Mittwoch heraus.

„Das war eine ganz simple Geschichte“, sagte Pirker am Mittwoch auf Anfrage. „Ich habe begonnen, mich beruflich neu zu orientieren, und musste eine Adresse angeben, um eine Telefonnummer zu erhalten. Ich habe Othmar Karas als Freund gebeten, mir seine Adresse zur Verfügung zu stellen.“ Das sei im Oktober oder November 2009 gewesen.

 

„Ich war sehr froh darüber“

Wieso hat er nicht einfach selbst ein Büro gemietet wie jeder andere neue Unternehmer? „Wenn Sie ganz am Anfang stehen, sind Sie froh über jede Hilfe. Ich war sehr froh darüber“, sagte Pirker. Die schiefe Optik störte ihn nicht. Denn auf seiner Firmen-Homepage warb er damit, dass er als Lobbyist „die Kontakte und Beziehungen zu den Akteuren in Brüssel“ so gestalte, „dass die Interessen Ihres Unternehmens erfolgreich vertreten werden“. „Das ist alles immer korrektest gelaufen. Meine Tätigkeit war von Anfang an immer ausschließlich Richtung Südkorea gerichtet. Ich war gar nicht in Brüssel tätig.“

Die Dienste als Lobbyist, der (wiederum ein Zitat von Pirkers mittlerweile gelöschter Homepage) „direkte Zugänge und persönliche Kontakte zu den Entscheidungsträgern und Gesetzgebern auf europäischer Ebene ermöglicht“, seien nie gefragt gewesen. „Nein. Diesbezüglich ist niemand an mich herangetreten. Das habe ich auch nie gemacht.“

 

„Büro in Brüssel, kurze Wege“

Karas rief am Mittwoch in der „Presse“-Redaktion an und erklärte, er „selbst habe keine Geschäftsbeziehung zu Hubert Pirker gehabt“, Pirker habe ihn „nie gebeten, etwas für ihn politisch zu tun“, und sei zudem „seit damals nie in der Wohnung gewesen“. Pirker habe gemeint, er werde sich ein eigenes Büro nehmen, sobald die Geschäfte besser gehen, sagte Karas. Dass sein Parteifreund die Wohnadresse aber als Geschäftsadresse auf der Homepage von EU-Triconsult verwendet, habe er nicht gewusst. Am Dienstagabend hatte Karas die Bestechungsaffäre um seinen zurückgetretenen Parteikollegen Ernst Strasser so kommentiert: „Für ein solches unmoralisches und unethisches Verhalten darf kein Platz in der Politik sein. Wir brauchen jetzt einen Neuanfang. Es braucht nun einen klaren Schnitt.“

Der Kärntner Pirker war schon zweimal EU-Mandatar. Nach dem ersten Mandat von 1996 bis 2004 schaffte er bei der Europawahl 2004 den erneuten Einzug nicht mehr. Er rückte 2006 nach, als Ursula Stenzel von Brüssel in die Wiener Stadtpolitik wechselte. 2009 verpasste Pirker erneut den Einzug ins Parlament. Nun rückt er für Strasser nach.

Seine Firma EU-Triconsult sei ein „Ein-Personen-Unternehmen in Pörtschach“, auch wenn laut Firmenhomepage „Büros in Wien und Brüssel für kurze Wege und direkte Kommunikation“ sorgen.

Er habe sie am Montag stillgelegt, sagte Pirker. „Ich möchte von Anfang an keine schiefe Optik aufkommen lassen. Ich übe ausschließlich die Funktion eines Abgeordneten aus.“ siehe auch S. 14

Auf einen Blick

Seine Lobbyfirma „EU-Triconsult“ brauchte 2009 eine Brüsseler Adresse. Also bat der Ex-ÖVP-Abgeordnete Hubert Pirker seinen Parteifreund Othmar Karas, dessen private Wohnadresse verwenden zu dürfen. Karas willigte ein. Pirker zieht nun statt Ernst Strasser ins Europaparlament ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

815 Kommentare
 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Gast: Frustierter Österreicher
30.03.2011 12:58
0 0

Politiker sind sich selbst das Maß aller Dinge

Wir brauchen nicht mehr über Korruption im Ausland diskutieren. Wir sind diesbezüglich selbst eine Großmacht. Unsere Politiker sind ausschließlich selbstgefällig!! Spesenhamsterer und eröffnungsgeil, um Ihre Präsenz in der Wirtschaft als Werbemittel via Median zu verwenden und damit erneut Spesenanspruch zu haben. Kleiderl ,tascherl, Schucherl um well dressed aufzutreten. Angemietete Fotografen rücken dann die Honoren ins Licht.
Ich sehe unsere Politiker nur mehr als Geschäfterlschieber und Bürgerverarscher, mit Angst vor den Pensionisten als größtes Wählerpotential das die Jugend umbringt und Perspektiven schafft die Endzeitstimmung verbreitet. Aufruf: Jugend geht auf die Straße!!!

Gast: h
26.03.2011 15:38
1 0

Um

die ganze ÖVP gehört dringends ein Cordon sanitaire gezogen. Einfach aus hygienischen Gründen.

Gast: Zuckerbrot
26.03.2011 10:43
0 0

Jeder Lobbyist solle sich künftig in ein Register eintragen müssen, „sodass jeder Politiker weiß, dass er es nicht mit irgendwelchen windigen Personen zu tun hat“

Wie zu erwarten war, hat die ÖVP jetzt nichts anderes im Kopf, als die Sicherheitslücke in ihrem korrupten System zu schließen. Zu was anderem kann so eine Liste denn dienen, als Strassers, Pirkers und den Rest des Vereins künftig vor einer möglichen Falle zu warnen? Und wie kommt man auf die Liste? Mit Lobbying! Die ÖVP ist arg genug, aber sie hat immer noch Ideen.

Gast: 1. Parteiloser
26.03.2011 10:05
0 0

Warum sitzt der noch immer nicht?

Ist am Ende auch die Justiz schon vollständig korrumpiert?

Bei der Beweislage ist ein solchen Versagen ja kaum möglich, es muss also Korruption sein!

Antworten Gast: blauschwarz
29.03.2011 12:52
0 0

Re: Warum sitzt der noch immer nicht?

bei unserer blau-schwarzen justiz ist doch nicht zu erwarten, dass ein schwarzer einsitzt, oder?

kaisiw
26.03.2011 09:48
0 0

schlechte optik

das würde in demokratien und rechtsstaaten ausreichen - die gesamte partie müsste zurücktreten.

1 0

ÖVP

Österreichische
Verbrecher
Partei

Antworten Gast: itavalda
30.03.2011 09:17
0 0

Re: ÖVP

Ö ffentlich
V ersorgte
P arasiten

Gast: Bla
25.03.2011 20:17
7 0

Das System Pröll mit Vetternwirtschaft, Mediengleichschaltung und Selbstbereicherung greift leider seit Jahren in die Bundespolitik über

Siehe Hypo NÖ Vertuschung
Siehe Entsendungen zu Skylink des Flughafen Wien
usw. usf.

Der Typ ist moralisch einfach grauslich und zwar in einer anderen Kategorie als die anderen Landeskaiser unseres Landes.

Antworten Gast: h
26.03.2011 15:36
1 0

Re: Das System Pröll mit Vetternwirtschaft, Mediengleichschaltung und Selbstbereicherung greift leider seit Jahren in die Bundespolitik über

Dr gehört auch weg. Am besten den Flug über Skylink buchen.

Gast: RGM
25.03.2011 19:17
2 0

Strafrahmen 10 Jahre - dass ich nicht lache

deutlich realistischer:

Verfahrenseinstellung, Ermittlungen bis zur Verjährung, bestenfalls eine bedingte Geldstrafe.

Gast: pächter der wahrheit
25.03.2011 18:51
1 0

Mal was Anderes aber doch passend

Unser Gio ist Thema im Spiegel.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,749961,00.html

Österreich ist wieder wer. Zumindest in den Skandalschlagzeilen

Gast: Spezi aus Mödling
25.03.2011 18:28
6 0

Erwin Pröll: treten Sie zurück! sofort!

Wann treten die Strasser Macher zurück?

Aus dem Stall von Erwin Pröll sind schon einige korrupte Charaktere in die Politik gebracht worden: Größen wie Kdolsky, Prokop und Strasser.

Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern: Finanzlandesrat Sobotka!
Musiklehrer im Hauptberuf. Groß gemacht von Pröll.
Hauptaufgabe: Förderung der Bauindustrie durch viele unnötige Spitalsbauten.

Geschätzter Schaden für die Niederösterreicher: 750 Millionen Euro!

Gast: Walter g
25.03.2011 17:38
0 4

Was hat Strasser verbrochen ,

weil man mit allen Mitteln versucht ,ihn los zu werden. ganz Koscher ist die Partie nicht ?
Denn 8.000 Lobbyisten tummeln sich in Brüssel.
Ich finde um Brüssel müsste eine Sperrzone errichtet werden , damit die Lobbyisten den Parlamentariern nicht ständig auf die Füsse treten können.

keyplayer
25.03.2011 17:05
3 0

maximal 10 Jahre?

pro Verurteilung oder?

kann man nicht ihn für jeden seiner 5 Klienten die er im Video erwähnt hat extra verurteilen?

dann käme er auf faire 50 Jahre Gefängnis...

natürlich muß alles Kapital und jedes damit erworbene Eigentum aus diesen Bestechungen eingezogen werden...

Prolet
25.03.2011 14:55
4 0

Ein Wirtschaftslobbyist fordert eine Gesetzesbestimmung, die Verpackte Verkaufsmengen freigibt!

Alles kann in täuschenden Verpackungen ohne Kilopreisangabe feilgeboten werden.

Der Redliche Anbieter hat keine Chance - der Listige verpackt seinen Käse gleich wie der redliche, aber der Inhalt ist um 25 weniger und der Preis nur um 5% geringer.

Ein Volksvertreter würde dem Gesetz starke Sanktionen beifügen, die bei übergehen der Kilopreisauszeichnung erfolgen.

Nichts da - BürgerIn soll betrogen werden weil es nach weniger Preissteigerung ausschaut.

Direkte Demokratie könnte solche "Betrugsgesetze" ändern und zustimmende Abgeordnete bestrafen.

Bürgerin muß auch redlich Steuern zahlen.


Gast: 1. Parteiloser
25.03.2011 14:44
4 1

Was soll bei der Beweislage noch ermittelt werden?

Da gibt es Zeugen und auch Videobeweise und die Kasperl wollen noch ermitteln!

Die sind doch weich in der Brine!

Eine solche Justiz ist doch nur noch zum Kotzen.

In diesem Fall gibt es überhaupt keine Alternative zum Einsperren.

Das Gleiche gilt auch für die Herren Scheuch und Pöchhacker (Tonbandprotokolle)

Diese Justiz muss auch schon vollständig korrumpiert sein, weil so unfähig können die gar nicht sein.


Luzius
25.03.2011 14:33
2 1

Die österreichische Korruptionsstaatsanwaltschaft

ist derart Zahnlos, unterbesetzt und ausgelastet dass Strasser erneut "vergessen" wird.
Glaubt denn wirklich jemand, dass diese Partei einen sehr vieles Wissenden wie den auflaufen lassen wird ?! Einfach unmöglich, ausser diese PArtei löst sich danach völlig auf !


Gast: krawuzzi
25.03.2011 14:16
4 3

Schüssel

Was ist eigentlich aus den ganzen Fanatikern aus der Schüssel-Zeit geworden? Sind die konvertiert, geläutert, verschwunden...??? Oder gar durch den neoliberalen Turbokapitalismus wegrationalisiert?
Als das schwarz-blaue Gruselkabinett angelobt wurde, haben alle noch laut Beifall geklatscht!!

Gast: gast45
25.03.2011 14:15
5 0

Schüssel schon in Deutschland ?

schlieszlich musz er jetzt was arbeiten für sein Aufsichtsratsmandat bei der RWE .. und da musz man halt die strategie besprechen, wie man verhindert, dass vielleicht die Österreicher von dem Atomstrom der RWE, der ja so reichlich gekauft wird, genug haben ..

Gast: pensador
25.03.2011 14:09
2 0

Wozu Justiz? Im Profil stehts ja eh.

Hat keinen Sinn, da auf die Justiz zu warten.
Bin mir sicher, im "News" wird ja bald ohnedies alles stehen und dann wissen wir, ob er schuldig oder unschuldig ist
Beim Grasser ists ja auch so.

Gast: Guest4
25.03.2011 14:02
0 0

wie heißt es so schön? IN YOUR FACE!!!


crisspy
25.03.2011 13:56
4 1

geht er nicht unbedingt mind. 1 jahr in den häfen

ist die glaubwürdigkeit der politik und der justiz in diesem land für immer verloren.

Antworten Gast: krawuzzi
25.03.2011 14:12
3 1

Re: geht er nicht unbedingt mind. 1 jahr in den häfen

Die ÖVP kann nur mehr beten und hoffen, das Netzwerk Schüssel (Grasser-Hochegger-EADS Luising usw.) geht nicht hoch. Wenn einer redet, fallen alle...
Und die ÖVP verschwindet ins Nirwana.

Gast: gast gast
25.03.2011 13:49
1 0

die sind doch nur angefressen

weil der strasser ihnen das geschäft versaut hat

Gast: poolfool
25.03.2011 13:41
1 1

de b.o. wird niemals gegen die övp ermitteln lassen?

hat sie das nicht heilig geschworen?
naja.

 
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Mein Parlament